Illean lachte ein heiseres Lachen. "Tats�chlich!" zischte er zwischen gebleckten Z�hnen hervor. "Die Prophezeiung erf�llt sich tats�chlich!" Er wirbelte herum, fixierte die T�r seines Studierzimmers mit einem durchdringenden Blick und bellte:"L'Eodon!"
Wie er es erwartet hatte flog die T�r sofort auf und ein blonder Junge taumelte in den Raum. "Ja, Herr!" bellte er zur�ck, und seine tiefe Stimme verriet da� er trotz seines jugendlichen Ausehens schon vor geraumer Zeit das Erwachsenenalter erreicht und passiert hatte. Illean blickte seinen Gehilfen wohlwollend an. "Es ist soweit, L'Eodon", verk�ndete er. "Wir werden uns auf die Reise machen. Pack uns genug Kleidung zusammen und Vorr�te, und vergi� nicht den Glasstein." Bei diesen letzten Worten wischte er wie beil�ufig mit der Hand �ber den Glasstein, und das Bild in ihm verschwamm. L'Eodon hatte mit seinen scharfen Augen gerade so noch einen Blick darauf erhascht. Es hatte einen Mann und eine Frau gezeigt, die auf einer Blumenwiese standen.

Sinaea hatte einen Moment gebraucht, um den Tohan, der gerade vor ihr stand, mit dem Tohan aus ihrer Erinnerung �berein zu bringen. Sie hatte ihn damals sehr gemocht weil er immer lustig war und sie zum Lachen brachte. Oft war er zu ihr auf die Wiese gekommen wenn er sie beim Blumenpfl�cken sah und hatte ihr alberne Geschichten erz�hlt, die nicht selten damit endeten, da� beide sich vor Lachen im Gras gekr�mmt hatten. Tohans Frau hatte Sinaea nur selten gesehen, sie war sehr sch�n, aber k�hl, fast unnahbar, und Sinaea hatte oft gedacht da� sie eigentlich gar nicht zu dem herzlichen Mann pa�te.
Mittlerweile mu�te Tohan etwa 50 Jahre alt sein. Er war nicht mehr so schlank wie fr�her, sein Gesicht und sein Bauch waren f�llig geworden. Die dunklen Locken hatte er wachsen lassen, sie reichten bis weit in seinen Nacken und waren an den Schl�fen dicht mit Grau durchzogen. Sinaea sah Falten in seinem Gesicht und an seinem Hals. Wenn aber auch das Alter seine Spuren hinterlassen hatte, es hatte ihm gleichzeitig eine gewisse Attraktivit�t geschenkt. Tohan l�chelte, und dieses L�cheln zauberte etwas verschmitztes, jungenhaftes auf seine Miene, das Sinaea sofort wiedererkannte. Sie lachte auf und warf ihm in einer impulsiven Geste die Arme um den Hals. Tohan stimmte in ihr Lachen ein und dr�ckte sie. "Du bist also wirklich wieder da!" stellte er �berfl�ssigerweise fest. "Und diesmal bleibe ich", erwiderte Sinaea aus vollem Herzen, und mit Erstaunen stellte sie fest, da� sie sich dessen bisher gar nicht so sicher gewesen war. Erst jetzt war ihr richtig bewu�t geworden da� sie hierher geh�rte - jetzt, als sie Tohan umarmte.
Tohan hatte ihr nicht weniger als f�nfmal versprechen m�ssen, da� er am kommenden Gottestag zu Darkons und Dyanas Hochzeit kommen w�rde. Erst nach seinen feierlichen Schw�ren, meinte Sinaea, k�nnte sie beruhigt nach Hause gehen. Ihr Schritt war beschwingt und sie schwang ihren Korb fr�hlich vor und zur�ck, w�hrend sie die Stra�e entlangging. Auf halbem Weg drehte sie sich noch einmal zu Tohans Haus um und entdeckte, da� er auf der Veranda stand und ihr hinterhersah. Mit der freien Hand winkte sie ihm zu, bevor sie sich rasch wieder abwandte. Ein albernes Kichern drang aus ihrer Kehle, und R�te stieg in ihre Wangen. "Ich hab' ihn immer gemocht weil er so witzig war", fl�sterte sie zu sich selbst, "aber ich hab' nie gemerkt..." Ein weiteres Kichern unterbrach sie, und sie brauchte einen Moment bis sie sich schlie�lich fast tonlos eingestand:"Ich hab' nie bemerkt da� er SO gut aussieht..."

Illean stand neben dem offenen Kutschenschlag und wartete ungeduldig darauf, da� L'Eodon den letzten Koffer auf dem Dach festzurrte. Das purpurfarbene Tuch, in dem der Glasstein eingewickelt war, lag bereits auf der weich gepolsterten R�ckbank der Kutsche, und Illean brannte darauf endlich unterwegs zu sein und in Ruhe die Ereignisse in Harklon verfolgen zu k�nnen. Schlie�lich kam L'Eodon vom Dach geklettert, half seinem Herrn in den Wagen und bedeutete dem Kutscher, loszufahren. Die Peitsche schnalzte, und das Gespann aus vier pr�chtigen Rappen setzte sich flott in Bewegung. L'Eodon lie� sich auf die Sitzbank gegen�ber seinem Herrn fallen. "Hier", sagte Illean in seinem gutm�tigsten Tonfall und reichte seinem Gehilfen einen juwelenbesetzten Kelch, "trink etwas Wein, das wird dem Staub der Stra�e vorbeugen!" �berrascht - denn Illean war normalerweise nicht unbedingt darauf erpicht L'Eodon das Leben angenehm zu machen - aber dankbar nahm der junge Mann den Kelch entgegen und trank in tiefen Z�gen. Der Wein war wirklich vortrefflich, und L'Eodon bemerkte nicht einmal den schwachen Nachgeschmack wie von bitterer Medizin. Wenige Augenblicke sp�ter sank er gegen die Kutschenwand und begann laut zu schnarchen, w�hrend der Kelch seinen schlafenden Fingern entglitt und mit leisem Klappern �ber den Boden bis vor Illeans F��e rollte. "Na endlich", brummte dieser, hob den Kelch auf und wischte ihn sorgf�ltig mit einem Tuch sauber, damit kein Rest des starken Schlafmittels mehr darin war, ehe er sich selbst von seinem besten Wein eingo�. Dann wickelte er den Glasstein aus dem purpurnen Tuch, nahm ihn auf die Knie und beschwor die Angek�ndigte herauf.
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