Jeden Monat stellen wir hier einen interessanten Wiederfund aus
unserem Projekt vor. Die vorgestellten Wiederfunde sind entweder
ungewöhnlich oder geben Hinweise auf neue Aspekte bei den verschiedenen
Arten. Sie sind die Highlights der Beringungen, aber ohne die vielen "normalen"
Wiederfunde (die wir aus Platzgründen leider nicht alle aufzählen können) wären überhaupt keine Aussagen möglich.
Wiederfund des Monats
Mai 2005
Höckerschwanring in Weißrussland gefunden
Mit einiger zeitlicher Verzögerung erreichte uns ein nicht erwarteter
Wiederfund eines Höckerschwans.
Von 2001 bis 2003 haben wir etwa 500 Höckerschwäne an städtischen Futterplätzen
in Bayern beringt. Ein Schwerpunkt war dabei München mit seinen zwei
Orten mit größeren Schwanenkonzentrationen im Winter (Isar am Flaucher und
Nymphenburger Schloßpark). Ziel war es die Herkunft dieser Schwäne zu klären.
Die bisherigen Ringfunde haben schon gezeigt, dass diese futterzahmen Schwäne
in der Masse aus größerer Entfernung stammen. Neben bayerischen Schwänen
verbringen vor allem viele tschechische Höckerschwäne
den Winter in München. Aber auch Verbindungen nach Österreich, Polen und
Kroatien konnten gezeigt werden. Die Sommerfunde stammen dabei aus einem
schmalen Korridor mit nordöstlicher Richtung.
Jetzt erhielten wir die Mitteilung, dass der Ring Radolfzell RV3330 im Jahr 2002 an einen
Seeufer im Nordosten von Weißrussland (Beshenkovichi distict, Vitebsk obl.)
gefunden wurde. RV3330 wurde am 10.12.01 am Flaucher in München markiert. Die Entfernung
zwischen diesem Ort und dem Wiederfundort in Weißrussland beträgt 1453 km. Einzelheiten
zu den Fundumständen in Weissrussland nicht bisher noch nicht bekannt (Rückfragen laufen noch). Dies dürfte
einer der östlichen Wiederfunde von in Deutschland beringten
Höckerschwänen überhaupt sein. Und außerdem wohl der erste aus Weissrussland.
Interessanterweise liegt von diesem Schwan noch ein weiterer Fernfund vor. Und zwar
war der Schwan zur Mauserzeit in Zentralpolen. Damit ist dieser Höckerschwan
ein echter Zugvogel, der durchaus größere Strecken zurückgelegt hat.
Die Schwäne an den winterlichen Futterstellen können also auch
aus dem autochthonen (ursprünglichen) Verbreitungsgebiet in
Osteuropa stammen und damit "echte" Wildvogel sein. Es gibt keinen Grund
sie als minderwertige Vögel einzustufen, wie es selbst Naturschutzverbände
ohne ausreichende Sachkenntnis gelegentlich noch tun. Die Vögel haben nur gelernt Nahrung zu fressen, die Ihnen
der Mensch bereit stellt, wie dies viele andere Arten auch tun (z.B. Kraniche und
Gänse auf landwirtschaftlichen Kulturen).
Anne Bär (Beringungszentrale Radolfzell), Tatiana Pavlushchick (BZ Minsk), Maria Wieloch
(BZ Gdansk), Pawel T. Dolata, V.Ivanovski waren uns behilflich bei der
Klärung der Einzelheiten dieses interessanten Funds. Webspecht unterstütze uns bei der Beringung.
Ihnen allen sei hier gedankt.
Beringungs- und Wiederfundorte des Höckerschwans Radolfzell RV3330