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Freitag, 3.Januar 2003 (verspätet)

 Ihr Lieben!

Lange, lange hab' ich nichts von mir hören lassen; aber ich hatte ja meine Gründe: meine Eltern und meine Schwester haben mich zwei Wochen lang hier in San Francisco besucht! Nach anfänglichen Schwirgkeiten und Enttäuschungen (O-Ton Mutter: "Ist ja alles Scheiße hier!", was auf die sehr steilen Berge bezogen war,Mutter und Vater im Pizza-Restaurant die wir jeden Tag aufs neue bezwingen mußten, da wir mitten in der Stadt gewohnt haben) hatte dann doch noch jeder seinen Spaß. Meine Eltern erfreuten sich an typisch amerikanischem Essen rechts auf dem Bild Pizza und Cola) und selbst meine Schwester hatte zeitweise ihren Spaß! Sie hat sämtliche Kinderspielsachen unsicher gemacht und hat sich in ihre Kindheit zurückversetzt gefühlt, nachdem sie mit entzückten Schrei festgestellt hatte, dass es im San Francisco Shopping Center noch ein Geschäft gibt, in dem nur "Kitty"-Sachen verkauft werden (ihr wißt schon: die pink-weißen Katzen, für die man dann allerlei nützliche Dinge kaufen kann! Wer wäre da von uns nicht schwach geworden?!) Aber die größte Freude hat Daniela ganz offensichtlich der Staubsauger von den TeletuDaniela auf Staubsaugerbbies bereitet. Sie hat alles stehen und liegen lassen, hat die zahlreichen Kinder, die artig Schlange standen, um sich diesen Spaß zu gönnen, über den Haufen gerannt und war glücklich, als sie schließlich auf dem liebevollen, blauen Ungetüm Platz genommen hat. Schade nur, dass sie doch schon ein wenig zu alt für derlei Vergnügungen ist und nicht richtig in den Sitz gepaßt hat...Auch sonst hat es meiner Schwester außerordentlich gut gefallen und diese Freude hat sie auch gebührend zum Ausdruck gebracht!Zwei Daumen hoch für diese tolle Stadt an der Bay! Im HinterGlückliche Elagrund seht ihr übrigens das Exploratorium (das mit der Kuppel), ein Museum, in dem man so mancherlei Experimente selbst durchführen kann. Was wir alles gesehen haben in den zwei Wochen? Es wäre sicher einfacher und kürzer zu erzählen, was wir nicht gesehen haben; denn wir sind täglich, nachdem wir mit grandiosem Blick auf die Stadt und vor allem auf Grace Cathedral (in der ein Altar von Keith Haring steht, der den AIDS-Kranken und -Toten gewidmet ist) ein nicht ganz Landestypisches Frühstück zu uns genommen haben, zu Fuß kreuz und quer durch die Stadt gelaufen. Von Fisherman's Wharf und Pier 39 bis hin zur Golden Gate Bridge, quer durch den wunderschönen Golden Gate Park (das ConsBlick von den Twin Peakservatory of Flowers war leider wegen Rnovierung geschlossen), rauf auf die Twin Peaks, von denen man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt hat (seht selbst!), durch Castro, Mission und SoMa, die Kultviertel dieser Stadt, bis hin zum Financial District mit der Pyramide und dem Embarcadero Center (unsere Zufluchtsstätte: immer, wenn wir nicht weiter wußten, kam der Vorschlag: "Fahren wir doch zum Embarcadero und tinken erst mal ne Tasse Kaffee."). Aber wir haben uns auch ein paar Mal aufgemacht, um die Stadtgrenzen zu überschreiten. So waren wir den Sonntag vor Weihnachten in Cupertino. Wem das jetzt nichts sagt, outet sich sofort als Windows-User, denn Cupertino ist das zu Hause von Apple! Ansonsten hat dieses eher kleine, häßliche Städtchen im Silicon Valley nicht viel zu bieten und so sind wir dann ohne großartige Stadtbesichtigung (sondern nur nach einem Großeinkauf in einem richtigen(!) Supermarkt) unserem eigentlich Vorhaben nachgekommen: in Cupertino hat das San Francisco Symphony Orchester den Messias von Händel zum besten gegeben. Und wieder einmal hat es sich bewahrheitet, dass die Amis nicht viel von Kultur halten und dementsprechend wenig davon besitzen: das Orchester hatte schon begonnen zu spielen, der Chor hat gesungen. Doch nach zwei Stücken war dann erstmal Schluß. Jeder hat sich gefragt, was los war. Und nach ein paar Minuten wurde es dann klar: die Türen an der Seite öffneten sich und Menschenmassen strömten in den Saal. Viele Besucher hatten einfach den Anfang des Stückes verpaßt (waren wahrscheinlich zu sehr mit ihrem Small Talk beschäftigt!) und wurden nun mittendrin reingelassen,was den Musikgenuß natürlich erheblich gemindert hat! Die zweite Überraschung kam dann im letzten Drittel. Der Messias näherte sich seinem Höhepunkt und als dann endlich das "Hallelujah" angestimmt wurde, erhoben sich plötzlich sämtliche Besucher. Hat nur noch gefehlt, dass sie ihre Hand aufs Herz gelegt haben und danach die Nationalhymne gesungen haben! Nachdem das letzte Hallelujah verklungen war, tobte die Masse, die Stimmung war zum Überkochen! Aber nur für 30 Sekunden; danach war alles vorbei und der Rest des Messias, der jetzt offentlichtlich keinen mehr interessierte, konnte noch schnell runtergespielt werden und dann war die amerikanische Meute auch schon wieder entlassen in das kulturelle Nirvana. Die anderen drei Mal, die wir die Stadt verlassen haben, hat es uns nur über die Bay verschlagen: nach Berkeley und Oakland, schließlich wollte meine Familie auch mal sehen, wie ich denn hier in den Staaten so lebe. Meinen Hinweis, dass man sich Oakland auch sparen könne, da es dort nichts zu sehen gibt, wurde in den Wind geschlagen und kam wie es kommen musste: "Hier ist ja der Hund begraben!" war der übereinstimmende Kommentar meiner drei Besucher. Und so ist es ja auch: im sogenannten City Center gibt es gerade mal eine handvoll Geschäfte, deren Verkäufer sich mangels Kundschaft den ganzen Tag in Däumchendrehen üben können. Nun, nachdem meine Eltern eingesehen hatten, dass ich mit meiner Warnung recht hatte, sind wir schnell mit der Fähre zurück nach San Francisco gefahren! Von Berkeley, dem netten kleinen Studentenstädtchen mit den zahlreichen typisch idyllisch-amrikanischen Holzhütten, waren sie schon eher überzeugt, so dass wir dort sogar zweimal hingefahren sind!

Die zwei Wochen gingen vorbei wie im Fluge. Wir haben die Stadt durchkämmt von Ost nach West, von Nord nach Süd und kreuz und quer; es gibt nichts, was wir nicht gesehen hätten und heute hieß es dann Abschied nehmen für weitere knapp sechs Monate...

Eure Paula

 

 

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