Rajana's Dark Angel Fanfiction
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Auf besonderen Wunsch von zwei Leuten entleere ich mal meine Festplatte. Ihr seht also, Feedback bewirkt doch was. :-) Schreibt an [email protected]


05 411 On The DL

Es ist gerade eine Stunde her, dass ich hier gesessen habe und dachte, wie wenig Sinn doch alles machen würde. Aber jetzt? Max ist gekommen und wir waren im Park. Bei strömendem Regen, Gewitter... und es war so gut. Als hätte sich meine Seele gleich mit abgeregnet.

Und warum das alles? Wegen Valerie. Sie hat auf mich gewartet, als ich vom Einkaufen gekommen bin und hatte schon angefangen, meine Möbel zu rücken. Irgendwas wegen meiner Reichtumsecke oder so? Ich habe keine Ahnung von Feng Shui und das ist wahrscheinlich auch gut so. Valerie gehörte nicht zu den Leuten, die sich nach dem Unfall gemeldet haben und ich hatte es auch nicht erwartet. Wir hatten jeglichen Kontakt abgebrochen und jetzt weiß ich auch wieder, warum.

Doch zunächst war es nett mit ihr. Nachdem wir die Förmlichkeiten hinter uns hatten („es tut mir so leid“ – ich kann es nicht mehr hören) war sie überraschend ehrlich. Sie sei trocken und auf meinen flapsigen Kommentar, dass ich auf der Liste der Entschuldigungen ganz oben stünde, entgegnete sie, dass ich das Ende einer langen Liste sei. Weil sie mich am meisten verletzt hätte. Wie wahr. Damals dachte ich, es sei das Ende der Welt, aber ich wollte ihr nicht mehr helfen. Nicht, als sie mit diesen krummen Dingern angefangen hat. Die Trennung war unvermeidlich, und als sie in meinem Wohnzimmer stand und von einem Wasserelement faselte, da dachte ich, sie würde das jetzt genauso sehen.

Irgendwann ging sie wieder und stattdessen tauchte Max auf. Ich habe erst gar nicht verstanden, was mit ihr los war, als sie mir die Annonce zeigte, bis sie die Erklärung nachlieferte. Das war ihr Barcode in der Zeitung. Wie sie selbst wusste, es konnte eigentlich nur jemand von Manticore sein. Ich wollte es ihr ausreden, aber da hat sie mich schon nicht mehr ernst genommen, denn natürlich musste Valerie anrufen. Ich Trottel bin natürlich nicht ans Telefon gegangen und Max hat ihre Stimme auf dem AB gehört. „Loguie!“ Wieso passieren mir ständig so peinliche Sachen, wenn Max dabei ist? Sie hat gesagt, dass sie sich mich nicht als Ehemann vorstellen könnte, eher als Don Quichotte. Ich habe ihr gesagt, dass Valerie nichts von Eyes Only weiß und ich hoffe, das bleibt auch so.

Max ist natürlich zu dem Treffpunkt gegangen und Valerie hat natürlich zurückgerufen. Wir haben uns für den nächsten Tag verabredet. Zu einem Straßenfest. Ich glaube, ich war noch nie auf einem Straßenfest, schon gar nicht mit Valerie. Aber es war lustig. Wir haben Spaß gehabt und ich habe sie zum Abendessen eingeladen, aber natürlich wollte sie nicht bleiben. Ich würde schon wieder den Beschützer spielen. Argh.

Und dann natürlich Max. Wer sonst? Wen sonst sollten wir auch schon treffen?

Sie war äußerst höflich, als ich sie als eine gute Bekannte vorgestellt habe und bat Valerie, ihr ihren Ex-Mann auszuborgen. Musste sie da so drauf rumreiten? Vogelsang hat die Anzeige aufgegeben und er weiß mehr. Will das aber nur gegen 15.000 $ rausrücken. Die hat sie natürlich nicht und ich wollte sie ihr nicht geben. Nicht für ein solches Himmelfahrtskommando. Lydecker überwacht Vogelsang, ihr das Geld zu geben, damit sie sich wieder treffen können, wäre ja, wie einem selbstmordgefährdeten eine Waffe in die Hand zu drücken. Klar, ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Max sich das Geld nicht auch woanders besorgen kann, aber da wollte ich nicht mit hineingezogen werden.

Stellte sich heraus, dass das auch gut so war. Als Max am Treffpunkt ankam, war Vogelsang schon tot. Er hat ihr nur gesagt, dass Zack sich seinen Barcode in Chinatown hatte wegmachen lassen. Während ich wie selbstverständlich nach allen Tattooläden in Chinatown gesucht habe, hat sie mir erklärt, dass der Strichcode wiederkommt, auch wenn man ihn wegmachen lässt. Zack hat es trotzdem getan. Scheint ein penetranter Bursche zu sein. Aber es ist zehn Jahre her, dass Max ihn das letzte Mal gesehen hat. In zehn Jahren kann sich viel verändern. Besonders ein verschrecktes Kind, das plötzlich alleine in der Welt unterwegs ist.

Als ich ihr den Plan mit den Tattooläden in die Hand gedrückt habe, bat ich sie, vorsichtig zu sein. Aber sie ließ erstmal die Bombe über mir platzen. Sie sei Valerie gefolgt und hätte sie mit ihrem Lover gesehen. Sie war nur hinter meinem Geld her.

Natürlich habe ich das gewusst. Na ja, zumindest habe ich gewusst, dass Valerie nicht einfach so wieder auftaucht. Nicht Valerie.

Sie würde zum Abendessen kommen, wir waren verabredet, also habe ich ihr Geld hingelegt. Als sie gekommen ist und es gesehen hat, kam sie mit Ausreden. Es sei nicht ihre Idee gewesen. Das ist mir doch egal, wessen Idee es war. Sie hat es getan und hatte wie üblich nicht die Courage, für ihre Taten einzustehen. Aber das Geld hat sie genommen. Sie hat es genommen und ist verschwunden.

Ein kleiner Teil von mir hat gehofft, dass sie es liegen lassen würde, dass sie wenigstens so viel Anstand im Leibe hätte, aber natürlich nicht. Nicht Valerie.

Ich habe Bling mehr oder weniger rausgeworfen, die Klingel und das Telefon ausgestöpselt und in den Regen hinausgestarrt. Einsamkeit ist ein ständiger Begleiter, wenn man aus seinem alten Leben gerissen wird und das neue plötzlich nur noch aus Physiotherapie, Blasenkontrolle und ein bisschen investigativem Journalismus besteht. Aber so schlimm wie heute war es lange nicht. Vielleicht ist Max’ Einstellung ja viel gesünder als meine. Wenn ich mich nur noch um mich selbst kümmere und ich mir keine Sorgen darüber mache, wir meine Ex-Frau nach dem Abendessen nach Hause kommt, dann kann mich auch niemand enttäuschen. Meine Laune war so mies, ich war so enttäuscht und ich hätte heulen können. Das hat der Regen für mich erledigt, da habe nicht nur ich geweint sondern die ganze Welt.

Bis Max kam. Ich weiß nicht, woher sie wusste, dass ich nichts dringender brauchte, als jemanden, der einfach nur da war. Die Klingel sein kaputt, witzelte sie, dabei würde ich fast darauf wetten, dass sie sie gar nicht ausprobiert hat. Ob ich sie jetzt hassen würde?

Wie kann man Max hassen? Klar war ich sauer, aber doch nur, weil sie ausgesprochen hat, was ich längst wusste. Ich habe ihr gesagt, dass es diesmal mein Fehler war, mich auf Valerie einzulassen. Und dass das peinlichste sei, dass ich an etwas glauben wollte, das nie existiert hat.

Max stimmte mir zu und erzählte, dass sie Zack getroffen hatte. Ganz offensichtlich hatte sie nie daran gedacht, dass er immer noch ein Soldat sei. Sie hatte gehofft, dass er Erklärungen bringen würde, aber offensichtlich hat er nur noch mehr Fragen aufgeworfen. Sie seien Krieger und das hier sei feindliches Gelände. Auch eine Lebenseinstellung.

Ich bin froh, dass es nicht Max’ Einstellung ist. Sie war wie ich auf der Suche nach jemandem, der sie versteht, der so ist wie sie. Es tut mir leid, dass Zack das nicht sein konnte. Ich habe ihr etwas zu essen angeboten, aber sie wollte weder essen noch schlafen.

Das mit dem Spaziergang war nur so halb ernst gemeint, aber sie hat zugestimmt. Einfach so. Wir sind tatsächlich durch den Park gelaufen, haben uns nassregnen lassen und uns nicht unter den Bäumen versteckt. Nicht bei dem Gewitter.

Jetzt bin ich wieder zurück und immer noch klatschnass. Es wird Zeit, dass ich mir etwas trockenes anziehe, ehe ich mir noch etwas weghole. Max ist nach Hause gefahren, aber dieser Spaziergang war mehr, als ich gehofft hatte. Ein gutes Gefühl, dass man doch nicht alleine ist. Dass es Menschen wie einen selbst gibt, die auf der Suche sind.

Was ich suche, weiß ich nicht genau. Wahrscheinlich einfach meinen Platz auf dieser Welt. Den, den ich verloren habe, als wir uns haben scheiden lassen, den ich dachte wiedergefunden zu haben, als ich mit Eyes Only begann und den, den Bruno kurz und klein geschossen hat.

Max hat ihren Platz genauso wenig gefunden, hin- und hergerissen zwischen ihrer Vergangenheit, die sie am liebsten vergessen möchte, der Gegenwart, die bis auf die Nachwehen ihrer Vergangenheit so sein zu scheint, wie sie es möchte und ihren Träumen, in denen sie sich wohl eine Zukunft wünscht, in der Gene keine Rolle spielen. Sie will eine Zukunft ohne Vergangenheit und ich wünsche mir manchmal eine Vergangenheit ohne Zukunft.

 

 

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Kapitel 06_Prodigy
 
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