Nerv�s spielte Sinaea mit den Ringen f�r Darkon und Dyana, die sie, auf einem kleinen roten Samtkissen liegend, in ihrem Scho� hielt. Immer noch wurde sie den Gedanken an Tohan nicht los. Als das Paar den Gang zwischen den Stuhlreihen entlang zum Altar geschritten war, hatte sie sich wieder den Hals verrenkt in der Hoffnung ihn doch noch zu ersp�hen. Es kostete sie gr��te M�he, der Zeremonie zu folgen. Sie w�rde sich in Grund und Boden sch�men, wenn sie ihren Einsatz als Gotteszeugin verpa�te...
"Eh... Sinaea...?" Der Gottesdiener sprach sie verhalten, aber bestimmt an. Sie fuhr zusammen und sprang auf, wobei ihr beinahe das Kissen mit den Ringen aus den H�nden glitt. Unelegant fing sie es im letzten Moment auf und trat zum Altar vor, wo sie sich zwischen Darkon und Dyana platzierte. Sie wollte so gern zu den beiden hochschauen, doch die Scham hatte eine gl�hende R�te in ihr Gesicht steigen lassen, und so hielt sie den Kopf gesenkt. Sie konnte den unverbl�mt ungehaltenen Blick des Gottesdieners sp�ren und starrte weiter beharrlich zu Boden. Nach einer kurzen, f�r Sinaea qu�lenden Pause hob er wieder zu sprechen an:"Und somit erkl�re ich euch, die ihr im Antlitz des Allvaters vor mich hingetreten seid..." - er nickte Darkon l�chelnd zu - "zu Mann..." - sein Blick wandte sich zu Dyana - "und"-

"Sinaea!!!"

Illeans Stime dr�hnte wie ein Donnerschlag �ber die versammelte Hochzeitgesellschaft hinweg. Frauen schrien erschrocken auf, ein Kind fing an zu weinen, M�nner sprangen von ihren St�hlen hoch und Geryan, der Gendarm, griff instinktiv nach seiner Waffe. Der Gottesdiener duckte sich schutzsuchend hinter den Altar, Dyana stie� einen emp�rten Laut aus und b�ckte sich nach den Ringen, die Sinaea nun endg�ltig aus der Hand gefallen waren, und Darkon griff nach ihrem Arm. Ruhig, als pfl�cke sie ein Insekt von ihrem �rmel, schob die junge Frau seine Hand weg, drehte sich langsam um und blickte dem Zauberer entgegen. Er stand hinter der letzten Stuhlreihe, eine imposante Erscheinung mit seinem wei�en Haar und den effektvoll ausgebreiteten Armen. �berrascht stellte Sinaea fest, da� sie trotzdem nicht eine Spur von Angst empfand. Nein, sie hatte doch tief in ihrem Innern geahnt, gewu�t, da� es dazu kommen w�rde. Illean w�rde sie holen. Es war t�richt von ihr gewesen zu denken da� sie vor ihm weglaufen k�nnte.
Und unvermittelt regte sich in ihr auch eine Ahnung warum Tohan nicht hier auf der Feier sein konnte.

"Das war ein interessanter Zauber, den Ihr vorhin angewendet habt." Sinaeas Stimme klang so ruhig als w�rde sie mit einer Freundin schwatzen. Illean blickte sie von der Seite an und nickte anerkennend. "Ein Bet�ubungszauber", erkl�rte er im gleichen Plauderton, "sehr n�tzlich wenn man sich ungewollter Zuschauer entziehen m�chte." Sinaea drehte das erste Mal seit Illean sie mitten aus der Hochzeitsgesellschaft heraus entf�hrt hatte den Kopf und sah ihn direkt an. "Ihr h�ttet ja auch einen anderen Zeitpunkt abwarten k�nnen, dann h�tte es vielleicht erst gar keine Zuschauer gegeben!" Der Zauberer schmunzelte am�siert. "Oh, aber dann w�re doch der ganze Effekt dahin gewesen!" Er blinzelte der jungen Frau zu. Angewidert wandte sie den Kopf wieder ab und starrte aus dem Fenster der Kutsche. Illean hatte sie zwar von Harklon aus mit einem weiteren Zauber wie im Flug nach Molan gebracht, doch die letzte Strecke zu seiner Burg zog er vor auf dem gew�hnlichen Landweg zur�ckzulegen. An ihrem Fenster surrte die dicht bewaldete, verwunschen wirkende Gegend vorbei. Es ging stetig aufw�rts; Illeans Festung war auf die Kuppe eines rauhen Felsens gebaut, wo sie so gef�hrlich balancierte, da� man jederzeit damit rechnete, sie w�rde herunterst�rzen und am Fu� des Felsens zerschellen. Just in diesem Moment w�re Sinaea das nicht wirklich unrecht gewesen.
"Das solltest Du Dir nicht w�nschen, mein T�ubchen", sagte Illean leise. Sinaea zuckte zusammen, sie hatte wieder einmal vergessen, wie leicht der Zauberer ihre Gedanken lesen konnte. "Schlie�lich erwarten Dich in meiner Burg noch andere... G�ste. G�ste, die Dir lieb und teuer sein sollten." - "Tohan", erwiderte sie halblaut. Illeans scheinbar g�tiges Gro�vaterl�cheln wurde zu einem unangenehmen Grinsen. "Tohan, der Mann aus Deiner Prophezeiung", erg�nzte er. "ja, der erwartet Dich schon sehns�chtig. Genau wie Tillan."
"Tillan?" machte Sinaea fragend. Dieser Name sagte ihr nichts. Neugierig geworden wandte sie sich wieder vom Kutschenfenster ihrem Entf�hrer zu. "Wer ist Tillan?" Doch ehe ihre Frage beantwortet werden konnte, schallte der dumpfe Klang einer Glocke zu ihnen hin�ber und entfaltete in den Spalten des Felsens ein vielfaches Echo. "Ah, L'Eodon hat uns gesehen!" machte Illean zufrieden. "Wir sind gleich da!"
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