Mittwoch, 15.Januar 2003
Jetzt ist mein Urlaub endgültig vorbei. Nachdem meine Eltern und meine
Schwester für zwei Wochen im Lande waren, ist gestern auch Jens nach 9
wundervollen Tagen abgereist (ich hoffe, du bist gut in Kölle angekommen!).
Wir haben super viel gesehen in diesen Tagen.
Zuerst
waren wir in Las Vegas, der funkelden Oase inmitten der Wüste. Es war grandios:
eine Superlative jagt die andere; jedes Hotel versucht, seinen Nachbarn zu übertrumpfen
und so reiht sich auf dem berühmten Strip ein Prachthotel an das andere.
Wir haben uns im Flamingo einquartiert, ein von außen eher unscheinbahres
Hotel, das aber zu erschwinglichen Preisen erstaunlichen Komfort bietet. Wir
hatten vom 22 Stock einen herrlichen Blick in den hoteleigenen Garten, in denen
natürlich unter anderem ein paar Flamingos ihr zu Hause haben. Zu den absoluten
Hotelhöhepunkten zählen sicherlich das Venetia (ein Nachbau von Venedig;
da dürfen natürlich auch Kanal und Gondeln nicht fehlen; doch eine
Fahrt in einer solchen bedarf eines etwas größerem Geldbeutel: für
eine Fahrt muss man schlapp $50 lockermachen; das "O sole mio" ist
im Preis inbegriffen!), Paris (mit Eiffelturm und Arc de Triomphe) und das Bellagio,
unser absoluter Topfavorit! Man stelle sich eine kleine italienische Hafenstadt
mitten in der Wüste vor und schon hat man das Bellagio vor Augen. Mit gigantischem
Aufwand wurde da ein wahres Kunstwerk geschaffen. Vor dem Hotel gib es einen
riesigen See, in dem abends fantastische
Wasserspiele stattfinden; dort läßt dann z.B. Celine die Titanic
zu tanzenden, bis zu 30 Meter hohen Wasserfontänen untergehen. Im Inneren
des Hotels findet man sämtliche Luxusdesigner, die das Herz begehrt in
einer südländischen Atmosphäre präsentiert.
Im Bellagio haben wir uns dann auch "O" angesehen, eine Show von Cirqe du Soleil: Akrobatik über, auf und in einem risigen Schwimmbecken. Da fehlen einem einfach die Worte. Es war genial! Noch mal ein riesen Dankeschön an dich, Jens! Die zweite Show, die wir uns gegönnt haben, haben wir im sozusagen im Schlußverkauf zum halben Preis erstanden: Lord of the Dance. Mein Fall war es nicht, aber wer auf irische, tanzende Machos und singende (oder besser wegklagende) Jungfern steht, der kommt hier sicherlich auf seine Kosten!
Den Rückweg nach San Francisco haben wir dann auf der Traumstraße
zurückgelegt: Highway No. 1. Die Landschaft war wirklich sehenswert;
die Küste ist einmalig und lädt immer wieder zu Spaziergängen
am Strand ein. Am Wegesrand kommt man dann an solchen Sehenswürdigkeiten
wie dem schönsten Gebäude Nordamerikas vorbei: Hearst Castle. Oben
auf einem Hügel befindet sich die Anlage von Mr. Hearst. In drei Gästehäusern
und seinem Wohnhaus kann man heute ein Sammelsurium alter Kunstgegenstände
betrachten: von alten spanischen Holzdecken aus dem 15. Jahrhundert bis hin
zu ägyptischen Skulpturen hat der gute Mann alles gesammelt, was ihm in
Europa unter die Augen gekommen ist. Für einen Amerikaner ist das so wie
das achte Weltwunder und er kann nicht anders als seinen Emotionen mit dauernden
"Ahs" und "Ohs" Ausdruck zu verleihen. Den Europäern
unter euch sage ich aber: fahrt lieber nach Versailles oder Sanscoussi, da hab
ihr mehr von!
Nur eins muss man neidlos
zugestehen: die Swimmingpools sind unübertroffen! Schade nur, dass in den
zwanziger Jahren sich noch keiner der Gäste mangels Schwimmfähigkeit
ins Wasser getraut hat und so der Pool nur von den Angestellten sporadisch genutzt
wurde!
Wieder in SF angekommen, haben Jens und ich noch etwas die Stadt erkundet und wir haben doch tatsächlich noch etwas entdeckt, das ich noch nicht kannte: im Hyatt (grösste Lobby der Welt!) gibt es oben im 20(?) Stockwerk ein Restaurant, dass sich um die eigene Achse dreht. Man hat einen grandiosen Blick auf die Bay und auf all die Hochhäser, die rings um das Hyatt stehen. Es lohnt auf jeden Fall einen Besuch, auch wenn die Cocktails wohl nicht ganz den Geschmack treffen werden (Mojito mit Kohlensäutre und ohne Limette!)
Gestern abend war ich mit Ralf im Castro Theater, ein altes Kino im Castro. Es ist noch so ein richtig schönes Kino mit reichlich Verzierung und allerlei Gedöns an der Decke und den Wänden. Und es besitzt noch eine Einrichtung, um bei Stummfilmen die Musik live einzuspielen; so eine Art Orgel. Und in diesen Genuss kamen wir gestern abend. Wir haben uns den schwarz-weiss Stummfilm "Die Frau, nach der man sich sehnt" mit Marlene Dietrich angesehen (es ist gerade deutsches Filmfestival in SF). Wunderbar! Der unschuldige und dabei doch eindringliche Blick von Marlene ist und bleibt unübertroffen! Es war ein wahrer Genuss!
Zum Schluß noch ein kurzer Nachruf. Ihr habt es sicherlich schon alle mitbekommen: Maurice Gibb ist tot! Die Bee Gee's sind damit faktisch Vergangenheit. Wir erinnern uns gerne an die großen Erfolge wie "How deep is your love", "Night Fever" und "Tragedy". Ein Trost bleibt uns sicherlich: auch wenn die menschliche Hülle von uns gegangen ist: die Musik bleibt für die Ewigkeit...
Eure Paula