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Montagdemos 2004

  • Telegraph, Ostdeutsche Zeitschrift im Okt 1989 aus DDR-Oppositionszeitschrift 'Umweltblätter' (Samisdat-Zeitschrift)entstanden. "...Jeremiaden, die mit marxistischem Phrasenmüll in den Rang von Zeitdiagnosen gehoben werden sollen, stehen neben Hasstiraden der Veteranen bundesdeutscher Terrortruppen. Sie alle eint die Überzeugung, dass nicht die Misswirtschaft das wirklich schlimme an der DDR war, sondern ihr Verrat an der Idee des Sozialismus..."
    Neue Züricher Zeitung über den telegraph
    Hallo Freunde, seit dem 13. September erscheint jeden Montag eine achtseitige Sondernummer der ostdeutschen Zeitschrift telegraph zu den Demonstrationen gegen die Agenda 2010. Die Druckauflage beträgt derzeit 1000 Exemplare und wird auf der Berliner Montagsdemo kostenlos verteilt. Mehr ist nicht machbar. Damit aber eine landesweite Verbreitung möglich ist, wird die Ausgabe als pdf-Dokument auf der telegraph-Webseite zur Verfügung gestellt.

  • Freundinnen der klassenlosen Gesellschaft Sozialrevolutionäre, autonome Kreuzberger, eloquent, altmodisch-marxistisch, Enthusiasten der Revolution, eine in B leider aussterbende Spezies
    Flugblatt Ende der Alternativen. ([MIRROR als PDF])
  • Solidarität mit Cuba! BRD-Cuba-Freundschaftsgesellschaft. 
  • Roter Oktober  Organisation zum Aufbau der kommunistischen Partei in Deutschland (Bolschewiki-Nostalgiker? NeoStalinisten?)
  • Montags gegen Agenda 2010 
  • 3.Oktober Sternmarsch 
  • 2.Oktober Demo 
  • Volkswiderstandsbewegung 

    Montagdemos 2004

  • Gruppe Demontage 
  • Gruppe internationaler Sozialisten Marxistische AntiImps (Flugblatt von Montagsdemo am 27.9.04)
    Der sog. „Sozialstaat“, den diese Kräfte zu verteidigen vorgeben, war nie eine Wohltätigkeitsveranstaltung, sondern ein im Wesen repressives Instrumentarium zur Organisation und Reorganisierung kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse. Es gibt weder nationale noch systemimmanente Lösungen! Weltweit hat uns der Kapitalismus nichts zu bieten als zunehmende Erwerbslosigkeit, Verarmung, Hunger und Krieg. Überall auf der Welt sind unsere Kolleginnen und Kollegen gezwungen, sich gegen die Folgen dieses menschenverachtenden Systems zur Wehr zu setzten. Nur in der grenzüberschreitenden Koordination und Vereinheitlichung dieses Widerstandes liegt die Perspektive, die weltweite Offensive des Kapitals mit einer globalen Klassenoffensive zu beantworten.
  • Blogspot 
  • Volksaufstand Bürger bewegen sich vorgeblich gegen Hartz IV.
    Wir waren diejenigen, die lange vor Attac, PDS, ver.di, MLPD u.s.w. zum 3. Oktober aufgerufen haben. Jetzt versuchen die Parteien sich in der Protestbewegung der Bevölkerung einzureihen und nach oben zu kommen, um die Machtverhältnisse schon im Voraus zu klären. Dieses Verhalten dürfen wir nicht dulden, da der 3. Oktober 2004, eine reine Bürgerbewegung bleiben soll.
      Blume schrieb am 3.10.2004
      Ich komme gerade aus Berlin zurück. Dort ist alles ruhig. Außer den Vorbereitungen zu den Berliner Einheitsfeiern läuft da gar nichts. Hier fungiert eine Seite mit Desinformationen und Phantasien, die eigentlich nur den Zweck hat zu spalten. Außer den üblichen Randalen am sogenannten "Tag der Einheit" läuft gar nichts heute abend. Entweder ihr seit selbst vom Verfassungsschutz, oder ganz große einsame Internetträumer. Geht mal vor die Tür, das Leben und die Deutschen sind anders. Gestern war die "Demo" und heute ist nichts mehr . . Panzer in Berlin, so ein Blödsinn . . träumt weiter und pflegt Euren Antikommunismus, denn das ist das einzigste was Euch aufrecht erhält . . Nicht einmal die Spaltung der Demos in Bezug auf den 2. und 3. Oktober ist Euch gelungen, denn Euro Demo findet garnicht statt. Selbst die Türken in Kreuzberg haben von Euch noch nie was gehört, und die werden heute abend feiern. Träumt weiter.
    
    nimdas schrieb am 28.9.2004  
    Attac für Ende der Montagsdemos. (27.09.04)
    "Der Westen habe nicht reagiert und alleine könne der Osten nichts ausrichten"
    Die Menschen im "Westen" Glauben immer noch, dass die "Wahl" 
    zwischen CDU oder SPD irgend etwas mit Demokratie zu tun hat und 
    die "Blöden OSSI" nur wegen 100 DM 
    "BegrüssungsGeld mit dem Kopf gegen den "AntiFaschistischen Schutzwall" gerannt sind.
    JETZT wird der "Osten" zusammen - brechen -, 
    ich rechne weiter mit Zulauf für die "Rechten"
    und dieser BRD wird mindestens Eine Säule 
    der Demokratie abhanden kommen.
    Die Wessi haben nun eine Chance verpennt. 
    BITTE festhalten! Jetzt geht´s ab.
    Liebe Attac, ich bin auch für ein Ende. 
    
    AL schrieb am 27.9.2004 Erst für eine DM einen Betriebe verkaufen und dann für einen EURO arbeiten. Damit ist die Deutsche Einheit vollzogen. Das Ergebnis 15 jährigen politischen Machtmissbrauches. Das hartzt mich an !

Anti-Atom-Bewegung

Parteien

Linke GesellschaftsKritik

  • Humboldt Universität
  • Offene Unis Berlins
  • Überwachung und KontrolleSeminar für angewandte Unsicherheit. Do.,20Uhr, "Überwachen und Strafen" (Filmreihe) im SBZ Krähefuß [HU Hauptgebäude, Ostflügerl]

    • Sozialforum Berlin

      Anders Arbeiten

      Hallo liebe Andersarbeiten-Interessierte, hier etwas verspätet das Referat, daß auf dem Plenum am 10.August bei Anders arbeiten gehalten wurde. Es grüßt Anne ------------------------------------------------------------ Wolfgang Lenk Elf zusammenfassende Thesen zu: "Arbeit" - Versuch einer Dekonstruktion 1. Die Gebrüder Grimm schreiben 1854 in ihrem Dt. Wörterbuch, "Arbeit" sei ein "uraltes, viel merkwürdige Seiten darbietendes Wort" und versuchen, den Wandel des Sprachgebrauchs zu rekonstruieren. "Ursprünglich" (=d.h. nach den ältesten vorliegenden Zeugnissen) wurde allein "die auf dem Knecht lastende, vorzugsweise was für die feldbestellung, um tagelohn gewerkt werden muste" als Arbeit bezeichnet. "Arbeit" war also eine Kategorie, in der Mühsal, persönliche Abhängigkeit, Not und soziale Mißachtung untrennbar miteinander verwoben sind. So blieb es bis in die frühe Neuzeit; das Wort bezeichnet allein die niedrigsten und unwürdigsten Tätigkeiten. Für die Tätigkeiten von zünftlerisch organisierten Handwerkern, frühen Stadtbürgern, freien oder Pacht-Bauern wurde dieses Wort nicht verwendet, sie leisteten ein "Tagewerk", das allein durch konkrete und mit Ehrbegriffen verknüpfte Berufsbezeichnungen benannt wurde. Sie waren Kürschner, Tischler, Sattler etc. und als solche grenzten sie sich von denen ab, die bloß "arbeiteten". 2 Doch: "allmählich heiszt alles Arbeit", schreiben die Grimms weiter. Bereits im späten 18. Jahrhundert "arbeitet" selbst die Natur - etwa wenn die Erde bebt -, die Zunge - wenn sie schmeckt - oder die Seele und das Herz. Zum Beispiel: "ein seufzer, der erste, der mit wollüstigem schmerz aus ihrer errötheten brust empor arbeitete, sagt ihr, sie liebe" (Wieland). Was war passiert? Ein Wort, in welches Mühsal, Vergeblichkeit, Abhängigkeit und Elend eingeschrieben war, wurde nun zu einem Universalbegriff, der auf alle Formen der Regung passen sollte. Die Grimms meinen, im Sprachgebrauch seien Mühsal und Abhängigkeit allmählich zurückgetreten, weil die "thätigkeit der menschen unknechtischer und freier wurde (...). Der begrif der arbeit (wurde) auf leichtere und edle geschäfte" ausgedehnt, "weil in arbeit der leidende begriff zurücktritt". Wie man sieht, leisten sie wesentlich mehr als den sprachlichen Wandel zu registrieren: sie kodifizieren das bürgerliche Selbstverständnis. 3. Arbeit ist Jahrhunderte lang, sowohl im Mittelalter wie in der frühen Neuzeit eine Kategorie der Drohung und Disziplinierung. Die christliche Armenfürsorge hat es mit Armen und Bettlern zu tun, die sie mit einer ausgetüftelten "Handicapologie" (Castel) klassifiziert. Sie fordert den Nachweis, sich wirklich nicht irgendwie verdingen zu können, also ein "echter Fall" für's Mitleid zu sein. Die Heilsverwaltung vermag sogar die Armut zu glorifizieren, sofern sich die Armen ihrem Schicksal fügen und gottgefällig schuften. Dies ist die mentale Vorgeschichte der "protestantischen Ethik" (Calvinismus, Puritanismus), die das Bürgertum im 16. Jahrhundert formuliert. Zeitweise werden Bettler als Berufsgruppe anerkannt, die mit eigenen Erkennungszeichen ausgestattet sind - so werden zugleich alle übrigen Armen sofort als potenzielle Arbeitskräfte oder als "falsche Bettler" (=Simulanten) erkennbar. Über die Jahrhunderte hinweg sind die genauen Grenzen und Merkmale der "Arbeitsfähigkeit" umkämpft, denn es handelt sich um eine riesige Personengruppe. mit den Wellen der Vagabundenverfolgung und -ermordung wollen die Herrschenden immer wieder den Nachschub von Vasallen und Knechten sichern. Das frühe Proletariat entsteht aus diesen Gruppen. Es ist aber in einem Maße verelendet und entwürdigt, dass es auch keine produktivistische Ethik auszubilden vermag. 4. Die Lage Europas nach der Pest 1349 macht die Grenzen einer reinen Disziplinarpolitik für knechtische Arbeitsverhältnisse sichtbarer denn je zuvor. Geübte Handwerker, Gesellen, Bauern, Knechte und Tagelöhner sterben massenhaft, sind plötzlich knapp - die Überlebenden formulieren Ansprüche und stellen Forderungen. Mit zahlreichen Gesetzen und Drohungen soll die alte Ordnung wiederhergestellt werden, es beginnt eine Zeit der systematischen Repression und Verfolgung (Galeerenstrafen, Deportation in Kolonien, Arbeitshäuser usw.). Mehr als 400 Jahre lang ist die Verfolgung der Vagabunden eines der großen Themen, verkörpern sie doch die Weigerung, sich als "Arbeitskraft im Rohzustand" (Castel, 100) einem Herrn zu unterwerfen. Unter Henry VIII. werden im England des 16. Jahrhunderts 12.000 Vagabunden gehenkt! Es gibt keine gesicherten Zahlen, wie viele Menschenopfer diese Zeit des take off der kapitalistischen Akkumulation insgesamt gekostet hat, Marxens berühmte Analyse (im 'Kapital', 24. Kapitel) ist aber nach heutigem Kenntnisstand zu harmlos. 5. In dieser Phase werden die Tätigkeiten, Gewerke und Arbeiten zwar noch immer in ständischen Begriffen definiert, aber die Sozialordnungen der Zünfte, der ländlichen Vassallentreue und der Dienstverhältnisse geraten nach und nach aus den Fugen. Vermarktlichung der Arbeitskraft und fortschreitende Arbeitsteilung greifen ineinander und produzieren im Verein mit Ohnmachtsgefühlen und Sicherheitsbedürfnissen eine neue Definition von "Normalität": "Freie" Arbeit und damit ein Arbeitsethos, das sich (obwohl auch dies umkämpft und umstritten bleibt) in the long run auf "Arbeit als marktbestimmte Verausgabung von Arbeitskraft" richtet. Die von den Grimms beschriebene Ausweitung des Arbeitsbegriffs hat hierin seinen geschichtlichen Grund und Ursprung. In der unproblematischen Übernahme dieser Bedeutungsverschiebung wirkt eine diskursive Polizei (im Sinne Foucaults): Der neue Arbeitsbegriff entnennt die geschichtliche Gewalt und die Tauschabstraktion, die in ihm steckt und erklärt das bürgerliche Modell zur anthropologischen Entdeckung. In allen Formen der bürgerlichen Theoriebildung lassen sich die Spuren dieser Transformation nachweisen (Locke, Smith, frz. Aufklärung, Kant, Hegel). Das Allgemeinwerden der Arbeitskategorie ist mehr als eine harmlose sprachliche Metapher, es ist der Niederschlag der realen Auftrennung des "Werkens" von Begriffen wie Ehre und Kunstfertigkeit. Das Auseinanderreissen des "Herstellens" von den Werteregistern, in denen das Herstellen erfolgt, bestimmt das Alltagsbewußtsein von Handwerkern, Gesellen und Gehilfen, die sich gegen die neuen Manufakturen und ersten Industriebetriebe behaupten müssen. Sie formen die frühe Arbeiterbewegung, der die diskursive Polizei zuruft: Ihr seid von gestern - werdet effektiv! 6. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nimmt diese diskursive Polizei die Gestalt eines utopischen Kapitalismus an. Dessen Anziehungskraft reicht bis in die tieferen (=dialektischen) Schichten des Marxschen Denkens hinein (besonders im Kommunistischen Manifest). Der utopische Kapitalismus, der den Gewerbefleiß bewundert, die Beherrschung aller Natur hymnisch feiert, die Fragmentierung der Arbeiten treibhausmäßig entwickelt und den Markt als Reichtumsmaschine imaginiert, die letztlich alle beglückt, stellt eine ziemlich vertrackte Ideologie dar: Jetzt erst wird die Kategorie "Arbeit" wirklich nachhaltig mythologisiert (Vorher war sie bedrohlich, ohne des Mythos zu bedürfen). Zugleich wird in ihr die alte Handicapologie modernisiert. Wenn marktförmige Arbeit nämlich der "Stein der Weisen" (R.de Coppans) ist, der nicht allein die Besitzenden, sondern die ganze Nation entwickelt, wie absolutistische Wirtschaftspolitiker (Turgot) und bürgerliche Politökonomen (A. Smith) behaupten, dann schadet konsequenterweise jeder, der nicht arbeitet, nicht allein sich selbst, sondern zugleich der ganzen Nation. Das liberal-marktwirtschaftliche Arbeitsethos ist als ein Werk der Gerechtigkeit konzipiert. Und wer sich dem ohne hinreichende Gründe entzieht, ist nicht bloß faul oder nachlässig - er lädt Schuld auf sich, denn er mißachtet die Gerechtigkeit, die dem Ethos des Marktes selber innewohnt. 7. Schon die Französische Revolution 1789 ff. legte die Paradoxien des utopischen Kapitalismus für kurze Zeit offen: Die Korporationen wurden abgeschafft, die Arbeitskraft wirklich zur Ware, der Müßiggang attackiert. Aber durch symbolische Handlungen (z.B. das 'Fest des Unglücks', 'Fest zu Ehren der Armut') sollte zugleich der soziale Zusammenhalt gekittet werden, den die Vermarktlichung der Arbeit gar nicht herzustellen vermochte. Debatten über ein Recht auf Arbeit, die damals beginnen und selbstverständlich nie zu Ende kommen, produzieren neue Selbst-Illusionierungen der Beteiligten. Historisch geht aus dem offensichtlichen Scheitern des utopischen Kapitalismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Ensemble von Praktiken hervor, die man als "Bearbeitung der Arbeiter" bezeichnen kann. In seiner Subjektausstattung ist danach "der Arbeiter" "der Arbeitsgesellschaft" nicht angepaßt genug: er ist zu wenig qualifiziert, zu wenig diszipliniert, dem Alkohol nicht abgeneigt, spart zu wenig Geld, geht zu wenig planvoll mit seiner Freizeit um, neigt gelegentlich zu Gewaltausbrüchen, kann sich nicht einordnen usw. "Der Arbeiter" soll zum Bürger werden, aber sein Lebenszusammenhang bleibt im Ganzen praktisch von seiner Stellung in der Arbeitswelt begrenzt (deutlich in den verschiedenen Politiken der "sozialen Frage", ob als paternalistische Fürsorge oder als gewerkschaftliche Organisation). Die Erinnerung an würdevolle und der Traum von nicht-entfremdeten Arbeitsverhältnissen begleitet diesen Prozeß wie ein "heller Schatten" - kulturell dominant wird in der Arbeiterbewegung aber die Politik der Arbeitszeitverkürzung und der Aufbau von sozialen Sicherungssystemen. Historiker sprechen hier von "negativer Integration": d.h. die kapitalistische Form der Arbeit wird mehrheitlich zugleich abgelehnt und akzeptiert. Ein Schlüsseltext zu diesem Phänomen ist Friedrich Engels Glorifizierung betrieblicher Autorität und industrieller Organisation (1874): "Der mechanische Automat einer großen Fabrik ist um vieles tyrannischer, als es jemals die kleinen Kapitalisten gewesen sind, die Arbeiter beschäftigen. Wenigstens was die Arbeitsstunden betrifft, kann man über die Tore dieser Fabriken schreiben: Laßt alle Autonomie fahren, die Ihr eintretet! Wenn der Mensch mit Hilfe der Wissenschaft und des Erfindergenies sich die Naturkräfte unterworfen hat, so rächen diese sich an ihm, indem sie ihn, in dem Maße, wie er sie in seinen Dienst stellt, einem wahren Despotismus unterwerfen, der von aller sozialen Organisation unabhängig ist. Die Autorität in der Großindustrie abschaffen wollen, bedeutet die Industrie selber abschaffen wollen; die Dampfspinnerei vernichten, um zum Spinnrad zurückzukehren." (MEW 18, S. 306f.) 8. Nicht zuletzt aus solchen Haltungen ziehen Fordismus (Fließproduktion) und Taylorismus (wissenschaftliche Arbeitsorganisation durch Zeitmessung und kleinteilige Zerlegung der Arbeitsprozesse) ihre große Legitimation. Die neuen Formen der Massenproduktion am Beginn des 20. Jahrhunderts errichten eine ausgefeilte Mikrophysik der Macht über die lebendige Arbeit: Was moderne Arbeit ist, bestimmt die neue Wissenschaft von der maximal effektiven Organisation betrieblicher Prozesse. Arbeit wird zu einer Verausgabung, an die Sinnfragen zu richten historisch obsolet ist - dafür gibt es allerdings Entschädigungszahlungen: höhere Löhne und ein faszinierendes Angebot an Konsumgütern (Nähmaschinen, Autos, Radios etc.) lösen eine Akkumulationslawine aus, die alles bisher Dagewesene übertrifft. Die geschichtliche Ironie dieses neuen Schubs in der Metamorphose der Lohnarbeit, scheint darin zu bestehen: Arbeit wird genau zu dem Zeitpunkt, wo sie die denkbar entfremdetste Gestalt annimmt - im Fordismus des 20. Jahrhunderts - auf neue Weise zu etwas Erhabenem, eine gespenstische und faszinierende Macht zugleich: Sie generiert nun endlich den Reichtum, den Adam Smith anvisiert hatte, eine Konsumgesellschaft, neue Lebensstile und Freizeitbeschäftigungen. Aber sie löst mit ihren Massierungen von Arbeitskräften und ihrer Gleichförmigkeit eben auch Assoziationen an eine neue Form von Sklaverei aus. Die Massenkultur des Fordismus (Charlie Chaplins Modern Times, Fritz Langs Metropolis) hat dafür populäre Darstellungsformen gefunden. 9. Noch ist "Arbeit" nicht wirklich zum "großen Integrator" (R. Castel) geworden: Erst mit der Kombination der Teilhabe am marktliberalen Projekt "Arbeitsgesellschaft" und der Teilhabe am sozialdemokratischen Gerechtigkeitsprojekt "Chancengleichheit und soziale Sicherheit" entsteht eine "Lohnarbeitsgesellschaft", die tief in der Subjektausstattung der ihr Eingefügten verankert ist. Es handelt sich um die kurze Zeit des "golden age of capitalism" (E. Habsbawm), die von den späten 40er Jahren bis etwa Ende der 70er Jahre reicht. Sie basiert nicht allein auf Autorität oder Disziplinarmechanismen, welche gewiß existieren, sich aber längst als nicht zureichend für die Entfaltung von Arbeitsmoral gezeigt haben, sondern auf der libidinösen Besetzung des ganzen Zusammenhangs (Darin sind auch Lebensstile, soziale Rechte, neue Aufstiegs- und Bildungschancen, Konsumgüter, kulturelle Partiziation eingeschlossen). Dieser Zusammenhang ist offensichtlich heute bereits zerbrochen - in den unteren sozialen Milieus ebenso wie in wachsenden Teilen der Facharbeiter- und Angestelltenmilieus. Erwerbsarbeit als der große Integrator versagt, nur wenige Jahrzehnte, nachdem die Lohnarbeitsgesellschaft überhaupt erst in den 'Identitäten' angekommen war. 10. Vor diesem Panorama wird leicht offensichtlich, wie nötig es ist, neben einer Politik der Arbeitszeitverkürzung vor allem auch über die Gestalt/den Wert/die Bedeutung verschiedener Formen gesellschaftlich sinnvoller Tätigkeiten nach-zudenken. Im Zentrum der Kategorie "Arbeit" laboriert die Abqualifizierung des Sinnhaften, des Wertbestimmten und der egalitären Form von menschlicher Kooperation. Doch noch diese Momente, historisch durch die kapitalistische Form der "Arbeit" immer unterdrückt, können heute unter neoliberalen Bedingungen selber für produktive Zwecke funktionalisiert werden - und werden es auch: Vom "Arbeitskraftunternehmer"bis zu den neuen Harvard-Konzepten von "Selbstorganisation" als dem effektivsten Mittel betriebswirtschaftlicher Erfolgsorientierung. Aber an welches "Selbst" ist hier gedacht? Was sich allein schon in dieser Frage zeigt: Das "Selbst", auch ein "kollektives Selbst" kann kein letzter Bezugspunkt freier Gestaltung von Tätigkeitszusammenhängen sein. Worum es geht, wäre demnach eher die Form der Kooperation selbst und damit auch die Kultur der Kommunikation, die dieser Kooperation ihren freiheitlichen Gehalt verleiht. Im Zentrum weiterführender Überlegungen müsste demnach die gesellschaftliche Normativität von "Arbeit" stehen, also genau jene Dimension, die innerhalb des Arbeitsbegriffs selber systematisch verletzt ist. Arbeit "ist" keine Kategorie instrumentalen Handelns, sondern eine des kommunikativen Handelns, welches in ihr unterschlagen ist. Wenn Projekte alternativer Ökonomie immer wieder über verhunzte oder verzerrte (=machtförmige?) Kommunikation klagen, so ist wäre dies demnach kein Randphänomen, sondern Ausdruck des Scheiterns, genau jene Andersheit ernsthaft zu konkretisieren. Können wir eines Tages vom "ANDEREN" Arbeiten in einem konkreten und attraktiven Sinn sprechen, statt daß sich immer dann, wenn es genau werden müßte, kaum mehr als Metaphern einstellen? 11. Dekonstruktion des Arbeitsbegriffs bezeichnet bisher nur einen Ansatz, und nicht mehr als ein Anfang. Sie lädt ein, sich auf die Spur von Bedeutungsverschiebungen und -veränderungen zu setzen, die im Wort aufgespeichert sind, deren Dekonstruktion uns aber in das Feld der Sozialgeschichte zurückführt. Wenn wir den Arbeitsbegriff einer Dekonstruktion unterziehen, können wir immerhin Elemente seiner Beschaffenheit bergen, die ansonsten unbewußt und unbezeichnet sind, Fermente seiner geschichtlichen Genese und seines Bedeutungswandels, welche das (nachträglich) Mythische des Begriffs unterlaufen. Die Grimmschen "viel merkwürdigen Seiten" sind Artikulationen geschichtlicher Erfahrungsgehalte ebenso wie Niederschläge der diskursiven Polizei (die ja von denen verwaltet wurde, die sich über 'das Reich der Arbeit' ohnehin erhaben fühlen). Heute taucht der Topos "Arbeit" praktisch in allen Beschreibungszusammenhängen als Sprachfloskel auf. Wahrscheinlich ist es diese grenzenlose Verallgemeinerung - bis hin zum Ausdruck "Lebensarbeit" -, welche das Wort einerseits entleert, andererseits durch die Kombination mit Attributen diffus bereichert hat. Möglicherweise ist der Begriff "Arbeit" bereits auf dem langen Weg, sich in einen sinnlosen Klang zu verwandeln? ANDERS ARBEITEN c/o NETZWERK BERLIN GNEISENAUSTR: 2a 10961 BERLIN TEL: (030) 695 983 06 FAX. (030) 691 30 05 Email: [email protected] www.andersarbeiten.de
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      "Anti-Hartz- IV-Demos: Statt Kommunikation wird Abgrenzung praktiziert": Wer sind die nützlichen Idioten? Anti-Hartz-IV-Demonstrationen sind nicht nur sozialer Protest, sondern auch Berufsfindungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Wer dabei wen vor welchen Karren spannt, ist undurchsichtig. Statt offener Kommunikation wird Abgrenzung praktiziert Der sozial engagierte Intellektuelle als "Beweger" ist uralt, ebenso die Klage der "Bewegten": "Uff meener Pisse Kahn fahrn, det könnse!" Gemeint waren damit meist Gewerkschaftsfunktionäre, die von den Beiträgen ihrer Mitglieder leben und gerne eine "Doppelstrategie" verfolgen. So auch jetzt bei den Montagsdemos gegen Hartz IV (mittlerweile auch "HIV" abgekürzt): Einerseits unterstützen sie diese, stellen sich sogar an die Spitze. Zugleich drohen sie damit, sie zu verlassen, sollte es "auch nur den Anschein für die Teilnahme von Neonazis geben", wobei primär das Bild der Berichterstattung in den Mastermedien des Westens gemeint ist. Diese Gefahr nehmen sich aber auch die Aktivisten von Attac zu Herzen, indem sie sich "gegen rechts abgrenzen" und im Übrigen "an die Gewerkschaften ran wollen". In ihren Montagsdemo-"Bündnissen" entwickeln diese Kader primär "Organisationstalent" und optimieren ihre "soziale Kompetenz", um quasi als Praktikanten Bewegungserfahrung und Medienkontakte für ihren weiteren Lebenslauf zu sammeln. In den Marschkolonnen der Montagsdemos wird darüber immer wieder diskutiert, wobei zu bedenken gegeben wird, dass man diese Macher und Rädelsführer brauche, die mit ihrem Engagement die Sache voranbringen: Es sind also nützliche Idioten "für das Ziel Hartz IV muss weg!" Aus der Sicht der Kader und Ini-Aktivisten kann sich jedoch auch die wachsende Zahl der Demoteilnehmer als bloße Ansammlung nützlicher Idioten erweisen. Dagegen hilft nur eine über die Demoteilnahme hinausgehende Selbstorganisation der Betroffenen: Indem sie gemeinsam Flugblätter, Zeitungen, Plakate, Redebeiträge entwerfen und zugleich die nach Promis und Presse gierenden Großveranstaltungen dezentralisieren. Beides geschieht derzeit. Während es den Gewerkschaften bei den Protesten höchstens um "Nachbesserungen", der MLPD um eine immer breitere "Massenmobilisierung" und Attac gar um eine "Europäisierung" geht, geraten ihnen die Probleme der Betroffenen mehr und mehr aus dem Blickfeld: Sie schielen nach oben und zur Kaderkonkurrenz statt nach unten, wo sich die Lage immer mehr zuspitzt und diversifiziert. Völlig verkannt wird auch, dass viele junge Arbeitslose rechts sind - und die Abgrenzung der linken Demo-Kader gegen Neonazis quasi die Basis der Bewegung ausschließt. Ähnliches gilt für die arbeitslosen türkischen Jugendlichen, von denen viele nur noch für den islamischen Terror schwärmen. Keiner der Yuppie-Kader macht auch nur Anstalten, sich zu fragen, wie man an sie rankommt. Das war einmal anders: Als eine Neonazi- Demo sich einmal gegen das SDS-Zentrum am Kudamm wandte, mischten sich SDSler unter die Teilnehmer und diskutierten mit ihnen. Damals wurde dieses Verhalten von SPD und Gewerkschaften noch begrüßt. Heute spricht sogar der Redner im Anarcho-Lautsprecherwagen von "Nazidreck" - und argumentiert damit ebenso menschenfeindlich wie die Rechten, wenn sie von "Ausländerdreck" reden. Was schmerzhaft fehlt, ist eine Klassenanalyse! Besonders deutlich wird das bei den Attac-Aktivisten, die viel lieber Nichtraucher, Vegetarier, Mountainbiker und ähnliche Mittelschichtkids "bewegen" als heruntergekommene alte Arbeitslose mit schlechten Zähnen, die wohlmöglich noch einen nationalen Hau haben. Aber wahrscheinlich wird diese Haltung sich wenig später schon bei ihrem nächsten NGO- Bewerbungsschreiben positiv auswirken. Helmut Höge taz Spezial 25.9.2004 www.taz.de/pt/2004/09/25/a0230.nf/text/

        ROTE FAHNE NEWS

      • Lenin in Großaufnahme. Hintergrund: Kinder und JugendlicheZDF brachte am 10.11.03 Film über Lenin Mausoleum " ... Anlass waren aktuelle Bestrebungen, das Lenin-Mausoleum in Moskau zu schließen. Trotz jahrelanger Verleumdung Lenins regt sich in den Massen Widerstand, deshalb zögerte die Putin-Regierung bisher."
        • MLPD Marxistisch Leninistische Partei Deutschlands
          • REBELL Jugendverband der Marxistisch Leninistischen Partei Deutschlands
      • Fotoreport von Rote Fahne zu den Montagsdemo
      • Leserbrief an Rote Fahne
      • Mehr zur Spaltung würde man erfahren auf: Zur Montagsdemo-Spaltung schreibt die Rote Fahne aus Gelsenkirchen:
        Telefonkorrespondenten berichteten an rote fahne news von einer kämpferischen Stimmung unter der Masse der Teilnehmer sowie einer großen Entschlossenheit, am Kampf gegen Hartz IV und den Montagsdemonstrationen so lange fest zu halten, bis Hartz IV vom Tisch ist. Das steht allerdings im Gegensatz zur erklärten Absicht der führenden Organisatoren von ATTAC und PDS, mit der heutigen Demonstration die Bewegung der Montagsdemos zu beerdigen. So erklärte Peter Wahl vom ATTAC-Koordinierungsrat noch Anfang der Woche: "Wir suchen jetzt nach anderen Protestformen. (...) Wir müssen weg von der Fixierung auf die Montagsdemos." Stefan Liebich, Berliner PDS-Chef, der sich zusammen mit dem Parteivorsitzenden Lothar Bisky und der Bundestagsabgeordneten Petra Pau an der Demonstration beteiligte, hatte gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel" bereits am 21.9. geäußert, die PDS wolle ebenfalls nur bis zum 2. Oktober weiter demonstrieren und denke über "Alternativen" nach wie "Informationsveranstaltungen über das Ausfüllen von Hartz-IV-Anträgen" oder "Mahnwachen".
        Aufgrund der vorherrschenden Stimmung unter den Demonstrations-Teilnehmern und der wachsenden Kritik innerhalb von ATTAC, der PDS und den Gewerkschaften an den "Beerdigungs"-Absichten maßgeblicher Führer sowie ihrer weichgespülten Losung der heutigen Demonstration, getraute sich von den heutigen offiziellen Rednern kaum jemand, den Demonstranten darüber reinen Wein einzuschenken. In Reden von Vertretern der Montagsdemo-Bewegung an den Orten wurde betont: "Hartz IV muss weg!" Von den Organisatoren war jedoch keinerlei Möglichkeit für die Masse der Teilnehmer vorgesehen, selbst zu Wort zu kommen. Nicht von ungefähr wurde in Gesprächen von zahlreichen Demonstranten anerkennend hervorgehoben, wie sich die MLPD an den verschiedenen Orten für offene Mikrofone und eine demokratische, gleichberechtigte Streitkultur einsetzt. Es gibt eine sehr große Aufgeschlossenheit gegenüber der MLPD. Trotz vorhandener Verunsicherung über die Spaltung überwiegt das Interesse an ihren Positionen dazu und zur weiteren Perspektive der Montagsdemo-Bewegung. Eine ganze Reihe von Teilnehmern will auch morgen zum Sternmarsch gegen die Regierung in Berlin kommen.

        Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Kampfs gegen die Schröder-Regierung in Deutschland ist die Tatsache, dass heute in weiteren europäischen Ländern große Demonstration gegen meist ganz ähnliche Pläne der sozialen Demontage stattfanden, unter anderem in den Niederlanden und Frankreich. Aus Amsterdam wird von rund 200.000 Teilnehmern berichtet. In den Niederlanden kam es während der ganzen Woche immer wieder zu lokalen Streiks gegen die Regierungspolitik.


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    © 2004, Vitali Clandestino