Illean hob die H�nde. Seine Fingerspitzen gl�hten mit einem unweltlichen Feuer. Er richtete beide H�nde auf Sinaea. Er �ffnete den Mund, und seine sonore Stimme formte die ersten Worte eines Zaubers.
Sinaea f�hlte sich als w�re sie die Zuschauerin in einem Theater. L�ngst hatte sie sich innerlich von der vor ihr ablaufenden Szenerie getrennt, als habe die Handlung nichts mit ihr zu tun. So beobachtete sie mit dem angemessenen Staunen des Publikums, wie sich pl�tzlich von hinten ein Arm um Illeans Hals schlang und der Zauberer von den F��en gerissen wurde. Im Fallen noch vollendete er den Zauberspruch, doch das Feuer aus seinen Fingerspitzen traf nicht Sinaea, sondern scho� an die Decke des Studierzimmers. Balken und Steine stoben auseinander als seien sie papiergefertigte Kulisse. Funken spalteten sich von dem Feuerstrahl ab und sirrten als Querschl�ger durch den Raum. Einer von ihnen traf Tillan. Sein letzter Blick galt seiner Tochter, bevor er wie ein Baum umst�rzte und neben dem Zauberer zu Boden fiel. Schutt und Staub rieselten auf Sinaea herab. In ihrem Kopf raunte eine Stimme:"Das St�ck ist vorbei."
Wie eine Schlafwandlerin drehte sie sich um und verlie� den hinter ihr einst�rzenden Raum. Sie ging den Gang entlang, ihr Instinkt f�hrte sie durch die labyrinthartig gebaute Burg in den Innenhof. Dort lief jemand auf sie zu und fa�te sie am Arm. Die Ber�hrung weckte sie aus ihrer Trance.
"Bist Du in Ordnung?" fragte Darkon au�er sich vor Angst. "Tillan ist tot", hauchte Sinaea als Antwort. Dann atmete sie tief durch und forderte ihn auf:"Komm, wir m�ssen hier schleunigst raus, bevor die ganze Burg einst�rzt."
Seite an Seite liefen sie durch den Innenhof und durchquerten das �u�ere Tor. "Wo ist Tohan?" fragte Sinaea. "Ich wei� nicht... als ich herauskam, war er nirgendwo zu sehen", gab Darkon atemlos zur�ck. "Er k�nnte sich da drau�en verlaufen und umherirren bis er tot umf�llt!" stie� Sinaea besorgt hervor. "Ich mu� ihn irgendwie finden k�nnen - warte mal!" Ihr war eine spontane Idee gekommen. Ohne auf Darkons Protest zu achten lie� sie ihn auf der Zugbr�cke stehen und lief zur�ck zur Burg. Mittlerweile zitterte das ganze Geb�ude, ein Turm war bereits in den Graben gest�rzt, D�cher kollabierten, W�nde zerbrachen als w�ren sie aus altem Holz statt aus massigen Steinquadern gebaut. "Sinaea!" rief Darkon verzweifelt, im Geiste sah er sie schon unter einem der Steine begraben. "Sinaea, bitte, komm wieder raus!" Qu�lend lange Sekunden stand er wie angewurzelt auf der Zugbr�cke, starrte auf die wankende Burg, z�hlte jeden Stein, der herabst�rzte. Dann, endlich, Schritte, und eine staubbedeckte Sinaea erschien im Burghof. Sie hielt etwas mit beiden Armen fest an die Brust gepre�t.

In sicherer Entfernung hatten Sinaea und Darkon auf einer Lichtung haltgemacht und drehten sich zu der Burg um. Dort wo sie vormals auf ihrem Felsen gethront und wie abf�llig auf das sie umgebende Land geblickt hatte, war nun nur noch der blaue, wolkenbetupfte Himmel zu sehen. Lediglich die Reste ihrer Grundmauern verrieten, da� es sie jemals gegeben hatte. Das, und das dumpfe Rollen der letzten Steine, die in den die Felskuppe ums�umenden Abgrund st�rzten.
Ersch�pft lehnte Sinaea ihren Kopf an Darkons Schulter, und er legte behutsam einen Arm um ihre Schultern. "Ist es wirklich vorbei?" fragte sie fl�sternd. "Ich hoffe es", murmelte er als Antwort.
W�hrend sie sich ihren Weg durch den Wald von Molan suchten, erz�hlte Sinaea Darkon, was in der Burg geschehen war, ehe er auftauchte. Er sch�ttelte nur stumm den Kopf �ber den religi�sen Wahn, der Illean dazu getrieben hatte, Sinaea ihr Leben lang zu verfolgen.
Als sie ihre Erz�hlung beendet hatte, gingen sie eine Weile schweigend weiter. Pl�tzlich blieb sie unvermittelt stehen und sah Darkon verwundert an. "Sag mal, wie bist Du eigentlich so schnell hierhergekommen? Die Reise von Gaiadis nach Molan dauert doch Tage!" Auch Darkon hielt inne, doch er sah Sinaea nicht an. Sein Blick war traurig gesenkt, als er erkl�rte:"Der Gehilfe von Illean. Er stand auf einmal vor meinem Haus und h�mmerte gegen die T�r. Ich hatte keine Ahnung wer er war, aber als er sagte da� er w��te wo Du bist und mich zu Dir bringen k�nnte, bin ich sofort mitgegangen. Er hat mich dann hierher... transportiert." Nun starrte auch Sinaea zu Boden. "L'Eodon... deshalb hat er immer zur T�r geguckt..." - "Und ich habe ihn get�tet", wollte sie noch erg�nzen, verschluckte die Worte aber schnell. Als ob er ihre Gedanken erahnte, streckte Darkon die Hand aus und wollte die ihre dr�cken, die jedoch immer noch den Gegenstand festhielt, den Sinaea aus der einst�rzenden Burg geholt hatte. "Was ist das eigentlich?"
Sinaeas Grinsen geriet etwas schief, und sie blickte sich unwillk�rlich um, ehe sie Darkon zeigte, was sie in ihren Armen versteckt hielt. "Illeans Glasstein", wisperte sie, als habe sie Angst jemand k�nne sie h�ren. "Ich wei� zwar nicht WIE er funktioniert, aber ich wei� WAS er macht - man kann Leute damit finden." In ihren Augen leuchtete es, und Darkon l�chelte wohlwollend. "Tohan", sagte er nur, und Sinaea erwiderte strahlend:"Genau!"
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