Jeden Monat stellen wir hier einen interessanten Wiederfund aus
unserem Projekt vor. Die vorgestellten Wiederfunde sind entweder
ungewöhnlich oder geben Hinweise auf neue Aspekte bei den verschiedenen
Arten. Sie sind die Highlights der Beringungen, aber ohne die vielen "normalen"
Wiederfunde (die wir aus Platzgründen leider nicht alle aufzählen können) wären überhaupt keine Aussagen möglich.
Wiederfund des Monats
Juni 2005
Kanadagans aus Münster mausert in Ostflandern/Belgien
Von Mitte Juni bis Mitte Juli sind die erwachsenen Kanadagänse auf Grund
der Schwingenmauser flugunfähig. Diesen wichtigen und gefährlichen
Jahresabschnitt verbringen die Nichtbrüter in der Regel in der Nähe ihres
Geburtsortes. Traditionelle Mauserwanderungen sind bisher bei den deutschen
Kanadaganspopulationen noch nicht nachgewiesen. In Nordamerika und Groß-Britannien
kommen bei einigen Populationen aber solche Wanderungen (auch über größere
Entfernungen) vor.
Daher war eine Ablesung, die wir aus Belgien erhielten, sehr interessant.
An der Durme in Lokeren (Oost-Vlaanderen) wurde am 30.06.05, also während der Mauserzeit,
die Kanadagans TL7 abgelesen. Melder war Patrick V. Gele. TL7 wurde am 12.07.04
als nicht flügges Gössel in den Rieselfeldern Münster* beringt. Sie war
also eine "echte" Münsteraner Kanadagans. Bisher ist nicht klar, ob dieser
Fund in Verbindung mit anderen Wiederfunden in Belgien bzw. von in
Belgien beringten Kanadagänsen in Münster steht. Möglich wäre auch, dass
TL7 sich in Belgien angesiedelt hat, was aber bei 273 km Entfernung zwischen Beringungs- und Wiederfundort
auch ungewöhnlich wäre.
Aus Belgien liegen bisher 14 Ablesungen von fünf verschiedenen im Programm
beringten Kanadagänsen vor.
* Seit 1998 beteiligt sich die Biologische Station der Rieselfelder Münster
unter Leitung von Andrea Klein am Neozoenberingungsprogramm. Bis 2004 wurden dabei 261
Kanadagänse und einige weitere Neozoen in den Rieselfeldern markiert.