Sinaea lief in der K�che hin und her. Sie war dabei das Abendessen vorzubereiten, aber sie mu�te ihre T�tigkeit immer wieder unterbrechen, weil Tohans Gesicht vor ihrem inneren Auge aufleuchtete und sie das mittlerweile vertraute m�dchenhafte Kichern �berfiel. Als sie wieder einmal so dastand, in der einen Hand ein Messer, das �ber einer halb gebutterten Brotscheibe schwebte, die andere Hand auf den Mund gepre�t, schaute Darkon zur K�chent�r herein. "Na, Du hast ja heute auffallend gute Laune!" stellte er grinsend fest. "Was ist denn so lustiges passiert?" - "Ooch", machte Sinaea abwiegelnd, und ihr unterdr�cktes Kichern entlud sich in einem Schluckauf, "eigentlich - hicks - gaaar nichts - hicks..." Darkon zog eine Augenbraue hoch. "Nichts, hm?" - "N��... ich war Blumenpfl�cken und..." Unbewu�t sprach Sinaea schneller, und ihre Zunge holperte �ber ihre Worte, "und ich hab Tohan getroffen und dann bin ich wieder hergekommen." Darkon hatte Sinaea nicht aus den Augen gelassen, und ihm war nicht entgangen wie etwas in ihrem Gesicht aufgeblitzt war als sie Tohans Namen aussprach. Sein Grinsen wurde breiter, er lehnte sich gegen den T�rrahmen und verschr�nkte die Arme vor der Brust. "Tohan...", sagte er und zog das Wort absichtlich lang. "Soso." - "Ja", stie� Sinaea atemlos hervor, denn sie hatte die Luft angehalten um den Schluckauf loszuwerden. "Das war alles." Sie bem�hte sich um ihr normalstes L�cheln, aber Darkon lie� sich nicht t�uschen. Er wu�te wohl, da� ihr rotes Gesicht nicht allein vom Luftanhalten kam.

Es war der Vorabend der anstehenden Hochzeit, als Sinaea in ihrem Zimmer am Fenster sa�, den Sonnenuntergang hinter der Silhouette Harklons betrachtete und an ihre Eltern dachte. Als sie Darkon damals verlassen hatte um nach ihnen zu suchen hatte sie eigentlich gar nicht gewu�t wie sie das anstellen sollte. Ihr einziger Anhaltspunkt war die Tatsache da� sie an der K�ste Gaiadis' gestrandet war, also machte sie sich zu ebendieser K�ste auf und fragte bei den Seeleuten nach den L�ndern, die hinter dem Meer lagen. Schlie�lich erkaufte sie sich bei einem Kapit�n gegen gewisse Zuwendungen eine �berfahrt �ber das Meer von Mor�e, dessen Wellen sie an den Strand von Gaiadis gesp�lt hatten. Sie landete im Hafen von Bycan in Herls und, nachdem es sie einige M�he kostete den liebeshungrigen Kapit�n wieder loszuwerden, zog kreuz und quer durch das Land. In allen St�dten und D�rfern die sie passierte erkundigte sie sich ob vor vielen Jahren ein Kind vermi�t worden war, oder ob man eine schwangere Frau nach neun Monaten ohne das dazugeh�rige Kind gesehen hatte? Oft wurde sie f�r ihre seltsamen Fragen schief angesehen und nicht selten aus dem Ort gejagt, doch ebenso oft geriet sie auch an Menschen, die ihr Schicksal errieten und ihr aus Mitleid mit Essen und einer Unterkunft f�r ein paar Tage halfen. Doch ihre Fragen beantworten konnte niemand.
Herls war ein unm��ig gro�es Land und durch seine Beschaffenheit, die von trockendsten W�sten �ber dichteste Regenw�lder bis zu m�chtigsten Gebirgsz�gen reichte, sehr m�hsam zu bereisen. Viele Jahre verstrichen, Jahre, in denen Sinaea nicht einmal selbst bemerkte, wie sich ihr K�rper von dem eines schlaksigen M�dchens zu dem einer schlanken Frau entwickelte. Sie lie� ihre Haare, die sie fr�her kurz wie ein Junge getragen hatte, wachsen und f�rbte sie dunkel. Die Menschen in Herls hatten fast ausschlie�lich dunkles Haar, nicht r�tlich wie Sinaea, und sie dachte da� vielleicht jemandem eine �hnlichkeit zu ihrer Mutter oder ihrem Vater auffallen w�rde, wenn sie sich besser an den vorherrschenden Menschenschlag anpa�te. Doch sie erntete immer noch nur Schulternzucken und Kopfsch�tteln auf ihre Fragen und ihr Aussehen, und ganz leise begann eine nagende Stimme in ihr zu fl�stern, da� sie ihre Eltern in Herls nicht finden w�rde.
Dann lernte sie Axalos kennen.
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