Der Geist von Sudeley Castle
Prolog


Das Kind weinte zum Gotterbarmen.
"Vater, Vater, bitte verla� mich nicht!"
Seymour hingen Schwei�perlen in seinem gepflegten Bart. Zum wiederholten Male zerrte er an den kurzen �rmchen, die sich wie eine Zwinge um sein Bein geschlossen hatten. "Herrgott, Mary, la� mich endlich los! Ich - ich bin ja morgen wieder da!" Mary blickte mit ihren gro�en, veilchenfarbenen Augen zu ihm auf. Seymour wu�te da� sie ihm diese L�ge nicht abnahm. Wie viele Menschen hatte er in seinem Leben verf�hrt, in Intrigen verstrickt und hinters Licht gef�hrt! Und dieses kniehohe G�r, sein eigenes Kind, durchschaute ihn als w�re er durchsichtig wie Pergament!
Mary lie� ihn so pl�tzlich los, da� Seymour �berrascht strauchelte. Sie hatte einen entschlossenen Zug um den Mund, der ihr Gesicht um viele Jahre �lter erscheinen lie� als sie tats�chlich war. "Ist gut, Vater. Dann gehe ich jetzt." - "Ja, ja, geh nur schlafen..." Seymour war mit seinen Gedanken l�ngst bei den Wachen, deren schwere Schritte jeden Moment �ber den Hof schallen w�rden. Er h�rte schon nicht mehr, wie hinter seiner Tochter die T�r zufiel.
Thomas Seymour wurde noch in der selben Nacht wegen Hochverrats angeklagt und hingerichtet. Seine sterblichen �berreste wurden einem anonymen Armengrab �bergeben.
In der Kapelle von Sudeley Castle l�schte jemand das Ewige Licht, das am Sarkophag von Katharine Parr brannte, Witwe von Henry VIII, Ehefrau von Thomas Seymour und Mutter der kleinen Mary. In der tintenen Finsternis klang das Schaben, als die Marmorplatte bewegt wurde, �berlaut.
Hosted by www.Geocities.ws

1