Hogwarts 1 Hogwarts 2
Hogwarts 3 Hogwarts 4
Die Autorin    Harry Potter Fanfiction    Eigene Geschichten    Home
Hogwarts 5 Hogwarts 6





Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Disclaimer: Harry Potter ist Eigentum J.K. Rowlings und verschiedener Publizisten einschlie�lich aber nicht ausschlie�lich Scholastic Books, Bloomsbury Publishing, Warner Bros. und Carlsen Verlag. Diese Geschichte will nicht in deren Rechte eingreifen, ist nur zur Unterhaltung geschrieben worden und jeder Versuch, aus ihr Profit zu schlagen steht im ausdr�cklichen Widerspruch zur Absicht der Autorin.

Kurzinfo:

Titel: Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Autor: starlight, aka Hoshiakari, aka Neli

Rating: PG-15

Kontakt: [email protected] (Neli), [email protected]  (Brandy)

Kurzzusammenfassung: Nach einem eher aufregenden Sommer kehrt Harry Potter nach Hogwarts zurück. Sirius' Tod belastet ihn schwer, trotzdem gibt er sein Bestes, um zu der Waffe zu werden, die Voldemort vernichten kann. Wenn da nur nicht die Zweite Prophezeiung Professor Trelawneys und der mysteriöse Talisman des Ourouboros wäre! Und was meint ein Mädchen, wenn es um Hilfe mit den Wahrsage-Hausaufgaben bittet? Harrys Jahr wird vieles werden, nur eines nicht: langweilig!

Ships: HP/GW, RW/HrG, NL/LL

"..." = sprechen

>...< = denken

*~* = Orts-/ Zeitwechsel (was, dürfte klar sein)


Harry Potter und die Zweite Prophezeiung

Kapitel 7

Die erste Unterrichtswoche

 

Tinsy war ein äußerst wirksamer Weckruf, wie Harry am frühen Morgen des nächsten Tages, des ersten Montages im Schuljahr, wenig erfreut feststellen musste.

Da er weder auf ihre Rufe noch auf ihr Zerren an seinem Schlafanzugärmel reagiert hatte, hatte sie kurzerhand einen Eimer mit eiskaltem Wasser herbeigezaubert und über seinem Kopf ausgeschüttet. Spuckend, prustend und frierend war er aus friedlichem Schlummer aufgetaucht, nur, um in verschmitzt glitzernde, tennisballgroße, falhblaue Hauselfenaugen zu sehen.

"Harry wach? Gut, dann geht Tinsy jetzt Harrys Wheezy aufwecken." Harry schälte sich aus seinen durchweichten Decken.

"Ungh... Tinsy, mein Bett ist ganz nass! Und... das ist Ron. Nicht Wheezy, Ron. Und warum weckst du mich überhaupt so früh?" Er zitterte vor Kälte- ein Morgen im frühen September war bei Weitem nicht warm genug für solche Streiche.

"Entschuldigung!" Tinsy stürzte herbei, sobald sie sein Zittern bemerkt hatte, "Tinsy wird Harry und Harrys Bett sofort trocknen!" Sie schnippte mit den Fingern. Obwohl er noch kalt und klamm war, hatte sein Schlafanzug wenigstens wieder seinen trockenen Zustand erreicht, und auch sein Bett sah sehr viel besser aus.

"Weck Ron vorsichtig- er hasst den frühen Morgen", riet Harry und schlurfte zum Bad, um sich wenigstens halbwegs für diesen langen (denn er war sich dank seiner Fächerwahl sicher, dass es ein langer Tag werden würde) Tag fit zu machen.

Ron, der das Vertrauensschülerbad zur Verfügung stehen hatte, in dem, wie Harry wusste, eine Badewanne von der Größe eines Schwimmbades jeden nur erdenklichen Komfort bot, sah trotzdem nicht viel besser aus als Harry, als er gemeinsam mit diesem zum Frühstück in die Große Halle hinunterschlurfte. Tinsy hatte Harrys Kleidung auf dem Bett bereitgelegt, so hatte er wenigstens passende Socken. Ron hingegen trug einen roten und einen blauen Socken, und seine Krawatte hing lose unter der Uniformrobe um seinen Hals.

"Macht doch nichts- 'Mine wird's dann schon machen," wehrte er ab, als Harry anbot, ihm zu helfen.

"Auch wieder richtig", grinste Harry, der langsam aufwachte. Bei den Dursleys war er stets früh aufgestanden, da seine Tante darauf bestanden hatte, dass er bei der Hausarbeit half und das Frühstück für die Familie zubereitete. Und weil er ohnehin fast nie eine Nacht durchschlafen konnte, brauchte er weniger Schlaf als Ron und war eigentlich frisch und ausgeruht.

"Hermine hat bestimmt schon wieder ein neues Buch beim Frühstück dabei, wetten?" Ron zog an seiner Robe. Sie war ein wenig zu kurz für ihn, obwohl sie früher seinem Bruder Bill gehört hatte, als dieser in seinem siebten Schuljahr gewesen war.

"Das ist keine Wette, Ron, das ist die Feststellung einer Tatsache." schoss Harry zurück. Ron grinste.

"Einen Versuch war's wert. Wie schaffen du und 'Mine es eigentlich, so früh am Morgen schon so... wach zu sein?" Er steckte missmutig die Hände in die Tasche. "Ich meine, es ist doch... eigentlich gemein."

"Ist nur Übung", sagte Harry und verspürte wieder den Stich der Eifersucht, den jede Erinnerung an seine fehlende Familie hervorrief.

>Wer weiß, wenn meine Eltern überlebt hätten oder ich bei... Sirius hätte sein können, dann wäre ich auch ein Morgenmuffel<, dachte er. Laut aber lachte er durch sein Unbehagen hindurch und klopfte Ron aufmunternd auf die Schulter.

"Wenn du Hermine glauben kannst, dann wirst du dich an noch mehr Frühmorgen-Studien gewöhnen müssen- immerhin geht es jetzt um die UTZe!" Ron stöhnte.

"Aber das ist doch noch zwei Jahre hin!"

"Sag das Hermine", grinste Ron.

"Sag mir was?" fragte Hermine, in frischen Roben, mit roten Wangen und einem dicken Buch aus der Bücherei von Hogwarts unter dem Arm.

"Uh... dass du ein neues Buch hast." stotterte Ron, der wusste, dass er antworten musste oder Hermine würde in ihren Hurricane-Modus geraten.

"Oh ja, es ist von Professor Flitwick! Wusstet ihr, dass er in seiner Jugend der größte Duellmeister von ganz England war? Er hat hier all seine Strategien und Zauber aufgeschrieben... ihr glaubt ja gar nicht, was das für Zauber sind! Von manchen hatte man seit hundert Jahren nicht mehr gehört und..."

"Kannst du mir das Buch mal leihen, wenn du fertig bist?" fragte Harry. Ron starrte ihn an, als hätte Malfoy ihm soeben einen dritten Kopf gezaubert.

"Harry? Bist du... gesund?" Er legte ihm eine Hand auf die Stirn, wie um zu prüfen, ob er Fieber hätte.

"Ron!" Harry schüttelte seinen Freund mit einem schnellen Schritt ab, "lass den Quatsch. Lass uns lieber endlich frühstücken!" Er steuerte zielgerichtet auf einen Platz am Ende des Gryffindor-Haustisches zu.

"Okay... aber bist du sicher, dass es dir gut geht, Harry?" Wenn Ron sogar das Frühstück zurückstellte, musste er wirklich geschockt sein.

"Ich dachte, es ist dir klar warum ich mehr lernen muss." sagte Harry schroff. Rons Verhalten ging ihm auf den Keks. Es war schließlich nicht seine Schuld, dass er den größten bösen Zauberer der Welt hinter sich her hatte.

"Schon... aber dass du dir ein Buch von Hermine ausleihen willst...." Ron schaufelte Porridge in seine Schüssel und goss einen großzügigen Schwaps Sirup darüber.

"Es ist ein Buch über das Duellieren, Ron!" Ron zuckte die Schultern.

"Trotzdem... Hermines Lesevorlieben sind ein bisschen..."

"Sind ein bisschen was?" Hermine, deren Teller voller Obst und Müsli war, hielt mitten im Löffeln inne. Ron wurde rot.

"Na ja... zu hoch für uns. Weißt du doch, 'Mine.", gab er zu.

"Ich finde es gut, dass Harry mehr Aufmerksamkeit auf seine Studien legt." sagte Hermine, die Nase hoch in der Luft, "Das, solltest du im übrigen auch tun!"

"Schon gut, schon gut", brummte Ron beschwichtigend.

"Um was geht es eigentlich bei dieser Informationsveranstaltung, Hermine?", fragte Harry. Er war kein Vertrauensschüler wie seine Freunde und wusste daher kein bisschen darüber, was ihn erwarten würde.

"Soviel ich weiß werden nur ein paar allgemeine Anmerkungen zu den UTZ-Kursen und den Erwartungen an uns gemacht, und danach wird der neue Termin für unseren praktischen Astronomie-ZAG bekannt gegeben und Dumbledore wünscht uns viel Glück für unsere zwei letzten Jahre in Hogwarts- hat Cho Chang zumindest so gesagt."

"Cho ist Schulsprecherin?", fragte Harry. Ron nickte.

"Dachte, du wüsstest das, Harry." sagte er. Harry schüttelte den Kopf.

"Nee, wusste ich nicht. Ist ja schön für sie." Und er meinte es so- Cho hatte etwas Gutes verdient. Erst war ihr Freund, Cedric, gestorben- durch Harrys Schuld- und dann hatte er, Harry, auch noch eine Beziehung zwischen ihnen unmöglich gemacht. Sie hatte ein wenig Freude wirklich verdient. Und er... spürte seltsamerweise kein Bedauern bei dem Gedanken daran, dass sie nun noch weiter außer Reichweite war.

"Alles okay, Kumpel?" Anscheinend war er wohl wieder einmal abgedriftet. Harry schaufelte sich eine Portion Porridge in seine Schüssel und begann, sie zu vernichten.

"Klar" sagte er.

"Na dann..." Ron widmete sich seinem eigenen Frühstück. Hermine sah noch eine Weile zwischen den beiden hin und her, als verdächtige sie sie, eine Verschwörung in drei Worten ausgeheckt zu haben, aber auch bei ihr gewann schließlich der Hunger.


"Was hat Professor McGonagall eigentlich in euren Briefen geschrieben?" fragte sie, als sich alle drei satt und zufrieden die letzten fünf Minuten vor der Veranstaltung um acht Uhr in ihren Stühlen zurücklehnten.

"Nichts besonderes", sagte Ron, "nur, dass ich fünf UTZ-Kurse nehmen muss. Verdammte Schinderei, wenn ihr mich fragt. Warum, was stand bei dir?"

"Ach, nur was über einen Brief vom Ministerium und dass ich mit Professor Flitwick sprechen soll... wegen meiner Noten in Zauberkunst, weißt du? Anscheinend gibt es da ein Tutorium..." Wenn es etwas gab, das Hermine zum Strahlen brachte, dann die Aussicht, Dinge zu lernen, die weit über das Normalmaß hinausgingen.

"Ich weiß", sagte Harry leise, "bei mir ist so was wegen... Verteidigung."

"WIE?" platzte Ron heraus, "und du hast nichts davon gesagt?" Harry wurde rot.

"Na ja... ich dachte, es ist nicht wichtig. Ich meine, wegen Voldemort und allem..."

"Sag nicht diesen Namen!" fuhr Ron dazwischen.

"Sollte ich sowieso mehr über Verteidigung lernen, oder?" beendete Harry seinen Satz trotz Rons Ermahnung.

"Nicht wichtig?" Hermines Augen wurden groß, und in ihrem Gesicht zeichnete sich der Beginn eines berühmten Hurricane-Anfalls ab. "Du bist nur einer von vielleicht zehn Schülern in ganz England, die in diesem Jahr extra-Tutorien angeboten bekommen! Harry, das ist eine große Chance! Nur die Besten ihres Jahrgangs bekommen in dem jeweiligem Fach, in dem sie außergewöhnlich gut sind, ein Tutorium angeboten!" Sie wurde rot.

"Ich meine, in Zauberkunst sind es zwei dieses Jahr, ein anderer an einer kleineren Zauberschule außerhalb Londons und ich... aber in Verteidigung gegen die Dunklen Künste gab es die letzten zwei Jahre keinen einzigen Empfänger des Merlin-Preises!"

"Merlin-Preis? Heißt das so?" fragte Harry, dem die Aufmerksamkeit wieder zu viel wurde. Warum konnten ihn seine Freunde nicht einfach in Frieden lassen? Es gefiel ihm nicht besser als ihnen, dass er so viel Extra-Aufmerksamkeit bekam.

"Harry", Hermine rollte die Augen, "manchmal bist du fast noch schlimmer als Ron!"

"Oy!" protestierte Ron, "was soll denn das heißen?"

"Das heißt ihr drei kommt zu spät wenn ihr nicht sofort mitkommt!" Neville, der, wie der Rest der inzwischen erwachten Gryffindors, amüsiert dem Wortgefecht  des Trios gelauscht hatte, stand hinter ihnen. Hermine gab ein sehr peinliches Quieksen von sich und erhob sich so schnell, dass sie beinahe eine Kanne Kürbissaft verschüttet hätte. Harry und Ron folgten ein wenig langsamer.

"Na dann..." sagte Harry gedehnt. Ron nickte.

"Auf in die Schlacht. General Professor McGonagall wartet auf ihre Truppen."

  

Statt Professor McGonagall alleine erwartete sie jedoch auch noch Professor Dumbledore in dem kleinen Zimmer hinter der großen Halle, das Harry noch vom Trimagischen Turnier her kannte.

"Dumbledore?" fragte Ron und zog die Augenbrauen nach oben. Hermine wurde sichtlich noch aufgeregter.

"Es geht bestimmt um die UTZe!" flüsterte sie laut. Harry war sich sicher, dass sie Recht hatte.
Anstatt ihnen allen in jeder Stunde einen Vortrag darüber zu halten, wie diese Prüfungen ihr Leben bestimmen würden hatten sich die Lehrer diesesmal wohl dafür entschieden, das Ganze vor Beginn des neuen Schuljahres stattfinden zu lassen.


"Guten Morgen", schnitt Professor McGonagalls Stimme scharf durch das Panoptikum aus Geflüster, Robengeraschel und Fußgetrappel, das die Sechstklässler aus Gryffindor waren.

"Guten Morgen, Professor McGonagall, Professor Dumbledore.", erklang die Antwort im Chorus, was bei Professor Dumbledore ein amüsiertes Augenzwinkern hervorrief.

"Guten Morgen, Gryffindors", grüßte er freundlich. "Professor McGonagall?"

"Danke, Albus. Gryffindors, eure UTZe stehen euch nun unmittelbar bevor." Ron rollte die Augen.
"Das ist der Beweis. Hermine ist McGonagall jr., denn nur sie denkt, zwei Jahre sind unmittelbar!" flüsterte er Harry unter dem strafenden Blick ihrer Hauslehrerin zu. Harry zuckte mit den Schultern, musste jedoch grinsen.
Die Übereinstimmung war wirklich... unverkennbar.


"Sie haben Ihre Fächer entsprechend Ihrer beim Berufsorientierungsgespräch festgestellten Neigungen gewählt. UTZ-Kurse werden Ihnen sehr viel mehr abverlangen als eventuelle ZAG-Zusatzkurse, bis auf wenige Ausnahmen habe ich Ihnen daher geraten, sich auf die erwarteten und erforderlichen fünf UTZ-Kurse zu beschränken. ZAG-Kurse in den Wahlfächern, die Sie im dritten Jahr nicht belegt haben, werden Sie in zwei Jahren zum ZAG führen.

Unsere Zusatzkurse- in diesem Jahr in Grundlagen der Heilkunst- stehen Ihnen natürlich ebenfalls offen, sollte Sie sich noch dafür anmelden wollen können Sie sich an mich oder Madam Pomfrey melden.

Sechstklässler dürfen, sofern sie die Erlaubnis ihrer Erziehungsberechtigten einholen, an den Wochenenden das Dorf Hogsmeade besuchen. Sie müssen sich bei mir als Ihrer Hauslehrerin abmelden. Die meisten von Ihnen, die in diesem Jahr ihren siebzehnten Geburtstag haben, werden diese Gelegenheiten unzweifelhaft nutzen, um Apparationskurse zu belegen. Hogwarts unterstützt diese Haltung ausdrücklich."

Hermine strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Ihr siebzehnter Geburtstag war knapp drei Wochen entfernt. "Na klasse, noch ein Kurs für Hermine." grummelte Ron. Harry enthielt sich einer Meinung. Er war der Jüngste der drei Freunde, wurde erst im Sommer des nächsten Jahres siebzehn (1)- wenn, dann würde er ohnehin erst im Sommer Apparieren lernen können. Er hatte niemanden mehr, der ihm die Erlaubnis geben konnte, nach Hogsmeade gehen zu dürfen. Remus war zwar... gebeten worden, sich um ihn zu kümmern, war jedoch nicht offiziell sorgeberechtigt.

"Des Weiteren werden Sie im Rahmen Ihrer UTZ-Kurse mehrere größere Projekte selbständig bearbeiten. Sondererlaubnisse, die dafür benötigt werden, gibt entweder der Fachlehrer oder, sollte dieser verhindert sein, der Hauslehrer aus.“

"Ihre Stundenpläne", Professor McGonagall schickte einen Stapel Papier, den sie in der Hand gehalten hatte, mit einem kleinen Schlenker ihres Zauberstabes an den jeweiligen Empfänger, "enthalten eine wichtige Änderung im Vergleich zum letzten Schuljahr: Sie werden Ihre Kurse nicht mehr mit allen Mitgliedern Ihres Hauses gemeinsam haben, sondern alle vier Häuser werden gemeinsam unterrichtet. UTZ-Kurse sind zugleich kleiner und intensiver als Sie es von den letzten fünf Jahren her kennen."

Harry studierte seinen Stundenplan und schluckte. Im Sommer hatte sich sein Vorhaben noch so logisch angehört, war eigentlich alles klar gewesen... und jetzt wünschte er sich, er hätte sich lieber etwas weniger aufgehalst. Professor McGonagall sprach, unbeirrt vom vereinzelt aufklingenden Stöhnen, weiter.

"Fragen zu Ihrem Stundenplan stellen Sie bitte mir. Und nun möchte Professor Dumbledore Ihnen noch etwas mitteilen..." Sie schweifte von ihrer Beobachtung der nervös von einem auf den anderen Fuß tretenden Schüler zu Professor Dumbledore hin ab, der mit würdevoller Miene darauf gewartet hatte, dass sie zu Ende sprach.

"Danke, Minerva." lächelte er, bevor er sich an die Schüler wandte.

"Ihr seid jetzt in eurem sechsten Jahr in Hogwarts. Die Welt draußen ist dunkler, als ihr sie euch jemals erträumt hättet, als ihr nach Hogwarts gekommen seid. Voldemort-" hier erklangen einige erschrockene Stimmen, der Name des Dunklen Lords rief noch immer Angst und Schrecken hervor, obwohl die Gryffindors sich in der DA eigentlich an ihn hätten gewöhnen müssen, da Harry ihn stets verwendete,  "Voldemort," wiederholte Dumbledore eindrücklicher, "ist wieder da. Er wird versuchen, uns auseinander zu reißen, Uneinigkeit, Zwietracht und Furcht in unseren Herzen zu säen. Damit das nicht geschieht, muss Hogwarts zusammenhalten. Ich möchte euch bitten, über Differenzen hinwegzusehen und mit den anderen Häusern zusammenzuarbeiten, damit die Dunkelheit nicht noch weiter an Einfluss gewinnt.

Der Sprechende Hut hat ganz  Hogwarts gewarnt. Als Sechstklässler seid ihr ein Teil der 'Erwachsenen'. Euer Beispiel wird die jüngeren Schüler motivieren, sich gegenseitig zu respektieren und zu akzeptieren. Vergesst das nicht. Und jetzt geht frühstücken, sofern ihr das noch nicht getan habt!" Er klatschte in die Hände. "Viel Erfolg in eurem Sechsten Schuljahr!"

Harry, Ron und Hermine warteten, bis die anderen Sechstklässler aus Gryffindor aus dem Zimmer gegangen waren, bevor sie sich ebenfalls in Bewegung setzten. Hermine unterhielt Ron und Harry mit einer Beschreibung des Appariervorgangs und wie schwierig die Selbstverwandlung und der Apparierzauber waren und wie sehr sie es nicht erwarten konnte, beides endlich zu lernen. Mit einer Leidensmiene ertrugen  die beiden Jungen ihre Tiraden, und konnten ihrerseits kaum den erlösenden Satz "Ich geh dann mal in die Bibliothek!" erwarten.

Ehe Hermine dazu kam, wurde Harry jedoch von anderer Seite gerettet. "Harry, ich muss kurz mit dir sprechen. Mr Weasley, Ms Granger?" Ron und Hermine nickten. Harry hatte ihnen schon gesagt, dass er vermutete, dass Dumbledore ihn wegen weiterer Okklumentik-Stunden sprechen wollen würde.

"Bis später, Harry- ich weiß nicht, was deine erste Stunde ist, aber Ron und ich haben Professor McGonagall in unserem UTZ-Verwandlungskurs." Hermines Augen blitzten allein schon bei dem Gedanken daran, dass sie endlich in die fortgeschrittenen Kurse einsteigen konnte.

"Hab ich auch", erwiderte Harry nach einem Blick auf seinen Stundenplan.

"Okay... ich besetz dir einen Platz", sagte Ron. Professor Dumbledores Augen blitzten und funkelten amüsiert, als die beiden nur widerwillig und langsam aus dem Zimmer verschwanden.

"Du hast wirklich sehr gute Freunde, Harry", stellte er fest. Harry schwieg und wartete, dass Dumbledore endlich mit dem herausrückte, was wirklich wichtig war.

"Wie du sicher schon weißt, ist es das Beste, wenn du weiterhin Okklumentik lernst. Da ich nicht denke, dass Severus oder du wieder zusammenarbeiten wollt- obwohl ich hoffe, dass sich das ändern wird- werde ich deine Unterrichtung übernehmen. Du findest auf deinem Stundenplan am Mittwochabend eine Übungsstunde, die bei mir in meinem Büro stattfindet. Die Stunden am Freitag habe ich nicht eintragen können, da sie spät abends stattfinden müssen. Wir werden aber auch am Samstag, sofern keine Quidditch-Spiele sind oder Quidditch-Training ist," hier lächelte Dumbledore, da Harry erleichtert aufatmete- Ron hätte ihn bei lebendigem Leib gehäutet wenn er nicht zum Training aufgetaucht wäre, so ernst, wie er Quidditch nahm, "und am Sonntag üben. Außer Okklumentik werde ich dich auch in den Grundlagen der Zauber-Konstruktion und des Zauber-Erfindens unterrichten- der Grund, warum ich darauf bestanden habe, dass du einen ZAG-Kurs in Arithmantik belegst. Ein neuer Zauber beruht zwar zu einem
 großen Teil auf Intuition, aber auch auf exakten Berechnungen durch Mathemagie, die wiederum ohne Arithmantik nicht erlernt werden kann. Du hast sicher auch schon festgestellt, dass Voldemort wahrscheinlich nicht mehr durch den Todesfluch getötet werden kann. In Zusammenarbeit könnte es uns gelingen, einen Zauber zu finden, der ihn für immer bannen wird. Ich glaube, Ms. Granger kann dir mit ihren exzellenten Arithmantik-Fähigkeiten zur Seite stehen... aber es wäre von Vorteil, wenn möglichst Wenige über das Ziel unserer Arbeit Bescheid wissen."

"Ich soll also wieder einmal Geheimnisse vor meinen Freunden haben?" fragte Harry, der schweren Herzens einsah, dass er dieses Opfer wahrscheinlich noch öfter würde bringen müssen.

>Ich muss gar nicht so sehr daran arbeiten, Abstand zwischen mich und sie zu bringen. Das geschieht automatisch...< dachte er bitter.

"Ich denke, Mr. Weasley und Ms. Granger sind vertrauenswürdig... es ist deine Entscheidung, Harry. Ich werde dir nicht vorschreiben, was du tun sollst. Ich selbst... wäre heute glücklicher hätte ich mehr Geheimnisse gehabt." Dumbledores Bart zitterte. Harry schluckte schwer. Er hatte gesehen, auf was der Schulleiter sich bezog.

"Elizabeth", sagte er leise. Dumbledore nickte.

"Wenn ich ihr nicht gesagt hätte, dass ich gegen Grindelwald kämpfen würde, wäre sie wahrscheinlich noch am Leben- und unser Kind ebenfalls." pflichtete er Harry mit brechender Stimme bei. Auch nach all den Jahren waren seine Erinnerungen noch roh und schmerzvoll. Harry schluckte. Seit er besser in Okklumentik geworden war, spürte er starke Emotionen anderer am eigenen Leib, wenn sie ihm nah genug waren.

"Ich hatte Arithmantik ohnehin gewählt", lenkte er wieder auf das eigentlich Thema zurück, bemüht, sich nicht anmerken zu lassen, was er gefühlt hatte.

"Gut", sagte Dumbledore. "Und ich habe noch eine weitere Überraschung- das Ministerium hat Remus Lupin als deinen Tutor anerkannt, nachdem ich ihnen erklärt habe, dass er deine erste Wahl war. Samstags und sonntags wird Remus nach Hogwarts kommen, außer an den Vollmonden, und dir deine Extra-Stunden in Verteidigung gegen die Dunklen Künste geben. Meinen Glückwunsch zum Gewinnen des Merlin-Preises, Harry."

"Ich wusste nicht, dass es einen Preis gibt." sagte Harry. Er fühlte sich peinlich berührt bei dem Gedanken daran, dass er schon wieder auffallen würde.

"Der Merlin-Preis ist eine große Ehre- und die Schüler werden ihn nicht auf... etwas anderes zurückführen können." sagte Dumbledore als hätte er Harrys Gedanken gelesen- was er wahrscheinlich auch hatte, wie Harry bemerkte. Er hatte seine Okklumentik-Schilde vergessen.

"Ja..." sagte Harry gedehnt. Dumbledore zog seine Taschenuhr mit den schwirrenden Planeten und zwölf Zeigern hervor.

"Entschuldige, dass ich unser Gespräch abbrechen muss, Harry- aber die Hufflepuffs erwarten mich auf ihrer Informationsveranstaltung." Harry winkte ab.

"Danke, Professor", sagte er, "und ich werde am Mittwochabend da sein."

"Ich hatte nichts anderes von dir erwartet, Harry. Und... ich hoffe, du wirst mir eines Tages verzeihen, was ich getan habe." Dumbledore hatte also doch mitbekommen, dass der Gedanke an Elizabeth Dumbledore in Harry die unangenehme Erinnerung an Dumbledores Legilimentik-Attacke wachgerufen hatte. Er hatte, auf einem intellektuellen Niveau, schon entschieden dass der Schulleiter richtig gehandelt hatte. Allerdings war das sein Bewusstsein, sein von Emotionen getrenntes Denken. In seinem Herzen fühlte er sich unsicher und verraten, und es würde noch einige Zeit dauern, bis er Professor Dumbledore wieder so vertrauen konnte wie früher.

"Auf Wiedersehen, Professor". sagte Harry.

"Auf Wiedersehen, Harry", erwiderte Professor Dumbledore und ging schon einmal voraus während Harry die letzten Minuten, bevor er in seinen Verwandlungskurs gehen musste, dazu nutzte, seine aufgewühlten Gedanken zu beruhigen.

>Einen Zauber erfinden, der Voldemort tötet... ob das überhaupt möglich ist?< Selbstzweifel nagten an Harry, aber er begrub sie wie seine Gefühle so tief er nur konnte und konzentrierte sich auf die Gegenwart. Professor McGonagall würde sehr enttäuscht sein, wenn er unkonzentriert und abgelenkt versagte, nachdem sie geschworen hatte, ihm zu einem Auror-Dasein zu verhelfen.

Dennoch ging er langsamer, als er es ursprünglich vorgehabt hatte, zum Verwandlungs-Klassenzimmer, und war daher nicht gerade überrascht, dass sowohl Professor McGonagall als auch die meisten seiner Klassenkameraden, von denen er einige noch nie wirklich zur Kenntnis genommen hatte, im Zimmer warten sah. Ron hatte ihm einen Tisch neben sich freigehalten, etwa zwei Drittel zwischen Tür und Lehrerpult. Hermine,  entgegen ihrer Gewohnheit, hatte sich ebenfalls mit diesem Platz im hinteren Drittel des Zimmers zufrieden gegeben und saß an Harrys anderer Seite, neben Neville Longbottom, der es zu Harrys Erstaunen trotz seiner notorischen Schussligkeit in Professor McGonagalls Fortgeschrittenen-Kurs geschafft hatte.

"Was denkt ihr, was werden wir als erstes lernen?" flüsterte sie aufgeregt. Professor McGonagalls strenger Blick wurde weniger streng- wahrscheinlich hatte sie Hermine gehört. Die Verwandlungslehrerin stand mit einem Ruck auf- sie war zwar von den fünf Schockzaubern, die sie während Harrys eigentlichem Astronomie-ZAG-Examen getroffen hatten, wieder genesen aber dennoch ein wenig... weniger sicher auf den Beinen als vorher. Harry zitterte bei dem Gedanken daran, dass die Zauber der Todesser die gleiche Wirkung auf ihn hätten haben können und wunderte sich zum wiederholten Mal, warum dies nicht so gewesen war.

Zu seinem Unbehagen fanden sich außer Malfoy auch noch Blaise Zabini und Pansy Parkinson aus Slytherin in der Verwandlungsklasse, die mit vier Ravenclaws und vier Hufflepuffs, die Harry zu einem großen Teil nicht kannte, auf fünfzehn aufgerundet worden war. Hannah Abbott und Justin Finch-Fletchley nickten ihm jedoch freundlich zu, als sie seinen Blick bemerkten.

"Guten Morgen", begann Professor McGonagall, "und willkommen im UTZ-Kurs für Verwandlung." Harry wunderte sich, ob sie ihre Ansprache wohl einmal geschrieben und seither jedes Jahr verwendet hatte- sie begrüßte sie jedenfalls seit seinem ersten Schuljahr immer mit derselben Formel.

"Sie alle haben in Ihrem ZAG-Examen einen Schnitt von 'E' oder besser in Verwandlung erzielt. Das befähigt Sie, in diesen fortgeschrittenen Kurs einzutreten, der Sie auf ihr UTZ-Examen vorbereiten wird. Anders als in den vorhergehenden Jahren wird dieser Kurs nicht vollkommen risikofrei für Sie sein.

"Als angehende UTZ-Absolventen in Verwandlung wird von Ihnen nicht nur erwartet, dass Sie in der Lage sind, Objekte aus dem Nichts herauf zu beschwören oder praktisch jedes Material oder Lebewesen in ein anderes zu verwandeln, sondern auch das sie dieses mit der erforderlichen Sorgfalt und Verantwortung tun. Die Grundlagen dafür wurden in den letzten Jahren Ihres Unterrichts bereits gelegt. In diesem Kurs werden wir uns zu einem großen Teil mit der Selbstverwandlung befassen.


"Von der zeitweiligen Verwandlung in ein Tier- nein, Mr. Boot, ich spreche nicht von der Animagus-Transformation, sondern von einem mit dem Zauberstab ausgeführten Verwandlungszauber- bis hin zum Desillusionierungszauber, der zu einem großen Teil auf Verwandlung beruht und den Sie in einer Kooperation zwischen meinem Verwandlungs- und Professor Flitwicks Zauberkunst-Kurs lernen werden. Sie werden mindestens die Hälfte dieses Jahres damit zubringen, sich selbst und andere zu verwandeln." Ron wurde grün. Wahrscheinlich dachte er gerade daran, was Hermine mit ihm anstellen konnte, da er sichergehen konnte, dass sie das Buch für dieses Jahr schon durchgearbeitet hatte.“

"Ich gehe davon aus, dass Sie alle den Einsatz zeigen, den ich von meinen UTZ-Klassen erwarte. Konzentration und Hingabe sind erforderlich. Wenn Sie auch nur ein einziges Mal unvorbereitet und ohne eine feste Grundlage an Theorie in diese Stunde kommen, werden Sie am Unterricht nicht teilnehmen! Menschen zu verwandeln heißt, Verantwortung zu übernehmen. Ich  zweifle nicht daran, dass Sie sich dessen bewusst sind. Bleiben Sie es auch.
Und nun... beginnen wir mit einer Wiederholung des Stoffes vom letzten Jahr. Sie erinnern sich an die Formel für die Verwandlung eines Eichhörnchens in ein Mandelhörnchen?"

Hermines Finger schoss nach oben. Harry musste ein wenig nachdenken... er hatte zwar seine Schulbücher gelesen, aber er hatte nicht Hermines methodisches, fast photographisches Gedächtnis.

Etwa zur selben Zeit wie zwei der Ravenclaws hob auch er die Hand, und war stolz darauf, einen zufriedenen Ausdruck auf Professor McGonagalls Gesicht zu bemerken.

"Ich sehe, dass nicht alle von Ihnen Ihren Büchern im Sommer den Rücken gekehrt haben. Ms. Granger?" Hermine stand auf. Draco Malfoy, der sich mit seinen beiden Slytherin-Kumpanen in die letzte Reihe zurückgezogen hatte, gab ein verächtliches Schnauben von sich.

"Ist auch nötig, dass sie sich in der Schule anstrengt. Wer will schon ein dreckiges, hässliches Schlammblut ansprechen wenn er nicht muss? Sie zwingt die Leute nur dazu, sie zu beachten."

"Wie richtig, Draco", pflichtete Parkinson bei. Harry biss die Zähne zusammen und hielt Ron am Ärmel fest, der drauf und dran war, aufzuspringen und die Slytherins anzugreifen während Hermine mit klarer Stimme den Verwandlungszauber und seine Ursprünge erklärte.

"Lass es, Ron", zischte er. Hermine warf ihm einen dankbaren Blick zu, als sie sich wieder setzte, obwohl tief in ihren Augen ein verletzter Schimmer lauerte.

"... Mr Potter?" Harry blickte verwirrt auf, als er seinen Namen hörte. Er hatte Professor McGonagalls Frage nicht verstanden.

"Entschuldigung... ich habe Ihre Frage nicht gehört", sagte er, das Gesicht rot. Professor McGonagall runzelte die Stirn.

"Ich dachte, ich hätte Sie alle über die Konsequenzen von Fahrlässigkeit in meinem Kurs aufgeklärt, Mr Potter." Harrys Gesicht wurde noch röter, als die Slytherins hinter ihm zu kichern begannen. "Was sind die besonderen Schwierigkeiten bei der Verwandlung, die Ihnen Ms. Granger eben beschrieben hat?" Harry fühlte sich, als säße Dudley auf ihm. Er bekam keine Luft, seine Arme und Beine waren zu lang, und sein Gesicht entflammte in neuer Röte, aber die Gedanken in seinem Kopf rasten fieberhaft und suchten nach der Antwort auf Professor McGonagalls Frage- und fanden sie auch, zu seiner Überraschung.

"Da es sich um die Verwandlung eines lebenden Wesens in so genannte tote Materie handelt, entsteht ein Überschuss an magischer Energie, der strikt zu kontrollieren ist, da er sonst entweder zu Schäden an der Umgebung oder zu unvorhersehbarem Größenwachstum des verwandelten Gegenstandes führt." sagte er und erinnerte sich an das Riesen-Mandelhörnchen, das er bei seinem ersten Versuch erzeugt hatte.

"Gut, Mr Potter. Sie haben zumindest Ihre Hausaufgaben gemacht, wenn Sie mir auch nicht zuhören. Fünf Punkte für Gryffindor." Das Gekicher der Slytherins hörte auf. Harry sog erleichtert die Luft ein, die ihm sein zugeschnürter Brustkorb zuvor verweigert hatte. Seine Arme waren wieder auf Normalmaß zusammengeschrumpft und er konnte sich bewegen, ohne irgendwo anzustoßen.

Nachdem Professor McGonagall noch ein paar Fragen gestellt hatte, bekam jeder der Schüler eine Teetasse, die sie in einen Pudel verwandeln sollten. Obwohl Harry genau wusste, was er tun musste, konnte er einfach seinen Zauberstab nicht so bewegen, wie es die Verwandlung erforderte, und so hatte sein Pudel am Ende der Stunde einen am Rücken angewachsenen, gebogenen Schwanz und klimperte, wenn er bellte.

Hermine war die Einzige, die einen quietschvergnügten Pudel um sich herumtollen hatte- Rons Hund hatte ein Fell aus blümchengemustertem Porzellan und war ein wenig... steif. Nevilles Hund war noch eine halbe Teetasse. Alles in Allem hatten die drei Freunde doch das beste Ergebnis der gesamten Verwandlungsklasse erzielt- aber Blaise Zabini, ein bleicher, braunhaariger Junge mit hellblauen Augen, hatte in etwa Rons Niveau erreicht. Malfoys Teetasse war zu einem Miniatur-Pudel geworden, der sich mit steifen Porzellanfüßen auf dem Unterteller drehte und dabei kleine Dampfwölkchen aus den Ohren ausstieß. Ron grinste schadenfroh, als er das sah, und sein Grinsen wurde noch breiter, als Professor McGonagall Malfoy erklärte, dass er sehr  hart würde arbeiten müssen, um die Verwandlung einer Sache in ein Lebewesen zu vervollkommnen. Sie gab ihm sogar extra Hausaufgaben- und Harry musste zugeben, dass er sich auch besser fühlte, obwohl sein Hund wieder ein eindeutiges Klirren von sich gab und
 missmutig mit seinem halbmondförmigen, am Rücken angewachsenen Schwanz hin und herwedelte.

"Harry, du hast den letzten Schlenker vergessen", sagte Hermine, die die Stirn runzelte, als sein Hund ein besonders lautes Klirren von sich gab, "und Ron, du hast den Spruch nicht richtig ausgesprochen. Der letzte Teil ist transforma, nicht transformi!"

"Besser hätte ich es auch nicht sagen könne, Ms. Granger." Professor McGonagall machte ihre Schlussrunde durch die Klasse und überprüfte all ihre Resultate. "Ein beeindruckendes Ergebnis- Sie haben ihm sogar eine richtige Frisur gegeben."

Hermine strahlte auch nach dem Ende der Stunde über das ganze Gesicht. Ron murmelte leise vor sich hin, und Harry zog seinen Stundenplan hervor. Er hatte noch keine Gelegenheit gehabt, sich im Detail anzusehen, was der Schulleiter, Professor McGonagall und er selbst sich aufgebürdet hatte.

"Oh nein", stöhnte er. Ron riss sich von seinen finsteren Gedanken über den Unterschied zwischen 'e' und 'i' am Ende eines Wortes und sah ihm über die Schulter.

"UTZ-Zaubertränke? Mein Beileid, Kumpel! Ich hab jetzt Kräuterkunde... nicht, Neville?" Der scheue, rundliche Junge, der sich im letzten Jahr erheblich gestreckt hatte und nicht mehr ganz so rund war, schnaufte heran. Professor McGonagall hatte ihm, wie Draco Malfoy, extra Hausaufgaben gegeben.

"Ja, hab ich jetzt auch", bestätigte er, "aber Professor Sprout will mich vielleicht noch vor Ende des Jahres zu ihrem Assistenten machen!"

"Das ist brillant, Neville", gratulierte Harry. Ron sah auch recht glücklich aus.

"Prima, du bist mein Partner." Nevilles Ellenbogen im festen Griff steuerte er auf den Ausgang zum Hof und den Gewächshäusern zu. Harry und Hermine blieben an den Stufen in die Kerker stehen.

"Bis später, Harry, Hermine", rief Ron. Neville grinste ihnen zu.

"Lasst Snape nicht zu viele Punkte abziehen", riet er ihnen. Harrys Magen sank ihm in die Kniekehlen. Es war eine Sache, dass er vor Ron und Neville nicht zugab, dass ihm der Gedanke, mit Snape als Lehrer im Zaubertrankkerker zu stecken Bauchschmerzen bereitete, aber es war eine ganz andere, an der Seite von Hermine, die ungeduldig mit dem Fuß tappte, zu seiner Kreuzigung in ebendiese Gewölbe zu gehen.

"Harry?" Hermine legte den Kopf schief, "wenn wir zu spät kommen, wird Snape noch... ungehaltener sein." Harry straffte die Schultern. Er hatte, entgegen all seinen Erwartungen, die Noten bekommen, die Snape verlang hatte. Er würde jetzt nicht klein beigeben.

"Ich komme", sagte er mit brüchiger Stimme. Hermine lachte.

"Für jemanden, der dem mächtigsten Schwarzmagier gegenübergestanden, sich mit ihm duelliert hat und immer noch lebt hast du ziemlich viel Angst vor Professor Snape." Harry stieß das sauer auf. Er hatte keine Angst vor Snape... nur davor, was dieser über Sirius, seinen Vater und Harry sagen würde, und wie er darauf reagieren würde.

Was er für Snape empfand war... Hass. Brennend, nicht so intensiv wie sein Hass auf Voldemort oder Dumbledore am Beginn des Sommers, aber Hass.

Wenn Snape sich wenigstens ein wenig bemüht hätte... oder wenn er ihm wenigstens den Schimmer einer Anleitung gegeben hätte... aber nein, was er gebraucht hatte, um sich in Okklumentik zurechtzufinden war der Tipp eines Muggelpsychologen und seiner Tante gewesen.

"Voldemort kann mir wenigstens nicht die UTZe versauen." antwortete er Hermine bitter. Er konnte verstehen, warum Sirius Black und James Potter Snape angegriffen  hatten, auch wenn er nicht mit ihren Methoden einverstanden war. Hermine war sprachlos.

"Aber wir sollten uns beeilen.", sagte Harry, den scharfen Ton immer noch in der Stimme. Hermine eilte hinter ihm her- er hatte nicht bemerkt, wie seine Schritte immer länger geworden waren.

"Lass dich nur nicht provozieren.", bat sie. Harry würde es versuchen. Er brauchte einen UTZ in Zaubertränke, um als Auror solche Zauberer wie Bellatrix Lestrange jagen zu können. Und Snape würde ihn nicht daran hindern. Nicht einmal, wenn er seinen Vater wieder einmal mit ihm verwechselte.

>Und was, wenn er... Witze über Sirius' Tod macht? Was, wenn er vom tragischen Tod meines Haus- und Hofhundes berichtet? Was, wenn die Slytherins...<

"Harry? Du bist schon wieder woanders!" Hermine zerrte ihn am Ärmel in den Kerker, der mit einem großen Teil der Slytherin-Sechstklässler und ein paar Ravenclaws darin recht leer aussah. Aus Hufflepuff war nur Susan Bones, Ernie Macmillan und Justin Finch-Fletchley anwesend, und Harry hatte das dumpfe Gefühl, dass er und Hermine die einzigen Gryffindors im Kurs bleiben würden.

"Nach hinten", sagte er nur und suchte sich einen Platz zwei Reihen hinter der hintersten Slytherin- Pansy Parkinson.

"Harry, aber so können wir nicht genau sehen, was Professor Snape-" begann Hermine.

"Und genau das ist der Grund", sagte Harry eisig. "Wenn Snape mir zu nahe kommt, kann ich für nichts garantieren."

"Aber..." meinte Hermine, schwieg jedoch, als sie das grüne Feuer in Harrys Augen bemerkte, das sonst nur Voldemort oder ein Basilisk zu sehen bekamen.

"Also gut... irgendwie werden auch diese zwei Jahre enden." murmelte Harry, als Professor Snapes schwarze Roben durch den Kerker zum Lehrerpult wirbelten.

Snapes lange, bleiche Finger, die so geschickt waren, wenn es darum ging, Zaubertrankzutaten korrekt zu zerschneiden oder zu zerstampfen, waren zu sehr viel weniger anmutigen Fäusten geballt. Er wirbelte zur Klasse herum, und wenn Blicke hätten töten können dann wären die beiden Gryffindors und die drei Hufflepuffs noch viel toter als wenn ein Todesfluch sie getroffen hätte.

"Dies ist der UTZ-Kurs Zaubertränke. Die Anwesenden haben zumindest akzeptable Leistungen in ihren ZAGs gezeigt. Manche jedoch", sein Blick ruhte auf Harry, dessen Fingernägel unter dem Tisch rote Halbmonde in seine Handfläche schnitten, während Snape ihn mit seinem verächtlichen Blick zu verunsichern versuchte, "sind wohl eher aufgrund... anderer... Qualifikationen hier." Malfoy schnaubte. Harry bemühte sich, seine weißen Wände aufsteigen zu lassen. Der Respekt, den Snape ihm an seinem Geburtstag entgegengebracht hatte, war wohl doch nur eine Einbildung seinerseits gewesen.

"Nun denn... was ist die Hauptzutat im Versteinerungstrank, Mr. Potter?" Harry begegnete Snapes Blick mit derselben Verachtung, die ihm der Zaubertrankmeister schenkte.

"Mit Alraunenwurzel behandelter Basiliskblutsud", antwortete er ebenmäßig, und fügte gerade noch rechtzeitig ein betont langes "Professor!" an. Snape holte tief Luft. Er sah aus, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er Harry erwürgen oder doch lieber... Hermine atmete neben ihm zischend ein. Ihre Hand hing wie ein lebloser Gegenstand an ihrer Seite, nachdem sie erst in die Luft geschnellt und dann heruntergefallen war, als Harry die Frage Professor Snapes selbst beantwortet hatte.

"Und welchen Effekt hat das Beifügen geschmorter Florfliegenflügel auf die meisten Zaubertränke?" Die Antwort auf diese Frage fand sich, wie Harry wusste, in keinem ihrer Schulbücher. Nicht einmal in Höchst potente Zaubertränke. Aber in Michael Meschguts Buch hatte er die Antwort gefunden...

"Sie sind ein Katalysator, Professor. Sie machen die Reaktion anderer Zutaten, die sich sonst nicht richtig mischen würden, möglich." Seine Stimme war eiskalt, und selbst Hermine, die neben ihm ihre Hand enttäuscht auf den Tisch zurück sinken ließ, zuckte unter der Schärfe seines Tones zusammen. Snape wirbelte nur herum, nahm Harry nicht weiter zur Kenntnis, schien enttäuscht, dass der Junge ihm keinen Anlass gegeben hatte, den mageren Punktevorrat der Gryffindors schon zu Beginn des Jahres zusammenschrumpfen zu lassen.

Harry schluckte. Wenn er Snape so... lebendig, so voller Bitterkeit und alter Feindschaften vorne am Pult stehen sah, wenn er mitbekam, wie er die drei Hufflepuffs fast genauso erbarmungslos behandelte wie ihn, fühlte er wieder einmal die Leere des Verlustes in sich aufsteigen. Er hatte versagt... und jemand, den sein Pate während seiner Schulzeit ebenso sehr gehasst hatte, wie er Draco Malfoy verabscheute, war noch immer unter den Lebenden, während er...

"Sirius," wisperte er in sich hinein, "Sirius..." Snape warf ihm einen seltsamen Blick zu, den Harry nicht deuten konnte. Bedauern? Mitleid? Es war nicht möglich.

"Unsere erste Einheit in diesem Jahr beschäftigt sich mit Heiltränken. Wir beginnen mit einem einfachen, milden Schmerzmittel und Energiespender- dem Ameliorare-Trank(2). Instruktionen wie immer an der Tafel. Sie haben eine Stunde. Fangen Sie an!" Harry arbeitete durch den dunklen Nebel seiner Trauer hindurch mechanisch, versuchte, seine Gänseblümchenwurzeln in gleichmäßige Scheiben zu zerschneiden und seine Nieswurz zu zerstampfen bevor er Skarabäus-Fühler in seinem Mörser pulverisierte. Der Ameliorare-Trank war alles andere als unkompliziert.

"Harry, du hast zu viel Belladonna-Essenz", flüsterte Hermine. Harry zuckte zusammen, er hatte nicht erwartet, dass ihn jemand in der Zaubertrankstunde ansprach. Hermine hatte aber recht- er hatte die ml- und die Unzen-Markierungen auf seinem Messbecher durcheinander gebracht.

"Fünf Punkte Abzug für Gryffindor." sagte Snape mit trügerisch weicher Stimme, "Mr Potter soll selbst arbeiten. Oder befürchten Sie etwa, dass die... Einstellung der Prüfer Auswirkungen auf seine Noten gehabt hat?" Hermines Hände zitterten, während sie Pfefferminzsirup in ihren perfekten, hellblauen Trank gab.

"Nein, Professor", antwortete sie. Snape, seltsamerweise, wandte sich von den beiden Gryffindors ab und Ernie Macmillan zu, der, zu seinem Schaden, versucht hatte, die Gänseblümchenwurzeln in Würfel statt in dünne Scheiben zu schneiden und  nun vor einem mitternachstblauen, rauchenden und blubbernden Trank saß, den Snape mit einem Schlenker seines Zauberstabes verschwinden ließ.

"Beginnen Sie von vorne, Mr. Macmillan", schnaubte der Meister der Zaubertränke, "und versuchen Sie dieses mal, mehr Geschick als ein Erstklässler zu zeigen." Harry fügte seine fein gemahlenen Skarabäusfühler bei und beobachtete, wie die Farbe seines Trankes von hellblau nach hellgrün wechselte und ein feiner, nach Pfefferminz duftender Nebel aus seinem Kessel stieg, der eine beruhigende Wirkung auf seine brennenden Augen hatte. Auch wenn sein Gebräu nicht ganz so klar und viskos wie Hermines war, so war er doch im allgemeinen zufrieden- er hatte nur nicht die Geduld gehabt, seine Gänseblümchenwurzelscheiben ganz dünn und gleichmäßig zu halten.

Während sein Zauberstab das Feuer unter seinem Kessel dämpfte und der verzauberte Rührlöffel gleichmäßig und langsam fünf Minuten lang gegen den Uhrzeigersinn rührte, fügte er mit der freien Hand eine Prise Nieswurzpulver nach der anderen zu, bis die Farbe ein letztes Mal zu einem stechenden Giftgrün wechselte, einen Schatten zu dunkel, um ganz perfekt zu sein, aber zumindest akzeptabel. Er erinnerte sich daran, dass Madam Pomfrey ihm diesen Trank eingeflößt hatte, bevor Dumbledore...

Harry wollte seine Gedanken nicht in diese Richtung wandern lassen. Das Haus am Grimmauldplatz barg nun noch mehr...dunkle Erinnerungen, das reichte ihm aus. Er zog eine seiner Kristallphiolen hervor, die zu einem Schüler-Zaubertrankset gehörten und füllte einen Schöpflöffel mit seinem Zaubertrank hinein.
Dann murmelte er einen Unzerbrechbarkeitszauber über die verschlossene Phiole und stellte sie mit einem leisen Klicken auf Snapes Schreibtisch.


Erst dann bemerkte er, dass die Blicke der gesamten Zaubertrankklasse auf ihm ruhten. Verwirrt hob er den Blick über die Ränder seiner neuen, von Tinsy hergestellten Brille.

"Huh?" murmelte er. Snape kam mit wehenden Roben hinter Susan Bones' Tisch hervor.

"Mr. Potter, was hat das zu bedeuten?" fragte er. Harry blinzelte. Sollte er seinen Zaubertrank etwa nicht abgeben? Aber... Hermine war doch auch schon dabei, ihn einzufüllen!

"Ich... ich wollte Ihnen meinen fertigen Trank aushändigen, Professor", sagte er verwirrt. Die Klasse starrte ihn weiter an.

"Sie sind sich im Klaren darüber, dass Sie diesen Zaubertrank eigentlich überhastet gebraut haben, Mr. Potter? Nur, wenn Sie ohne Pause gearbeitet hätten, wären Sie jetzt schon fertig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das der Fall ist. Sie haben diesen Zaubertrank... aus Ihren Sommerferien mitgebracht. Ich weiß, dass Sie Kontakt mit ihm hatten. Fünfzehn Punkte Abzug für Gryffindor!" Harry schnappte entrüstet nach Luft.

"Aber... Sir, Professor, das ist nicht wahr! Ihr Trank ist heller, und ich habe ihn gerade eben erst gebraut! Sie haben Hermine noch ermahnt, weil sie mich auf einen Fehler hingewiesen hat und..."

"Ruhe, Potter- das kann nicht sein, zeigen Sie mir Ihren Kessel!" Harry ballte die Fäuste. Die Slytherins kicherten, sie schienen es zu genießen, dass er wieder einmal vor allen blamiert wurde. Er hoffte nur, dass Hermine noch nicht saubergemacht hatte.

"Hier, Professor", sagte er leise. In seinem Kessel befand sich glücklicherweise noch der Rest seines Zaubertrankes- Hermine blinzelte ihm zu. Auch sie hatte aus dem letzten Jahr gelernt.

"Scheint derselbe Zaubertrank zu sein. Nun gut, Potter. Stellen Sie Ihre Phiole auf meinen Schreibtisch. Ein Aufsatz von zwei Fuß über die Anwendung von Nieswurz in Heiltränken bis nächste Woche für Ihre Unverschämtheit. Und räumen Sie Ihren Platz!" Snape war sichtlich schlechter Laune. Harry grinste, sein Herz ein wenig leichter. Auch wenn er kein Herumtreiber war, konnte er dem schleimigen Zaubertränkeprofessor doch das Leben schwer machen- indem er ihm zeigte, dass er Zaubertränke brauen konnte.

Seltsamerweise ordnete Snape an, dass Hermines gesamter Kessel voll perfekt giftgrünen Gebräus in Flaschen  gefüllt werden sollte. Madam Pomfrey brauchte wohl Nachschub. Aber anstatt dass sie dafür Punkte bekam mussten sie und Harry einen Teil ihrer Mittagspause dafür opfern- weil Hermine gefragt hatte, wozu der Meister der Zaubertränke ihr Gebräu benötigte.

"Der Schulleiter will Sie nach Ihrer Zauberkunststunde in seinem Büro sehen", murmelte Snape ihm missmutig auf dem Weg zur Tür hinaus zu. Harry nickte nur und schob sich an seinem Zaubertranklehrer vorbei. Die letzten beiden Stunden hatten seine Nerven beinahe überstrapaziert.

Am Gryffindor-Tisch wartete Ron schon und winkte die beiden gestressten Zaubertrankbrauer fröhlich heran.

"Na, Snape überlebt?" fragte er Harry. Dieser stieß ein freudloses Lachen aus.

"Wenn das nicht meine Berufsbezeichnung wäre, wahrscheinlich nicht." schnappte er. Rons Fröhlichkeit vertrug sich nicht gut mit seiner finsteren Stimmung.

"Na, wenigstens haben wir beide jetzt eine Freistunde, bevor wir Hermine in Zauberkunst wieder treffen, richtig?" meinte Ron, der sich aus Harrys abweisendem Verhalten nicht schlau wurde. Seit er wieder einmal in Voldemorts Händen gewesen war, schien es, als sei der echte Harry hinter dieser missmutigen Fassade verschwunden und käme nur von Zeit zu Zeit hervor, um seine Freunde bei der Stange zu halten.

Harry schluckte einen Bissen seines Kartoffelauflaufs herunter. "Na ja... um ehrlich zu sein... ach, vergiss es. Ich hab Arithmantik, Ron."

Ron versprühte einen Regen aus Nierenpastete und Kartoffeln über das Tischtuch. "Du hast was?" Harry schlug die Augen nieder.

"Ich... hab Arithmantik, ZAG-Level. Ich hab es mir zwar selber ausgesucht, aber Dumbledore hat mir später gesagt, ich brauche es noch für... ein Experiment." Rons verletzter Gesichtsausdruck brachte ihn zum Schweigen.

"Schon gut. Musst mir ja nicht alles erzählen, Kumpel", sagte er beißend. Harry zuckte zusammen. Er hatte einfach genau diesen Streit vermeiden wollen. Mit etwas Glück  hätte Ron ja einen anderen Kurs haben können.

"Neville, was hast du nach dem Essen?" fragte Ron, Harry ignorierend. Hermine sah zwischen den beiden Freunden hin und her, zerrissen zwischen Anerkennung für Harry, weil er endlich ein sinnvolles Fach  (und noch dazu eines ihrer Lieblingsfächer) gewählt hatte und Tadel für Ron, weil er dies nicht sah und Tadel für Harry, weil er seine besten Freunde im Dunkel gelassen hatte und Lob für Ron, weil er einmal nicht überreagiert hatte.

"Ich? Ich hab frei... ich glaub, ich  schreibe gleich mal unsere Kräuterkunde-Hausaufgabe", antwortete Neville auf Rons Frage.

Ron stürzte sich in ein Gespräch mit Neville, während Harry schweigend das Essen auf dem Tisch anstarrte und selbst Hermines Angebot, mit ihm Arithmantik zu lernen, ignorierte. Rons harte Worte, sein verletzender, ironischer Ton, so ähnlich wie der eines Mannes namens Roger...

"Entschuldigt mich," sagte Harry und stand vom Tisch auf. Seine Beine zitterten, aber er stürmte so schnell er konnte hinauf in den Gryffindor Turm. Der leere Gemeinschaftsraum begrüßte ihn mit einer Wärme, die seinem plötzlich eiskalten, frierenden Körper wieder einen Hauch von Leben gab. Seine rechte Hand bebte, als er sich auf das Sofa direkt vor dem Feuer kauerte, die Knie an die Brust gezogen und den Umhang fest um sich geschlungen. Die Kälte, die aus seinen Knochen strömte, ließ das Zittern nur stärker werden, und seine rechte Seite sowie sein linkes Bein stachen und prickelten.

>Die Erinnerungen kommen nicht immer dann, wenn es dunkel ist,< sagte Professor Dumbledores Stimme in seinem Kopf, und er dachte zurück an ihr Gespräch während seine Verletzungen heilten. >Sie kommen dann, wenn du sie am wenigsten erwartest, so wie jetzt, in diesem Sonnenstrahl, der den Fußboden wie Seidenschnabels Gefieder aufleuchten lässt. Sie lassen sich nicht unterdrücken, Harry. Aber du kannst lernen, mit ihnen zu leben.< Er hob den Kopf und starrte in die Flammen.

"Aber wann... werden die Alpträume jemals aufhören?" flüsterte er. Er wusste, dass zu wenig Zeit vergangen war, dass er sich noch nicht allem, was geschehen war, gestellt hatte. An jenem Tag hatte er zum ersten Mal gespürt, dass das Leben auch ohne Sirius weitergehen würde- er hatte sich wieder lebendig gefühlt, die Worte, die sein Testament ihm mit auf den Weg gegeben hatte, hatten Sinn gemacht.

Aber dann gab es Tage wie diesen, Tage, an denen alles eigentlich nicht wirklich schief ging, aber die trotzdem auch nicht richtig waren. Meist überstand er sie, ohne die Erinnerungsblitze an Askaban zu sehen. Aber heute... Rons Stimme, so verächtlich, so kalt, so...

>Es wäre zu schade, wenn der große Harry Potter einfach so abtritt...< Harry sah sich mit wildem Blick um, aber außer dem Prasseln des Feuers war kein Geräusch im Gemeinschaftsraum zu vernehmen, und schon gar kein Gerald Roger zu sehen.

"Ich werde verrückt", sagte Harry und starrte wieder ins Feuer, sorgsam darauf bedacht, dass seine Schilde an ihrem Platz waren. Dumbledore hatte ihn gewarnt, dass er Voldemort besonders viel Angriffsfläche bot, wenn er sich an seine kurze Gefangenschaft erinnerte.

"Ich werde verrückt, und ich kann nichts dagegen tun", wiederholte er. Die Flammen tanzten zur Antwort fragend von einer Seite auf die andere, und ein paar Funken stoben empor als ein Holzscheit knackend durchbrach. Schweigend beobachtete er die biegsamen Flammen, deren rot-goldenes Feuer in jedem Gegenstand im Raum reflektiert war.

"Warum ich?" fragte er sich bitter, zum wer-weiß-wievielten Mal, aber wie immer kam keine Antwort, außer dem Aufschwingen des Porträts und der trappelnden Ankunft der Erst- und Zweitklässler, die nervös über ihre bevorstehenden Zaubertrank- und Verwandlungsstunden schnatterten.

"Zeit, zu gehen", raffte er sich auf. Die verwunderten Blicke der jüngeren Schüler folgten ihm die Treppe zu seinem Schlafsaal hinauf.

*~* 

Arithmantik war interessant. Harry hatte in seiner Zeit in der Muggelschule eigentlich ganz gerne Mathematik gelernt, und die Kombination des unsicheren Magie- und Zaubereielements mit der Logik von Gleichungen barg einen besonderen Reiz. Nicht ganz so mystisch umhaucht wie Wahrsagen wohnte der Lehre der Arithmantik doch ein Hauch von... Unschärfe hinter den klaren Zahlen- und Wortlinien inne. Zumindest hatte sie Harry aus seiner Lethargie und Depression gerissen- Professor Vektor war streng, aber fair, und da Harry das vorgeschriebene Buch schon zur Gänze gelesen hatte, hatte er sich auf ihre gute Seite bringen und mit ein paar ein wenig fortgeschritteneren Übungen beginnen können.

>Wenigstens kann ich mir vorstellen, dass man das gebrauchen kann.< dachte Harry, der mit einigen Hufflepuffs und Slytherins zusammen die kleine ZAG-Arithmantik-Klasse des Sechsten Jahres bildete. Wer von den Gryffindors das Fach nicht im dritten Jahr gewählt hatte, schien sich auch nun nicht dafür zu interessieren. Und die Ravenclaws waren, wie Harry wusste, schon seit ihrem dritten Jahr in Hermines Arithmantik oder Alte Runen-Kurs.

Er schleifte die Füße über Mr. Filchs glatt gescheuerten Steinfußboden, während er versuchte, sich an den Weg  zum Zauberkunst-Klassenzimmer zu erinnern. Das Arithmantik-Klassenzimmer befand sich hoch oben im Ostturm von Hogwarts, wo Harry eigentlich noch nie zuvor gewesen war und den er ohne die Karte des Herumtreibers auch nicht so schnell gefunden hätte. Leider klebten die Slytherins wie Kletten an ihm- er kannte sie nicht genau, eine von ihnen hieß, soviel er wusste, Diana Moon, die anderen waren Blaise Zabini und Theodore Nott. Hannah Abbott aus Hufflepuff und auch Justin Finch-Fletchley komplettierten die kleine Klasse, aber sie hatten einen anderen Stundenplan und waren aus dem Turm direkt zu ihrem Gemeinschaftsraum zurückgekehrt.

"Was wollt ihr?" schnappte er schließlich, als Zabini ihm wieder einmal auf die Pelle rückte. Er wünschte sich, die drei würden endlich verschwinden damit er endlich seine Karte benutzen konnte.

"Wir haben Zauberkunst, Potter." sagte Diana Moon mit einer wenig auffälligen, aber auch nicht unangenehmen Stimme. Sie warf ihre langen, schwarzen Haare zurück und lächelte ihn aus einem leicht gebräunten, ovalen Gesicht an.

"Und?" fragte Harry, der sich an die Warnung des Sprechenden Hutes erinnerte und entschied, dass an diesem Tag eigentlich nicht mehr viel schief gehen konnte.

"Und wir dachten, du kennst den Weg", mischte sich Zabini ein.

"Ich weiß auch nicht mehr als ihr", wehrte Harry grummelnd ab. Moon lachte. Ihre braunen Augen blitzten unter ihrem Pony auf.

"Und du hast geglaubt, Potter kennt jeden Winkel im Schloss. Blaise!" kicherte sie.

"Ich war noch nie hier!" sagte Zabini und hob abwehrend die Hände, "aber Theodore..." Harry wandte sich zu Nott. Der Sohn eines Todessers starrte ihn nicht gerade freundlich aus tief eingesunkenen, fast schwarzen Augen an.

"Jedenfalls hilft es nicht, hier herumzustehen und zu diskutieren", sagte er, unter dem Hass und der Wut in Notts Blick ebenfalls wütend werdend. Moon und Zabini nickten zustimmend.

"Vorschlag, Potter?" fragte Zabini gedehnt. Seltsamerweise konnte Harry bei ihm keine Aggression spüren, genauso wenig wie bei Moon.

"Erst mal nach unten." sagte Harry, der sich eine ungefähre Vorstellung vom Weg gemacht hatte, als er auf dem Hinweg die Karte benutzt hatte.

"Also gut", stimmte Moon nach kurzem Zögern zu, "ich glaube, wir kommen dann an einer Abkürzung zur Großen Halle vorbei... Justin Finch-Fletchley aus Hufflepuff hat sie mir einmal gezeigt."

"Hufflepuff?" fragte Harry überrascht. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Slytherins freiwillig die Gesellschaft von Hufflepuffs suchten.

"Wir heißen nicht alle Malfoy, und meine Cousine ist im dritten Jahr in Hufflepuff, danke vielmals." schnappte Moon. Harry wurde rot.

"'tschuldigung," murmelte er. Hermine hatte zwar immer beteuert, dass nicht alle Slytherins schlecht waren, aber Harry hatte es nie richtig glauben können.

"Schon gut", sagte Moon versöhnlich. "Ich kenn die Vorurteile gegenüber Slytherins, und wenn man Malfoy so hört dann..."

"Moon!" schnappte Nott. Diana wurde knallrot und presste die Lippen fest aufeinander.

"Entschuldigung, Theodore." sagte sie schnell.

"Also dann, hier rechts", kommandierte sie auf dem Treppenabsatz, und fügte leiser hinzu, "hoffe ich."

Sie kamen hinter einem großen Bild in einem schweren Goldrahmen heraus, das eine Fuchsjagd darstellte. Die Jäger stießen fröhlich ins Horn, als die vier Schüler an ihnen vorbeimarschierten.

"Vorwärts zur Jagd!" riefen sie ihnen hinterher. Harry war erleichtert. Dieses Bild kannte er- es hing gleich am Ende des Verwandlungskorridors.

"Von hier aus kenne ich den Weg." sagte er. Die Slytherins nickten und folgten ihm.

Sie waren pünktlich- nicht gerade früh dran, aber pünktlich. Ron warf Harry einen giftigen Blick zu, als er in Begleitung dreier Slytherins ins Klassenzimmer kam, aber Moons freundliches Lächeln warf ihn ein wenig aus der Bahn.

"Was machst du mit den dreckigen Slytherins?" fragte er Harry scharf, als dieser sich in einen Stuhl neben ihm fallen ließ. Harry zuckte die Schultern. Die Zauberkunst-UTZ-Klasse war die größte, die er bisher gehabt hatte- fast zwanzig Schüler hatten sich schon versammelt. Zauberkunst war ein Fach, das fast der gesamte Jahrgang wählte.

"Wir haben gemeinsam Arithmantik", sagte Harry, "und es ist nicht gerade einfach, den Weg vom Ostturm hierher zu finden, also haben wir zusammengearbeitet."

"Mit Slytherins? Bist du verrückt?" fragte Ron. "Die murksen dich doch hinterrücks ab! Nott war dabei, und sein Vater..."

"Ist ein Todesser. Und Nott ist im Junior-Todesser-Club, da hast du Recht. Aber Moon und Zabini sind eigentlich ganz in Ordnung." sagte Harry. Ron schien seine Wut auf ihn überwunden zu haben, weil er sich Sorgen um ihn machte.

"Sag ich doch, nicht alle Slytherins sind schlecht!" keuchte Hermine, die völlig außer Atem an Rons anderer Seite in einen Stuhl sank. "Professor Vektor ist phantastisch, nicht, Harry? Aber Professor Matrix, die den UTZ-Kurs gibt, ist..."

"Hermine, Harry ist mit Slytherins unterwegs gewesen!" beharrte Ron.

"Und? Sie haben ihn nicht verhext, oder? Die Slytherins in meinem Arithmantik-Kurs sind eigentlich alle in Ordung, und bis auf Malfoy sind die in meinem Alte Runen-Kurs auch..."

"Wie?" donnerte Ron, "du bist mit Malfoy in Alte Runen?"

"Ja, und zwar seit dem dritten Jahr," erwiderte Hermine schnippisch.

"Aber... aber... aber..." stotterte Ron. Harry rollte die Augen.

"Ich glaub, Professor Vektor-"

"Matrix!" fuhr Hermine dazwischen.

"Wie auch immer, Hermine wird schon nichts passieren." brachte er zu Ende.

"Das sagst du so einfach, aber…" fuhr Ron auf. Hermine stieß ihn in die Seite.

"Was? Es ist wahr, Hermine, du…"

"Professor Flitwick!" zischte sie. Ron schüttelte ihren Griff um seinen Arm ab.

"Hermine! Ich versuche, dir zu erklären, dass du-" Harry schnitt ihm mit einem unter dem Tisch gemurmelten Silencio das Wort ab. Ron lief puterrot an und starrte Harry in Grund und Boden.

"Ron, Flitwick ist da!" zischte er und zeigte auf den Bücherstapel auf dem Schreibtisch, auf dem die kleine Gestalt ihres Zauberkunstprofessors auftauchte. Ron nickte, und Harry nahm den Schweigezauber von ihm.

"Danke, Mr. Potter", quiekte Professor Flitwick, und Harry und Ron sanken in ihren Stühlen zusammen und versteckten ihre Gesichter hinter ihren dicken Büchern.

"Ah, ich sehe, Sie haben schon Ihre Bücher für dieses Jahr aufgeschlagen!" lobte Flitwick. "Und wir wollen auch gleich beginnen, also, Bücher aufgeschlagen auf der vierten Seite und Zauberstäbe raus!"

Der Zauber, den sie üben sollten war Harry so gut bekannt, dass er ihn sogar Stablos sprechen konnte. Der Imperturbatio-Zauber war schließlich eine Variation seines Verstummungszaubers, und so zog er mit Hermine gleich, als es um die praktische Anwendung ging. Seine Freundin warf ihm einen Blick zu, der ihm deutlich zeigte, dass sie einen Verdacht hatte, aber Harry machte sich keine Sorgen. Hermine würde es ihm glauben, wenn er es seiner Lesewut zuschrieb.

Er durfte sogar ein wenig früher aus Zauberkunst gehen, und hatte, wie alle anderen, die den Zauber schnell gemeistert hatten, nur einen Aufsatz von zehn Zoll zu schreiben.

"Dumbledore will mich sprechen." sagte er, als Hermine schon in Richtung Bibliothek steuerte.

"Warum?" Harry zuckte die Schultern.

"Keine Ahnung, eigentlich hat er mir heute Morgen schon alles gesagt." antwortete er.

"Na dann...", sagte Hermine und packte ihre Schultasche, die wieder einmal aus allen Nähten platzte, "geh ich mal in die Bibliothek. Und... vielleicht kann ich dir heut Abend schon Flitwicks Buch geben."

"Danke, Hermine", sagte Harry und schluckte. Er war recht nervös, was Dumbledore ihm wieder für Mitteilungen zu machen hatte.

"Bis dann", meinte Hermine. Harry nickte nur.

Der steinerne Wasserspeier erwartete das Passwort. Harry seufzte und begann, eine Liste aller Süßigkeiten, die er kannte zu erstellen, aber noch bevor er das erste Wort sagen konnte, gab dieser den Weg frei.

"Ah, Harry, da bist du ja endlich", sagte Dumbledore, der hinter einem enormen Stapel Pergament an seinem Schreibtisch saß. "Nimm Platz, ich muss noch rasch einen Brief an Cornelius absenden..."

Fawkes, Dumbledores Phönix trillerte ein paar Noten zur Begrüßung und flog von seinem Sitz herunter auf Harrys Schoß, wo er es genoss, dass dieser ihm den Kopf kraulte.

"Fawkes!" schimpfte Dumbledore mit funkelnden Augen. Der Phoenix sang ein verschmitztes Lied. Harry fühlte sich, auch wenn der Tag nicht optimal gelaufen war, plötzlich erfrischt.

"Fawkes, wenn du bitte deinen sicher sehr gemütlichen Sitzplatz verlassen würdest- ich habe eine Nachricht für Cornelius!" Fawkes quäkte kurz, hüpfte dann aber bereitwillig auf den Schreibtisch und nahm Dumbledores versiegelte Nachricht in den Schnabel. Einen kleinen Flammensturm später waren der Schulleiter und Harry allein.

"Du fragst dich sicher, warum du hier bist, Harry", sagte Dumbledore. Harry nickte unsicher.

"Ich dachte, Sie hätten mir heute Morgen alles gesagt", meinte er leise.

"Heute Morgen war ich sehr in Eile, genau wie du, Harry. Ich... hatte vergessen, dass ich diesen Freitag im Ministerium erwartet werde. Deine Okklumentik-Stunde an diesem Tag wird Professor Snape übernehmen." Dumbledores lange Finger falteten sich unter seinem Bart. Die beruhigende Wirkung des Phoenixgesangs verschwand. Grüne Flammen schlugen aus Harrys Augen.

"Nein." sagte er einfach. Dumbledore seufzte.

"Harry, Professor Snape ist der Einzige außer mir, der genug Übung in Okklumentik hat, um dich zu unterrichten." Harry schüttelte stur den Kopf und massierte seine rechte Schulter, durch die wieder Blitze zuckten.

"Nein. Nicht Snape", beharrte er.

"Aber-" Harry stand auf, seine Handflächen schlugen wütend auf Dumbledores Schreibtischplatte.

"Er hasst mich, und wenn er nicht gewesen wäre..." seine Stimme brach. Er konnte es nicht über sich bringen, die Worte zu sagen, nun, da alles wieder dunkel aussah.

"Harry, Professor Snape hasst dich nicht. Er hat mein volles Vertrauen. Und du wirst ihn am Freitagabend um neun Uhr in seinem Büro aufsuchen." Harry schwieg, die Hände unter dem Tisch zu Fäusten geballt. Er spürte das weiße Licht in seinem Inneren anschwoll, es versuchte, aus seinem Gefängnis auszubrechen und gegen etwas zu schlagen. Er kämpfte dagegen an, denn er wollte nicht schon wieder Dumbledores Büro verwüsten. Das weiße Licht reagierte auf seine Wünsche und beruhigte sich, sandte sanfte Wellen der Kraft durch seinen ganzen Körper und wusch seine Wut davon.

"Ich sehe, du lernst langsam, deine Magie zu kontrollieren." sagte Dumbledore anerkennend. Harry blinzelte verwirrt, er war zu sehr damit beschäftigt gewesen, nichts zu zerbrechen.

"Meine Magie?" fragte er, "das weiße Licht?" Dumbledore nickte.

"Du hast eine Begabung für zauberstablose Zauberei, und während du in Askaban warst, hat sich die Verbindung zwischen dir und deinem Magiekern, den jeder Zauberer in sich trägt, verstärkt. Du hast sicher gemerkt, dass dir manche Zauber leichter fallen?" Harry schüttelte den Kopf. Dumbledore wusste nichts von seinen zauberstablosen Zaubern und so würde es auch bleiben. Sie waren seine Geheimwaffe. Und in Verwandlung heute hatte er dieselben Schwierigkeiten wie immer gehabt...

"Dann wirst du es bald merken." Dumbledore sah Harry scharf an, der sich blitzschnell hinter seine weißen Wände zurückzog.

"Ich werde nicht versuchen, deine Gedanken zu lesen.", sagte er. "Ich wollte dir eigentlich anbieten, dass du in zauberstabloser Zauberei trainiert wirst. Remus beherrscht die Grundlagen, er könnte es dir am Wochenende zusätzlich beibringen... und dann würde ich übernehmen." Harrys Augen weiteten sich.

"Sie wollen mir zauberstablose Zauberei beibringen, Professor?" fragte er ungläubig.

"Nun, ich kann nichts versprechen..." sagte Dumbledore, "aber ich würde es versuchen, wenn dein Talent wirklich so groß ist, wie ich denke."

"Aber... haben nicht alle Zauberer dieses Talent? Ich dachte, alle magischen Kinder jagen ab und zu etwas in die Luft… Verzeihung." fügte er an.

"Aber nicht alle apparieren und nicht alle verwandeln ihre Tante nach drei Jahren Unterricht in einen Luftballon.", erwiderte Dumbledore. Harrys gute Laune sank.

"Also bin ich wieder... anders", sagte er niedergeschlagen.

"Das ist kein Fehler. Harry." meinte Dumbledore, aber Harry war nicht überzeugt. Er würde die Sache aber erst einmal auf sich beruhen lassen.

"Professor?" fragte er leise. Dumbledore blickte ihn wieder einmal wohlwollend an.

"Was ist noch, Harry?" fragte er. Harry schluckte.

"Meine Eltern- stimmt es, dass... sie reich waren?" fragte er, sich an Tinsy erinnernd. Dumbledore seufzte.

"Die Potters sind eine sehr alte und angesehene Zaubererfamilie." antwortete er. Harry schluckte.

"Sind sie so wie... Sirius' Familie gewesen?" fragte er. Dumbledore lachte.

"Nein, Harry. Die Potters standen von Alters her immer auf der Seite des Lichts. Und jetzt solltest du lieber in deinen Gemeinschaftsraum zurückkehren. Ich glaube, dass Miss Granger und Mister Weasley schon ungeduldig werden." Harry stand auf. Es hatte keinen Sinn, weiterzufragen wenn Dumbledore ein Gespräch als beendet ansah.

"Gute Nacht, Harry.", sagte Dumbledore.

"Gute Nacht, Professor.", erwiderte Harry.

Ron und Hermine warteten tatsächlich schon auf ihn, aber er speiste sie mit der Nachricht, dass er eine Okklumentik-Stunde bei Snape nehmen musste, ab und schwieg über den Rest. Wenn Hermine noch etwas vermutete hielt sie sich dieses mal zurück- Harry hatte keine Probleme, in sein Bett im Schlafsaal der Sechstklässler zu entkommen. Ron bedauerte ihn ausführlich, aber Harry winkte ab. Er konnte Snape nicht leiden, aber er hatte das Gefühl, dass er dank Tante Petunias Tipp ein wenig besser abschneiden würde als im letzten Jahr. Wie Dumbledore Snape dazu gebracht hatte, dass er ihm wieder Unterricht gab, wusste er nicht und wollte es auch gar nicht wissen.

"Snape wird sich wundern.", murmelte er und baute mit unauffälligen Handbewegungen seine Verstummungszauber auf. Seitdem im Grimmauldplatz alle seinen Alptraum mitbekommen hatten hatte er sie nie wieder vergessen- im Gegenteil, er hatte noch einen Imperturbatio-Zauber hinzugefügt.

Voldemort versuchte in der Nacht wiederholt, durch seine Schilde zu brechen, und auch wenn er es nicht einmal schaffte raubte er Harry damit doch den Schlaf. Seine Narbe brannte und wand sich wie eine Schlange auf seiner Stirn, und als der Morgen endlich graute war er fast erschöpfter als am Abend zuvor. Seine Augen waren blutunterlaufen, und als er in den Spiegel im Badezimmer sah war dieser so geschockt, dass er nicht einmal einen Kommentar zu seinen Haaren abgab.

"Schon einmal etwas von Glamourie gehört?" fragte der Spiegel. Harry schnitt eine Grimasse. Natürlich kannte er in der Theorie verschiedene Glamourie-Zauber, denn diese waren die Grundlage, sich als eine andere Person zu tarnen.

"Klar", erwiderte er, obwohl er es eigentlich besser wusste, als sich mit einem Spiegel anzulegen.

"Dann versuch's mal damit.", riet der Spiegel. Harry zuckte die Schultern.

"Schaden kann es nichts.", meinte er. "Das ist die richtige Einstellung!" meinte der Spiegel.

Harry holte tief Luft. Er hatte noch nie einen Glamourie-Zauber versucht- sie zählten mit in das Gebiet menschlicher Verwandlung, in dem Professor McGonagall sie erst in diesem Jahr unterrichten wollte. Aber wenn Mädchen im dritten Jahr schon einen schafften...

"Forma vulti celo(3)!" Im nächsten Moment starrte ein gesichtsloses Wesen in seine unsichtbaren Augen. Der Spiegel stieß einen schrillen Schrei aus, und Harry hielt einen Moment lang den Atem an- aber keiner seiner Mitschüler regte sich, und er schnitt ungesehen eine Grimasse- was hatte er da nur für einen Spiegel erwischt?

"Also gut... das war nicht das Richtige... Revelo!" machte er seinen Zauber wieder rückgängig.

"Dann noch einmal... Vitii vulti celo(4)!" Dieses Mal verschwanden die dunklen Schatten unter seinen Augen, die tiefen Ringe, die bleiche Gesichtsfarbe und die roten Adern in seinen müde brennenden Augen. Nur seine dunkelrot pulsierende Narbe wand sich nach wie vor über seine Stirn.

>Nun ja, Tonks hat gesagt dass ich es kann.< dachte Harry und konzentrierte sich auf die Haare, die in matten Strähnen in seine Stirn hingen. Ein paar Minuten später waren sie genau den Zentimeter länger, den er brauchte, um sie zu verbergen.


"Schon besser- jetzt musst du nur noch diese Mähne auf deinem Kopf bändigen!" kommentierte der Spiegel. Harry ging stattdessen lieber zurück zu seiner Truhe und streifte sich seinen Trainingsanzug über. Madam Pomfrey hatte gesagt, dass er langsam wieder anfangen durfte, zu laufen.

Eine Runde um das Quidditchfeld und eine heiße Dusche später fühlte Harry sich wieder wie ein Mensch. Jedoch achtete er darauf, dass der Glamourie-Zauber hielt. Er streifte sich eine Jeans- in deren Tasche sein Schnatz steckte, wie er erst später bemerkte- und seine Roben über und war bereit, sich dem Tag zu stellen.

"Na, bereit für Verteidigung gegen die Dunklen Künste?" fragte Ron am Frühstückstisch. Hermine hatte schon ein dickes Buch auf den Knien- amüsiert bemerkte Harry, dass es Am Rande der Legalität- tausend nützliche Flüche und Zauber war, das Remus ihm zu Beginn seiner Sommerferien gebracht hatte.

"Der Messerfluch klingt interessant", bemerkte er, "aber nur, solange du ihn nicht spürst.", fügte er mit einer Grimasse hinzu.

"Was meinst du? OH!" Hermine wurde rosa. Ron war nicht so aufmerksam.

"Du... du hast das Ding gelesen? Und was meinst du mit 'solange'... hey!" Hermine hatte ihm unter dem Tisch gegen sein Schienbein getreten. "Ist doch eine berechtigte Frage, oder? OH!" Er schlug sich mit der Hand an die Stirn. "Sorry, Harry."

"Schon gut," erwiderte Harry, der heute in einem Meer der Ruhe zu schwimmen glaubte- vielleicht die dauernde Anstrengung in der Nacht zuvor, die seine Okklumentik-Künste bis aufs Äußerste angestrengt hatte. "Und ja, ich hab das Ding gelesen, Ron."

"Du bist verrückt!" meinte dieser, aber damit war die Sache erledigt. Harry und Ron diskutierten über die Chancen der Cannons in der Quidditch-Liga, Hermine las und dann war es auch schon Zeit, sich Professor Stevenson und Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu stellen.

"Sie ist irgendwie komisch, findet ihr nicht?" bemerkte Hermine, aber weder Ron noch Harry wollten das bestätigen. Verteidigung war wieder ein recht kleiner Kurs- wahrscheinlich hatten so viele das Fach gewählt, dass man mehrere kleine Klasse eingerichtet hatte. In Harrys Kurs waren außer ihm nur Mitglieder der DA, abgesehen von den Slytherins Malfoy, Nott und Zabini.

"Was für ein Glück- wir sind mit Malfoy in einem Kurs!" stöhnte Ron. Harry konnte nur zustimmen.

"Potter-Glück," sagte er und lachte mit seinen beiden Freunden, "es ist immer schlecht außer es geht um die Wurst!"

"Ich will doch hoffen, dass Sie in meinem Kurs etwas anderes als Ihre nächste Mahlzeit im Kopf haben," erklang die spröde, trockene, recht tiefe Stimme ihrer neuen Lehrerin hinter ihnen, "ich habe... recht viel von Ihnen dreien gehört."

Hermine strahlte. Sie war sich sicher, dass Marina Stevenson ihnen ein Kompliment machen würde. Die ältliche Dame jedoch schritt nur würdevoll nach vorne zum Lehrerpult.

"Mein Name ist Professor Marina Stevenson. Sie alle sind in einem UTZ-Kurs für Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Als ein sehr wichtiger Kurs, besonders in diesen Zeiten, ist er allen Schülern empfohlen worden. Ich erwarte Disziplin und Lernbereitschaft. Sie werden sich in diesem Klassenzimmer an die Regeln halten, auch wenn das für... manche ungewohnt sein mag." Ihre Augen wanderten zu Harry, der stur zurückstarrte. Die Slytherins kicherten wieder hinter vorgehaltener Hand.

"Seien Sie bitte still, Mr. Malfoy- Sie können sicher sein, dass ich Sie warne, sollte etwas im Scherz gemeint sein. Ich vermute, Sie alle haben die auf ihrer Bücherliste angegebene Literatur, Theorie Magischer Verteidigung von Wilbert Slinkhard und Die Dunklen Künste: Praktische Verteidigung für Fortgeschrittene von Adalbert Fehd?" Allerorts im Klassenzimmer knallten Bücher auf die Tische.

"Ich hatte gehofft, dass ich dieses Ding nie wieder sehen muss.", murmelte Ron und schichtete sein Slinkhard-Buch unter das von Fehd.

"Sehr gut. Dann beginnen wir mit einer Wiederholung des Stoffes vom letzten Jahr- ja, Miss Granger?" Hermine hatte die Hand in die Höhe gereckt.

"Im letzten Jahr haben wir nur im Buch von Slinkhard gelesen und es zusammengefasst," erklärte sie. Professor Stevenson runzelte die Stirn.

"Ich hätte mit Sicherheit gefragt, wenn ich das nicht gewusst hätte, Miss Granger- und Mr. Malfoy, was hatte ich Ihnen über Scherze gesagt?" Harry fühlte eine immer größere Abneigung gegen die neue Lehrerin in sich aufsteigen. Diese Frau schien nichts mehr zu verabscheuen, als mit Schülern in einem Klassenzimmer zu stecken.

"Also gut, ich werde umformulieren: Wir werden mit einer Wiederholung der Dinge beginnen, die Sie im letzten Jahr hätten lernen sollen... und dazu ist eine Demonstration nötig. Warum fragen wir nicht unseren... Merlin-Preisträger? Mr. Potter, Sie sollten eigentlich keine Probleme damit haben, meine Flüche zu blocken. Kommen Sie nach vorne und in die Mitte, alle anderen zur Seite."

"Was? Warum?" entfuhr es Harry, "ich meine, ich weiß noch nicht einmal, was-"

"Es scheint, als hätten Sie die irrige Vorstellung, dass meine Anordnung ein Vorschlag war, Mr Potter. Sicher hat ein Wunderkind in Verteidigung gegen die Dunklen Künste wie Sie keine Probleme damit, eine kleine Demonstration zu veranstalten? Oder doch? Nun, es scheint, als sei der Merlin-Preis auch nicht mehr das, was er einmal war."

"Also gut," erwiderte Harry erhitzt, "ich bin bereit, Professor."

"Nur nichts überstürzen, Mr. Potter," entgegnete die Frau, deren kurzes, graubraunmeliertes Haar in ihre braunen Augen fiel. Mit einem Schlenker ihres Zauberstabes flogen die Tische und Stühle an die Wände, wo die Klasse sich aufstellte, um die 'Demonstration' zu beobachten.

Marina Stevenson setzte ihre hornberänderte Lesebrille sorgsam auf dem Lehrerpult ab, und Harry verfluchte, dass er noch keine Kontaktlinsen von Tinsy bekommen hatte. Seine Brille konnte zu leicht von seinem Gesicht fallen, und dann hatte er ein Problem. Diese Frau, deren Bewegungen zwar nicht steif, aber doch eingeschränkt waren und die mit Sicherheit ein paar wenige Pfunde zuviel auf den Rippen hatte, hatte das Selbstvertrauen eines erfahrenen Duellanten. Wahrscheinlich würde er mit wehenden Fahnen untergehen...


Ein Blick auf Draco Malfoys entzücktes Grinsen und aufgeregtes Flüstern mit seinem Freund Nott und er war sich sicher, dass er nicht untergehen würde. Sicher, er würde wahrscheinlich verlieren, aber nicht, ohne Professor Stevenson zu beweisen, dass seine ZAG-Ergebnisse nichts damit zu tun hatten, was er getan hatte, als er gerade einmal ein Jahr alt war.

"Jetzt sind wir bereit, Potter?", fragte Stevenson und zog ihren Zauberstab, der aus einem hellen Holz gefertigt und recht lang und dünn war. Harry schluckte nur und ging ein paar Schritte zurück. "Erwidern Sie mit dem korrekten Gegenfluch oder einem passenden Schild. Eins- zwei- drei... Diffindo!"

Harry duckte sich zur Seite weg, nicht ohne die Erwiderung, Conglutino(5), aus seinem Zauberstab schießen zu lassen, die mit Professor Stevensons Fluch zusammenprallte und beide auslöschte.

"Nicht schlecht, Potter- aber ich hatte gesagt, nur den Gegenfluch. Da Sie sich allerdings wie in einem Duell verhalten haben... nun, was wäre eine bessere Demonstration?" Harrys Augen weiteten sich.

"Aber Professor-" begann er, nur um wieder von Marina Stevenson unterbrochen zu werden.

"Alles außer den Unverzeihlichen, Potter. Und nun legen Sie los- Sie können ja versuchen, zu beweisen, dass Sie Ihre Noten verdient haben." Harry ballte die Fäuste.

"Und ob ich das werde," zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Das weiße Licht- seine Magie, schwoll wieder einmal an, und diesmal kämpfte er nicht dagegen sondern ließ es durch sich hindurchströmen. Vage bemerkte er, dass Professor Stevenson schon wieder auf drei gezählt hatte und aus ihrem Zauberstab eine ganze Batterie an Zaubern schoss.

"Protego!" wisperte Harry. Der Schildzauber legte sich um ihn wie eine schimmernde Blase und absorbierte die erste Salve. Er hatte jedoch nicht auf Professor Stevenson geachtet, die unter dem Schutz ihrer Zauber näher an ihn herangekommen war.

"Lumos!" Auf so kurze Entfernung blendete der Lichtschein ihres Zauberstabes. Harry blinzelte- und bezahlte es damit, dass ihn ein Kitzelfluch in die Seite traf.

"Finite incantatem!" keuchte er und rollte sich unter Stevensons Schockzauber weg. Seine Schulter gab einen schmerzhaften Stich, als sie härter als beabsichtigt mit dem Boden kollidierte. Madam Pomfrey hatte ihn vor zu großer Belastung der neugewachsenen Knochen in den ersten zwei Monaten gewarnt...

"Affligo(6)!" setzte Professor Stevenson nach, und Harry sah sich gezwungen, einen mächtigeren Schildzauber, den er bisher nur theoretisch kannte, zur Abwehr einzusetzen.

"Scutum(7)!" rief er, so laut er konnte und hoffte. Aus dem Nichts tauchte ein halbmondförmiger, silberner Schild auf, der dröhnte wie ein Gong, als Stevensons Fluch mit ihm kollidierte. Voldemort hatte einige von Dumbledores Attacken so abgewehrt...

Der Schild kostete viel Energie. Harry keuchte, aber er war nicht bereit, nachzugeben. "Stupor!" rief er, und schickte gleich einen Entwaffnungszauber hinterher, dessen Zauberspruch er nicht mehr laut auszusprechen brauchte, da er ihn inzwischen beinahe zauberstablos beherrschte.

Professor Stevenson duckte sich unter seinem Schockzauber weg, doch sein Entwaffnungszauber erwischte sie voll. Zu Harrys großer Überraschung flog ihr Zauberstab jedoch nicht in hohem Bogen in seine Hand, sondern kehrte zu  ihr zurück, sobald er ihr aus den Fingern gerissen worden war.

"Expelliarmus, Caestus, Petrificus Totalus!(8)" schrie sie, ebenfalls schwer atmend. Harrys Schild absorbierte den Entwaffnungszauber, zerbrach dann aber, weil er nicht mehr genug Energie hatte, um ihn aufrecht zu erhalten. Der Schlagringzauber, den Professor Stevenson eingesetzt hatte, kollidierte mit seiner schwachen rechten Schulter, und Harry sah einen Moment lang Sterne. Etwas darin hatte nachgegeben... Er war nicht auf die Ganzkörperklammer gefasst, und sie schickte ihn schließlich mit steifem Körper zu Boden.

>Die Auror-Plakette!< dachte Harry noch während er fiel, da er spürte, wie sich seine Muskeln zumindest teilweise wieder unter seine Kontrolle stellten. Seine rechte Schulter pochte und hämmerte- aber Professor Stevenson stellte sich völlig ungeschützt über ihn, nicht wissend, dass er so gut wie frei von ihrer Klammer war.

"Nun, es scheint, als wäre unsere kleine Demonstration schon vorbei... erwarten Sie nicht, dass wir uns in den nächsten Wochen duellieren. Mr. Potter... hat gezeigt, dass er zwar ein fortgeschrittener Schüler ist, aber von einem Merlinpreisträger hätte ich doch mehr erwartet... nun ja, wer kann mir sagen, was Mr. Potters Fehler war? Mr. ... Weasley?" rief sie Ron auf. Harry grinste vom Boden aus seinen Freund an, dessen Augen sich fast unmerklich weiteten.

"Er hat darauf vertraut, dass sein Entwaffnungszauber wirkt, Professor Stevenson.", sagte Ron. Marina Stevenson lächelte zum ersten Mal, seit Harry sie gesehen hatte.

"Sehr richtig- fünf Punkte für Gryffindor. Es freut mich, einen Schüler zu haben, der mitdenkt." Harry fing ein Gemurmel von Malfoy auf, das eindeutig so klang wie "Klasse, jetzt ist Weasley ihr neuer Liebling!", aber er kümmerte sich nicht darum. Stattdessen richtete er seinen Zauberstab auf Professor Stevenson, die noch immer über ihm stand und der Klasse erklärte, wie wichtig es war, keinen Gegner zu unterschätzen.

"Dunkle Zauberer kennen kein Fair Play," sagte sie, "und sie werden sich nicht an die Regeln halten. Mein Zauberstab steckte in einer illegalen Hülle, die ihn immer wieder in meine Hand zurückruft, wenn er mir entrissen wird."

"Stupor!" rief Harry, der es endlich geschafft hatte, sich mit einem zauberstablosen finite incantatem aus der Ganzkörperklammer zu befreien. Er hatte mit Absicht danebengezielt, aber der heiße, rote Strahl des Fluches, der an Professor Stevensons Ohr knapp vorbeizischte bevor er in der Wand einschlug genügte, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

"Potter?" fragte sie erstaunt, "wie?"

"Ähnlich wie Ihr Zauberstabhalter- ich besitze ein Auror-Amulett.", sagte er. Professor Stevenson runzelte die Stirn. Ihre Augen blitzten wütend.

"Sie hatten also einen unfairen Vorteil?" fragte sie scharf. Harry erwiderte ihren Blick.

"Den ich nicht genutzt habe, bis Sie nicht Ihren genutzt hatten.", sagte er.

"Zehn Punkte Abzug für Ihre Unverschämtheit!" donnerte Professor Stevenson. "Sie hätten mir so etwas vorher sagen sollen. Sie scheinen... sehr bedacht darauf, das zu scheinen, was Albus denkt, dass Sie sind."

"Ich..." sagte Harry, der vor Wut zu stottern begonnen hatte. Erst versuchte Stevenson, ihn vor der ganzen Klasse lächerlich zu machen, dann zog sie ihm auch noch Punkte dafür ab, dass er versucht hatte, das Duell fair zu halten, und zuletzt verwandelte sie sich in einen zweiten Snape!

"Mr. Weasley, sie haben einen klugen Kopf auf Ihren Schultern- was denken Sie, hätte Ihrer Meinung nach geschehen müssen?" Ron warf Harry einen entschuldigenden Blick zu.

"Sie hätte einen Schockzauber auf Harry werfen müssen, sobald er am Boden lag.", sagte er. Professor Stevenson nickte. "Sehr richtig, Weasley. Weitere fünf Punkte für Gryffindor. Und nun nehmen Sie bitte wieder Platz- wir werden uns mit der Theorie hinter ein paar dieser Flüche beschäftigen, bevor Sie versuchen, sie einzusetzen. Bitte, schreiben Sie ab." Harry meldete sich. Er hatte langsam Schwierigkeiten, den rechten Arm zu bewegen.

"Was ist, Potter? Können Sie nicht lesen?" Malfoy grinste hämisch. Harry schüttelte den Kopf.

"Es ist mein rechter Arm, Professor. Der Caestus-Fluch hat ihn getroffen."

"Dann gehen Sie heute Abend zur Schulkrankenschwester, aber schreiben Sie jetzt endlich diesen Text ab, wenn Sie nicht unbedingt ein Schmerzmittel brauchen- er ist wichtig, auch wenn Sie das vielleicht nicht denken!" Harry gab es auf, zu protestieren und versuchte, so gut es ging zu schreiben, auch wenn seine Schrift immer zittriger wurde, je länger die Stunde dauerte.

Am Ende der Stunde hatte Harry einen Schreibkrampf, seine rechte Schulter pochte immer noch schmerzhaft, wo Stevensons Schlagring-Fluch ihn getroffen hatte und war fast völlig steif, und er fühlte sich erschöpft und matt, weil der fortgeschrittene Schild zu viel Energie gekostet hatte, da er ihn das erste Mal eingesetzt hatte.

"Verdammt, was sollte das?" fragte er wütend. Hermine sah ähnlich enttäuscht aus, aber Ron wirkte eher fröhlich.

"Hey, so viele Punkte hab ich in Verteidigung noch nie bekommen! Muss wohl daran liegen, dass sie dich nicht leiden kann!" grinste er und boxte Harry scherzhaft in die Schulter. Er sog zischend die Luft ein- Ron hatte dieselbe Stelle wie Stevensons Fluch erwischt.

"Was? Deine Schulter? Verdammt, warum hast du nichts gesagt?" fragte Ron. Hermine begann, nervös an seinem Arm herumzufingern, und Harry musste ihn ihr gewaltsam entreißen, als sie zum zweiten Mal die empfindliche Stelle berührte.

"Hab ich doch. Stevenson will, dass ich erst heute Abend zu Madam Pomfrey gehe, hast du doch gehört." Ron schüttelte den Kopf.

"Nee, Kumpel- du solltest jetzt gehen. Zeig mal, wie deine Schulter aussieht- ich wette, es ist mal wieder nichts Gutes." Hermine sah Ron missbilligend an.

"Das ist ja wohl zu erwarten, oder? Zeig her, Harry." Sie wollte Harrys Ärmel hoch rollen, aber er entzog sich ihrem Zugriff.

"Ist schon nicht so wild, nur ein blauer Fleck- und ich will Hagrids erste Stunde nicht verpassen. Ich geh dann in der Mittagspause."

"Bist du sicher?" hakte Hermine nach, aber da Harry unter Zuhilfenahme seiner Okklumentik-Schilde mit einem Grinsen versicherte, dass schon wieder alles in Ordnung sei und Ron nur eine besonders empfindliche Stelle erwischt hatte, gab sie schließlich auf.

"Außerdem hab ich wirklich genug vom Kranksein", schloss Harry.

"Kann ich dir glauben", pflichtete Ron ihm bei, und Hermine warf endlich die Hände in die Luft.

"Also gut, du musst es ja wissen", sagte sie. Harry grinste sie an und nickte mit dem Kopf nach draußen.

"Kommt, Pflege Magischer Geschöpfe wartet."

 


  

Hagrid hatte für seine UTZ-Klasse, die fast ebenso groß wie Harrys Zauberkunstklasse war, dankenswerterweise jedoch ohne Malfoy und seinen Todesser-Junior-Club stattfand, ein paar Stunden mit dem Riesenkrake aus dem See geplant. Harry hatte sich zunächst darauf gefreut, doch nach einer halben Stunde des Herumkraxelns auf der rutschigen Außenhaut der gigantischen Tentakel fühlte er sich weniger gut. Sein linker Arm hatte ebenfalls begonnen, zu schmerzen- er war überanstrengt, und seine Zeichnung von den Saugnäpfen des Kraken ähnelte eher der Strichmännchenzeichnung eines Kindergartenkindes.

 
"Harry!" Ron rettete ihn vor einem Sturz ins kalte Wasser des Sees- es war ein Wolken verhangener Septembertag und die Wärme des Sommers war nicht mehr stark genug, um sich hier im Norden noch gegen den Einfluss des Herbstes durchzusetzen.

"Danke, Ron" keuchte Harry, dessen rechter Arm sich kaum noch heben ließ. Ron grinste ihn an.

"Kein Problem, Kumpel. Weißt du, dafür, dass du auf einem Besen so geschickt bist, bist du eine echte Niete, wenn’s ums Klettern geht!"

Harry sagte nichts. Ron würde ihn sonst wahrscheinlich postwendend zu Madam Pomfrey scheuchen, und er wollte die Begegnung mit der strengen Heilerin, die er im Sommer schon so strapaziert hatte, so lange wie möglich aufschieben. Jetzt musste er nur einen Weg finden, um wieder an diesem langen Tentakel hinauf bis zum Gesicht des Riesenkraken zu klettern... er seufzte. Der Riesenkrake, als hätte er sein Problem bemerkt, hob ihn auf seinem Tentakel an und brachte ihn in die Nähe seines Gesichts, so dass Harry Zeichnungen von den komplizierten Augen und seinem schnabelartigen Mund machen konnte.

"Vielen Dank", sagte der sechzehnjährige Zauberer erschöpft. Der Krake gurgelte etwas, wo er im seichten Uferwasser lag.

"Wenn ihr dann fertig seid?" rief Hagrid zu seinen Schülern hinüber.  Harry ließ sich erleichtert vom Tentakel rutschen und gesellte sich zum Rest der Klasse. Seine Konzentration war kurz davor, zu brechen.

"Bis Freitag bitte ein Aufsatz über die magischen Eigenschaften des Riesenkraken, und dann zeig' ich euch ma, was er so frisst!" sagte Hagrid. Harry, dem der Riesenkrake einigermaßen sympathisch war, wurde grün.

"Ich hoffe nur, es sind keine Spinnen", meinte Ron unenthusiastisch. Hermine nickte.

"Oder... Innereien!" sagte sie und schüttelte sich. Harry grinste.

"Und ich dachte, deine Eltern sind Ärzte!" Hermine plusterte sich auf.

"Zahnärzte, Harry! Das heißt keine Chirurgen!"  schimpfte sie. Ron und Harry lachten laut.

"Hermine, ich weiß!" gluckste Harry.

"Ach, geh doch weg!" schimpfte Hermine, halb im Ernst. Harry nickte.

"Werd ich- nämlich zum Mittagessen."

"Gute Idee- ich glaub, ich könnte ein Pferd verdrücken," meinte Ron, "diese ganze Riesenkraken-Kletterei macht ganz schön hungrig."

"Nein, wirst du nicht!" protestierte Hermine. Ron und Harry hielten auf ihrem Weg zum Schloss hinauf inne.

"Warum nicht? Ich brauch was zu essen, 'Mine! Wir können uns nicht alle von Büchern ernähren so wie du!" sagte er vorwurfsvoll.

"Oh, sei kein Baby, Ron. Du kannst natürlich schon in die Große Halle gehen. Ich begleite Harry zu Madam Pomfrey. Oder hast du etwa schon Professor Stevensons Fluch in Verteidigung gegen die Dunklen Künste vergessen?" Rons Gesichtsausdruck nach zu urteilen hatte er das tatsächlich.

"Ich komm mit", sagte er. Harry schüttelte den Kopf.

"Nein, geht ihr beide schon mal zum Mittagessen. Ist wirklich alles in Ordnung- schätze, ich seh euch dann in Heilkunst, oder?" Alle drei hatten am Beginn des Sommers vereinbart, den Zusatzkurs zu wählen.

"Bist du sicher, dass wir dich  nicht begleiten sollen?" fragte Hermine besorgt.

"Ja... Mum!" sagte Harry. Hermines Gesicht wirkte geschockt während Ron lachen musste.

"Gibs zu, Hermine- du benimmst dich wirklich wie seine Mutter!" keuchte er hervor.

"Na, wenn ihr aber auch so kindisch seid", grummelte Hermine, ließ sich aber von Ron in Richtung große Halle führen während Harry hinauf zum Krankenflügel ging.

"Bis nachher, Ron, Hermine!" rief er ihnen nach, aber sie waren schon wieder in eine ihrer kleinen Meinungsverschiedenheiten vertieft.

  

"Was machst du hier, Potter, und ganz alleine?" Harrys Kopf schnellte nach oben. Er hatte auf der zweiten Treppe innegehalten, da diese plötzlich ihre Richtung geändert hatte, und hatte abwesend seinen Arm massiert. Malfoy hatte er nicht kommen hören.

"Na? Nicht so mutig ohne den Rest des Trios, Potter?" Harry antwortete nicht. Er wollte Malfoy nicht eingestehen, dass er auf dem Weg zu Madam Pomfrey war- der blonde Slytherin hätte sonst wieder einmal etwas zu lachen.

"Hau  ab, Malfoy!" schnappte er. Draco lachte.

"Oh, Potter, deine Sprüche sind so... innovativ! Kaufst du sie bei Weasley?" Harry schob sich an seinem Schulfeind vorbei.

"Oh, Klein-Potter kann sich nicht wehren- wie nett", zischte Malfoy, und für einen Moment glaubte Harry, Bellatrix Lestrange gegenüberzustehen. Kein Wunder, dass die beiden verwandt waren...

"Malfoy, ich hab’s dir schon mal gesagt: lass mich in Ruhe! Geh deine Gorillas suchen!" Malfoy versperrte ihm nur wieder den Weg.

"Ich hatte es dir im Zug schon mal gesagt, Potter: keiner kommt einem Malfoy in die Quere, ohne dafür zu bezahlen... Diffindo!" Harrys Augen weiteten sich, als er den Fluch erkannte. Er riss seinen Zauberstab in die Höhe. Seine Schulter stach.

"Scutum!" rief er, ohne nachzudenken. Sein silberner Schild war kleiner, als er in Verteidigung gewesen war, aber er reichte aus, um Malfoys Fluch in einem spitzen Winkel abprallen zu lassen. Malfoys silbergraue Augen blitzten gefährlich.

"Das hättest du nicht tun sollen, Potter", zischte er. Harry hielt seinen Zauberstab bereit und zwang sich, ruhig zu werden. Sein rechter Arm wurde langsam taub. Malfoy ihm gegenüber hatte einen lauernden Gesichtsausdruck, der nichts Gutes verhieß. Harry wusste, dass er einem Duell mit diesem... Junior-Todesser im Moment nicht gewachsen war, aber er bemühte sich, möglichst ruhig zu bleiben.

Seine Rettung kam in Form des Schulsprechers. "Was geht hier vor? Keine Zauberei in den Gängen!" Malfoy wandte sich zu seinem Hauskameraden.

"Potter hat mich angegriffen, Dorny." Jeremias Dorny(9), der diesjährige Schulsprecher, runzelte die Stirn.

"Ist das so, Malfoy? Ihr solltet lieber beide weitergehen... Potter, was machst du hier während des Mittagessens?"

"Ist es verboten, hier herumzulaufen?" schnappte Harry, der endlich genug von den beiden Slytherins hatte, die Blicke austauschten, die ihm gar nicht gefielen.

"Nein... aber ich wäre an deiner Stelle etwas vorsichtiger- wer weiß, du könntest einen Unfall haben, und das wäre schließlich eine Katastrophe!" Malfoy reckte die Nase hämisch in die Höhe.

"Schon gut- kann ich jetzt weitergehen?" fragte Harry irritiert. Die beiden Slytherins beobachteten ihn scharf, aber er hatte seinen Zauberstab noch immer in Bereitschaft und schulterte sich einen Weg zwischen ihnen frei.

"Pass auf, was du sagst, Potter- oder deine Freunde könnten ein... kleines Missgeschick haben", murmelte Malfoy in sein Ohr. Harrys Inneres gefror.

Er hatte keine Angst vor Malfoy, es gab nichts, was dieser ihm antun könnte, aber... er konnte Ron und Hermine verletzen, oder Neville, Luna, Ginny... die anderen Gryffindors... und es wäre seine Schuld.

"Malfoy, du hast ein Problem mit mir. Lass die anderen aus dem Spiel!" schnappte er. Malfoy lachte.

"Dann habe ich also die Schwachstelle von Harry Potter gefunden..." sagte er. Seine Schulroben wirbelten um seinen Körper in einer schon recht guten Imitation von Snape, bevor er in Begleitung des Schulsprechers davon stolzierte und Harry seinen Gedanken überließ.

>Er wird es nicht wagen... oder wird er?< dachte Harry. Er fühlte sich unsicher, und sein Kopf begann, zu schwimmen. Er hatte sehr viel Energie verbraucht... das weiße Licht seiner Magie war schwächer geworden, die Wärme, die es spendete, reichte nicht mehr aus, um die Kälte der finsteren Gedanken zu vertreiben.

>Warum ich? Warum meine Freunde? Und... was soll ich tun? Ich kann nicht noch jemanden sterben lassen. Verdammt, Malfoy! Geh zur Hölle! Was kann ich tun?<

Aber erst, als er endlich auf einem Bett in der Krankenstation saß, nachdem Madam Pomfrey einen spitzen Schrei angesichts seiner blauroten Schulter ausgestoßen hatte- "Hab ich dir nicht gesagt, du sollst sie möglichst wenig belasten, Potter?"- kam ihm die Lösung.

>Ich muss einfach... mehr lernen. Vielleicht sogar die Dunklen Künste... ich muss Voldemort aus der Welt schaffen, dann sind sie endlich sicher.< Nur leider war ihm diese Lösung kein Trost- denn wie sollte ein Sechzehnjähriger nur einen der mächtigsten Zauberer der Welt überwältigen?

"So!" unterbrach Madam Pomfrey, "das sollte diesen Bluterguss im Gelenk ausmerzen- trinken, Potter." Sie schob ihm einen großen Becher mit einem milchig-klaren Zaubertrank in die Hände.

"Ein Bluterguss im Gelenk?" fragte Harry, "ist das, was der Schlagring-Fluch hervorruft?" Madam Pomfrey nickte.

"Wenn er richtig trifft... ah, du bist in meinem Grundlagen der Heilkunst-Kurs, richtig? Gut, dann bist du das erste Demonstrationsobjekt. Der Trank, den du hier in deiner Hand hältst, nennt sich Bluterguss-Verschwinde-Elixier, oder Sanguinis eruptio nusquam appare. Der lateinische Name wird allerdings kaum noch verwendet." Harry konnte verstehen, warum. Er war so lang, dass ihn sich wahrscheinlich niemand merken konnte.

"Hauptzutaten sind Blutegelmark und Weidenrindensud. Die milchigen Schlieren zeigen, wie stark das Elixier ist. Da deine Schulter noch schwach und der Bluterguss ziemlich groß ist habe ich dir ein sehr wirksames gegeben. Und jetzt runter damit!"

Harry schluckte. Das Bluterguss-Verschwinde-Elixier schmeckte leider nicht annähernd so gut wie der Ameliorare-Trank, mit dem er im Sommer Bekanntschaft gemacht  hatte.

"Ugh", sagte er. Madam Pomfrey nickte. "Leider machen Pfefferminze und Zucker das Elixier wirkungslos. Jetzt hinlegen, und in einer halben Stunde sollte alles wieder in Ordnung sein... aber du könntest noch einen Aufpäppeltrank gebrauchen... was hat deine magischen Reserven so zusammenschrumpfen lassen?"

Harry war einen Moment lang verwirrt. "Huh? Ach so... umm... zwei Scutum-Zauber", erwiderte er endlich wahrheitsgemäß. Madam Pomfrey fasste ihn scharf ins Auge.

"Das ist ein Witz. Scutum ist ein fortgeschrittener Schild, der Auroren am Ende ihrer Ausbildung beigebracht wird, wenn sie genug magische Energie haben, und..." Harry zuckte die Schultern und schnitt eine Grimasse.

"Ich musste einen starken Fluch abwehren, und das war das Einzige, was mir eingefallen ist", sagte er. Madam Pomfrey gluckte besorgt.

"Dann ist es kein Wunder, dass du so müde bist, Potter... hinlegen, jetzt, eine halbe Stunde lang, und dann ein Aufpäppeltrank." Harry hob protestierend die Hände.

"Aber... ich wollte noch zum Mittagessen gehen und..." Tatsächlich erreichte sein Hunger langsam Rons Level. Madam Pomfrey gab sich geschlagen.

"Also gut, ich bitte die Hauselfen, dir etwas zum Essen hierher zubringen- aber der Arm wird ruhig gehalten." Während sie zu ihrem Büro und dem darin installierten Kamin wuselte hörte Harry sie deutlich vor sich hin schimpfen. Er ließ die Schultern sinken und seufzte. Es war ja schließlich nicht so,  als ob er immerzu im Krankenflügel stecken wollte!

 



  
Grundlagen der Heilkunst stellte sich als ein sehr interessantes Fach heraus. Und das, obwohl Madam Pomfrey ihnen zunächst eine Liste mit dem Stoff für das kommende Jahr gegeben hatte. Harry war beinahe aus allen Wolken gefallen, als er gesehen hatte, dass er alle Knochen, Sehnen, Muskeln und Organe des menschlichen Körpers auswendig lernen musste.


"Das ist wie das Physikum bei den Ärzten", meinte Hermine wichtig und erntete strahlend zehn Punkte für Gryffindor, weil sie sich mit den größeren Muskelgruppen schon recht gut auskannte.

"Die Bibliothek meiner Eltern", erklärte sie Ron, der mit den Augen rollte.

In Zauberkunst fuhren sie mit weiteren Zaubersprüchen, die Geräusche manipulierten fort. Der Cantus(10)-Zauber, der ihnen die Stimme eines Opernsängers verlieh, brachte die ganze Klasse wieder einmal zum Lachen- Professor Flitwick trällerte als Countertenor J'ai perdu mon Euridice aus Orpheus und Euridike, dann legte er einen Zauber über die ganze Klasse, der sie zum Singen brachte, auch wenn sie es eigentlich nicht wollten, sobald sie ihre Cantus-Zauber gesprochen hatten.

Harry hatte einen angenehmen Bariton und entrann weiterer Aufmerksamkeit. Rons Bass hingegen war spektakulärer- er schaffte es, 'In diesen Heil'gen Hallen', die Arie des Sarastro aus Mozarts Zauberflöte, mit laut tönender Stimme zu singen, während Hermine als Mezzosopran eine gute Figur machte. Draco Malfoy, der ebenfalls in Harrys Zauberkunst-Klasse war, schmachtete die Tenor-Arie 'Dies Bildnis ist bezaubernd schön', was Pansy Parkinson fast in Ohnmacht fallen ließ, da er sie dabei ansah.

"Ah, Musik- eine Magie, die über alles andere hinausgeht!" seufzte Professor Flitwick und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Harry erinnerte sich daran, dass Professor Dumbledore in seinem ersten Jahr dasselbe gesagt hatte, als sie die Schulhymne gesungen hatten, und er wunderte sich, warum sie es seitdem nicht mehr getan hatten.

Später am Abend hatte er seine Zeichnungen für Pflege Magischer Geschöpfe, neu gemacht und einige seiner vielen Aufsätze geschrieben. Und das, obwohl Ron ihn zu Zauberschnippschnapp und Schach herausgeforderte. Was wiederum  zu einer heftigen Diskussion zwischen Ron und Hermine führte, ob es nun besser sei zu lernen oder sich auch mal zu entspannen, die Harry über sein neues, aus der Bibliothek ausgeliehenes Buch hinweg mitverfolgte.

 

Ron war den Rest des Abends über beleidigt, und weigerte sich, mit Harry zu sprechen. Stattdessen spielten Neville und er Koboldstein, bis Ginny hinzukam und beide so vernichtend schlug, dass Hermine Ron mit einem Ratzeputz von der öligen, stinkenden Flüssigkeit aus den Steinen befreien musste. Harry grinste in sich hinein, als er sah, wie sich Rons Ohrenspitzen hellrot verfärbten. Hermine hatte diese Wirkung... sie konnte sich in eine zweite Molly Weasley verwandeln.

Harrys Nacht war nicht besser als die letzte, aber da er die Glamourie-Zauber an ihrem Platz gelassen hatte, kam er an diesem Tag wenigstens um ein Kommentar des Spiegels herum. Er fühlte aber die Erschöpfung, die von zwei fast schlaflosen Nächten herrührte, in den Knochen, während er in Arithmantik eine Gleichung nach der anderen löste. Moon und Zabini begleiteten ihn auch an diesem Tag, obwohl Verwandlung statt Zauberkunst auf dem Stundenplan stand. Er hatte am Montag nicht bemerkt, dass sie in seiner Klasse waren.

Harry verwandelte sein Kätzchen in einen schlichten weißen Porzellankerzenhalter. Hermines hatte natürlich das berühmte Meißener Zwiebelmuster, und hatte einen durchbrochenen Fuß, was Professor McGonagall in Verzückung versetzte und Gryffindor zehn Punkte eintrug.

Während seiner Freistunde verschwand Harry im Raum der Erfordernis(11). Statt des großen, freien DA-Raumes fand er einen perfekt ausgestattete Duellplattform mit einigen animierten Gegnern. Nervös wegen seiner Okklumentik-Stunden bei Dumbledore an diesem Abend trieb er sich weiter und weiter bis an seine Grenzen und darüber hinaus. So war es nicht verwunderlich, dass er nach einer Stunde ziemlich erschöpft, verschwitzt und voller blauer Flecke war- aber eine der animierten Puppen, die er zum Gegner gehabt hatte, sah bei Weitem schlechter aus. Er hatte all die neuen Flüche und Zauber ausprobiert, die er in den Sommerferien studiert hatte, und hatte mit einigen schon einen ganz guten Erfolg erzielt. Die komplizierteren jedoch... "Ich schätze, ich muss noch eine ganze Menge üben," sagte er sich.

Seine Okklumentik-Stunde war ebenfalls eine gesunde Mischung aus Erfolg und Misserfolg. Während er es erst nach einer Stunde schaffte, Dumbledore vollkommen aus seinem Geist auszuschließen waren seine passiven Schilde doch stärker geworden, und der Schulleiter schaffte es nicht, an wirklich wichtige Informationen zu gelangen. Allerdings hatte Dumbledore Harry immer Zeit gelassen, sich vorzubereiten- Überraschungsangriffe würde er mit Snape am Freitag üben müssen.

Vollkommen am Ende war er zurück in seinen Schlafsaal gekommen- Ron war mit Neville und Hermine noch im Gemeinschaftsraum, aber Harry war zu müde, um auch nur daran zu denken, etwas anderes zu tun als zu schlafen. Da er nun wusste, dass eine Okklumentik-Stunde ihn zunächst schwächte, verwendete er besonders viel Zeit darauf, den Tag durchzudenken und weiße Wände um all das zu legen, was niemand je sehen sollte.

Leider half es nur bedingt- er war schon wieder wach, sobald seine Klassenkameraden eingeschlafen waren. Seine Narbe ziepte und brannte, und in seinem Unterbewusstsein spürte er, dass Voldemort gut gelaunt war. Der Dunkle Lord hatte sich  sogar so sehr gefreut, dass er Harry ein paar Bilder geschickt hatte. Der Sechzehnjährige zuckte zusammen, als die leeren Augen eines kleinen Muggelmädchens aus ihrem toten Gesicht starrten. Ihr kleiner Körper war zerschmettert- Todesser hatten sie erst levitiert und dann fallengelassen, so dass sie auf dem Pflaster der Kleinstadt in Südengland, die Voldemort angegriffen hatte, zu liegen gekommen war. Eine Unschuldige mehr...

Darüber hinaus hatte Voldemort auch  wieder etwas von... dieser Quelle erfahren. Harry schluckte die Galle hinunter, die ihm bei dieser Erinnerung in die Kehle stieg. Tom Riddle hatte die Nachricht mit einer Muggelfrau... gefeiert...

Es war zuviel. Ohne darauf zu achten, dass seine Verstummungszauber an ihrem Platz waren, stürzte Harry ins Badezimmer, wo er sich übergeben musste. Allein der Gedanke, dass diese... Kreatur... Er lehnte den Kopf gegen den kalten Fußboden, der das Pochen seiner Narbe wenigstens teilweise linderte. Schlaf würde er in dieser Nacht wohl keinen mehr finden- und um ehrlich zu sein wollte er das auch gar nicht. Er bezweifelte, dass selbst Okklumentik die Alpträume fernhalten konnte.

So setzte er sich stattdessen auf die breite Fensterbank hinter seinem Bett, eine Decke um seine Schultern geschlungen. Der Nachthimmel war kalt und klar, die Sterne hell und leuchtend, da der Mond in seinem letzten Viertel nur noch ein blasser Schatten auf der dem Gryffindor-Turm abgewandten Seite des Himmels war. Der Große Hund, Canis Maior, und sein hellster Stern Sirius standen schon ein gutes Stück über dem Horizont- es ging auf den Winter zu.

"Hallo, Sirius", flüsterte Harry. Er spürte nur ein großes, leeres Loch in sich, wenn er an seinen Paten dachte. "Was denkst du? Sind sie jetzt alle hinter dem Schleier? Oder... an einem anderen Ort? Gibt es ein 'nächstes großes Abenteuer', oder ist das, was Voldemort den Muggeln angetan hat, einfach nur das Ende? Ich... ich hätte lieber, wenn es das Ende wäre, Sirius... aber dann..." Harry wusste selbst nicht mehr, was er sagen wollte. Wenn es nichts mehr gab, dann konnte er seinen Paten nie wieder sehen... aber wenn es nichts mehr gab, dann konnte er auch endlich Frieden finden.

"Manchmal bin ich so müde, Sirius. Ich glaube nicht, dass ich so müde sein sollte, aber... ich will nur noch ausruhen, schlafen, nicht mehr da sein." Seine Augen verloren den Schimmer des Lebens, tot und leer starrten sie in den Nachthimmel. Harry zitterte, umklammerte wieder einmal unbewusst seinen rechten Arm, auf dessen Schulter eine hässliche, rote Narbe an seine Begegnung mit Lucius Malfoy erinnerte.

"Dumbledore sagt mir immer noch nicht, warum... ich glaube, er hat Angst, vor mir, um mich... und Ron und Hermine sind da, aber so weit weg... was soll ich machen, Sirius?" Er erwartete keine Antwort auf seine Frage. Firenze, der Zentaur, der im letzten Jahr Wahrsagen unterrichtet hatte, hatte einmal gesagt, dass den Sternen die kleinen Geschehnisse im Leben eines Menschen nichts bedeuteten. Sie zeigten den großen Lauf der Dinge, sahen das ganze Bild, das Menschen eigentlich gar nicht begreifen konnten.

"Ich weiß schon, einfach weitermachen... aber es wird immer schwerer. Er will sie töten, er will sie alle töten, und ihre Leben liegen in meiner Hand. Wenn... wenn ich wüsste, dass es hilft würde ich... gerne zu dir kommen, aber sie lassen mich nicht, ich bin... ich bin der Einzige, der ihn töten kann. Ich will kein Mörder sein, Sirius, ich will nicht so sein wie er, aber wenn... wenn Dumbledore weiter so macht, werde ich es sein. Ich werde töten, Sirius." Das Zittern wurde stärker. Harry versuchte, es zu unterdrücken, aber zusätzlich zu der Kälte, die bis zu seinen Knochen vordrang, bedrängten ihn die Visionen der Nacht.

"Ich habe schon getötet." Die Sterne schwiegen. Harry legte das Kinn auf die an die Brust gezogenen Knie. Das Bleiglasfenster neben ihm war warm im Vergleich zu seinem Körper, und er lehnte sich müde dagegen.

"Vielleicht soll wirklich alles enden... bald. Wenn die Sterne meinen Schmerz nehmen könnten wäre die Nacht schwarz... und ich könnte nicht einmal mehr deinen Stern sehen. Es ist alles... ein Spiel." Er schloss die Augen. Er war müde, mehr als körperlich müde, und einzig und allein der Trost, den die Mauern von Hogwarts ihm spendeten, der Gedanke, dass er doch zu Hause war, hielt ihn aufrecht.

"Aber ich darf es nicht enden lassen, bevor nicht mein Zuhause sicher ist. Hogwarts... ist mein Zuhause." Unter seinen Händen wurden die Steine der Fensterbank warm, verscheuchten ein paar seiner Dämonen. Beinahe unsichtbar schlich sich ein goldenes Glühen über das große Goldgreifenbanner an der Wand, und breitete sich von dort aus. Harry, dessen Blick am hellblauen Stern Sirius fest hing, merkte nichts davon- aber ein Teil seines Schmerzes wurde von ihm genommen, und er verbrachte den Rest der Nacht zwar wach, aber in Frieden. Für ein paar Stunden wurde ihm Normalität geschenkt.

Am Morgen war er natürlich der Erste am Frühstückstisch. Obwohl er, wie immer, seit Madam Pomfrey es ihm erlaubt hatte, seine Runde um den Quidditchplatz gerannt war (und sie auf zwei Runden ausgedehnt hatte- wenn es so weiterging konnte er bald um den See laufen) und sich eine lange, heiße Dusche gegönnt hatte, die die blauen Flecken vom Vortag weggewaschen hatte, war er trotzdem eine halbe Stunde früher dran als normalerweise. Eigentlich hatte er erwartet, allein zu sein, aber als er in die Große Halle kam, fand er Luna Lovegood und Ginny Weasley am Ravenclaw-Tisch sitzen.

"Morgen, Harry", grüßte Ginny. Harry rieb sich die Augen und gesellte sich zu den beiden Mädchen.

"Morgen Ginny, Luna- was macht ihr denn so früh hier?" Luna zuckte die Achseln.

"Wenn ich so früh esse kann niemand Juckpulver in meinen Saft schütten", sagte sie gleichmütig. Harry nickte, er erinnerte sich daran, wie sie im letzten Jahr eine Notiz an das Schwarze Brett gehängt hatte, in der sie darum bat, dass ihre Sachen zurückgegeben wurden. Anscheinend hatten die Ravenclaws noch andere Methoden, um Luna zu sticheln.

"Ich konnte nicht schlafen", meinte Ginny und grinste. "Fred und George haben mir ein paar interessante neue Produkte geschickt- hast du Lust, sie später auszuprobieren?" Harry zog die Augenbrauen nach oben.

"Hast du nicht ZAGs dieses Jahr?" fragte er. Ginny nickte.

"Hab ich. Und?"

"Und wie findest du dann die Zeit, auch noch Streiche zu spielen?" fragte er. Luna lachte.

"Ginny hat Freunde", sagte sie. Ginny nickte.

"Und eine davon ist Luna. Sie ist nicht umsonst in Ravenclaw, Harry- wenn ich irgendetwas nicht weiß, frage ich sie oder Hermine. Spart Zeit", erklärte sie.

"Und warum hilft Hermine dir mit den Hausaufgaben und beschützt ihre Aufsätze mit Zähnen und Klauen, wenn ich frage, ob ich sie lesen darf?" fragte Harry.

"Weil ich ein Mädchen bin.", sagte Ginny und kicherte, genau wie Luna. Harry schüttelte den Kopf.

"Versteh ich nicht", sagte er. Der Frieden der Nacht wirkte noch nach, und er fühlte seit langer Zeit endlich einmal pure... Lebensfreude in sich.

"Kannst du  auch nicht!" lachte Ginny, und Harry stimmte mit ein. Die Mädchen verstummten sofort.

"Was ist?" fragte Harry verwirrt.

"Nichts", meinte Ginny, "aber... du hast schon lange nicht mehr gelacht, Harry." Harry nickte.

"Kein Grund, es jetzt nicht zu tun, oder?" fragte er, schärfer. Die Fröhlichkeit war aus seiner Stimme gewichen, und Ginny und Luna wirkten plötzlich auch niedergeschlagen.

"Nein, das ist kein Grund," stimmte Luna zu, "denn ein Lächeln ist heller als die Sonne an einem nebligen Tag." Harry sah sie befremdet an- sie war wieder in ihrer eigenen Welt.

"Danke Luna", sagte er. >Schätze ich,< fügte er in Gedanken hinzu. Luna und Ginny starrten ihn für einen Moment an, bevor Ginny mit einem forcierten Lächeln das Gespräch auf die neuesten Lieder der Schwestern des Schicksals lenkte.

Harry zog sich in den Raum der Erfordernis zurück, bis es Zeit war, zu Zauberkunst zu gehen. Die kleine, gemütliche Bibliothek, deren Aussehen der Raum angenommen hatte, enthielt auch Professor Flitwicks Buch über das Duellieren, das Hermine gerade las, und Harry benutzte seine freien Minuten, um das erste Kapitel zu lesen und die Zaubersprüche darin an einer weiteren animierten Puppe zu üben. Er merkte, dass er schneller werden musste- er brauchte zu lange, um seinen Zauberstab zu ziehen und zu zielen.

In Zauberkunst lernten sie an diesem Tag den Stimmenentferner, einen Zauber, der sich ähnlich wie Silencio auswirkte, der aber wesentlich stärker war und nicht so einfach wieder rückgängig zu machen war.

Verteidigung gegen die Dunklen Künste war ein ähnliches Desaster für Harry und Hermine wie in der ersten Stunde- Professor Stevenson benutzte sie beide als Demonstrationsobjekt für einen Fluch, der ihre Zauberstabhand lähmte, und als Harry reflexartig einen Scutum-Schild aufbaute und den Fluch reflektierte zog sie Gryffindor zwanzig Punkte ab und brummte ihm Nachsitzen auf.

"Die Frau ist eine Katastrophe!" schimpfte Hermine nach der Stunde, "wir brauchen die DA!" Sie schüttelte wütend ihre wie eingeschlafen prickelnde Hand, in die noch immer nicht alles Leben zurückgekehrt war. Sie dachte, Harry würde genau wie sie denken- doch ein Seitenblick auf ihren besten Freund enthüllte ein nachdenkliches Gesicht, in dem der Mund zu einer dünnen Linie zusammengepresst war.

"Harry?" hakte sie nach. Harry sah sie befremdet an.

"Nein, Hermine- sie ist es nicht wert", sagte er mit belegter Stimme.

"Was meinst du, sie ist es nicht wert? Sie ist parteiisch, bevorzugt offen Schüler, und statt dass sie uns beiden diesen Fluch beibringt versucht sie, uns damit außer Gefecht zu setzen! Wir brauchen die DA- es geht noch anderen so wie uns!"

Aber Harry wollte sie noch immer nicht wieder einführen. Für ihn war das Risiko, dass er die Mitglieder leichtsinnig in Gefahr brachte, eine eingeschlafene Hand wert. Und so kam der Freitag heran, und mit ihm die Okklumentik-Stunde mit Snape, vor der er sich gefürchtet hatte.

 

... to be continued ...

 please review!

Information:

(1)Das Alter der Charaktere:

Alle drei Mitglieder des Trios sind 16 im Sechsten Jahr. Rons Geburtstag ist, so viel ich weiß, irgendwann im März, das heißt er ist schon 16 bevor das Fünfte Jahr zu Ende ist. Hermine hat am 19. September Geburtstag, ist also schon seit fast einem Jahr sechzehn. In GB gibt es nämlich, ähnlich wie in D, ein Stichdatum für die Einschulung. Meines Wissens nach liegt es für die secondary school Mitte August- Hermine fällt also nicht mehr in den Zeitrahmen. Man muss 11 sein, um eine secondary school zu besuchen, es sei denn, man hat eine Klasse übersprungen oder besondere Erlaubnis. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass die Hogwarts-Zauber, die den Schülern ihre Mitteilungen senden, derart modifiziert sind erlaube ich mir hiermit, Hermines Geburtstag in das Jahr 1979 zu legen. Ein weiteres Indiz dafür ist Angelina Johnson, die im Oktober von Harrys viertem Schuljahr ebenfalls schon siebzehn ist und sich für das Trimagische Turnier anmelden kann. Harry und Ron sind Jahrgang 1980. Ron hat am 1. März Geburtstag, Harry am 31. Juli.

(2)meliorare=mittel-/spätlat. verbessern, sich (gesundheitlich) besser befinden. a, ad=Präposition: auf...hin, zu. 'd' wird meist im nächsten Konsonanten assimiliert.

(3)Forma=Gesicht, vultus,i m=Gesicht, celare=verbergen, verheimlichen (celo=1.Pers.Präs.)

(4)vitium, i n=Fehler, Unvollkommenheit

(5)Diffindo bedeutet zerspalten, conglutino zusammenfügen

(6)Affligo=schlagen

(7)Scutum, i n= Schild

(8)Caestus=Schlagring

(9)Dorny, J. hat einmal 'Quidditch im Wandel der Zeiten' aus  der Schulbibliothek ausgeliehen. Ich hab ihn mal eben einfach so zum Schulsprecher und ein Jahr älter gemacht als Harry. Jeremias dufte ich aussuchen- es  ist der Name eines Charakters aus einem der ersten Bücher, das ich gelesen habe (war drei *stolz sei*); er hieß Jeremias Schrumpelhut und hat das Mondschaf Ludmilla gerettet und wieder auf den Mond zurückgebracht ^_^ - Brandy

(10)Cantus= das Schmettern (eines Liedes). J'ai perdu mon Euridice ist ein SEHR romantisch-schmachtender Gesang... und ein Countertenor klingt mehr wie eine Frauen- als wie eine Männerstimme, so hoch ist er.

(11) MmN die bessere Übersetzung. In OotP offiziell: Raum der Wünsche (aber 'requirement'=Erfordernis, Bedarf, Bedürfnis, Voraussetzung, Forderung, Bedingung, Anforderung (musste hier einfach mal angeben^_^'))

Nächstes Kapitel:  

Okklumentik ist ein schweres Fach. Selbst Fortschritte darin haben nicht immer positive Auswirkungen, und manche Dinge, die dabei ans Tageslicht kommen wären besser verborgen geblieben. Es wird ein nervenaufreibendes Kapitel... Freut euch also auf Snapes Geheimnis, coming soon to a computer screen near you!

Die wilden, schwarzen Haare wehten in einem unsichtbaren Wind als Harry ihm den Rücken zudrehte. Snape ließ sich wieder zu Boden sinken, verbarg sein Gesicht in den Händen. "Bist du nun zufrieden, Albus?" flüsterte er, "das war doch der Grund, weswegen du mir dein Denkarium nicht geliehen hast! Damit Potter mich besser versteht... Du wusstest, dass er Legilimentik einsetzen kann, du wusstest, dass er diese Gabe hat! Meine Schuld ist nun erfüllt." Aber Albus Dumbledore antwortete nicht; und Snape blieb alleine mit seinen bitteren Gedanken, seinem Hass und seiner Schuld.

 

Erläuterungen zur CharakterisierungTeil 3: Marina Stevenson

(geschrieben 22. Feb. 2004)

Ich wollte mit Marina eine etwas andere Lehrerin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste schaffen. Meist sind die Lehrer/innen im sechsten Jahr entweder Freunde/Freundinnen von Remus, Sirius und Co., die plötzlich aus der Versenkung auftauchen oder Tonks/ein Auror.

Marina ist in etwa in Minerva McGonagalls Alter und eine Veteranin des Kampfes gegen Grindelwald. Dumbledore hat ihr einmal das Leben gerettet- der einzige Grund, warum sie ihre Position akzeptiert hat. Wie Dolores Umbridge hat sie nicht besonders viel für Harry übrig, der in ihren Augen ein überbewerteter, kleiner Junge ist, der um jeden Preis größer zu sein versucht, als er ist. Stattdessen konzentriert sich ihre Aufmerksamkeit auf Ron Weasley, den oft vergessenen Freund des Helden. Hermine ist ihr mit ihrer Sucht nach mehr Theoriewissen ein Dorn im Auge, Draco Malfoy ist ihr zu arrogant. Um es kurz zu machen: Marina Stevenson ist eine verbitterte alte Dame mit einem steinernen Herzen. Im Unterricht ist sie streng, aber gerecht und macht ihre Sache gut. Außerhalb des Unterrichts ist sie fest dazu entschlossen, die ständigen Regelbrüche des legendären Trios zu unterbinden. Marina Stevenson ist Snape sympathisch!

In ihrer Zeit in Hogwarts war sie eine Hufflepuff (und sie ist nach wie vor loyal gegenüber Dumbledore). Ihr Boggart ist ihr Ehemann, tot zu Grindelwalds Füßen (ihre Vergangenheit bestimmt ihre Gegenwart, sie hat sie nie überwunden). Ihr Patronus ist ein Hummelschwarm (Dumbledore hat sie gerettet). Im Spiegel Nerhegeb sieht sie, wie sie mit ihrem Mann zufrieden in ihrem kleinen Haus lebt (ihr größter Traum kann nie erfüllt werden, was sie so verbittert macht). (H.E.B.P-Test - [House, Erised, Boggart, Patronus- Ein Test, um die Grundzüge eines OC festzulegen – Brandy])

Marina Stevensons Name ist eine Referenz  zu ihrer Herkunft. Sie kommt aus Dover und lebt in einem kleinen Haus auf den Kreideklippen, umgeben von Bauern- also nahe am Wasser. Stevenson ist der Name eines bekannten Autors (Robert Louis Stevenson), dessen bekanntestes Buch 'Die Schatzinsel' von Piraten handelt- eine weitere Meeresreferenz. Ihr Aussehen  ist durchschnittlich- sie ist nicht mehr so schlank, wie sie als junge Frau  im Kampf gegen Grindelwald war, und ihre Beweglichkeit hat auch gelitten. Aber ihr größeres Wissen um Flüche und andere Verzauberungen machen sie trotzdem zu einer guten Duellantin. Ich habe mich für kurze, braun-graumelierte Haare entschieden und dafür, dass sie eine Lesebrille braucht, um weiter zu betonen, dass Marina nichts Besonderes ist. Sie ist ein Opfer, und sie unterrichtet die neuen Opfer, etwas, das sie nie vergessen kann, weswegen ihr das Unterrichten so schwer fällt.

Ich hoffe, dass Marina ein einmaliger Charakter ist. Ich glaube nicht, dass sehr viele Leser sie gerne haben- meist hasse ich sie sogar selbst! Aber sie ist einfach jemand, dem das Leben übel mitgespielt hat, und ich hoffe, dass ihr zumindest nachvollziehen könnt, warum sie so ist, wie sie ist. Und um ehrlich zu sein, der wahre Grund, warum ich sie erschaffen habe, ist, weil ich die D.A. beibehalten wollte- mal ehrlich, sie wäre doch unnötig, wenn Tonks oder Moony unterrichten würden, ne?

Soundtrack:

J.S. Bach: Weihnachtsoratorium

G.F. Händel: Wassermusik, Feuerwerksmusik

Josef Haydn: Symphonien 90-102

Julian Lloyd Webber (Cellist): Cello Moods

W.A. Mozart: Die Zauberflöte (hört euch mal die Arien an, die ich aufgeführt hab, und stellt sie euch mit den jeweiligen Leuten vor- ich fand es zum Quietschen komisch….)

Van Geles: La Petite Fille de la mer (aus: l'apocalypse des animaux)

 

Hosted by www.Geocities.ws

1