Schon gelesen-7.01.03
Quelle:
 Steinzeit-Männer waren faule Aasfresser
 
 
Starke Männer begaben sich vor rund 1,5 Millionen
                       Jahren auf die Jagd, um ihre Familien mit Nahrung zu
                       versorgen. Diesen Jägern verdankte die menschliche
                       Evolution einen gewaltigen Sprung nach vorne. Darin
                       waren sich Anthropologen bislang stets einig. James
                       O'Connell von der University of Utah im
                       amerikanischen Salt Lake City bringt diese Theorie nun
                       erstmals ins Wanken. Schenkt man O'Connell
 Glauben, dann waren die steinzeitlichen Männer alles andere als tapfere Jäger: Sie  ernährten sich hauptsächlich von Aas und kümmerten sich herzlich wenig um die  Ernährung ihrer Angehörigen. Die entscheidende Rolle für die menschliche Evolution  spielte vielmehr die Frau.

 
 
Männliche Rolle als Jäger angezweifelt
 O'Connell begründet seine ketzerische Annahme mit einer Neuinterpretation der
 steinzeitlichen Fundstätten. Die Theorie vom tapferen vorgeschichtlichen Jäger stützt
 sich vor allem auf Knochenfunde, bei denen auch Werkzeuge entdeckt wurden. Doch
 die meisten dieser Funde wurden direkt an Flussläufen entdeckt, so O'Connell, dem
 bevorzugten Aufenthaltsort gefährlicher Raubtiere. "Das waren mit Sicherheit keine
 Plätze, wohin unsere Vorfahren sich zur Nachtruhe begeben haben", erklärte der
 US-Forscher gegenüber dem Fachmagazin "New Scientist". Vielmehr handele es sich
 um die Reste hastig verspeister Mahlzeiten, welche die Männer offenbar ohne ihre
 Familien abgehalten hatten.

 
 
Alles andere als tapfere Jäger
 Wahrscheinlich waren die vielfach beschworenen Jäger gar keine wirklichen Jäger,  sondern ernährten sich von Kadavern, die bereits von Raubtieren erlegt worden sind.  Für diese Annahme spricht die Tatsache, dass die meisten Knochen sowohl Spuren
 von Waffen als auch Zahnabdrücke von Tieren aufweisen. Das Team von O'Connell  verglich die Funde mit den Überresten, die moderne Jäger und Aassammler, die so  genannten Hazda, in Tansania hinterlassen und stieß auf auffällige Übereinstimmungen.

 
 
Expo200-13.Oktober Die Großmütter sorgten fürs Überleben
 Doch das Team von O'Connell ging noch einen Schritt weiter. Studien über die Hazda  zeigen, dass die Jäger und Sammler Tansanias lediglich alle zwei, drei Wochen auf ein  Stück Aas stießen. Mit mehr konnten wohl auch unsere menschlichen Vorfahren nicht  rechnen, so O'Connell. Überleben konnte eine steinzeitliche Familie davon keinesfalls.
 Wenn die männlichen Familienoberhäupter ihre Sippe nicht mit Fleisch versorgten,  waren es vielmehr die Frauen, die das Überleben sicherten. Eine besonders wichtige  Rolle spielten dabei nach Ansicht der US-Anthrophologen die Großmütter. Indem sie  die Familie versorgten, ermöglichten sie den jungen Müttern, schnell wieder schwanger
 zu werden. O'Connells Fazit: Vielbeschworene Errungenschaften der menschlichen  Evolution, wie eine lange Lebensspanne, verdanken wir nicht den Erfordernissen der  Jagd, sondern der weiblichen Nahrungssuche.

Erläuterung vom Tage

[fri2003]


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