| Starke Männer begaben sich vor rund 1,5 Millionen
Jahren auf die Jagd, um ihre Familien mit Nahrung zu versorgen. Diesen Jägern verdankte die menschliche Evolution einen gewaltigen Sprung nach vorne. Darin waren sich Anthropologen bislang stets einig. James O'Connell von der University of Utah im amerikanischen Salt Lake City bringt diese Theorie nun erstmals ins Wanken. Schenkt man O'Connell Glauben, dann waren die steinzeitlichen Männer alles andere als tapfere Jäger: Sie ernährten sich hauptsächlich von Aas und kümmerten sich herzlich wenig um die Ernährung ihrer Angehörigen. Die entscheidende Rolle für die menschliche Evolution spielte vielmehr die Frau. |
![]() ![]() ![]() |
![]() |
Männliche Rolle als Jäger
angezweifelt
O'Connell begründet seine ketzerische Annahme mit einer Neuinterpretation der steinzeitlichen Fundstätten. Die Theorie vom tapferen vorgeschichtlichen Jäger stützt sich vor allem auf Knochenfunde, bei denen auch Werkzeuge entdeckt wurden. Doch die meisten dieser Funde wurden direkt an Flussläufen entdeckt, so O'Connell, dem bevorzugten Aufenthaltsort gefährlicher Raubtiere. "Das waren mit Sicherheit keine Plätze, wohin unsere Vorfahren sich zur Nachtruhe begeben haben", erklärte der US-Forscher gegenüber dem Fachmagazin "New Scientist". Vielmehr handele es sich um die Reste hastig verspeister Mahlzeiten, welche die Männer offenbar ohne ihre Familien abgehalten hatten. |
| Alles andere als tapfere Jäger
Wahrscheinlich waren die vielfach beschworenen Jäger gar keine wirklichen Jäger, sondern ernährten sich von Kadavern, die bereits von Raubtieren erlegt worden sind. Für diese Annahme spricht die Tatsache, dass die meisten Knochen sowohl Spuren von Waffen als auch Zahnabdrücke von Tieren aufweisen. Das Team von O'Connell verglich die Funde mit den Überresten, die moderne Jäger und Aassammler, die so genannten Hazda, in Tansania hinterlassen und stieß auf auffällige Übereinstimmungen. |
![]() |
![]() |
Die Großmütter sorgten
fürs Überleben
Doch das Team von O'Connell ging noch einen Schritt weiter. Studien über die Hazda zeigen, dass die Jäger und Sammler Tansanias lediglich alle zwei, drei Wochen auf ein Stück Aas stießen. Mit mehr konnten wohl auch unsere menschlichen Vorfahren nicht rechnen, so O'Connell. Überleben konnte eine steinzeitliche Familie davon keinesfalls. Wenn die männlichen Familienoberhäupter ihre Sippe nicht mit Fleisch versorgten, waren es vielmehr die Frauen, die das Überleben sicherten. Eine besonders wichtige Rolle spielten dabei nach Ansicht der US-Anthrophologen die Großmütter. Indem sie die Familie versorgten, ermöglichten sie den jungen Müttern, schnell wieder schwanger zu werden. O'Connells Fazit: Vielbeschworene Errungenschaften der menschlichen Evolution, wie eine lange Lebensspanne, verdanken wir nicht den Erfordernissen der Jagd, sondern der weiblichen Nahrungssuche. |