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Sie schlang die Arme fester um ihren durchn��ten K�rper und blickte �ngstlich die Klippen hinauf. Hoch oben auf dem Felsen thronte ein massiges Geb�ude; sie konnte flackerndes Licht hinter einem der Fenster sehen. Fast wirkte es wie das Auge eines Zyklopen. Sie schauderte, und es lag nicht daran da� sie vom Meer durchweicht war. Mehrere Stunden hatte sie mit dem salzigen Wasser gek�mpft, hatte gehofft die K�ste zu erreichen, bevor ihre Kr�fte versagten und sie unweigerlich ertrank. Und nun, da sie endlich wieder festen Boden unter den F��en hatte, war ihre einzige Hoffnung dieses trutzige Geb�ude, das ihr auf den ersten Blick Angst eingejagt hatte.
Sie atmete mehrmals tief durch und versuchte ihre Furcht zu bez�hmen. Es blieb ihr doch keine andere Wahl! Das Haus auf dem Felsen war ihr Zugang zur Zivilisation. Dort wohnte jemand, der ihr vielleicht helfen konnte, der ein Telefon hatte oder sie sogar in die n�chste Stadt bringen konnte. Denke positiv, versuchte sie sich zu motivieren. Sie straffte ihre Schultern und machte sich an den beschwerlichen Aufstieg.
Ersch�pft lehnte sie sich gegen einen dicken, uralt wirkenden Baum, der nahe des von dieser Seite unbeleuchteten Hauses stand. W�hrend sie den Felsen erklommen hatte, war ihre Kleidung an mehreren Stellen von scharfen Gesteinskanten und dornigem Gew�chs zerrissen worden, und sie hatte kleine B�che warmen Blutes �ber ihre Haut rinnen gesp�rt. In der Dunkelheit konnte sie nur erahnen, welch einen verr�ckten Anblick sie bieten mu�te, aber nun konnte sie es sowieso nicht �ndern. Sie konnte nur hoffen, da� wer immer in diesem wuchtigen Herrenhaus lebte, sie nicht gleich f�r verr�ckt erkl�ren oder an die Polizei ausliefern w�rde.
"Na, das sind ja tolle Aussichten f�r ein Telefon...", dachte sie, als sie vor der zweifl�geligen T�r stand und vergeblich nach einer Klingel suchte. Nur ein gewaltiger Klopfer in Form einer Fledermaus mit ausgebreiteten Fl�geln schwebte direkt vor ihren Augen. "Dracula...", zuckte es durch ihr Hirn, und die Angst, die sie schon beim ersten Anblick des Hauses gesp�rt hatte, kehrte mit Macht zur�ck. Erneut versuchte sie sich zu beruhigen. "La� Dich doch nicht von Deiner eigenen Phantasie �berlisten!" schalt sie sich. Dennoch konnte sie nicht verhindern, da� sie unweigerlich die Luft anhielt, nachdem sie m�hsam den schweren Klopfer bet�tigt hatte.
Das dumpfe Pochen der gu�eisernen Fledermaus war kaum im Haus verhallt, als sich hinter der T�r Schritte n�herten. Sie sp�rte wie sich ein Schwei�film auf ihrer Oberlippe bildete. Fast erwartete sie, da� tats�chlich ein Blutsauger a la Christopher Lee, komplett mit Umhang und spitzen Z�hnen, hinter der T�r auf sie lauerte.
Einer der T�rfl�gel schwang mit einem verhaltenen Quietschen auf. Soweit sie sehen konnte, erstreckte sich dahinter ein kurzer Flur, der von flackernden Fackeln nur ausschnittsweise beleuchtet wurde. In diesem unsteten Lichtschein stand wie in einer flammenden Aura ein Mann. Er trug keinen Umhang, und sein fragendes L�cheln enth�llte keine spitzen Eckz�hne. Statt dessen fiel ihr sofort auf, da� er atemberaubend attraktiv war.
"Ja?" machte er fragend, aber freundlich, was angesichts ihres Zustandes mehr war als sie sich erhofft hatte. Sie wollte sprechen, verschluckte sich aber an ihrem eigenen flatternden Atem und begann zu husten. Der Mann kam sofort �ber die Schwelle zu ihr hin�ber und klopfte ihr besorgt auf den R�cken. "Alles in Ordnung?" fragte er, dann gab er ihr mit einem sanften Druck seiner Hand zu verstehen, dass sie eintreten sollte. "Kommen Sie doch bitte herein. Ich glaube, sie k�nnten etwas zu trinken vertragen � und eine hei�e Dusche vielleicht?"
Ihre Haut gl�hte noch krebsrot vom hei�en Wasser, als sie aus der Dusche stieg. Mit einem weichen Handtuch rubbelte sie ihre Haare trocken, w�hrend sie sich verstohlen im Badezimmer umsah. Wie von Geisterhand waren verschiedene Utensilien aufgetaucht: Jodtinktur, Pflaster und Gazeverb�nde f�r ihre Sch�rfwunden, ein extrem flauschig und warm aussehender, kirschroter Bademantel f�r ihren durchgefrorenen K�rper. Auf dem zusammengefalteten Mantel lag ein Zettel aus feinstem, leicht marmorierten Papier, auf dem mit echter Tinte in schwungvollen, schn�rkeligen Buchstaben geschrieben stand: "Bitte gesellen Sie sich doch im Studierzimmer zu mir. Speis und Trank erwarten sie." "Speis und Trank...", dachte sie kopfsch�ttelnd, wobei sie den altmodisch wirkenden Zettel um und um drehte. "Komischer Kauz, dieser Typ..." Bei dem Gedanken an den Bewohner dieser d�steren Felsenburg wurde ihr wieder hei�. Er mochte ja merkw�rdige Notizen schreiben, und in einem abgelegenen, spukig aussehenden Herrenhaus leben, aber das �nderte nichts an der Tatsache da� er einfach unversch�mt gut aussah! So schnell sie konnte trocknete sie sich ab und schl�pfte in den Bademantel. Dann machte sie sich, mit klopfendem Herzen wie ein Teenager, auf zum Studierzimmer.
Unwillk�rlich ging sie auf Zehenspitzen, als sie das Studierzimmer betrat. Im Gegensatz zu dem antik wirkenden �u�eren des Hauses war dieser Raum zumindest ansatzweise modern eingerichtet. Vor dem gro�en Panoramafenster, das auf eine weitl�ufige Veranda hinausf�hrte, stand ein japanisch anmutender Diwan aus Kirschbaumholz mit roten Kissen. Auf einem Beistelltischchen daneben prangte eine altmodische schwarze Schreibmaschine, und vor dem Diwan verbreiteten mehrere dicke wei�e Kerzen und ein Kohlebecken flackerndes, rotgoldenes Licht. |
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