Ein m�chtiges Donnern erklang, und der Boden des Studierzimmers erzitterte. Sinaea wich langsam zur�ck, bis sie gegen Tohan und Tillan stie�, die wie angewurzelt am anderen Ende des Raumes standen. Selbst L'Eodon zeigte einen Anflug von Angst, auch er ging ein paar Schritte r�ckw�rts, als wolle er aus Illeans Reichweite entkommen.
V�llig unerwartet traf Sinaea die fast tonlose Stimme ihres Vaters dicht an ihrem Ohr. Ohne die Lippen allzu verr�terisch zu bewegen, murmelte er:"Du kannst ihn besiegen."
"Was?!" stie� sie entsetzt hervor.
"Er ist auf Dich angewiesen", erkl�rte Tillan hastig. "Er braucht Dich f�r seine Pl�ne, und das gibt Dir Macht �ber ihn. Nutze sie."
Tillan ber�hrte kurz ihren R�cken, und als ob ihr diese fl�chtige, vertraute Geste die n�tige Kraft eingefl��t h�tte, holte sie tief Luft und sagte laut und herrisch:"Illean, h�r mir zu!"
Versunken in seine eigene Welt, reagierte der Zauberer zun�chst nicht. Sinaea nahm all ihren Mut zusammen, ging einen Schritt nach vorn, suchte seinen Blick mit dem ihren. Als er sie endlich wieder zu sehen schien, wiederholte sie lauter und herrischer:"Illean, ich bin Deine G�ttin! H�re mir zu!"
Die Verwandlung, die nach diesen Worten mit dem alten Mann geschah, war erstaunlich. Er senkte die Arme, und die imposante Aura schien von ihm abzufallen wie ein abgetragener Umhang. Seine Schultern fielen herab, sein K�rper kr�mmte sich wie der eines Wurms, und aus seinen halbge�ffneten Lippen drang ein Winseln. Das Winseln formte ein Wort.
"G�ttin..."
"Ja, Illean, ich bin Deine G�ttin!" Nun war sie es, die die Arme hob und sich vor dem kriecherischen Zauberer in imposanter Pose aufbaute. "H�re mir zu und befolge meine Worte, wenn Du mir wirklich dienen willst!"
"Ja, meine G�ttin, ja, ich will Dir dienen!" rief Illean. Sinaeas Herz klopfte wie wild, sie dachte an Tillan und Tohan hinter ihr, an L'Eodon, der wie eine falsch gezogene Schachfigur im Raum stand und immer wieder nerv�s zur T�r blickte, als warte er auf den richtigen Moment um zu fliehen, und sie wu�te, da� sie nur eine Chance hatte sie alle zu retten.
Sie holte Luft.
Ein Schu� donnerte durch den Gang vor dem Studierzimmer, die T�r wurde aufgerissen, und eine Sinaea nur allzu bekannte Stimme rief mit halbherzig drohendem Tonfall:"La� sie frei, oder Du stirbst!"
In der T�r stand Darkon, mit beiden H�nden eine Waffe haltend, die in seinen weichen B�renpranken entsetzlich fehl am Platz aussah. Er hatte die M�ndung auf den R�cken des Zauberers gerichtet, aber sein Blick hing an Sinaea.
Instinktiv br�llte Sinaea das erste und einzige Wort, das ihr in diesem Moment in den Kopf scho�.
"LAUFT!!"
Ihr Blick war von Illean zu Darkon geflogen, und sie wu�te da� der Zauberer, nun nicht mehr gebannt von ihrer aufgesetzt herrischen Aura, sofort wieder die Kontrolle �ber die Situation an sich rei�en w�rde. Und sie wu�te, da� dann keiner von ihnen lebend die Burg verlassen w�rde.
Sich nur noch auf ihren Instinkt verlassend sprang sie vor und wrang dem verwirrten und offensichtlich ver�ngstigten - war sie es, die ihm Angst einfl��te? - Darkon die Waffe aus der Hand. Ein Schu� l�ste sich, und mit Entsetzen sah Sinaea L'Eodon zu Boden sinken. Blut bl�hte wie eine t�dliche Rose in der Mitte seines Hemdes. In diesem Moment floh Tohan an ihr vorbei, aus dem Zimmer, und sie hoffte da� er den Weg aus der Burg finden w�rde. "RAUS!" schrie sie Darkon an. Der sog tief die Luft ein und richtete sich zu seiner durchaus beachtlichen Gr��e auf. "Nein! Ich bin hier um Dich zu retten!" Sinaeas �ber die Ma�en strapazierte Nerven zerrissen. "Verdammt noch mal!!" br�llte sie ihn an. "Ich bin kein kleines Kind mehr, h�r auf mich immer besch�tzen zu wollen!" Mit erstaunlicher Kraft stie� sie ihm vor die Brust und bef�rderte ihn durch die T�r in den Gang. Sie redete sich ein, den verletzten Blick in seinen Augen nicht gesehen zu haben.

Sinaea wirbelte herum und richtete die Wafe auf Illean. Der Zauberer hatte seine Fassung zur�ckgewonnen, stand in l�ssiger Pose vor ihr und blickte sie mit einem milde am�sierten L�cheln an. "Kleine Sinaea", schnurrte er. "Glaubt, mit einer l�cherlichen Feuerwaffe etwas gegen mich ausrichten zu k�nnen."
Er machte einen Schritt auf sie zu.
"Nun, m�chtest Du mich erschie�en?"
Ein weiterer Schritt.
"Dies ist die beste Gelegenheit. Tu's."
Noch ein Schritt.
Die M�ndung der Waffe bohrte sich in sein Wams.
"Wartest Du noch auf etwas bestimmtes?"
Sinaea sp�rte die Energie, die sich einen Fingerspitzen sammelte. Polternd fiel die Waffe zu Boden. Er w�rde sie vernichten. Sie hatte seiner Zauberkraft nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Sinaea suchte sich mit dem Gedanken zu tr�sten, da� sie - hoffentlich - wenigstens Tohan und Darkon gerettet hatte.
Tillan?
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