Im schwachen D�mmerlicht konnte Sinaea nur den Umri� von Tohans hoch-gewachsenem K�rper sehen. Sie dachte daran wie sehr sie seine langen Haare mochte - die weichen Wellen, die seinen Kopf und seinen Hals umschmeichtelten, fielen ihr beim Anblick seiner Silhouette besonders auf. "Das macht ihn noch h�bscher", dachte sie vertr�umt, "noch h�bscher als damals..." Im Laufe der letzten Tage hatte Sinaea in ihrem Ged�chtnis geforscht und festgestellt, da� sie auch den Tohan aus ihrer Erinnerung attraktiv gefunden h�tte, doch nat�rlich hatte sie damals Darkon geliebt, und Tohan war verheiratet gewesen...
Tohan war an sie herangetreten und ri� sie aus ihren Gedanken. "Hey", sagte er leise mit seiner tiefen Stimme, bei der sich die H�rchen auf Sinaeas Armen aufstellten. "Hallo", erwiderte sie, es klang wie ein Hauch. Er z�gerte noch ein, zwei Wimpernschl�ge lang, ehe er Sinaea um die Taille fa�te und sie an sich zog. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie aufblickte und ihn ansah. Der Mond warf schimmerndes Silberlicht hernieder und zauberte flimmernde Reflexe in Tohans helle Augen. Sinaea wollte sich in seinen Augen verlieren... Tohan neigte seinen Kopf zu ihrem herunter, und seine Lippen ber�hrten die ihren, zart, wie ein Windhauch. Ein wohliges Schaudern lie� ihren K�rper erzittern. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und erwiderte seinen Ku�, scheu zun�chst, dann hungriger, leidenschaftlicher. Tohan pre�te sie eng an sich, und seine Hand suchte begehrlich den Weg unter ihr Hemd. Es dauerte nicht lang, und die beiden Liebenden landeten im warmen Gras...

Illean hielt den Glasstein fest zwischen seinen zitternden H�nden. Wieder erhob sich etwas wie Schamgef�hl in ihm, doch dieses Mal wollte, konnte er nicht wegsehen. Er mu�te sichergehen, ganz sicher, da� die Prophezeiung sich wirklich vollends erf�llte...

Nachdem L�Eodon Axalos aus dem Studierzimmer des Zauberers entfernt hatte, war Sinaea mit Illean allein. Immer noch schien der alte Zauberer ihren Geist in seiner l�hmenden Umklammerung zu halten, und sie war unf�hig etwas zu sagen oder zu tun. Selbst als er mit fester Hand in ihren Nacken griff, so ihren Kopf nach hinten zwang und aus einem goldenen Pokal eine bitter schmeckende Fl�ssigkeit zwischen ihre Lippen laufen lie�, war Sinaea nicht imstande es zu verhindern. Reflexartig schluckte sie die Fl�ssigkeit herunter, die sich ihren brennenden Weg durch ihre Eingeweide suchte, und pl�tzlich umgab sie nur noch Schw�rze.

Wie ein St�ck Treibholz im Meer trieb Sinaea immer wieder aus der Bewu�tlosigkeit heraus und wieder zur�ck. In wacheren Momenten stellte sie fest da� sie auf einer harten Pritsche in einem kargen Zimmer lag. Manchmal war ihr bewu�t da� sie nicht allein in ihrer Zelle war, und dann schwebte Illeans Stimme wie durch Nebel zu ihr hin�ber und schl�ngelte sich wie eine Giftnatter in ihr Ohr. �Er war sehr am�sant, dieser kleine S�ngerknabe... wie schade da� er uns so �berst�rzt verlassen mu�te...� Angst lie� ihre Glieder zu Eis erstarren, doch die von falschem Honig triefende Stimme fuhr fort:�Oh, sorge Dich nicht um ihn. Er ist tats�chlich fortgelaufen, noch ehe ich ihm auch nur ein Haar kr�mmen konnte... Aber ich habe ohnehin keine Verwendung f�r ihn. Es w�re m��ig, ihm hinterherzujagen...�
Manchmal tauchte durch die Schatten ihres D�mmerzustandes Darkons Gesicht vor Sinaeas innerem Auge auf und lie� hei�e Tr�nen in ihr aufsteigen. Illean schien in ihre Gedanken blicken zu k�nnen, denn sie glaubte einmal seine Stimme zu h�ren, wie sie ihr zuwisperte:�Der an den Du denkst ist nicht der Mann, der Dir prophezeit ist... das w�re doch viel zu naheliegend, oder? Nein, es ist ein anderer...
denk mal nach...
denk nach...
denk nach...�

Sinaea rang nach Luft. Unwillk�rlich hatte sie eine Hand in ein Grasb�schel gekrallt, die andere suchte nach Tohan, der sich ersch�pft neben sie hatte fallen lasen. Eine angenehme Brise f�chelte ihre schwei�bedeckten K�rper. Sinaea schlug die Augen auf und blickte in den sternen�bers�ten Himmel, atmete tief den Duft dieser Nacht ein: die Blumen, das Gras und die Erde, und �ber allem der berauschende Duft von Tohans K�rper. Sie seufzte leise und h�rte sein Echo. Er wandte sich ihr zu und zog sie wieder in seine Arme. �Oh Sinaea...� hauchte er in ihr Haar. Sie schmiegte sich an ihn, w�nschte sich, ewig so von ihm gehalten zu werden. Tohan k��te sie z�rtlich, dann sah er ihr tief in die Augen. �Sinaea�, murmelte er. �Ich habe Dich schon geliebt als Du noch ein kleines M�dchen warst.�
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