So, da sind wir wieder. Unser letzter Abend hier in Salt Lake City, dem wunderschönen Haus, und vor allem der letzte Abend mit den Boys. Dieser Gedanke stimmt mich traurig. Aber ich lasse die Traurigkeit nicht zu. Immerhin habe ich mir für Ash und mich was vorgenommen, ich denke mal was kann sich jeder denken. „Diana bläst du den Ballon auf? Du kannst das doch bestimmt so gut“ drückt mir Erik mit einem Zwinkern eine Tüte Luftballons in die Hand. Ich bin sprachlos. Ich schaue ihn nur ungläubig und geschockt an. Tz, der Typ hat echt einen an der Klatsche, aber dafür mag ich ihn ja. „Ja klar, Moment nur noch, ich bring nur noch schnell die Tüte nach oben. In der Tüte ist extra für heute Abend gekaufte Unterwäsche, denn es soll ja was besonderes werden. Auf dem Weg nach oben kommt mir Sara aus unserem Zimmer entgegen. Sie hat nur eine Decke um sich rumgewickelt. W...w... warum kommt Sara halb nackt aus meinem Zimmer? Nein, ich hab mich bestimmt nur verguckt. Ich gehe in unser Zimmer und sehe Ash am Fenster stehen. Er steht da nur in Boxershorts. Ich stelle die Tüte ab und Ash erschrickt von dem Geraschel. „Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken“ sage ich unsicher und ängstlich, als ich sehe, dass seine Augen ganz nass sind. Sara hatte auch Tränen in den Augen, als sie mir entgegengekommen ist und mich nicht beachtet hat. „Ist was passiert? Warum weint ihr beide denn?“ frage ich Ash, als ich näher auf ihn zukomme. Er dreht seinen Kopf weg und immer mehr Tränen bahnen sich den Weg über sein Gesicht. Langsam dämmert es mir. Die beiden haben nicht einfach nur Zwiebeln geschnitten. Die beiden haben miteinander geschlafen. Wut, Hass, Enttäuschung, meine Gefühle wechseln wie bei einem Sturm. Plötzlich spüre ich meine Hand auf Ashs Gesicht und höre einen lauten Knall. Was habe ich gerade getan? Habe ich Ash gerade wirklich geschlagen? Er sieht mich an und hält sich dabei seine Wange dann guckt er beschämt auf dem Boden. Oh mein Gott, es stimmt, die beiden haben mich wirklich betrogen. Ich drehe mich um und renne aus dem Zimmer. Als ich im Gang keine Fußtritte hinter mir vernehme laufe ich langsamer. Tränen laufen wie Wasserfälle über mein Gesicht. Warum hat er mir das angetan? Plötzlich werde ich von hinten am Arm gepackt. Ich drehe mich um und sehe Ash. „Bitte hör mir zu“ „Pah, warum sollte ich dir zuhören? Du mieser verdammter Betrüger. Machst du das immer so? Gaugelst einer deine Liebe vor um sie dann ein paar mal flachzulegen um dann mit ihrer Freundin in die Kiste zu steigen?“ schreie ich ihn an. „Was?“ kommt es verdutzt von der Seite. Ich sehe nach wo es herkommt und sehe Trev. Oh, in meiner Weinattacke habe ich gar nicht mitbekommen, dass ich schon wieder im Wohnzimmer bin. „Ja Trev, dein sauberer Freund ist mit deiner Freundin ins Bett gestiegen während wir einkaufen waren.“ Sage ich gefühllos und doch voller Sarkasmus. Mehr sehe ich nicht, denn ich drehe mich weg und gehe zur Couch. Ich höre nur noch ein paar Worte auf englisch die ich nicht verstehe und dann höre ich einen dumpfen Schlag. Ich drehe mich um und sehe, dass Ashs Nase blutet...

 

Es ist als wäre ich in Trance. Ich ziehe mich an und will ins Wohnzimmer gehen. Die Szene, die sich da bietet, reißt mich aus diesem Zustand wieder heraus. Trev steht vor Ash, er hat seinen Arm erhoben, Ashs Nase blutet. Oh scheiße! Schon wieder holt er aus... „Hört auf!“, schreie ich und springe zwischen die beiden. Abprupt hält Trev in der Bewegung inne. Er starrt mich an. Seine Augen sind voll Hass. Ich ertrage das nicht!! Wieso... Wieso? „Bitte hört auf..“, flüstre ich leise. Plötzlich packt mich jemand hart an den Schultern und rüttelt mich. „Wieso tust du mir das an?“, stößt Trev hervor. Ich kann ihm nicht in die Augen sehen. Sein Griff wird fester. Ich spüre wie das Blut aus meinen Armen weicht. „Warum??“ – „Trev, du tust mir weh...“, bringe ich unter Keuchen hervor, aber er lässt sich nicht davon beeindrucken und packt noch fester zu. „ICH tue dir weh?? Hast du einmal an mich gedacht? An Diana? Weißt du, wie weh ihr uns getan habt??“ Meine Knie werden weich, ich würde schwanken, würde mich Trev nicht festhalten. „Trev, lass sie los!“, mischt sich jetzt auch Ash ein. Ein grauer Nebel legt sich über meine Augen. Trev lässt mich los und ich sacke zu Boden. Verschwommen sehe ich, wie er von oben herab wütend auf mich herabblickt. „Trev, es tut mir leid!“, versuche ich es verzweifelt. Mich hätte es nicht gewundert, wenn er mich jetzt, so am Boden liegend, auch noch getreten hätte und es wäre mir gerecht geschehen...! „Es tut dir leid?!“, keucht er. „Das hättest du dir früher überlegen sollen!“ Ash hilft mir auf, schwankend stehe ich wieder. Ich sehe Diana in der Tür stehen. Ich kann die Enttäuschung in ihren Augen lesen. „Diana...“ Ich mache einen Schritt auf sie zu, gestolpere und nur durch Ashs schnelles zugreifen falle ich nicht hin. „Dir hätte ich sowas am allerwenigstens zugetraut!“, schreit sie. Ihre Stimme ist nicht mal laut, aber es dröhnt in meinen Ohren wieder, wie tausendfach verstärkt. Heiße Tränen schießen erneut in meine Augen. Ich wische sie mit dem Ärmel weg. Ich habe die mir zwei wichtigsten Menschen in meinem Leben betrogen. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so mies gefühlt... Mein Blick wandert und trifft auf Trevs. Es ist purer Hass, der darin glitzert. Seine Lippen formen zwei Worte, die mich endgültig in Ashs Armen zusammenbrechen lassen. „Du Schlampe.“

Als ich wieder zu mir komme, sitzt Ash neben mir am Bett. Er hat gerötete Augen und blickt die ganze Zeit ins Leere, als könnte er da irgendwo eine Lösung finden. „Es WAR falsch.“, bringe ich mühsam hervor. Ash sieht mich an. Unendliche Traurigkeit, die einen noch mehr fertig macht. „Wo sind die andren?“, will ich wissen und rapple mich etwas auf. Er zuckt die Achseln. „Ich weiß es nicht. Trev ist, nachdem du zusammengebrochen bist, rausgerannt. Ich vermute, das Diana sich im Bad eingesperrt hat..“ – „Ash?“ – „Hm?“ Er hebt den Kopf. „Vielen dank, aber du brauchst dich nicht um mich zu kümmern. Es macht alles nur noch schlimmer.“ Die Tränen tropfen auf die Wolldecke, um meinen Körper. „Es ist niemand anderer da. Trev hat mich darum gebeten. Er liebt dich trotzdem. Sei froh. Ich weiß nicht, ob es Diana noch tut...“ – „Sicher tut sie das! Man kann Liebe nicht einfach so abschalten!“, sage ich überzeugt. „Kann ich dich allein lassen?“ Ich nicke. In der Tür bleibt er noch einmal stehen und dreht sich zögernd um. „Es hat dir nichts bedeutet, oder?“

 

Ich sitze jetzt im Bad auf der Badewanne. Die Tränen tropfen an mir nur so herab. Ich hatte schon kurz überlegt, ob ich die Rasierklinge der Jungs nehme aber nein, ich sehe es nicht ein. Ich werde mich wegen eines Kerles nie umbringen. Es klopft an der Tür. „Ja?“ frage ich vorsichtig. „Ich bins, mach bitte auf.“ kommt es von der anderen Seite der Tür. Gott, muss Ash gerade jetzt aufs Klo? Okay, ich weiß, dass Ash nicht aufs Klo muss, aber ich will nicht mit ihm reden. Ich schließe die Tür auf und wische mir noch schnell die Tränen weg, bevor ich die Tür aufmache. Ich sehe Ash nicht an, ich sehe durch ihn durch. Ich dränge mich an ihm vorbei und lasse ihn alleine stehen. „Es tut mir so leid“ sagt er leise. Püh, ist mir doch egal. Er hat mein Herz geraubt. Ich empfinde nichts mehr für ihn. Nichts, nicht einmal Hass. Ich gehe zu den anderen die in der Stube. „Na, wie geht’s dir?“ fragt mich Dan. „Gut“ sage ich kühl. Er macht neben sich Platz und ich setze mich hin. Er legt seinen Arm um mich und ich lege meinen Kopf auf seine Brust. Dan ist ein Schatz. Er würde seiner Erin nie fremdgehen. Ich merke, wie meine Augenlieder schwerer werden und dann fallen sie zu. Ich wache erst auf, als ich merke, wie ich vorsichtig auf die Couch gelegt und zugedeckt werde. Aber ich habe keine Lust, die Augen aufzumachen. Ich bleibe liegen und versuche weiter zuschlafen. Aber es geht nicht, ich denke die ganze Zeit nach, ich sehe immer dieses Bild von Ash und Sara, wie sie miteinander schlafen. Ich höre wie die Haustür leise aufgeht. Ich setze mich in und sehe Trev. Er schwankt und knallt gegen die Wand. Oh oh, da hat sich aber jemand betrunken. Ich stehe auf und renne zu ihm. „Ach Trev, trinken hilft doch nicht!“ „W.. warum hat sie das gemacht?“ Er stützt sich auf mich. Seine Fahne stinkt bis nach China. „Ich weiß es nicht. Ich glaub, das werden wir nie verstehen. Du solltest jetzt schlafen.“ „Ja wo denn? Bei dieser verfrackten Schlampe bestimmt nicht.“ Oh, das war hart. „Dann schläfst du am besten auf der Couch“ sage ich und führe ihn zur Couch. Ich lege ihn hin und er hält sich an mir fest und zieht mich so auf sich. Okay, ich liege jetzt auf Trev und bin müde. Was solls, ich denke mal nicht, dass es ihn stört, wenn ich jetzt auf ihm schlafe.

 

„Nein hat es nicht. Es tut mir leid, Ash.“ Er dreht sich um und geht. Die nächsten Stunden liege ich einfach nur wach da und starre an die Decke. Immer wieder diese eine Frage in meinem Kopf: „Wieso habe ich das gemacht? Welcher Teufel hat mich geritten?“ Irgendwann stehe ich auf. Trev soll in diesem Zimmer schlafen, nicht ich. Ob er wieder zurück ist? Ich will es eigentlich gar nicht wissen, denn dann kommen nur wieder Schuldgefühle in mir auf, wenn ich ihn sehe. Alles tut mir weh, jeder einzelne Knochen und da wo mich Trev angefasst hat, verfärbt sich die Haut bläulich. Ich tapse halb blind ins Bad und lasse kaltes Wasser über die Handgelenke laufen. Es tut nur noch mehr weh. Ob er mich absichtlich verletzt hat? War es seine Rache? Ich gehe ins Wohnzimmer und gewahre erst im letzten Moment, dass schon jemand auf der Couch liegt und nicht nur eine Person. Nein zwei. Ich erkenne erst nur Umrisse, doch irgendwie reimt sich da bei mir was zusammen. Erschrocken schalte ich sofort die Deckenlampe an und meine Vermutungen bestätigen sich. Dort liegt Diana auf Trev! „WAS SOLL DAS??“, schreie ich und reiße die Decke von den beiden runter. Trev fällt zu Boden und reibt sich benommen sein Hinterteil. „WILLST DU MIR DAMIT EINS AUSWISCHEN?!“ Schließlich sieht er auf und guckt ganz fragend. „ICH WEISS, DASS ES EIN FEHLER WAR, ABER DU MUSST MIR DAMIT NICHTS BEWEISEN!!!“, schreie ich weiter aufgebracht. Diana rappelt sich gerade hoch, aufgeweckt durch das Geschrei meinerseits.  Meine Stimme hallt durch das halbe Haus und ich habe das Gefühl auf einmal von allen Seiten beoabachtet zu werden. „Ich weiß nicht, was du meinst..“, meint Trev ruhig. Ich strecke ihm meine Handgelenke hin. „Sieh dir das an! Hast du mich nicht genug gestraft?“ Auf einmal bilden sich kleine Tränen in seinen Augen, er will nach meinen Armen greifen, aber ich ziehe sie schnell zurück. „Das wollte ich nicht...!“, sagt er fast verzweifelt. „Was du wolltest und was nicht, das lassen wir jetzt mal so dahingestellt, aber bitte... Warum schläft Diana auf dir?!“ Ash kommt gerade ins Zimmer. Er wird blaß. „Ich...“, beginnt Diana, doch er schneidet ihr das Wort im Munde ab. „Das würde ich jetzt gern genauer wissen..!“ Trev sieht von einem zum andren und versteht scheinbar nur Bahnhof. „Sara, ich muss mit dir reden!“ Er packt meine Hand. *aua* Ich folge ihm nur zögernd.

Erst in seinem Zimmer gönnt er mir eine Pause, in der ich meine Handgelenke reiben kann. Die Haut ist aufgerieben und es brennt. „Ich weiß wirklich nicht, was du eben hattest... Und das mit deinen Armen tut mir leid.“ Wieder greift er nach meinen Händen und diesmal gebe ich nach. Ich sehe weg und zucke leicht zusammen, als er sie berührt. „Wir sollten das einbinden.“, meint er fürsorglich. Im Bad findet er tatsächlich noch eine Mullbinde und beginnt damit meine Handgelenke zu versorgen. „Trev.“ Er blickt auf, denn er kniet vor mir, während ich auf dem Klodeckel sitze. Langsam rutsche ich zu ihm runter. Er weicht meinem Blick aus. „Bitte. Nur einmal.“ Kurzer Augenkontakt. Er schlingt seine Arme um mich und drückt mich kurz, dann als hätte er einen Stromschlag bekommen, lässt er mich wieder los. „Es geht nicht. Wenn ich mir vorstelle, dass du so auch Ash berührt hast. Noch vor kurzem...“ Seine Augen füllen sich wieder mit Tränen. „Ich kann nicht rückgängig machen was geschehen ist. Aber glaub mir, ich würde alles dafür tun, damit du mir wieder vertraust.“

 

„Was hast du eigentlich für Probleme?“ schreie ich Ash an. Er guckt mich nur fragend an. „Es kann dir scheiße egal sein, warum ich auf Trev liege!“ schreie ich weiter. Was regt er sich auch so auf? Er hat mich betrogen. „Nein kann es nicht. Du bist immerhin meine Freundin“ Bin ich das? Kann ich noch mit ihm zusammen sein, wenn ich nichts mehr für ihn empfinde? „Nein Ash, das bin ich nicht mehr“ sage ich jetzt leiser. Ich sehe kurz weg, doch dann sehe ich wieder zu ihm. Er starrt mich an und seine Augen  sind mit Tränen gefüllt. Tja, hat er sich selber zuzuschreiben. Was steigt er auch mit Sara in die Kiste. Plötzlich kniet er vor mir und nimmt meine Hand. „Nein Diana, bitte verlass mich nicht! Ich brauche dich. Ich weiß nicht was ich ohne dich machen soll“ Er legt sein ,durch die Tränen nasses, Gesicht auf meine Hände. Okay, jetzt hat er eindeutig an Respekt verloren. Er hat mich doch betrogen, denkt er etwa, ich verzeihe ihm das einfach? Was hätte er denn gemacht, wenn ich mit Erik geschlafen hätte? Ich stehe auf ohne etwas zu sagen und gehe in die Küche und nehme mir einen Schluck O-Saft. Wo schlafe ich jetzt eigentlich? Ich gehe hoch zu Erik. Ich denke mal, durch das Geschrei von uns allen sind alle munter geworden. Ich klopfe leicht an die Tür. Er öffnet nur in Boxershorts die Tür. „Hey“ sagt er ganz lieb. „Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?“ Er nickt und ich gehe mit in sein Zimmer. Er legt sich ins Bett und hebt die Decke an. „Danke!“ sage ich und krauche mit zu ihm unter die Decke. „Wann müsst ihr eigentlich wieder zurück?“ „Übermorgen. Und um ehrlich zu sein, ich find es nicht wirklich Schade.“ „Mh....ich versteh dich. Wenn meine Freundin mir das angetan hätte, ich wäre auch lieber heute als morgen weg.“ „Mh... ich glaube, wir sollten jetzt lieber schlafen.“ Und das taten wir dann auch. Am nächsten Morgen wurden wir durch heftiges Klopfen an der Tür geweckt. „Es ist offen“ brüllt Erik dann ganz verschlafen und schon stand Dan im Zimmer. „Oh Sorry, wollte euch nicht stören.“ Sagt er und obwohl ich nicht hinsah wusste ich, wie betröppelt er jetzt guckte. „Nein Dan, wir haben nicht miteinander geschlafen.“ sagt Erik leicht angenervt. Ich muss lächeln. Okay, Zeit, aufzustehen. Ich rappelte mich auf und ging ins Ash’s und mein Zimmer, immerhin waren da noch meine Sachen. Er stand gerade am Fenster und hatte nur ein Handtuch um seine Hüften gebunden. Als er bemerkte, dass die Tür aufging, drehte er sich um. Er sah mir kurz in die Augen und ich sah wieder mal Tränen. „Mh... ich muss mich umziehen.“ sagte ich und schnappte mir neue Sachen und verschwand im Bad. Als ich fertig mit umziehen und frischmachen war, ging ich raus, doch Ash war weg. Wahrscheinlich war er früchstücken. Ich legte mein Schlafzeug zur Seite und ging auch nach unten  zu den anderen.

 

„Das geht nicht so einfach.“, enttäuscht er mich und meine Vorstellungen. Aber was habe ich erwartet? Das er mir um den Hals fällt, weil ich ihm so etwas verspreche? „Glaubst du denn, dass du es irgendwann einmal schaffst?“, frage ich weiter nach. Sein Blick streift mich kurz, ich spüre das er noch immer meine eingebundenen Knöchel festhält. „Es wird schwer..“ Er beißt sich auf die Lippe. Nicht! Die schöne Lippe!! Jetzt blutet die auch noch! *aaahh* *krise krieg* Ich hebe die Hand und zögere schließlich, als er mich fragend ansieht. „Du...“, sage ich. Er zieht eine Augenbraue hoch. *wie goldig* „Deine Lippe...“ Er zieht sie noch weiter hoch. „Sie blutet..“, kläre ich ihn dann auf. Er wischt sich mit dem Handrücken darüber, aber irgendwie erwischt er die falsche Stelle. Mein Arm erlahmt langsam, weil ich ihn noch immer in der Luft halte. „Lass mich mal.“ Ich schiebe seine Hand zur Seite und tupfe vorsichtig mit einem Klopapierstückchen darüber. „Danke.“ Ich sehe auf und ihm direkt in seine wunderschönen, haselnußbraunen Augen. Für so einen Blick könnt ich sterben... *seufz* „Du weißt nicht, wie gern ich dich jetzt küssen würde... Aber wenn ich mir vorstelle, dass du mit diesen Lippen Ash berührt hast...“ Mir steigen die Tränen in die Augen. Verdammt! *sie versuch runterzuschlucken* *Halsweh bekomm* Er deutet es falsch und nimmt an, dass ich Schmerzen habe. „Alles klar?“ Er sieht richtig besorgt drein. „Geht schon wieder.“ Ich stemme mich am Klodeckel hoch und stütze mich schwankend am Waschbecken ab. Wo soll ich überhaupt schlafen? Ich kann ja schlecht einfach Trevs Zimmer belegen! Es wäre jetzt auch keine so gute Idee zu Ash zu gehen. „Du kannst ruhig bei mir schlafen, wenn du dir darüber Sorgen machst.“ Ich sehe ihn verblüfft an. Ich weiß nicht, ob ich so großzügig wäre, wenn mich jemand so betrogen hätte? „Es tut so oder so weh, da ist es egal, ob du in meiner Nähe bist.“, meint er. Der kleine Frosch in meinem Hals hüpft auf und ab.

Es wird eine nicht gerade angenehme Nacht. Irgendwie kann ich die ganze Zeit über nicht schlafen und als mich das Traumland dann doch einholt, dann sind es Alpträume, die zwar überhaupt keinen Sinn ergeben, aber immer mit Trev oder Diana zu tun haben. Irgendwas reißt mich aus diesen Träumen heraus und es ist nicht mal ein Wecker. Vielleicht meine innere Uhr... Aber ich stelle überrascht fest, dass es 7 in der früh ist. *aaahhh* Sara, bist du durchgeknallt? Wenn ich schon mal wach bin... Ich gehe ins Bad und dusche mich, was mir aber auch nicht sehr viel auf die Sprünge hilft und tapse in die Küche, als hätte ich die komplette Nacht durchgefeiert. Dort mache ich mir dieses scheußliche, braune Getränk, was man auch Kaffee nennt und hocke mich mit meinen Gedanken an den Tisch. Gerade als ich mich wieder tief über das heiße Gesöff beuge, höre ich jemanden in die Küche kommen und etwas erschrocken stehen bleiben. Da kommt ja nur eine Person in Frage... „Guten Morgen, Diana.“ Sie antwortet mir nicht und ich merke auch ihren hasserfüllten Blick direkt in meinem Rücken. Ich drehe mich halb auf dem Stuhl um und sehe sie an. „Können wir reden?“ Und ich deute auf den Stuhl gegenüber von mir. Diana sagt wieder nichts und lässt sich einfach nur darauf fallen, wahrscheinlich nicht mal, weil sie mit mir reden will, sondern weil sie eine genauso schlechte Nacht wie ich hatte und ihr Körper nach Ruhe verlangt.

 

Ach du Scheiße, jetzt will Sara auch noch mit mir reden. Ich glaub, ich krieg die Krise. Was bildet sich diese verlogene Kuh eigentlich ein? Ich weiß schon, was jetzt kommt, es tut mir so leid, wenn ich es rückgängig machen könnte, dann würde ich es tun, es war der größte Fehler meines Lebens, bla bla bla.... „Diana, es tut mir leid“ Ha, hätte ich gewettet, dann hätte ich jetzt gewonnen *lol* „Hör zu, wenn du denkst ich höre dir zu, dann hast du dich geschnitten. Und ich werde dir nicht verzeihen. Und eigentlich kannst du mich mal kreuzweise und ich bin froh, dass wir nachher wieder nach Hause fliegen, weil ich dich dann nicht mehr in meiner Umgebung habe“ schreie ich lauter als gewollt und gehe in Richtung Treppe, wo mir gerade Ash entgegenkommt. Da fällt mir ein, wo sind eigentlich die anderen Jungs? Vielleicht Joggen oder so. Ich gehe in Ashs Zimmer und hole meinen Koffer und suche meine ganzen Sachen zusammen. Ich stopfe sie mehr oder weniger herein, als Ash ins Zimmer kommt. „Du packst?“ fragt er. „Nein Ash, ich gehe damit tauchen. Natürlich pack ich, wonach sieht es denn sonst aus?“ sage ich schnippisch. „Achso“ antwortet er leicht eingeschüchtert. Er setzt sich aufs Bett und guckt mich an. Boah, ich hasse es angegafft zu werden. „Was?“ frage ich ihn genervt. „Ich liebe dich“ Ich ziehe die Augenbraue hoch und er steht auf und stellt sich vor mich. „Und ich weiß, dass du es auch tust.“  Oh verdammt, da hat er Recht. Klar liebe ich ihn noch. Man kann seine Gefühle nicht von einem Tag auf den anderen abstellen. Aber wenn ich ihm das jetzt sage, dann wird er mich so schnell nicht in Ruhe lassen. Ich will nichts mehr von ihm wissen, dazu hat er mich menschlich zu sehr verletzt. „Achja? Dann weißt du mehr als ich.“ „Ach komm, erzähl mir doch nichts. Sonst würde es dir nicht so schlecht gehen.“ „Mir geht es nicht schlecht. Ich bin nur enttäuscht“ sage ich gelangweilt, während ich weiter meinen Koffer packe. „Du kannst mir nicht erzählen, dass deine Gefühle für mich auf einmal weg sind?“ sagt er den Tränen nahe. Ich gucke ihn nur an. „Diana, wir müssen langsam los, euer Flieger geht in zwei Stunden.“ sagt Dan, der in der Tür steht. „Ash kommst du mit?“ Ash guckt mich von der Seite an, doch ich verziehe keine Miene. „Ja“ sagt er und ich nehme meinen Koffer und gehe an ihm vorbei. An der Tür nimmt mir Dan den Koffer ab. „Danke“ sage ich und gehe mit ihm zum Van, wo schon die anderen sitzen. Ich krauche natürlich ganz hinter in die letzte Reihe, in der Annahme, dass vorne neben Erik (der fährt) noch Platz für Ash ist. Doch da hab ich mich geirrt, denn da hat sich Dan schon hingesetzt. Oh Klasse. Naja, die halbe Stunde Fahrt werde ich auch überleben. Nach wenigen Minuten kommt Ash dann auch angetrottet und setzt sich neben mich. Während der ganzen Fahrt ist eine beängstigende Ruhe im Van. Keiner traut sich was zu sagen. Und nach einer kurzen Suche nach einem Parkplatz und dem abholen der Bordkarten stehen wir dann in der großen Wartehalle. Wieder herrscht zwischen uns Schweigen. „Alle Passagiere des Fluges von Salt Lake City nach Hamburg werden gebeten, sich langsam zum Schalter zu begeben.“ Ich stehe auf. „Okay, jetzt ist aber mal Schluß, mit Stillschweigen. Ich flieg immerhin wieder nach Hause also knuddelt mich noch mal“ versuche ich so fröhlich wie möglich zu sagen. Dan kommt auf mich zu und nimmt mich in den Arm. „Pass gut auf dich auf Kleines.“ „Ich bin nicht klein“ entgegne ich ihm und er grinst. Wie ich sein Grinsen vermissen werde. Dann kommt Erik auf mich zu und umarmt mich. „Und kauf ab jetzt unsere Platten, okay? Und ich will dich bei einem der Konzerte sehen“ „Mal sehen. Wenn sich’s einrichten lässt, okay?“ Dann umarme ich noch Jake. „Tschüßi und lass es dir gutgehen“ sage ich und er wünscht mir das gleiche. „Tschüßi, ich werd dich vermissen.“ stürmt Trev auf mich zu. „Ich dich auch. Und ich wünsch dir alles, alles gute und vielleicht sehen wir uns ja bald wieder“ sage ich aufmunternd. „Ich glaube, es wird jetzt echt Zeit“ sagt Dan. Ich nicke und gehe in Richtung Schalter. Die anderen verabschieden sich noch von Sara und kommen dann mit vor. Ash steht dann neben mir. „Bye“ sage ich und gehe durch den Tunnel zum Flugzeug. Als ich mich nochmal umdrehe sehe ich, dass er und die anderen Jungs Tränen in den Augen haben. Ach wie süß. Ich forme die Lippen nochmal zu einem Bye und gehe. Den Flug über werde ich neben Sara sitzen müssen, doch zu Hause wird sie mich nicht so schnell wieder so nah haben.

 

Ich sitze da wie betäubt und wage nicht mal zu atmen, weil ich Angst habe, dass mein Körper bei dieser Aktion einfach explodiert. „Und sie starb, weil sie ihre Lungen mit zu viel Sauerstoff füllte“ würde dann auf meinem Grabstein stehen und Diana würde es scheiß egal sein. Ich bin zu keinen Gefühlen fähig, als hätte man mir einfach die Seele aus dem Leib gerissen. Was hat sie zu mir gesagt? Ich schüttle leicht den Kopf, um in die Wirklichkeit zurückzukehren und gehe dann packen.

Abschied ist immer schwer, doch diesmal ist es am schlimmsten, denn ich habe keine ahnung wie ich mich gegenüber Ash und Trev verhalten soll. Ash nimmt mir die Entscheidung zumindestens ab. Wie aus dem Boden gewachsen steht er plötzlich vor mir. „Pass auf dich auf.“, höre ich ihn flüstern. „Du aber auch auf dich.“, gebe ich zurück. Geteiltes Leid, ist halbes Leid, wie war das noch..? Ich zögere ihn zu umarmen, denn irgendwie habe ich Angst das alte Gefühle wieder hochkommen, doch ich habe mir umsonst Sorgen gemacht. Als er seine Arme um mich legt, ist es nur das Freundschaftsband, das ich zwischen uns spüre. Ich atme erleichtert auf, um die Luft gleich wieder rasselnd in den Körper zu ziehen, als Trev sich mir nähert. Wir stehen uns einige Sekunden gegenüber und ich traue mich nicht meinen Blick zu heben. „Mach dir nicht zu viele Gedanken, ok?“, frägt er. Ich nicke vorsichtig. Er berührt leicht mein Kinn und ich glaube so etwas wie ein angedeutetes Lächeln auf seinen Lippen zu sehen. „Bye.“ – „Bye.“ Die andren knuddeln mich alle noch mal richtig durch und ich bin froh, dass mir Erik klar macht, dass sie die Freundschaft zu mir und zu Ash nicht wegen dieser Sache kündigen werden, weil es allein Trev, Diana, Ash und mich etwas angeht. Ich bin erleichtert, dennoch legt sich das wieder schnell, als ich feststelle, dass ich etliche Stunden Flug vor mir habe und das neben Diana, die so wieso kein Wort mit mir redet. Aber vielleicht...? Schließlich kann sie mir hier nicht weglaufen..

Normalerweise liebe ich fliegen und habe auch null Angst vor Start und Landung, aber diesmal sitze ich wie ein kleines Häufchen Elend in meinem Sessel und schiele von Zeit zu Zeit nervös zu Diana. Jetzt! Nein nicht der richtige Zeitpunkt. Aber jetzt! Nachher, ok? Schließlich raffe ich mich endgültig auf. „Diana?“ Sie dreht den Kopf zum Fenster und tut so, als würde sie schlafen. Ich weiß genau, dass sie es nicht tut und mich hören kann. Also... *lufthol* „Diana, wir sind schon Freundinnen seit dem Kindergarten und da war nie etwas zwischen uns, dass unsre Freunschaft belastet hätte. Ich weiß, wie weh ich dir getan habe. Du denkst dir wahrscheinlich, dass ich das nicht beurteilen kann, aber ich weiß nicht, ob du dich daran erinnern kannst... Vor 2 Jahren... Marco... Er hat mit Nina geschlafen... Erinnerst du dich?“ Sie zeigt keine Regung. Na gut, sie atmet. „Ich weiß, dass es nicht zu entschuldigen ist und ich weiß auch, dass das einfach alles Standartsprüche sind, die ich dir hier auftische, aber was soll ich sonst tun?  Bitte glaub mir doch bitte, dass ich das nicht gemacht habe, um dich zu verletzen.“ Sie wendet sich in ihrem Sitz und sieht mich sekundenlang schweigend an. Ein Blick, der bis auf meine Seele sieht. „Ich glaube dir.“, sagte sie. „Du hättest es nicht geplant. So eine bist du nicht. Dennoch kann ich es nicht einfach hinnehemen! Du hast mit meinem Freund gepoppt. Na und? Hattet ihr wenigstens Spaß?“ Diesmal ist sie, im Gegensatz zu heut früh, sehr ruhig, doch jedes Wort tut mehr weh, als ein Messerstich mitten ins Herz. Mir wird übel. Im Flugzeug wird mir sonst nie schlecht! Ich beuge mich leicht vor zu meinem Knie und greife schon mal nach der Kotztüte...

 

Sie nervt mich langsam mit ihren Entschuldigungen.... Ich weiß selber noch nicht, wie mein Leben weitergehen soll, aber sie will, dass ich ihr unbedingt verzeihe.... Was ist denn jetzt los? Sie beugt sich vor und nimmt sich ne Kotztüte und... Klasse, jetzt reihert sie neben mir. Die Stewardess kommt angelaufen und nimmt sie irgendwo mit hin. Okay, jetzt muss ich erst mal schlucken, damit ich es ihr nicht gleich tue, aber es geht. Ich nehme mir meinen Rucksack und will mir meinen Diskman holen. Doch als ich den Rucksack aufmache kommt mir ein Briefumschlag entgegen. Ich hebe die Augenbraue und nehme ihn raus. Vorne drauf steht Für Diana, schade ich hab schon gedacht an den Weihnachtsman.... Ich drehe ihn um und hoffe, da einen Absender zu finden. Aber nichts. Ich kann mir denken, von wem er ist. Obwohl ich es eigentlich nicht will, öffne ich ihn und mein Verdacht hat sich bestätigt, er ist von Ash.

„ Hi Diana!!

Ich wollte dir nur noch mal sagen, dass es mir so sehr leid tut. Alles was ich dir angetan habe... Ich wollte nicht, dass alles so kommt. Ich liebe dich und da hätte mir dieser Riesen Fehler nie passieren dürfen. Aber egal was du mir an den Kopf schmeißt, die Vorstellung, dass ich dich für immer verloren habe, ist die schlimmste Strafe für mich... Es tut mir einfach nur leid, dass ich dich  so sehr verletzt habe...

Ich weiß, dass keine Entschuldigung die letzten Tage rückgängig machen können, aber ich wünschte, sie könnten es....

Aber egal was du jetzt über mich denkst, ich möchte, dass du eins weißt, ich liebe dich!!

Love Ash“

Ich atme tief aus. Wenn er nur wüsste, was er mir mit dem Brief antut. Ich liebe ihn auch, sehr sogar, aber dass er mit Sara geschlafen hat, dass kann ich ihm nicht verzeihen... Ich sehe auf und sehe, wie Sara von der Stewardess zum Platz gebracht wird. Ich packe den Brief schnell wieder in meinen Rucksack und mache endlich meinen Diskman an und drehe mich weg... Bei der Musik von Nelly vergesse ich, was für ein Scheiß Leben ich im Moment habe...

 

Na toll, jetzt werde ich von dieser Tussi auch noch entführt. Als könnte ich ansteckende Krankheiten mitgebracht haben. *zzz* Na Gott sei Dank lässt sie mich nach ein paar Minuten auch schon wieder auf freien Fuss. Bei dem tollen American-English habe ich natürlich keinen Ton verstanden, denke aber, dass sie vermutet, dass mir einfach vom Fliegen schlecht ist. (was eigentlich gar nicht sein kann, denn mir wird niiiiiee beim fliegen schlecht. *komisch*) Ich gehe ins Bad und lasse mir eiskaltes Wasser übers Gesicht laufen, spüle den Mund aus und mir fällt wieder meine Wunde auf. Trev liebt mich, aber ob er mir je wieder vertrauen kann? Heißt es eigentlich, dass der erste Schritt Verzeihen und der zweite Vertrauen ist? Verdammt!! Es klirrt und die Scherben des Spiegels, in den ich gerade meine Faust gerammt habe, fallen zu Boden. Hat das jemand gehört? Ich lausche, doch nur die normalen Flugzeuggeräusche sind zu hören. Die Ruhe vor dem Sturm? Werde ich jetzt auch noch zur Kriminellen? Meine Knöchel bluten. Ich wasche es ab und kehre an meinen Platz zurück. Diana scheint gar nicht bemerkt zu haben, dass ich weg war. Na toll, bin ich jetzt nur noch Luft für sie? Irgendwie hat doch dieses Leben gar keinen Sinn mehr. Ich mein... Ich habe die zwei wichtigsten Menschen in meinem Leben verletzt und wer weiß, ob sie mir je wieder verzeihen / vertrauen können... Verdammt! WAS HABE ICH FÜR GEDANKEN??!! Am liebsten hätte ich mir selbst eine runtergehaun, aber spätestens dann, hätte mich die Tusse in die Nervenanstalt eingeliefert, die denkt so wieso schon, dass ich nen ansteckenden Virus und einen an der Klatsche hab!

Der Flug nähert sich dem Ende zu und meine Gedanken werden auch immer pessimistischer. Vielleicht nutzt Trev die Chance und meldet sich nie wieder bei mir. Ein gescheiter Schlusstrich. *jaja* Und in diesem unpassendem Moment, wo alles schon so gründlich schief läuft, muss ich daran denken, dass meine Tage schon seit einer Woche überflüssig sind. Himmel. Beunruhig dich jetzt nicht auch noch selbst, Sara!

Der Flug ist zu Ende. We’re in Germany back again. Diana packt einfach schnell ihre Koffer vom band und verschwindet aus meinem Blickfeld, ohne ein „Tschüß“. Am liebsten hätte ich mich mitten auf die Flugzeugrollbahn gestellt und darauf gewartet, dass mich eins trifft! Am Eingang wartet J. auf mich (wie er richtig heißt weiß keiner... *lol*) Er ist mein bester Kumpel, wir verstehen uns schon seit dem Kindergarten gut. „Hey Süße!“ Er will mich wie sonst auch in den Arm nehmen und durch die Luft wirblen, doch ich halte ihn mit einer raschen Handbewegung zurück. „Was ist denn los, Babe?“ Er greift nach meinem Koffer und wir laufen zu seinem Auto. „Alles klar mit dir?“ Ich schüttle meinen Kopf. Ich werde langsam ganz irre! Erst poppe ich mit dem Freund meiner Freundin, dann kotze ich ein halbes Flugzeug voll, demuliere einen Spiegel, habe Selbstmordgedanken... was kommt noch?

 

Endlich landet das Flugzeug, ich gehe raus, zum Gepäckträgerband (oder wie das heißt) und nehme mir meinen Koffer. Ich gehe ohne Sara nur noch einen Blick zuzuwerfen oder anderes. In der großen Wartehalle sehe ich J, Saras besten Kumpel, und lächle ihn an. Doch ich rede nicht mit ihm, ich gehe raus und suche mir ein Taxi. Zum Glück habe ich auch sehr schnell eins gefunden. Der Taxifahrer ist so nett und verstaut mein Koffer im Kofferraum und ich setze mich ins Taxi. Ich sage ihm, wo ich hinwill und er fährt los. Ich lehne meinen Kopf gegen die Scheibe. Jetzt bin ich wieder hier, hier in Deutschland... weit weg von Amerika, weit weg von Ash. Als ich an ihn denke läuft mir eine Träne die Wange runter. Ich wische sie schnell weg. Ich sehe die ganzen Bäume an mir vorbeiziehen. Dann klopfen die ersten Regentropfen ans Fenster. Erst nur einzelne, dann immer mehr. Ich sehe schon einige Häuser, die mir sehr bekannt vorkommen. Ich realisiere langsam, dass ich wirklich wieder zu Hause bin. „So, dass mach dann 26,56 Euro bitte“ sagt der Taxifahrer. Ich hole mein Portmonee aus meiner Tasche. Oh, ich habe nur noch Dollar. „Sie nehmen nicht durch Zufall auch Dollar an?“ frage ich mit einem Lächeln. Er schüttelt lächelnd den Kopf. „ Okay, Moment, ich hole schnell Euro!“ Ich renne schnell über die Straße, zu unserem Haus. Ich schließe auf und renne hoch in mein Zimmer, zum Glück habe ich noch 28 Euro da, ich gehe wieder runter und gebe ihm das Geld. Der Rest ist Trinkgeld... Ich nehme meinen Koffer und gehe wieder zurück ins Haus. Es ist leer, keiner ist da... Wahrscheinlich arbeiten alle... Ich gehe ins Bad und nehme erst mal eine schöne Dusche. Als ich mich gerade abtrockne klingelt das Telefon. Ich wickle mir das Handtuch um und haste in die Stube. „Ja hallo?“ „Hi Schatzi, ich bin’s Nessi“ „Oh hi Schatz, schön dass du anrufst“ „Ja, find ich auch. Was machst du heute abend?“ „Mh... nix denke ich mal“ „Dann kannst du ja mit mir ins La Blue gehen“ Abtanzen würde jetzt bestimmt nicht schaden, da komme ich wenigstens auf andere Gedanken... „Ja okay, ich komme mit.... Treffen wir uns 10.oo Uhr, vor dem La Blue?“ „Ja okay,bis dann, Bye“ und schon hat sie wieder aufgelegt. Ich style mich richtig auf, vor allem, um meine dicken Augenringe zu verdecken.  Nach ungefähr zwei Stunden im Bad mache ich mich auf den Weg zum La Blue. Ich sehe meine Nessi Sis auch schon von weitem, hach was hab ich sie vermisst. „Hi Süße“ begrüße ich sie und knuddle sie ganz dolle „Hi Maus“ Und schon gehen wir rein. Der Türsteher kennt uns schon und lässt uns eher rein. Drinnen ist schon richtig viel los. „Dann lass uns mal Spaß ham“ sagt Nessi und ich lächle gequält. Ja Spaß, ablenken würde ich eher sagen. Wir gehen gleich auf die Tanzfläche und tanzen. Und wie immer machen sich schon nach einigen Liedern die Kerle an uns ran. Normalerweise kann ich das ja nicht ab, aber diesmal... Der eine sieht sogar richtig gut aus... Also tanze ich ein bisschen mit ihm. Irgendwann gibt er mir dann ein Zeichen, dass ich mit ihm mitkommen soll. Ich nicke leicht und folge ihm. Er geht in Richtung Toilette. Kaum sind wir in der Toilettenkabine angekommen kleben unsere Lippen schon aneinander. Er steckt mir gleich seine Zunge in den Hals... Er ist kein Vergleich zu Ash, aber hey? Warum denke ich schon wieder an Ash? Was für ne Frage, ich weiß die Antwort ja selbst am besten... Seine Hand gleitet unter meinen Rock und schiebt meinen Tanga zur Seite. Er öffnet seinen Gürtel und lässt die Hose runter. Ich schalte mein Gehirn ab, ich will jetzt nur noch die Bestätigung, dass mich auch andere Kerle toll finden... Oh Gott bin ich doof, der braucht nur eine zum knallen und ich denke an Bestätigung. Der Typ, dessen Namen ich noch nicht mal kenne, dringt in mich ein und stößt seinen „besten Freund“ hart in mich rein. Ich knalle mit dem Rücken immer wieder gegen die Kabinenwand. Nach ein paar Minuten ist der Typ fertigt mit unserem Akt und wir ziehen uns wieder ordentlich an und gehen wieder zu den anderen....

 

J. bringt mich (auf meinen Wunsch) nach hause und ich will auch nicht noch meine Widerkehr feiern. Ich flacke mich gleich in mein Bett (obwohl man das wegen Jet-Lag und so net machen sollte) und schlaf die nächsten 12 Stunden durch. Scheiß auf Schule, scheiß auf Typen, scheiß auf alles!

Es ist früh am Morgen. Ich fühle mich scheiße. Scheiße ist gar kein Ausdruck! Woher zum Teufel kommt schon wieder diese verfuckte Übelkeit? Es klingelt an der Tür. Der Postbote. Ein Paket für mich. Ich reiße es ungeduldig (wie immer) auf und stehe dann Sekunden einfach nur da ohne irgendwie reagieren zu können. Die Schrift verschwischt vor meinen Augen und die Zeilen „Herzlichen Glückwünsch, Sie haben das brandneue Album O-Town 2 schon vor der Veröffentlichung gewonnen – handsigniert.“ Sind nicht mehr lesbar. Mit zitternden Fingern lege ich die CD in den Spieler und drehe voll auf. Nach irgendwas suche ich... Aber nach was..? Ich gehe nacheinander alle Lieder durch und bleibe bei der Nummer 4 hängen. Ein Trev Solo. Ich breche auf dem Boden zusammen. Tränen laufen mir heiß und ungebremst die Wangen herunter. Nur mühsam kann ich mich wieder hochstemmen und zum Waschbecken humpeln. Ich will gar nicht wissen, wie ich aussehe. Ich spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht und versuche durch Trinken die permanente Übelkeit zu vertreiben, doch es klappt nicht. Was ist nur mit mir los? Schon wieder meine Tage nicht. Langsam mache ich mir doch Sorgen, obwohl ich das ja vermeiden wollte. Und wenn...? Ich suche mein Gedächnis kurz nach Erinnerungen ab, verscheuche sie aber sofort wieder, denn sie sind zu schmerzhaft. Kann es sein...? Kleine, drängende Gedanken mischen sich unter die andren. Sie wollen beachtet werden...

Ich sitze in dem kalten Plastikstuhl. Wahrscheinlich hole ich mir jetzt auch noch eine Nierenentzündung. *och wie fein* Der Arzt betritt das Zimmer und lässt sich seufzend auf den Stuhl fallen, während er meine Krankenmappe vor sich auf den Tisch legt. Ich sehe es in seinen Augen. Sie sagen es mir schon bevor er es überhaupt aussprechen kann. „Sie hatten mit Ihren Vermutungen Recht. Sie sind schwanger.“ Soll ich jetzt vor Erleichterung aufseufzen, dass ich keine Krankheit habe, die mir den Tod bringen könnte (schaaade) oder mein ganzes Leben anzweifeln? Er krempelt die Ärmel seines Arztkittels hoch und lässt sich im Drehstuhl zurücksinken. „Ich will es.“, beantworte ich ihm seine nicht gestellte Frage. „Wie es mit dem Vater steht?“ Ich denke einige Sekunden ehrlich darüber nach >Ja, er ist vorhanden, wird mich aber endgültig zum Mond schießen, wenn ich ihm das sage< zu antworten und besinne mich dann eines besseren. Was geht diesen Sack mein beschissenes Privatleben an? „Es gibt keinen.“ Das ist nicht ganz die Wahrheit, wird mir grade bewusst. Geht es noch schlimmer? Kann ein Leben noch verrückter ablaufen? Es gibt sogar zwei!!

 

Der nächste Morgen. Boah geht’s mir kotzübel. Das waren eindeutig ein paar Smirnoff zu viel. Klar, in den Dingern is nicht viel Alk drin,aber wenn man davon ein paar inne hat...  Ich trotte erst einmal ins Bad, den Anblick im Bad muss ich nun wirklich nicht ham, aber mein geliebtes Klo. Oh ja, ich liebe mein Klo. Fragt mich nicht warum, ich tue es einfach. Nachdem ich dann auch ein wenig duschen war gehe ich runter in die Küche. Ich hatte ja spätestens jetzt mit einer Menschenseele gerechnet, aber nix... Mh... komisch. Naja, die werden auch wieder auftauchen. Ich gehe zum Kühlschrank und nehme mir ein Glas Kakao. Damit marschier ich dann schnell zum Briefkasten und hole die Zeitung. Ich lasse mich auf der Couch nieder und schalte MTV an. Oh wie geil, es kommt gerade Nelly. I love you and I need you, Nelly I love you, I do and it’s moore than you ever know… okay, ich sollte es eindeutig lassen mit singen, ich kanns nämlich nicht. Nachdem meine Schnuckie Putzi wieder weg ist schlage ich endlich die Zeitung auf, was ich besser nicht hätte tun solln. Auf der ersten Seite ist ein Bild von drei total verschrotteten Autos. Schwerer Verkehrsunfall ebend. Doch das wäre nicht das schlimme. Auf dem Bild ist ganz  deutlich unser Auto zu sehen. Nein, ich muss mich irren. Ich habe mich zu irren. Doch nach nochmaligen hinsehen, auch auf das Nummernschild kann ich es nicht mehr leugnen. Es ist UNSER Auto. Ach du Scheiße. Ich überlese nur schnell den Artikel, um zu sehen, ob es irgendwelche Überlebenden gibt. Doch meine Augen füllen sich, als sie die Worte in dem Hyundai gab es keine überlebenden lesen. Was soll das denn jetzt heißen? Keine Überlebenden? Meine Eltern sind tot? Mein Bruder ist tot? Sie wollten zu einem bekackten Fußballspiel, das hatte mir meine Ma noch am Telefon gesagt. Nein, das kann nicht sein. Ich renne tränenüberströmt die Treppe hoch und ziehe mich an. Ich denke schon gar nicht mehr nach was ich tue. Das geht alles automatisch. So tragen mich meine Beine auch zur Polizeistation. Nein, da will ich nicht rein. Ich will es nicht wissen. Ich will, dass meine Eltern jetzt anrufen auf meinem gottverdammten Handy. Ich hole es jetzt instinktiv raus, doch das Blinkding an meiner Antenne blinkt nicht, sie rufen nicht an, weil sie tot sind. Was will ich überhaupt hier? Ich habe doch das Bild in der Zeitung gesehen. Doch ich gehe hinein. „kann ich ihnen helfen?“ begrüßt mich eine nette Dame am Empfang. „Ja ähm, bei dem Unfall gestern mit dem Hyundai, welches Kennzeichen hatte das?“ Die Dame sucht in ihren Akten und sagt mir die paar Buchstaben und Zahlen, die unseres Autos. Nein, sie sind es wirklich.... Ich setze mich auf den Stuhl und fange an wie wild zu flennen. Ich kann nicht mehr. Meine Familie darf nicht tot sein. Die Frau kommt zu mir und versucht mich zu beruhigen und fragt mich, wer is sei. Ich kriege gerade noch so raus, dass das meine Familie war, dann klappe ich völlig zusammen...

 

Ich laufe wie blind durch die Straßen meiner Heimatstadt. Fühle ich mich hier überhaupt noch wie zu Hause? Ist es nicht so, dass ich nach Amerika gehöre? Mein Herz verlangt danach.. Jede Sehne, jeder Muskel meines Körpers verlangt nach ihm, nach Liebe. Unter meiner Brust wächst ein kleines Leben heran, auch wenn ich davon noch nicht viel spüre. Ein Leben das eine Mutter und auch einen Vater hat und braucht. Nicht eine geisteskranke Mum, die mit dem Freund ihrer Freundin poppt, Leben kaputt macht und keinen Vater, der gleich zweimal existiert und sie so oder so hasst. Ich knalle mit jemandem zusammen. "Kannst du nicht mal..?", beginne ich zu fauchen und halte mitten im Wort inne. Diana sieht mich aus leeren Augen an. Sie scheint mich nicht mal mehr zu erkennen. Vielleicht will sie das auch gar nicht... "Diana?", spreche ich sie vorsichtig an. Plötzlich funkeln ihre Augen vor Wut. Dieser Zorn ist aber nicht direkt auf mich gerichtet, sondern auf diese ganze, verfuckte Welt (wie Recht sie nur hat). "Wieso Gott? Wieso strafst du mich so?" Ich bemerke erst jetzt das kleine, rechteckige Pflaster an ihrer Schläfe. "Was hast du..", beginne ich wieder und komme auch diesmal nicht weit. "Mein Freund hat mich betrogen, meine beste Freundin hat mich betrogen, meine Familie ist tot. Super. Mir geht’s prächtig. Was für ein Leben!" Ich starre sie fassungslos an. Die Worte dringen nicht bis zu mir vor. Ich kenne (kannte?) ihre Eltern und ihren Bruder sehr gut, schließlich waren Diana und ich praktisch miteinander aufgewachsen und jetzt...? Nicht mal der Gedanke wollte zu Ende formuliert werden. "Du hast schon richtig gehört. Alle tot!", wirft sie mir regelrecht an den Kopf. "Das... es.. tut mir leid..", flüstere ich mit heiserer Stimme. Die Zeichen des Schmerzes bahnen sich wieder ihren Weg in meine Augen. Kann das nie aufhören... "Können wir nicht einfach den Streit für diese Zeit vergessen?" Ich bin noch immer wie gelähmt und realisiere nicht mal die Hälfte davon, was Diana eben gesagt hat, dennoch bin ich der Meinung, dass unser Streit im Moment echt zur falschen Zeit ausgetragen wird. Eine zeitlang denkt sie scheinbar darüber nach, ob sie es annimmt oder mir gleich eine runterhaut, dann nickt sie. Ich blinzle kurz, um die Tränen aus meinen Augen zu verbannen, aber alles verschwimmt noch mehr. Jetzt seh ich auch die ersten Anzeichen bei mir. Mein Herz zieht sich zusammen. Werden die Wunden jemals heilen..? Hinterlassen sie keine tiefen Narben? Für Menschenauge unsichtbar, aber auf der Gefühlsebene spürbar? Meine Arme legen sich langsam um ihre Schultern und ich ziehe sie zu mir heran. So stehen wir einige Zeit einfach nur da und starren ins Leere. Sind mit unseren Gedanken ganz woanders, aber doch beieiander. Nicht der richtige Zeitpunkt um von der Schwangerschaft zu erzählen. Sie ist schon belastet genug. Mein Herz weint und das Kind mit...

 

Jetzt steh ich hier im Regen, in Saras Armen... Wir haben jetzt Frieden geschlossen... Aber ob ich ihr je richtig verzeihen kann? Wegen ihr hab ich meinen Freund verloren. Wegen ihr kann ich ihn jetzt nicht anrufen und mich bei ihm ausheulen. Dafür tu ich es jetzt bei ihr... „Am besten, du kommst erst mal mit zu mir!“ sagt sie und ich gehe mit ihr. Ich will jetzt nich alleine sein. Als wir bei ihr ankommen setze ich mich auf die Couch. Sie legt ihren Mantel auf den Sessel und geht erst mal in die Küche und macht uns einen Tee. „Ich häng deinen Mantel mit auf“ sage ich und nehme ihn mit zur Garderobe, dabei schmeiße ich ausversehen ihre Tasche um. Ich lege die Mäntel wieder hin uns sammle alles was rausgefallen ist wieder ein. Mir fällt ein kleines Stück Papier auf. Ich sehe es an und es sieht aus wie ein Ultraschallbild. Oh Gott, sie ist doch nicht...? „Sara?“ ich gehe zu ihr und bleibe hinter ihr stehen. „Was ist das?“ sie dreht sich um und sieht das Ultraschallbild in meiner Hand. „Ein Ultraschallbild“ sagt sie leise und blickt zu Boden. „Von dir?“ frage ich mit zitternder Stimme. Sie nickt leicht. Ach du Scheiße... es kann ja nur von Trev oder... Ash sein. Tränen steigen wieder in meine Augen. „Behältst du’s?“ „Ich denke ja... Ich kann es ja nicht umbringen“ Ich nicke fast unmerklich. Eigentlich hat sie ja Recht, aber was ist, wenn es von Ash ist?? „Ich werde dich unterstützen“ sage ich und sie lächelt mich an. Ich nehme sie in den Arm. Bitte lieber Gott, lass es von Trev sein. „Hat sich Trev eigentlich mal wieder bei dir gemeldet?“ Sie löst sich aus meiner Umarmung. „Nein“ „Willst du’s ihm sagen?“ Sie schüttelt den Kopf. „Er hat sich bis jetzt nicht gemeldet und ich will nicht, dass er es des Kindes wegen tut. Zudem sollte er sich besser auf seine Karriere konzentrieren“ „Du?“ sie sieht mich an. „Kann ich mich eine Runde hinlegen?“ Sie nickt. Ich gehe zu ihr ins Zimmer und lege mich in ihr Bett.

 

 

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