DIE TOTGESCHWIEGENE DIMENSION
The Hushed Up Dimension

V.

DER UNBEKANNTE HERMANN OBERTH
THE UNKNOWN HERMANN OBERTH


 



Viertes Stueck

Wie bereits im Dritten Stueck nachgewiesen, geht der "autorisierte" Biograf Hans Barth recht unbeschwert mit manchen grundlegenden Informationen um, die, wenn in ihrer vollen Tatsaechlichkeit und Wirklichkeit gebracht, das vom Biografen entworfene, von Mythen strotzende Bild von Hermann Oberth, aber auch das ebenso ins Ideelle erhobene Image des Oberth-Schuelers Wernher von Braun nicht nur trueben, sondern ernsthaft in Frage stellen koennten. Ein grosser Teil der unzaehligen Anekdoten und Legenden, welche den Text Barths durchspicken, dienen bei naeherer Betrachtung eben dem angesprochenen Ziel, Oberth, Barth und das NS-Programm der sogenannten "Vergeltungswaffen" (V1 und V2-Raketen) zu verklaeren und zu verniedlichen.

Hier ein selbstredendes Legendenbeispiel. Von Wernher von Braun stammt die Legende,  seine Raketenversuche der fruehen 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts seien durch puren Zufall mit dem militaerischen Machbarkeitsbereich in Beruehrung gekommen. Womit ausgesagt werden soll, dass weder Oberths Raketenforschung jener Jahre, noch die seines Schuelers v. Braun urspruenglich militaerische, also Vernichtungszwecke, sondern ausschliesslich wissenschaftlich-zivile Ziele verfolgt habe. Hier der von Barth mitgeteilte Wortlaut der v. Braun-Legende:

Von einer streng wissenschaftlichen und systematischen Raketenforschung kann allerdings erst ab 1932 gesprochen werden, nachdem auf Betreiben von Dr.-Ing. Walter Dornberger und Prof. Dr. Ludwig Becker vom Heereswaffenamt die Entwicklungsarbeiten in den militaerischen Bereich uebergegangen waren.
Während Nebel und ein kleines Team in Reinickendorf zurueckblieben und dort weiterwerkelten, begann eine andere Gruppe, die staerkere, mit Wernher von Braun und Klaus Riedel an der Spitze, auf dem Versuchsgelaende von Kummersdorf, rund zehn Kilometer weit von Berlin, zu arbeiten. Daß die Leitung des zunaechst noch sehr kleinen Raketenteams ausgerechnet dem Juengsten, dem l9jährigen TH-Studenten Wernher von Braun, anvertraut wurde, zeigt wieder einmal, was Zufaelle im Leben eines Menschen zu bewirken vermoegen: Um sich waehrend seiner Studienzeit in Berlin ein kleines Zugeld zu verdienen, machte von Braun in seiner Freizeit öfters den Taxifahrer. Eines Tages sassen zwei Fahrgaeste in seinem Wagen, die sich eifrig über Raketentechnik unterhielten. Als er hoerte, wie die beiden Herren in dem einen und anderen Punkt danebenlagen, schaltete er sich ins Gespraech ein und leistete Aufklaerung. Am Fahrziel angelangt, entwickelte sich dann eine ausfuehrliche Diskussion über das Wieso und Woher er denn das alles wisse. Schliesslich lud er die beiden Herren ein, den inzwischen nach Berlin-Tegel verlegten Raketenflugplatz zu besuchen, um sich vor Ort von den laufenden Versuchen zu ueberzeugen. Und die Herren kamen schneller als erwartet - es waren Prof. Dr. L. Becker und Dr.-Ing. W. Dornberger vom Heereswaffenamt, deren Namen uns noch oft begegnen werden. (Barth, S.178)
Auch die Wahrheit um v. Brauns Stellung als Leiter der Versuchsgruppe liest sich ganz anders, wenn Quellen herangezogen werden, die gediegene wissenschaftliche Information liefern. Dr.Ing. Gerhard Reisig, der in Peenemuende auch taetig war, schreibt in seinem Buch Raketenforschung in Deutschland. Wie die Menschen das All eroberten (Berlin 1999):

1927 wurde in Breslau der "Verein fuer Raumschiffahrt" (VfR) gegruendet. Die von Oberth in Verbindung mit dem UFA-Film "Die Frau im Mond" aufgestellte Arbeitsgruppe wurde nach Oberths Abgang nach Siebenbuergen mit Oberths Physikstudenten Wernher v. Braun und vom jungen Ingenieur Klaus Riedel erweitert. Diese Gruppe gruendete Ende September 1930 den "Raketenflugplatz" auf dem Gelaende des ehemaligen Artillerie-Schiessplatzes Tegel im Norden Berlins (Stdtbezirk Reinickendorf). (S.31-32)

Der eigentliche technisch-konstruktive "Führer" der Arbeitsgruppe war Klaus Riedel. (S.33)
Wo bleibt v. Brauns fuehrende Stellung!
Eine Gruppe von drei angesehenen Zivilisten erscheint Ende 1931 auf dem Raketenflugplatz Tegel, um sich die Ergebnisse der VfR-Entwicklungen vorfuehren zu lassen und die Protokolle und Versuchsdokumente kennen zu lernen. Diese "Zivilisten" waren drei Offiziere des Heereswaffenamtes der deutschen Reichswehr: Oberst Prof. Dr. K. Becker und die Hauptleute von Horstig und Dornberger [...].(S.34-35)

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Datei: Viertes.html  Erstellt: 10.03.2002        Geaendert:          Autor und © Klaus Popa

 

 
 

 
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