Mit einem stummen Schrei auf den Lippen fuhr Sinaea aus dem Schlaf hoch. Ihre H�nde strichen hektisch �ber das Laken des Bettes, in dem sie lag. Der k�hle Stoff unter ihren Fingern beruhigte sie etwas. Sie lag in ihrem Bett, in ihrem Zimmer, sicher und bequem! Seufzend drehte sie sich auf die Seite. Der Nachhall von Schmerzen, wie ein Echo, das sich ein paar Tage versp�tet hatte, zog sich noch immer durch ihren K�rper, eine entmutigende Erinnerung an die letzten Tage.
Lange war sie durch den Wald von Molan gelaufen, viel zu lange; so lange, da� sie schon bef�rchtet hatte, ihr Heimatland Gaiadis nie mehr wieder zu sehen. Sie war Berge hinauf- und hinabgeklettert, hatte T�ler mit gurgelnden B�chen durchquert, hatte sich an scharfen Dornen die Haut aufgeritzt und war �ber t�ckische Wurzeln gestolpert, verzweifelt auf dem Weg zur K�ste, wo sie hoffentlich ein Schiff finden w�rde, das sie nach Hause bringen k�nnte. Nichts, nichts in der Welt h�tte sie dazu bewegen k�nnen noch einen Wimpernschlag l�nger in Molan zu verweilen.

Illean hatte sie gesehen. Illean hatte sie verflucht.

Taumelnd vor Ersch�pfung, schwach vor Hunger und fast wahnsinnig vor Angst war sie schlie�lich auf Darkons T�rschwelle zusammengebrochen. Mit einem dumpfen Laut war sie gegen die T�r gefallen; Darkon hatte diesen Laut geh�rt und war zur T�r gelaufen, wo er die halbtote Sinaea fand. Eilig hatte er sie hochgehoben und ins Haus gebracht, hatte sie vor dem Kaminfeuer aufgew�rmt, sie gef�ttert, gewaschen und schlie�lich ins Bett gesteckt. V�llig ersch�pft war sie eingeschlafen, kaum da� ihr Kopf das Kissen ber�hrte.
Von Sinaeas Rumoren in ihrem Bett geweckt streckte Darkon seinen Kopf durch einen T�rspalt in ihr Zimmer. "Hast Du schlecht getr�umt?" fragte er halblaut. "Hmm... ja", antwortete Sinaea leise. Ihre Stimme klang pl�tzlich wieder wie die eines M�dchens. Sie sah, wie es in Darkons Gesicht zuckte als auch er es bemerkte. "Viel zu lange", dachte sie traurig. "Ich war viel zu lange weg."
Impulsiv schl�pfte sie unter der Decke hervor und ging auf nackten Sohlen zu Darkon hin�ber. "Kann ich... kann ich bei Dir schlafen?" Ein Klo� bildete sich in ihrem Hals, denn sie klang immer noch wie ein kleines M�dchen. In Darkons Miene k�mpften verschiedene Gef�hle gegeneinander. Sinaea bereute schon fast, ihn in dieses emotionale Chaos gest�rzt zu haben, als sich Darkons Gesichtsz�ge gl�tteten. En L�cheln stahl sich auf seine Lippen. Er l�chelte immer noch, als er Sinaea auf seine starken Arme nahm und sie in sein Schlafzimmer trug.


Es mag verwundern da� jemand wie Illean, ein Zauberer, der die Menschen wie Spielfiguren benutzt und den Elementen befehlen kann, so etwas wie Schamgef�hl besitzt. Als er jedoch sah wie Darkon und Sinaea im Schlafzimmer verschwanden, wischte er mit der Hand �ber seinen Glasstein. Augenblicklich verschwammen die Bilder, der Glasstein verdunkelte sich und schien nun von einer in sich ruhenden, fast schwarzen Wolke erf�llt.
Illean hatte Sinaeas Flucht aus Molan best�ndig verfolgt, hatte �ber ihre Verzweiflung gekichert und �ber ihre Angst den Kopf gesch�ttelt. "Ich w�rde Dir niemals etwas tun, mein T�ubchen", wisperte er, so da� sein Atem den Glasstein beschlug, "das solltest Du wissen. Schlie�lich bist Du die Angek�ndigte!" Zufrieden, fast ein wenig stolz auf die junge Frau hatte er zugesehen wie sie Gaiadis erreichte, dann die Hauptstadt Harklon und schlie�lich das Haus, in dem sie und Darkon lebten. Er hatte durch den Glasstein spionierend der tr�nenreichen Begr��ung beigewohnt und Sinaeas b�sen Traum verfolgt. DIESE Art von Wiedervereinigung zwischen Darkon und Sinaea wollte er allerdings nun wirklich nicht sehen. Illean deckte den Glasstein mit einem purpurnen Tuch zu und verlie� sein Studierzimmer.
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