|
W�hrend des Fr�hst�cks bestritt Dyana den Hauptteil der Unterhaltung. Zwar fragte sie Sinaea nach der Suche nach ihren Eltern, doch sobald die junge Frau antworten wollte �bersch�ttete Dyana sie mit Geschichten aus ihrer Nachbarschaft. "Geryan ist tats�chlich zur Gendarmerie gegangen - er l�st die schwierigsten F�lle, sagt man - nicht da� es in seinem Revier von Harklon daran mangelt - und Tohan - erinnerst Du Dich an Tohan, Liebes?" In der kurzen Atempause, die Dyana nach dieser Frage einlegte, glaubte Sinaea verschwommen das Bild eines Mannes mit kurzen, dunklen Locken vor sich zu sehen, und sie nickte eifrig, woraufhin Dyana unverz�glich fortfuhr:"Seine Frau ist ihm weggelaufen, eine Schande, er ist so ein netter Mann, und jetzt wohnt er ganz allein und das Haus verf�llt..." In dieser Art ging es die ganze Zeit weiter. Sinaea bemerkte da� Darkon es vermied sie anzusehen. Ihr Herz klopfte, w�hrend sie darauf wartete, da� Dyana Luft holen oder in ihr vernachl�ssigt auf dem Teller liegendes Br�tchen bei�en w�rde. Laut fragte sie in die n�chste Redepause:"Also, ihr beide, ihr seid... ein Paar?" Abwechselnd blickte sie Dyana und Darkon an. Dyana l�chelte und t�tschelte Darkons Hand. "Nunja, ich w�rde sagen, das kann man schon so nennen!" Sie strahlte Sinaea an und erg�nzte:"Aber, und das finde ich ganz bezaubernd von diesem alten Herrn, auch wenn es mich grau und faltig werden lie�, er wollte mich nicht ohne Deine Zustimmung heiraten!"
Immer noch blickte Sinaea zwischen den beiden hin und her. Sie wartete mit ihrer Erwiderung, wartete, bis Darkon schlie�lich den Kopf hob und sie ansah. Dann brach ein strahlendes L�cheln �ber ihr Gesicht herein. "Aber das finde ich toll! Ehrlich! Ich freue mich f�r euch." Herzlich dr�ckte sie Darkons Hand, und in seinem Blick las sie Erleichterung und Dankbarkeit. Dyana stie� einen kurzen, freudigen Schrei aus und zog Sinaea �ber den Tisch hinweg in eine weitere atemraubende Umarmung. Als w�re in Sinaea ein Damm gebrochen sprudelte sie los:"Das wird eine Hochzeit, ich sage euch! Nat�rlich werde ich eure Gotteszeugin sein, und wir laden alle aus der Nachbarschaft ein, und..." Zu dritt st�rzten sie sich in die Hochzeitspl�ne, und f�r eine Weile hatte Sinaea die letzten Jahre und Molan und Illean vergessen.
Der Fr�hling hatte anscheinend beschlossen, das, was er Gaiadis bisher vorenthalten hatte, innerhalb weniger Tage wieder wettzumachen. Die Sonne leuchtete kr�ftig von einem strahlendblauen Himmel, Blumen und B�ume standen in voller Bl�te, die Tiere vermehrten sich flei�ig und auf den Feldern gedieh das pr�chtigste, goldenste Korn seit langem. Sinaea feierte ihren Geburtstag zusammen mit Darkon und Dyana, es war eine sch�ne Feier, aber nichts im Vergleich zu der geplanten Hochzeit, die einen Viertelmond sp�ter stattfinden sollte.
Sinaea hatte darauf bestanden f�r Dyana einen Blumenkranz zu winden; sie erinnerte sich daran da� am Ende der Stra�e, kurz bevor der Wald begann, eine verwilderte Wiese gewesen war, auf der langstielige Blumen mit pr�chtigen wei�en, rosa und zartlila Bl�tendolden standen. Als Kind hatte Sinaea in den warmen Monden st�ndig auf dieser Wiese gespielt und war nie ohne einen Strau� dieser Blumen wieder nach Hause gekommen. Nachdem Dyana ihr versichert hatte da� die Wiese noch existierte schnappte Sinaea sich einen Korb und ging leise vor sich hinsummend die Stra�e hinunter. Sie war so mit dem Gedanken an den zu erstellenden Blumenschmuck besch�ftigt da� sie nicht auf das verfallene Haus achtete, das am Ende der Stra�e zu ihrer Rechten lag. Sie bemerkte auch nicht da� in einer schattigen Ecke der Veranda, die das Haus umgab, jemand sa�, der ihr �berrascht hinterherblickte. Die Nachricht von Sinaeas R�ckkehr war wie ein Lauffeuer durch die Nachbarschaft gegangen, und fast alle waren gekommen, um sie willkommen zu hei�en. Nur Tohan hatte sich nicht aus seiner Lethargie rei�en lassen; um ehrlich zu sein hatte er den Ger�chten um Sinaea, als sie ihn erreichten, nicht einmal geglaubt. Bis Sinaea an diesem Fr�hsommertag leibhaftig an seinem Haus vorbeiwanderte.
Auf der Suche nach den sch�nsten Bl�tendolden lief Sinaea auf der Wiese hierhin und dorthin, scheuchte Schmetterlinge auf und hielt gelegentlich ihr Gesicht l�chelnd und mit geschlossenen Augen zur Sonne empor. Als sie wieder einmal so dastand h�rte sie pl�tzlich das Rascheln sich n�hernder Schritte im Gras und dann eine tiefe M�nnerstimme, die sie unsicher ansprach:"Sinaea?"
Sie zuckte so heftig zusammen, da� ihr der Korb mit den bereits gesammelten Blumen aus der Hand fiel. Rasch schlug sie die Augen auf und drehte sich in die Richtung um, aus der die Stimme gekommen war. Wieder tauchte das verschwommene Bild eines Mannes mit kurzen, dunklen Locken vor ihrem inneren Auge auf, und sie fragte ungl�ubig zur�ck:"Tohan?" |
|