Helles, bla�gelbes Sonnenlicht drang durch die undichten Fensterl�den in Darkons Schlafzimmer. Immer noch war die Sonne nicht so kr�ftig wie sie zu dieser Jahreszeit sein sollte. Der Winter war in diesem Jahr ungew�hnlich lang gewesen, und obwohl der erste Fr�hjahrsmond schon lange auf- und wieder untergegangen war, lie� das Erwachen der Welt noch auf sich warten. Nur wenige Krokusse und Narzissen hatten die Schneegl�ckchen verdr�ngt, die Tiere schienen unschl�ssig ob sie sich schon vermehren wollten und die Bauern z�gerten damit, ihre Felder zu bestellen. Die N�chte waren manchmal noch empfindlich kalt, und Sinaea erwachte fr�stelnd in Darkons Bett.
W�re Darkon noch bei ihr gewesen, h�tten seine starken Arme sie gew�rmt. Sinaea h�rte ihn jedoch in der K�che bei der Vorbereitung des Fr�hst�cks rumoren. Sie kuschelte sich wieder in ihr Kissen. Es roch schwach nach Darkon. Traurigkeit �bermannte Sinaea, Traurigkeit und die Frage was gewesen w�re wenn...
Sinaea war ein versch�chtertes M�dchen von acht Jahren gewesen, als sie zu Darkon gebracht worden war. So lange sie denken konnte hatte sie bei Pflegefamilien gewohnt, und soweit sie herausgefunden hatte schien niemand zu wissen wer ihre Eltern gewesen waren. Man hatte sie gefunden, hie� es, auf einem grob gezimmerten Flo� an die sandige Ostk�ste Gaiadis' gesp�lt. Ein verirrter Wanderer hatte die Babyschreie geh�rt und sie gerettet, sonst w�re sie in dieser verlassenen Ecke der K�ste zugrunde gegangen. Alle ihre bisherigen Pflegeeltern hatten behauptet, das w�re besser f�r sie gewesen.

Darkon jedoch hatte diese Meinung nicht geteilt. Er war ein freundlicher, lustiger Mann der von allen gemocht wurde, dennoch hatte er nie eine liebe Frau gefunden. Als nun Sinaea in sein Leben gebracht wurde war sie f�r ihn, der sich immer Kinder gew�nscht hatte, wie ein Sonnenstrahl. Er umsorgte sie, verh�tschelte sie sogar, ein Blick von ihr konnte sein Herz schmelzen und brachte ihn dazu, ihr jeden Wunsch zu erf�llen. Sinaea selbst betete Darkon an, denn er war der erste Mensch in ihrem Leben der sie liebevoll, f�rsorglich und mit Respekt behandelte. Und weil Sinaea, wie es Waisenkindern oft so eigen ist, geistig schneller und fr�her heranreifte als ihre Altersgenossen, merkte sie schon mit 14 Jahren da� Darkon f�r sie nicht wie ein Vater war.
Sie liebte ihn, wie eine Frau einen Mann liebt.
Eine Weile hielt sie diese Gef�hle tief in ihrem Herzen verborgen. Sie glaubte fest da� Darkon sie nicht erwiderte. Oh, gewi� liebte er sie, aber Sinaea glaubte er liebe sie wie ein Vater seine Tochter liebt. Sinaea qu�lte sich viele Monate mit ihrer scheinbar unerwiderten Liebe.
Bis sie eines Tages, als sie beide im Wohnzimmer sa�en - Darkon mit der Monatsabrechnung seines Hofes besch�ftigt, Sinaea mit der Nase in einem Buch - zuf�llig aufsah und einen Blick von Darkon erhaschte, den sie eigentlich nicht hatte sehen sollen.
Mittlerweile war Sinaea 15, doch, wie auch das Waisenkindern oft eigen ist, immer noch recht klein und zart gebaut, und ihre Stimme war immer noch die eines kleinen M�dchens, als sie in dieser Nacht auf nackten Sohlen in Darkons Zimmer geschl�pft kam und ihn fragte ob sie bei ihm schlafen k�nne.
Es war eine stumme Absprache zwischen ihnen, da� ihre Liebe ihr Geheimnis war, und es band sie beide noch enger aneinander. Darkons Nachbarn sprachen wohlwollend �ber die Zuneigung von Pflegevater und Pflegetochter, die bald so innig sei wie bei echtem Fleisch und Blut. Des Abends schlo� Sinaea sorgf�ltig die L�den an den Fenstern ihrer Schlafzimmer, damit selbige Nachbarn nicht sehen konnten, da� sie die N�chte in Darkons statt in ihrem Bett verbrachte. Irgendwann fragte Darkon sie, bebend vor Nervosit�t, ob sie ihn denn vielleicht heiraten wolle wenn sie eine vollj�hrige Frau war. Das w�rde noch einige Jahre dauern, und Sinaea w�rde noch viele Abende die L�den schlie�en m�ssen, doch sie sagte voller Freude ja.

Mit 16 verlie� Sinaea Darkon.

Sie wu�te selbst nicht warum der Wunsch, den sie schon hegte seit sie ihrer ersten Pflegemutter in die Arme gedr�ckt worden war, gerade jetzt aufloderte und unertr�glich m�chtig wurde. Sie wu�te nur, da� irgendeine geheimnisvolle Macht sie dazu dr�ngte, Darkons Haus zu verlassen und ihre Eltern zu suchen. Tr�nen liefen �ber ihre Wangen und tropften auf das Papier des Briefes, den sie Darkon schrieb, ihre Bitte er m�ge ihre Entscheidung verstehen und ihre Beteuerung da� sie ihn immer noch liebe und bald zu ihm zur�ckkommen werde. Sie schob das gefaltete Blatt Papier unter seine Hand, die auf ihrer Seite des Bettes verweilte; seine schlafende Hand, die immer noch glaubte, auf ihrem Bauch zu liegen. Dann beugte sie sich �ber ihn, hauchte einen kaum sp�rbaren Ku� auf seine Lippen und verschwand so unerwartet aus seinem Leben, wie sie es betreten hatte.
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