Home Geschichten 3.Teil
Canaima, 5 Tage im Tschungel
Die Saltos Sapo, Sapito und Hacha sind kleinere
Wasserfälle, welche die riesigen Wassermassen des Carrao River in die Canaima
Lagune leeren. Ein Einbaum bringt uns an den Sapo hinüber. Dort erklimmen wir
den balkonähnlichen Übergang etwa auf halber Fallhöhe und können innen unter
dem Wasser hindurch gehen. Das ist ein besonderes, optisches Abenteuer.
Dazwischen gibt es eine gewaltige Dusche und der Wasservorhang prescht vor uns
seine Gischt aufs Schiefergestein.
Auf dem Sapito lassen wir uns wieder trocknen und schiessen ein paar
eindrucksvolle Fotos über die riesige Flusslandschaft. Später erwartet uns
nochmal ein unvergessliches Erlebnis, unter dem riesigen Hacha -Wasserfall
durchzuwaten. Das muss man einfach erlebt haben sind sich alle einig, aber man
sollte eine wasserdichte Kamera haben.
Die nächsten zwei Tage verbringen wir in der noblen Waku Lodge, hauptsächlich,
um uns vom Stress dieser Naturereignisse zu erholen. Wir schlendern gemütlich
über eine riesige Strandbucht, Hanni hält digital ein paar Erinnerungen fest
und ich interessiere mich für das kleine Flusskraftwerk am Ufer, welches den
Flugplatz und das Eingeborenendorf versorgt. 400 kW soll es leisten, dabei ist
das Wasser, welches durch die 80 cm Röhren schiesst gerademal ein winziger
Bruchteil, von dem was daneben über die Felsen stürzt. Auf dem Rückweg setzen
wir uns in der Strandbar an einen Drink und staunen über eine verlassene
riesige Hotelanlage, welche noch vor ein paar Jahren über hundert Leute
beschäftigt hatte.
Was passiert bloss mit diesem schönen Land? Warum ist Venezuela scheinbar nicht
regierbar, wo man doch auf Schritt und Tritt auf ein kleines Paradies trifft?
Nicht einmal ein Abwasserrohr führt in die wunderschöne Lagune!
Doch beim obligaten Schwimmen passiert mir etwas eigenartiges. Plötzlich treibe
ich ab, wie von Geisterhand. Das scheinbar stehende Gewässer ist ein riesiger
Fluss -und der zieht! Nein, auf die kleine Insel würde ich es als guter
Schwimmer nicht schaffen. Dafür kann ich mich in dieser natürlichen
Gegenstromanlage in Ufernähe für wenige Meter elegant mit dem Flusstrom
messen. Doch ein paar spielenden Kindern will ich nicht Vorbild sein.
Das Essen ist köstlich, auch wenn alles eingeflogen werden muss. Die
Gastfreundschaft vorbildlich. Am Samstag Abend taucht eine Schulklasse auf und
gibt ein paar unterhaltende Vorlagen zum Besten. Ein bisschen schämen wir uns
schon inmitten dieser Neureichen für den unübersehbaren Klassenunterschied.
Eine andere Welt, -und hier im Urwald herrschen andere Gesetze!...