Home Geschichten 2.Teil
Canaima, 5 Tage im Tschungel
Der Regen hat aufgehört, der Wasserfall steckt
noch im Nebel, Kaffeduft holt uns schliesslich aus den Hängematten, gefolgt von
einer knappen Morgentoilette. Es gibt ein einfaches Frühstück. Die Abstimmung
von gestern, wie wir den Tag beginnen gibt mir recht; Wir nehmen Rücksicht auf
das Wetter!
Doch irgendwie herrscht eine komische Stimmung. Das Boot musste in der Nacht
umplaziert werden, weil der Fluss einen halben Meter angestiegen ist. Endlich
gibts etwas mehr Information. Wir montieren Badezeug und Sandalen. Meine besten
Schuhe sind meine Füsse, erklärt unser Guide nun im Lendenschurz. Mit den
ersten Sonnenstrahlen setzen wir im Boot über den Fluss.
Weiter gehts zu Fuss durch den Dickicht über Stock und Stein Richtung
Wasserfall. Reiche Pflanzenwelt, exotische Blumen, ab und zu ein Vogel am
Wegrand. Nach einer Stunde stehen wir vor dem höchsten Wasserfall der Welt;
-ein Monster. Unwahrscheinlich viel Wasser schiesst da 900 m über uns über die
Klippe hinaus, zerfällt in Staub und wird am Fuss des Tafelberges wieder zum
reissenden Fluss.
Doch ein Phänomen wirft mich für das erste Foto um: Die sich explosionsartig
in feine Tropfen ausbreitende Gewalt erzeugt einen beträchlichen Luftstoss aus
dieser geschützten Felsnische. So kann also Wind auch entstehen und dass sich
ein Regenbogen bekanntlich in Sichtrichtung mit der Sonne bildet, ist auch
physikalisch bedingt.
Am Himmel surrt ab und zu ein Buschflieger und auch auf dem Rückweg begegnen
uns ein paar Touristen, welche sich in dieses unwegsame Gebiet verirrt zu haben
scheinen. Unterdessen haben der Marinero und sein Gehilfe das ganze Camp
abgebaut und ins Boot verladen. Doch das seichte Rinnsal bis zu uns hat sich
inzwischen in einen Wildbach verwandelt. Der korpulente Gringo, welcher immer
irgendwem vor der Kamera steht, schafft es zwar auf allen Vieren durchs Wasser,
aber unser Guide trägt sein Handgepäck. Doch der Portugiese ist besser,
schafft alles trocken ans andere Ufer.
Hinter mir zittern die Frauen und ich versuche es mit meinem Pack, stehe bis zu
einem Meter im reissenden Bach. Doch in der zweiten Hälfte rutsche ich auf
einem glitschigen Stein aus, stand schon mit dem anderen Fuss nicht auf festem
Boden. Splash, Pedro im Wasser, mit Sack und Pack. Kann mich kaum irgendwo
halten, treibe ab, verliere eine Sandale, -da, ein Baumstrunk, uff, das war
knapp. Carlos hechtet in den Fluss, schwimmt meiner Sandale nach. Ich schleppe
mich mit zerschundenem Fuss ans Ufer, lege die nassen Sachen ab und muss klein
beigeben, als mir Carlos meinen Schuh zurückbringt und sich nach unserer Kamera
erkundigt.
Gracias, -die hält Hanni noch am trockenen und er holt auch diese heiklen
Apparate barfuss sicher herüber. Nun wate auch ich barfuss zitternd durch
den Fluss zurück. Wir Männer nehmen die paar Frauen zwischen uns, bilden eine
Kette und schaffen es gemeinsam hinüber. Der Marinero lacht im Boot über uns
ungeübte zivilisierte Payassen. Ich leere unsere Plastiktaschen aus, -alles
nass und schwer. Zum Glück hatten wir unsere brandneuen Diploausweise von
Anfang an im Boot gelassen.
Den Rest lasse ich in der Sonne trocknen auf dem Boot. Rasant geht die Fahrt nun
flussabwärts. Schwupp neben den Felsen vorbei, wo wir gestern kaum vorwärts
kamen. Mit Vollgas über die Stromschnellen, meinen Rücken schütze ich mit dem
nassen T-Shirt vor Sonnenbrand. Es geht schon gegen Mittag, als wir an einem
Wasserfall anlegen um ein kühles Bad zu nehmen. Zwei Stunden später erreichen
wir auch noch unversehrt unser Basislager auf der Anatoliy Halbinsel. Wir
versuchen uns in einer Hängematte etwas auszuruhen, doch schon wird zum
Mittagessen gerufen und danach stehen noch zwei weitere Saltos auf dem Programm.