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Elektromantik    (alternatives Fonduerechaud)

Typische Schweizerkost hat im Ausland so seine Tücken. So ist ein Bunzenbrenner lokal nicht erhältlich und Brennstoff als Fluggepäck mitzunehmen  nach IATA schon ein Vergehen. Was liegt also näher, als auch im Fonduerechaud sauberen Strom zu verheizen? Das war mein nächster Streich. Ich studierte das rustikale Schmiedeisen, besorgte eine effiziente amerikanische 115 V Kochplatte und schlosserte sie als Top aufs Rechaud. Tja, nun begann erst die Arbeit; Wie stellt man an dieser elektrischen Kochplatte die Käseschmelztemperatur ein? Mit einem Potentiometer ja, aber 1,5 kW! Und weltweit, also auch bis 250 VAC. Der erste Triac verabschiedete sich mit einem stinkenden Knall und entfachte ein kleines Feuerchen auf meinem "Breadboard". 
Phasenanschnitt ist ja gut und recht, aber belastet das Netz mit massiven Störungen. Burst-fireing scheint der Schlüssel zu sein, wie es in Stromrichtern von Lokomotiven eingesetzt wird. Dazu bestellte ich zuerst einen 25 A Halbleiter. Der Optokoppler steuert den Triac sauber im Nulldurchgang. ¼ eines Quad- Operationsverstärkers wird als verstellbarer Oszillator missbraucht, ein weiteres Gate davon dient als Impulsformer und eine Twin-Treiberstufe zum ansteuern des Triggerelementes. Nun werden Vollwellen verarbeitet! Davon gibt es ja bekanntlich 50 bis 60 pro Sekunde auf der ganzen Welt. In Japan braucht es nur jede zweite für Volleistung, in Australien fast jede dritte und in Grossamerika alle. Für ein schwaches Feuerchen unter dem Topf sorgt etwa jede 40.ste Sinuswelle. Die wird nun einfach am Poti eingestellt -clever! Doch die Speisung ist ein Murks. Ein umschaltbarer Trafo hatte nicht platz im aufgesägten Spritbrenner. Deshalb vernichtet ein Leistungswiderstand nochmal etwa 5 Watt. Es fehlte noch die romantische Flamme! Dazu wurde eine E14 -Fassung eingebaut und eine Flimmerkerze bestellt...

Ich war so überzeugt von meiner Technik, dass wir gleich Gäste einluden. Ein ungarischer Unternehmer und seine kolumbianische Frau haben mit uns das erste E-Fondue genossen. Zwar hatte ich mein altes EMU vor den Prototyp geschaltet und ab und zu die notwendige Leistung abgelesen, aber der Wein sorgte für etwas Abkühlung und das herrliche Dessert rundete den romantischen Fondueabend ab. 
Ich werde aber die Technik nochmal mutieren. Da einerseits für eine 1 kg Käsemasse 200 bis 300 Watt genügen und anderseits der Triac doch relativ viel Leistung verheizt, werde ich eine 230 Volt Kochplatte suchen. Damit errechnet sich dessen Leistung nach der Formel:

         U ²
P =  ----
        R 

 -und genügt auch bei ungünstigsten (amerikanischen) Netzbedingungen für ein E-Fondue. Mit dieser einfachen Formel für den Schmelzkäse kann ich jedem "Weinsnob" das Wasser reichen und werde nebenbei auch noch den Leistungswiderstand durch das romantische Glühlämpchen ersetzen!    Pedrotechnik

Mutation:

Es dauerte eine ganze Weile, bis mir ein Freund in Australien eine 240 Volt 1300 Watt Kochplatte schickte. Dann dauerte es nochmal eine Weile, bis ich diese auf unser zweites Rechaud schraubte und dazu eine brauchbare Elektronik entwickelte. Diesmal arbeitet sie mit einer Phasenanschnittsteuerung und ist umschaltbar auf 115 oder 230 Volt, je nachdem in welcher Ecke wir gerade Fondue kochen. Das Rechaud bekam sogar einen hitzebeständigen Steckanschluss und kann nun mit einem entsprechenden Kabel angesteckt werden -von Nordamerika bis Russland und von Italien bis Neuseeland.
Hier ausnahmsweise nochmal ein bisschen Technik:
Eine Phasenanschnittsteuerung arbeitet mit einem Triac, welcher entsprechend des eingestellten Zündzeitpunktes nur einen Teil der beiden Netzhalbwellen durchlässt. Dazu ist keine Stromversorgung notwendig und das Glühlämpchen unter dem Topf ist bloss Romantik. Doch zur Reduktion von Netzstörungen, wie sie selbst bei ohmschen Heizkörpern auftreten wird ein aufwendiges Netzfilter eingesetzt, welches aus Ringkerndrossel und Kondensatoren besteht. Prompt verabschiedete sich fast am Ende dieses ersten Fonduetests einer dieser X-Kondensatoren wie eine rauchende Knallerpse. Dieser Kondensator war für die eigentliche Funktion nicht notwendig, aber sein penetranter Geschmack durchzog schliesslich unsere nach Käse gesättigte Luft im Wohnzimmer...

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