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29.03.04 Die Strasse ist kein Spielplatz! -wurde uns in der Unterschule vermittelt. Doch das ist lange her und galt in der kleinen, sauberen Schweiz. Hier ist die Strasse längst zum sozialen Biertreffpunkt mutiert und ist Spielplatz, Tennisplatz, Parkplatz, Waschplatz, Reparaturplatz, Marktplatz und Drogenumschlagplatz...
Das Trottoir wurde zur Sitzbank und Hundetoilette und auch menschliche Notdurft wird am nächsten Baum verrichtet. Aber auch gespuckt wird überall hin und eingedrückte, verrostete oder fehlende Schachtdeckel bilden eine Gefahr für Fussgänger. Doch heute fahren plötzlich ein dutzend Kinder mit neuen Mountainbikes herum. In welchem Bikeshop fehlen diese wohl, oder wo wurde kürzlich ein Schiffscontainer aufgebrochen?...

27.03.04 gestern Abend haben sich unsere Schweizer Gäste zufrieden verabschiedet und sollten heute, nach 15 Stunden Flug  wieder heil im kalten Europa landen. 
Während das angenehme venezolanische Klima kaum zu überbieten ist, informieren die Medien jetzt über Wasserknappheiten in Caracas während den kommenden Osterfeiertagen. Deshalb hatte ich soeben unseren privaten 200 liter Notwassertank wieder gereinigt und in Betrieb genommen, damit wir wenigstens unabhängig von der Leitungswasserversorgung duschen können. Trinkwasser erhalten wir längstens in 18 liter Botillones...

23.03.04 Gerade hatte hier unten jemand während 2 Minuten sinnlos auf den Agressionsknopf gedrückt. Das erinnert mich an Madrid City. Dort stand ich einmal in einer Bank schlange, während draussen jemand eine Viertelstunde hupte. Als ich heraustrat zeigte ich dem Middreissiger den Vogel. Prompt herrschte er mich an: "Que?" und seine Augen funkelten. "Su ruido molesta mucho!" erklärte ich ruhig. "Ist das deine Kutsche?" fragte er mich wütend duzend und zeigte auf den Pw, welcher seinen blockierte. "Nein, aber mich stört ihr Lärm! Wenn jemand beim parkieren sein Hirn nicht einschaltet, nützt auch ihr hupen nichts!..." 
In Madrid ist es schlechter Brauch, auf zwei Spuren seine Karre abzustellen -für kurze Zeit!? Parkuhren gibts ja keine, wer sollte sie auch unterhalten bei solchen Arrogantis, wo keine Bussenzettel bezahlen. Also nützte es ihm auch nichts, die Polizei zu rufen, denn erstens kommt sie nicht und zweitens stand er selber illegal vor der Ausfahrt.
Ich provozierte den Mann also noch ein bisschen, stand auf dem Trottoir und schütelte den Kopf, während er wütend schwitzend weiterhupte. "Ist es dein Karren?" fragte er mich noch zweimal trotzig. Da grabschte ich schliesslich mein Abo und sagte ihm: "Ich bin intelligent und benütze die Metro! Buena suerte!" -lächelte ihn an und ging. Der Kluge reist im Zuge, -galt auch dort noch bis vor zwei Wochen. Ich drücke hiermit allen Beteiligten des furchtbaren Attentats mein herzliches Beileid aus...

21.03.04 Unsere Gäste; Philipp und Marina hatten sich mit einem SMS heil von ihrem Trip an den Strand von Choroni gemeldet und noch bevor unser Nachbar seine laute Party beendete waren wir eingeschlafen wie die Murmel. Doch kurz nach 4 weckt mich das Gekreische von Funkgeräten, dann blitzen Blau-Rote Lichter eines Streifenwagens durch die Nacht. Autotüren schletzen, Hunde bellen, Stimmen... Ich gehe ans Fenster, sehe wie vier Gestalten an der Wand stehen, so wie man das aus Gringofilmen kennt. Polizisten durchsuchen auch einen Jeep mit ihren fahlen Stablampen. Die Szene ist bekannt -langweilt mich schon.
Ich sehe nach, was sich in unserer PC-Ecke tut: Da steht Hannis Computer, immer noch online, saugt gerade ein altes Album von Uriah Heep durch die Kabel. 82 MB. Doch das Modem ist schnell um diese Zeit, wo alles schläft, oder wie unten auf den Strassen; benebelt auf dem Heimweg ist. Ich klicke ein schon fertig gelistetes Stück an: "Stealing when I should have been buying" Dooririririridoori... -am liebsten hätte ich die Stereoanlage angeknipst, DAT gedrückt und Volume 10 gewählt, aber so mitten in der Nacht in einer Mietwohnung;-(

20.03.04 Liebling, du warst doch letztes Jahr in Venezuela zum Schlangen fangen!?
Ja, warum?
Gerade hat eine dieser Schlangen angerufen, sie werde in Kürze laichen.
Den Witz von einer Freundin aus Budapest ein bisschen zurechtgebogen zum Verständnis des venezolanischen Mundartausdrucks Cuaima. Das Wort wird häufig von Frauen verwendet und reflektiert eine gewisse Eifersucht:
"Cuaimas, disfruten sus hombres equivocados", hörte ich kürzlich im Lokalradio; Frequencia magica -jajaja;-)

18.03.04 Ein neuer Tag; Morgenstund hat Gold im Mund! Oder; -ist aller Laster Anfang, nach Murphy? -wie gestern? Nein. Den Backofenknopf habe ich wieder festgezogen. Doch natürlich wusste ich nicht mehr wie man ins Programm des Käfeliautomaten gelangt und holte das Manual in der Werkstatt: Kein Krähengriff, bloss Vormahlen Ein! So! 
Später unternehme ich einen letzten Versuch, meine umbenannte Fotodatei zu lesen: Dazu lade ich aber nicht BILLSHIT, sondern stecke meinen uralten 286 an, welcher im Labor sein Dasein fristet. In 13 Sekunden hat er meine, vor 20 Jahren an einem DOS - Kurs gelernte Autoexec.bat Datei gebootet; Ready>
Vorsichtig schiebe ich meine "kaputte" Disk in den schmalen Schlitz, murmle ein Gebet; "Herr vergib ihm", wähle Laufwerk B, Enter>
Chätchätchät -Hä, da listet doch der alte Hyunday alle meine Fotos artig auf! Hmm, welches Erfolgserlebnis!
Mit einem altbekannten String; copy *.* c: schaufle ich die etwa 600 kilo auf die 10 MB(!) Harddisk, hole derweil eine frische Scheibe und pumpe die Fotos abermals um. Hehe, letzt kann auch BILLSHIT meine neue Scheibe lesen -Stinkfinger;-)

17.03.04 Heute ist mal wieder so ein berühmter Tag; Nach Murphys Gesetz: Was schief gehen kann, geht schief! Um fünf Uhr morgens erwache ich mit einem brummenden Schädel. Wovon? Nicht einmal einen Tropfen Alkohol hatte ich in den letzten 24 h. Ich stehe auf; -ein Käfeli wird helfen. Doch am Automaten funktioniert Vormahlen nicht mehr, also warte ich, bis die ersten 7 g Bohnen geraffelt sind und fluche: Welcher Schlaumeier hatte denn am Programm herumgefingert? Inzwischen nehme ich den Brotteig aus dem Kühlschrank. Dabei fällt eine angefangene Tube Senf aus der Türe; wohin? Auf meinen nackten Fuss, wo schon lädiert ist von einem Loch im Trottoir; Auuu! 
Ich drehe den Backofen an, doch der Knopf hat den "Ewig". American Shit! Genau in dem Moment macht sich meine Verdauung bemerkbar -es langt noch gerade knapp, um auf dem dritten WC abzusitzen. Aha, die spanischen Nüssli, welche unsere Gäste am Vorabend aus der Schweiz mitgebracht hatten verursachen Durchfall -wie immer.
Trotzdem schiebe ich das Brot in den Ofen und gehe wieder ins Bett. Doch schlafen kann ich nicht, aber um sechs geht krächzend das Radio an. Ich latsche wieder in die Küche, werfe unterwegs meinen PC an. Jetzt schiffet es draussen -mitten in der Trockenzeit, -das Wetter spiinnt auch. Nach Frauchens Frühstück schreibe ich ein Email, will auch noch ein Foto anhängen. Ich klicke Rename an und tippe neue Buchstaben hinein -Enter. Chätchätchät -dong: Disk unreadable! Hmm, Aff murmle ich und drücke nach dem 3. Versuch die Resettaste -wie immer bei BILLSHIT's SW! Danach diesellbe Story: Disk unreadable! Das kann doch nicht sein!? Ich knipse Hannis neuen Computer an:.............
Boot failure, noch bevor die 3½" Scheibe im Schlitz steckt. Jaja, BILLSHIT; -Resettaste........: -Sie sollten den Compuuter immer... Jaja, BILLSHIT;... X - Taste wie immer -Endlich kommt BILLSHIT's Melody. Warum denn nicht gleich? Wie ich diesen Sürmel doch tagtäglich hasse!
Scheibe rein, -wo ist denn der Shortcut?...: Medium nicht bereit!........
Da hatte doch das 3½" Laufwerk meines Computers beim Umbenennen eines Fotos die ganze Disk unlesbar zerstört. Bravo, -alle Urlaubfotos mit Bruder am Strand von Choroni im Eimer!?...:-(((

16.03.04 Gestern hatten Hanni und ich eine gemeinsame Sitzung bei unserer inzwischen wohlbekannten Hausärztin. Meine Amöbenkur scheint erfolgreich beendet zu sein und dauerte gerademal einen ganzen Monat, nachdem ich in den ersten Tabletten Placebos vermutete. Doch jetzt leidet Hanni an diesen verdammten Einzellern und verträgt auch die Medikamente weniger gut...
Heute ist mein Bruder, welcher mir zum Geburtstag einen Überraschungsbesuch geliefert hatte wieder abgereist. Einmal mehr stellen wir fest, dass auch die Zeit verfliegt und plötzlich werden auch wir zum letzten Mal in einem Flieger sitzen und Venezuela verlassen -für immer, denn das schöne, aber komplizierte Land liegt einfach nicht am Weg und manches kommt uns selbst nach über 3 Jahren immer noch spanisch vor...

13.03.04 Am Abend sind wir eingeladen zu Pedro und Auria auf ihre Farm, 30 km ausserhalb Caracas. Beim Apero in der Abenddämmerung lassen wir gemeinsam einen Geburtstagsballon steigen. Dann führt uns Pedro eine eindrückliche Diashow seiner geschossenen Bilder aus ganz Venezuela vor. Anschliessend sitzen wir gemütlich beim Nachtessen bis tief in die Nacht hinein. Es gibt feine Rindsplätzli an einer würzigen hausgemachten Sauce aus ihrem eigenen Schweizer Kochbuch. Herzliches Dankeschön -auch an Paul, welcher uns wieder sicher nach Hause brachte!

12.03.04 Mit einem tränenden und einem lachenden Auge kehrten wir heute heil vom Strandurlaub zurück. Das Hintergrundbild unseres Hostals ist zwar ein bisschen übertrieben, weil Choroni zum Festland gehört und Puerto Colombia einen einträglichen Fischerhafen hat. Dazwischen befindet sich die zwei km lange "Playa grande" wo heute Abend wieder die hübschesten Chicas Aragua's, losgelassen und in der Diskothek tambor tanzen. Unsere kubanische Gastwirtin hatte mir versprochen, es mir beizubringen, nur schade ist die "leidi" so weit weg. Hmm...

08.03.04 Nach der Fische - Geburtstags - Brunch - Party von gestern bei Pedroyjo, fahren die Bachmann - Brüder heute an eine Playa Richtung Westen. Dabei kann sich auch Hanni hoffentlich ein wenig erholen. Für unsere anderen Freunde in der weiten Welt bedeutet das ein paar Tage Funkstille...rrrrrrr

06.03.04 Gestern hatte Präsident Chavez das diplomatische Corps eingeladen und ihnen traurig die Vorkomnisse der letzten Tage dargelegt. Er hat der ganzen Welt erklärt, warum die Wahlbehörde CNE fast eine Mio Unterschriften für das Referendum nicht akzeptiert. Sogar bei allgemein kritischer Betrachtung der Medien, welche auch diese Sitzung übertrugen und politisch neutral finden wir, dass "Megafraude" nicht aus der Luft gegriffen ist. 
Zuviel ist bei der Unterschriftensammlung schief gelaufen und für das gewalttätige Vorgehen der Opposition fehlt jede Legitimation. Eine starke Gegenpartei wird sogar vom Präsidenten öffentlich gewünscht, aber solche Gewaltakte können auf Dauer von der Regierung nicht mehr hingenommen werden und es wäre wirklich schade, wenn das Klima in Venezuela frostiger würde...

05.03.04 Ein ähnliches Vergehen wie Internetpiraterie präsentiert sich auf der Kreuzung vor unserem Haus; Die Leute durchwühlen die Abfälle der Wohlstandsgesellschaft. Denn weil in diesen Tagen wegen den politischen Unruhen wieder einmal alles drunter und drüber läuft, kam letzte Nacht auch kein Kehrichtwagen und nun liegt der ganze Güsel an der Kreuzung. Die Plastiksäcke -und mein Weinkarton, welchen ich extra am Vorabend kurz vor der üblichen Kehrichtkollektion an die Strasse stellte werden aufgerissen und durchstöbert. Meine 12 jährigen Bankbelege, wovon es weder die Bank, noch uns an diesen Adressen weiter gibt fliegen im Wind auf der Srasse herum. Der Karton wird gekippt -und oh Wunder, wird von einem anderen mitgenommen -kann offenbar noch verwendet werden. Irgendwann kommen dann die orangen Männchen mit Besen Schaufel und Güselkarren und machen wieder sauber. Sie putzen die Glasscherben zerschmetterter Bierflaschen zusammen -und lesen unsere uralten Bankbelege auf. Solchen Saubermännern sollte man Geisseln aushändigen, damit sie die Taugenichtse zum Güselkehren erziehen könnten. Auch sollte die Guardia Nacional nicht mit ihren Gwerlis herumfuchteln, sondern gleich mit Wasserwerfern und grobem Geschütz auffahren, so wie man das bei uns gewohnt ist. Schliesslich erwartet dieses Gesindel auch noch, künftig von einem anständigen Präsidenten regiert zu werden -gute Aussichten...

03.03.04, 03:13 ich konnte nicht mehr schlafen. Zuviel passierte gestern, an meinem Geburtstag hier in Caracas: Zuerst durfte ich etw 50 Mails und SMS entgegennehmen, vor allem aus der Schweiz, weil man ja dort bereits am Mittagstisch sass, aber auch einen telefonischen Glückwunsch von Herrn Botschafter persönlich... -Herzlichen Dank! 
Dann wurde ein Kurzausflug in die Stadt beinahe zum Alptraum: Rauchende Autopneus und haufenweise Abfall lag auf den Hauptverkehrsachsen und bei der Metrostation Chacao wurde eine eingeschmetterte Glasfensterfront gesichert. Entsprechend würgte ich mich durch das Verkehrschaos, sogar Polizei kam mir in der Einbahnstrasse entgegen, meiner Tankstelle wurde seit Tagen kein Benzin mehr geliefert und bei der anderen durfte ich eine Stunde anstehen. 
Am Mittag, als ich mir endlich meine Siesta gönnte am Wasser, schrie das Handy und meine Amiga, welche am Vortag Geburtstag hatte, erzählte mir, dass ihr Bankkollege erschossen worden sei an einer Kundgebung und sie heute Abend nicht mit uns zum Dinner komme und wir aufgrund der Sicherheitslage besser auch unseren, für kommenden Sonntag geplanten Brunch absagen...
Kaum war dieser Schock vorüber -ich bearbeitete gerade einen Brotteig, schellten fast gleichzeitig Telefon, Handy und Türglocke und Hanni kam mit ihrer Arbeitskollegin nach Hause: Happy Birthday!...
Ich hatte eben eine Kette spanische Nüssli umgehängt von meinen Schwägerinnen und noch das Champagnerglas in der Hand, da läutete es schon wieder sturm -diesmal auch noch an der Gegensprechanlagee. Nanu? Hanni, welche diese Überraschung mit eingefädelt hatte rauschte hinaus und dann stand plötzlich mein Bruder im Türrahmen: Alles Gute zum Geburtstag!...
Das alles war ein bisschen viel für old Einstein. Doch am Abend feierten wir schliesslich doch noch wie abgemacht meinen 50. im Restaurante Tarzilandia...

02.03.54 ist Pedros Geburtsdatum. Also feiern wir heute meinen 50. Geburtstag. Fisch, jaja, verbringt gern viel Zeit im Schlafzimmer -jaja. Faulpelz -oder Geniesser? Hmm! 
Ich gratuliere allen Fischen herzlich zum Geburtstag! Lasst euch von euren Partnern und Partnerinnen ein bisschen verwöhnen;-)
Hier in Caracas scheint wieder der Teufel los zu sein. Oder ein paar Halbwilde spielen mit dem Feuer, zünden Reifen an, errichten Barrikaden und provozieren die Guardia Nacional. -Einfach bis wieder ein paar erschossen werden, dann geht wieder das grosse Gejammer los, wie seit zwei Jahren. Das ganze Getue für ein Referendum, um den Präsidenten abzuwählen lähmt nicht nur die Wirtschaft vollends, sondern wird auch langweilig. Die Medien tun, was sie in solchen Situationen immer tun -sie schütten Oel ins Feuer und bauschen jede Auseinandersetzung auf bis zum geht nicht mehr. -Schöner Geburtstag:-(

 

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