Anleitung fürs wichsen
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Der Mensch wird zum Mann, sobald ihm einer gewachsen ist.
Und wer ihm gewachsen ist, lässt sich auf Dauer nicht
unterkriegen. Natürlich will jeder Mann der stärkste sein und
daher versucht er, wenn ihm einer gewachsen ist, diesen mit
allen möglichen Mitteln seinem Willen zu unterwerfen. Tut er
dies in schweisstreibender Handarbeit, so spricht man von
Wichsen.
Die Geschichte des Wichsens ist uralt. Leider ist allerdings aus
der Frühzeit nicht allzu viel erhalten geblieben, bis auf einige
griechische Vasenbilder, die strahlende nackte Männer zeigen,
denen einer gewachsen war. Kräftig, schlank und gerade, wie
ein Maibaum. Allerdings hat eine spätere, prüdere Zeit dafür
gesorgt, dass diese Vasen meist unter Verschluss gehalten
werden. Sicherlichlich gilt das auch für andere Kulturzeugnisse
des Wichsens, falls es überhaupt noch welche geben sollte. Nur
durch Zufall stiess ich auf die folgenden Beschreibungen aus
dem letzten Jahrhundert, das erste offensichtlich aus den frühen
Jahrzehnten:
Man nehme:
Einen kräftigen, gut abgehangenen Schwanz und zwei harte
Eier, wasche alles gründlich und knete es mit beiden Händen
fest durch, bis der Schwanz zu gehen beginnt. Man lässt ihn
eine Zeit lang ruhen, ohne ihn wieder zusammenfallen zu
lassen, und beginne dann mit dem Schaumschlagen für die
Sauce. Dazu bilde man mit beiden Händen eine feste enge
Röhre und stosse mit dem Stössel immer wieder kräftig hinein,
wie in einen Mörser. Je kräftiger man stösst, desto schaumiger
wird die Sauce und je abgehangener der Schwanz ist, desto
mehr Brühe ergibt sich. Schaumige Sauce und sämige Brühe
arbeite man von aussen mit den Handflächen kräftig in den
Schwanz ein. Man erhält ein köstliches Dessert für einen lieben
Gast, das man ihn nur langsam lutschen lassen sollte.
(Aus: Dr. wie. h. s. R. Eiber: Hand-Buch für lustige Männer.
Anleitungen für erquickliche Stunden allein und mit einander.")
Das zweite stammt eindeutig aus der Zeit der Industrieromantik:
Hermann besah sich den mächtigen Kolben, hart wie Krupp-
Stahl. Wie angegossen schmiegte sich die handliche Röhre
darum und mit kräftigem Schwung schob er sich vorwärts. Hin
und her glitt er mit ausladenden Bewegungen. Hermann spürte
das Stampfen wie von einer gewaltigen Maschine und vernahm
das laute Zischen bei jedem Vorwärtsstoss. Immer geschwinder
glitt der Kolben vor, um schliesslich in rasender Fahrt vorwärts
und rückwärts zu fahren. Lauter und lauter wurden das Zischen
und Fauchen, in Strömen lief das Schwitzwasser an dem
stämmigen Apparat herunter, der schlingernd und stampfend
den Arbeitsgang vorantrieb. Der Druck stieg immer höher.
Endlich sprang das Überdruckventil an, und unter lautem
Getöse schössen gewaltige Massen weisslichen Öls aus dem
bebenden Kolben, der nur langsam wieder zur Ruhe kam.
Hermann schnaufte vor Begeisterung ob des erhebenden
Vorgangs.
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