Wenn Illean �berrascht war, Sinaea hinter Axalos in sein Studierzimmer eintreten zu sehen, so lie� er es sich nicht anmerken. "Willkommen!" rief er und ging mit ausgebreiteten Armen auf sie zu. Die junge Frau konnte nicht umhin, den ber�hmten Zauberer aufmerksam zu mustern. Zu ihrem Erstaunen sah Illean aus wie ein gew�hnlicher �lterer Mann. Sein Haar war fast wei�, sein Gesicht von Falten zerfurcht, und seine hellen blauen Augen blickten nahezu g�tig. Er trug eine gem�tlich aussehende Jacke und graue Hosen, und an einer schmalen Kette baumelte ein Kneifer. Alles in allem sah er mehr wie ein freundlicher Gro�vater als ein furchteinfl��ender Zauberer aus. Sinaea begann sich ernsthaft zu fragen woher das Kinder erschreckende Bild aus ihrer Erinnerung kommen mochte.
Illean stand mittlerweile vor ihr, und sie streckte ihm bereitwillig zur Begr��ung die Hand hin. Galant beugte er sich dar�ber und hauchte einen angedeuteten Ku� auf ihre Finger. Sinaea err�tete und mu�te ein Kichern unterdr�cken. "Willkommen, Madame", sagte er und l�chelte sie freundlich an. Die junge Frau neigte den Kopf, beinahe h�tte sie sogar einen Knicks gemacht. "Vielen Dank f�r Ihre Einladung, Herr", murmelte sie. Illean nickte ihr zu, und sie glaubte ein Zwinkern in seinen Augen zu sehen. Dann wandte er sich an Axalos. "Und nun, mein werter Herr S�nger..."
Und nun ging alles ganz schnell. L'Eodon war unbemerkt von hinten an Axalos herangetreten. Auf ein verstecktes Zeichen von Illean fa�te er mit einem schraubstockgleichen Griff um den schlanken K�rper des S�ngers. Axalos f�hlte seine Arme mit knochenbrecherischer Kraft gegen seinen K�rper gepre�t, und die Luft entwich pfeifend aus seinen Lungen. Als w�re er eine Puppe, hob L'Eodon ihn hoch und machte Anstalten ihn aus dem Zimmer zu tragen. Der S�nger ri� den Mund auf und wollte einen Schrei aussto�en, doch ohne Atemluft war dies ein unm�gliches Unterfangen. Daf�r fand Sinaea, die vor Schreck erstarrt war, ihre Stimme wieder, und ihr Schrei war wie ein Echo von Axalos' Versuch.
Schon war Illean bei ihr und legte ihr die Hand auf die Schulter. Eine seltsame L�hmung schien von seinen Fingern auf ihren Arm �berzugehen. "Keine Angst, mein Liebes", wisperte er, seine Lippen waren so nah an ihrem Ohr, da� sie seinen Atem sp�rte. "Er ist nunmal nicht der richtige Mann f�r Dich!" Illean lachte b�se. Axalos hatte sich mittlerweile mit schier unmenschlicher Anstrengung aus L'Eodons Griff befreit. "Was soll das hei�en?" schrie er und wollte sich auf den Zauberer st�rzen, doch dessen Gehilfe hatte ihn wieder eingefangen und drehte ihm schmerzhaft den Arm auf den R�cken. Illean sah ihn absch�tzig an. "Hm, eigentlich sollte nur diese bezaubernde junge Dame davon h�ren, aber gut." Er fletschte in einem gemeinen Grinsen die Z�hne. Sein Blick wanderte von dem S�nger, der immer noch mit L'Eodon k�mpfte, zu der neben ihm stehenden Sinaea. Illean nahm die Hand von ihrer Schulter und griff stattdessen unter ihr Kinn und hob ihren Kopf. Sie sollte die Genugtuung in seinem Gesicht sehen, wenn er ihr ihr Schicksal enth�llte.
"Es gibt eine Prophezeiung, mein T�ubchen." Er sprach leise, doch es schien als f�lle seine Stimme den ganzen Raum. "Eine Prophezeiung, die von Dir erz�hlt. Sie spricht von Deiner Geburt, von Deiner Ankunft in Gaiadis, von Deiner Kindheit und von Deinem Liebsten." Illeans Blick zuckte zu Axalos hin�ber. Der S�nger hatte aufgeh�rt zu k�mpfen und h�rte stumm zu. "Der Mann, der bestimmt ist, die Prophezeiung mit Dir zu erf�llen", fuhr der Zauberer fort. "Der Mann, der Dich schon geliebt hat, als Du ein kleines M�dchen warst."
Chaotische Gedanken st�rmten auf Sinaea ein. Ihre Eltern, gesichtslos und schemenhaft, die Pflegefamilien ihrer Kindheit, und Darkon. Tr�nen schossen ihr in die Augen. Darkon. Der Mann, der sie schon geliebt hatte, als sie noch ein kleines M�dchen war. Illeans selbstgef�lliger Blick ruhte auf ihr, und sie wu�te, da� er ihre Gedanken kannte. Wie durch Watte drang Axalos Stimme zu ihr durch. Sie klang heiser und br�chig, und seine Worte h�llten ihr Herz in Eis. "Ich hoffe, ich sehe Dich nie mehr wieder."

Zum zweiten Mal in Illeans langen Leben erleuchtete ein zuckender Blitz seinen Glasstein. Er fuhr aus seinen Gedanken auf und beugte sich begierig �ber die blankpolierte Fl�che. Schwaches D�mmerlicht erhellte eine dem Zauberer nun schon bekannte Blumenwiese. Er sah einen hochgewachsenen Mann, der inmitten der fast kniehohen Blumen und Gr�ser stand und gebannt in eine bestimmte Richtung starrte. Und aus dieser Richtung betrat eine junge Frau die Szenerie.
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