Nervengewebe
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1. Nervenzellen (Neurone)

Nervenzellen stammen aus dem Ektoderm und können weder poliferieren (= sich vermehren) noch regenerieren (Ausnahmen möglich).
 

1.1 Perikaryon
Zellkern, deutlicher  Nukleolus, basophile Nissl-Schollen (TEM: rER und Polyribosomen), auffälliger Golgi-Apperat und Neurofibrillen (so heißen im LM Bündel von Neurofilamenten, das sind nichts anderes als intermediäre Filamente).
 

1.2 Dendriten
Zahlreich verzweigte Fortsätze, kürzer als Axon (Ausnahme: pseudounipolare Nervenzelle: 1 Dendrit, der so lang ist wie ein Axon), leiten Erregung (niedrige Reizschwelle, Oberfläche der Plasmamembran enthält Dorn- oder knospenförmige Fortsätze) zum Perikaryon hin.
 

1.3 Axon
Ein sehr langer Fortsatz (bis zu 1 m), meist von Hülle umgeben (= myelinisiert). Entspringt im Ursprungskegel (Axonhügel) des Perikaryons – also frei von Nissl-Substanz (signifikant zur Diagnose!) – als Initialsegment ; es folgt eine lange Hauptverlaufsstrecke (ggf. mit Anzweigungen = Kollateralen), die Mitochondrien, Neurotubuli und Neurofilamente (–› Transportvorgänge!) enthält. Am Ende des Axons Telodendron.
 

1.4 Färbung
Versilberung: Darstellung von Nervenzellen in ihrer Gesamtheit (Problem: nur selektive, nicht vorhersehbare Erfassung)
Nissl-Färbung:... Darstellung von Perikaryon (basophileStrukturen werden angefärbt)
Hämatoxylin: Myelinisierte Abschnitte von Nervenfasern

 
 

2. Einteilung

2.1 bipolare Nervenzelle
Ein Axon, ein Dendrit, die das Perikaryon an entgegengesetzen Stellen verlassen.
Vorkommen: Ganglion spirale cochleae, Ganglion vestibulare, Retina, Riechschleimhaut

2.2 pseudounipolare Nervenzelle
Ursprünglich bipolares Stadium, aber Fortsätze vereinigen sich perikaryonnah zu einem, der sich dann T-förmig teilt. Erregung durchläuft Perikaryon nicht, Nomenklatur: Axon und dendritisches Axon.Perikaryon wird isoliert durch Mantelzellen (Amphi- und Satellitenzellen aus Glia).
Vorkommen: Spinalganglien

2.3 Multipolare Nervenzelle
Zahlreiche Dendriten und ein langes, in die Peripherie ziehendes Axon
Vorkommen: am häufigsten

2.3.1 Golgi-Typ-I
langes Axon, nur 1-2 dicke Dendriten, die sich in die Peripherie verzweigen
2.3.2 Golgi-Typ-II
Zahlreiche Unterformen möglich, kurzes Axon! Axon sowie Dendriten stark verzweigt, daher heißen sie auch Interneurone (wichtige integrative Funktion).
 
 

3. Nervenfasern

Myelinscheide (= Axonscheide) im ZNS: Oligodendrozyten (hüllen mehrere Axone ein) und im PNS: Schwann-Zellen (hüllen nur ein Axon ein)

3.1 Markhaltige Nervenfasern
 
(=Mit dicker Myelinscheide) Bildung eines "Meso-"s: Mes-axon (äußerer Teil; innerer Teil) –› Myelinisierung (d. h. Schwannzelle dreht sich um ein Axon bzw. Oligodendrozyt hüllt mehrere Axone ein).
Essentiell für TEM: Erklären der Begriffe Major-Dense-Lines (Verschmelzen zweier innerer Plasmamembranen, Interperiod-Lines (=osmiophob, osmiophil, extrazellulär [E], osmiophil, osmiophob) dann wieder Major-Dense. Z sind Zytoplasmaeinschnürungen, NF die Nervenfaser. 
Ranvierscher Schürring: Markfreier Bereich zwischen zwei myelinisierten Anteilen des Axons (die Erregung spring von Schnürring zu Schnürring).
Schmidt-Lanterman-Einkerbungen (=Major-Dense durch Zytoplasmarest unterbrochen)  nur im PNS.
Vorkommen: Dort, wo blitzartige Erregung (100 m/s) nötig ist: Muskelefferenzen.
Major-Dense-Lines und Interperiod-Lines -- Zustandekommen
...
3.2 Marklose Nervenfasern

PNS: mehrere Nervenfasern können sich in eine Schwannzelle einsenken (Kern der Schwannzelle liegt dann in der Mitte), Mesaxon vorhanden. Mittelgute Erregungsweiterleitungsgeschwindigkeit.
 

3.3 Markfreie Nervenfasern

ZNS: vor allem graue Substanz reich an diesen Fasern
PNS: meist vegetatives Nervensystem (5-10 m/s)
 
 

4. Nervenfasern

4.1 Endoneurium

Wird vom Perineurium begrenzt. Neben Schwann-Zellen und Nervenfasern ist lockeres Bindegewebe (= eigentliches Endoneurium) vorhanden, das zarte retikuläre Fasern enthält (bildet Endoneuralscheide zusammen mit Basalmembran der Schwann-Zellen). Außerdem enthält es Blutkappilaren, Mastzellen und Histiozyten (= ortsständige Makrophagen), die beiden letzteren bewegen sich in einer angeblich von proximal nach distal gerichteten Flüssigkeitsströmung.
 

4.2 Perineurium

Faßt Nervenfasern (wenige bis zu einigen hundert) mit dem endoneurium zu Faszikeln zusammen. Es besteht aus mehreren epithelartig angeordneten Schichten (‹– kommen aus dem subduralen Neurothel der Hirnhäute) und bildet somit die Nerv-Soma-Schranke (Tight junctions zwischen den Perineuralzellen —› Diffusionsbarriere) Interzellulär liegt eine große Menge an spiralförmig verlaufenden Kollagenfasern (Diagnose Nerv!) und einige elastische Fasern (–› gewisse Dehnfähigkeit des Nerven).
 

4.3 Epineurium

Lockeres Bindegewebe und vorwiegend längs verlaufende Kollagenfasern, das mehrere vom Perineurium umgebenen Nervenfaserbündel zum peripheren Nerven zusammenfaßt: Das hat folgende Vorteile/Gründe:
a)    Nervenfaserbündel können gegeneinander verschoben werden
b)    Kollagenfaserbündel des Epineuriums verhindern Überdehnung
c)    Als "Paraneurium" baut es den Nerven in das umgebende Gewebe ein.

4.4 Einteilung

4.4.1 Zugehörigkeit
somatische oder vegetative Nerven
4.4.2 Qualität
sensorisch (= sensibel), motorisch und gemischt (können neben sensorischen und motorischen auch vegetative Nervenfasern enthalten und kommen am häufigsten vor)

4.4 Fasertypen

Wichtig ist zunächst nur, daß es verschiedene Typen gibt. Die genauen Aufgaben werden ausführlich im 3. Semester behandelt. Leider gibt es -wie so oft- für die gleiche Sache zwei Nomenklaturen:
 
Erlanger/Gasser Lloyd/Hunt Querschnitt [µm] Geschwindigkeit [m/s] Typ
markhaltig . . . .
A-alpha Ia und Ib 10-20 60 - 120 (= bis zu 360 km/h!) efferent zu (extrafusalen**) Muskelfasern, afferent aus Muskelspindeln
A-beta II 7-15 40 - 90 Hautafferenzen (Berührung)
A-gamma . 4-8 30 - 45 efferent zu intrafusalen** Muskelfasern
A-delta III 3-5   5 - 25 Hautafferenzen (Wärme, Kälte, Schmerz)
B . 1-3   3 - 15 präganglionäre veregative Fasern
marklos . . . .
C IV 0,1-1   0,5 - 2 postganglionäre veregative Fasern, Schmerzafferenzen
)** extrafusal/intrafusal = Zusatzwissen (3. Semester!):in jedem Skelettmuskel sind sog. Muskelspindeln (="Längenmessgeräte") enthalten. Muskelfasern, die zu den Spindeln gehören, heißen intrafusale Fasern, Muskelfasern, die nicht zu den Spindeln gehören, dementsprechend extrafusal. Der Anteil extrafusaler Fasern ist natürlich weitaus größer.
 
 

5. Neuroglia

Gliazellen (10 je Nervenzelle, aber viel kleiner), neben Gliazellen kommen z. B. noch Gefäßzellen vor. Gliazellen hängen stoffwechselmäßig eng mit Nervenzellen zusammen (z. B. Anlagerung als Satellitenzellen –› Veränderung der einen Zellart führt zu Veränderungen der anderen). Gliazellen haben ihre Teilungsfähigkeit beibehalten (–› Narbenbildung nach Reizung oder Verletzung), sind formvariabel, kontraktil und einige wandern auch.
 

5.1 im ZNS

...

5.2 im PNS

...
6. Neuropil

Gesamtheit aller Strukturen, die den Raum zwischen den Perikarya füllen, also Fortsätze von Nervenzellen (Axone und Dendriten), Gliazellen mit ihren Fortsätzen sowie Kapilaren. Bitte TEM-Bilder im Skript ansehen.
 

7. Erregungsbildung

Ruhepotential (– 60 mV), da ständig Na+ nach extracellulär gepumpt wird und K+ leicht reingelassen wird, und zwar in Verhältnis 3 Na+ zu 2 K+. Auf einen Reiz hin Öffnung der Ionenkannäle (–› Prinzip nach Le Chatelier, Chemie!) Na+ rein, K+ raus, womit das Potential kurzzeitig positiv wird (> 0 mV). Zur Erregungsweiterleitung kommt es, weil die erregte Membranstelle sich für kurze Zeit regenerieren muß, somit unerregbar ist, und sich das Potential auf unerregte Membranabschnitte fortsetzt.
–› ausführl. Erklärung liefert die Physiologie im 3. Semester
 

8. Synapsen

Bitte TEM-Bilder im Skript ansehen und Text zu elektrischen, chemischen und Synapsen en passant lesen.
Funktionsablauf: In der ruhenden Nervenendigung (präsynaptischer Teil) ist der spannungsabhängige Ca++-Kanal geschlossen (und dementsprechend die Ca++-Konzentration extracellulär größer als im Zytoplasma. Ferner liegen zur Exozytose bereite Vesikel, die einen Neurotransmitter entahlten, an der Innenseite der präsynaptischen Membran (sie waren quasi darauf, das Signal zur Exozytose zu erhalten). Wird die Nervenendigung aktiviert, öffnet sich der Ca++-Kanal und Calciumionen strömen ein. Um mit der Plasmamembran fusionieren zu können, brauchen die Vesikel dieses Calcium –› sofortige Fusion mit der Membran (= getriggerte/regulierte Exozytose) –› der Neurotransmitter wird in den synaptischen Spalt abgegeben, diffundiert und bindet an Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran (Außenseite) –› "Aktivierte Synapse". Das wiederum lößt ein elektrisches Signal (= Erregung) aus. Erst im weiteren Verlauf wird der Transmitter durch Endozytose aufgenommen und der Rezeptor recycled.
Wichtig! Der Neurotransmitter bei Muskelendplatten ist bekannt: Acetylcholin. Subsynaptische Membran der Muskelzelle stark gefaltet (–› typisch!)
Färbung: Vergoldung nach Golgi stellt besonders die Synapsen durch dunkle Punkte dar.
–› ausführl. Erklärung liefert die Physiologie im 3. Semester
 
 

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