Rosemarie
Am Tage des Herrn im M�rzen 1... kniete Pater Derian vor dem Altar seiner Kirche und bat Gott vergebens um die Reinwaschung von seinen S�nden.
Da� seine Gebete vergebens waren war Pater Derian durchaus bewu�t; der Herr hatte schon lange aufgeh�rt mit ihm zu sprechen.
Doch er wu�te keinen anderen Weg um sein Gewissen zu erleichtern.
Nein, dachte Pater Derian zynisch. Selbst wenn der Herr zu ihm sprechen w�rde. Selbst wenn seine S�nden vergeben w�rden.
Sein Gewissen w�rde es nicht erleichtern.

Es war ebenfalls ein Sonntag gewesen; der Tag an dem sie in sein Leben getreten war.
Zwischen den verh�rmten Bauersfrauen seiner kleinen Gemeinde und ihren halbw�chsigen, schmutzigen T�chtern, denen man ansah da� sie lieber weiter auf den staubigen Stra�en gespielt h�tten als im Gottesdienst zu sitzen, hatte sie herausgestochen wie eine Mohnblume im Weizenfeld.
Und wie die bet�ubende Wirkung des t�ckischen Mohnsamens war mit ihr ein schleichendes Gift in Pater Derians Dorf gekommen.

Ihr Name war Rosemarie. Ihre Lippen hatten die Farbe blutroter Rosen, ihre Augen leuchteten veilchenblau, und ihre Haut war lilienwei�. Sie l�chelte viel und sprach wenig, doch wenn sie es tat, klang ihre Stimme wie die sch�nste Musik. Niemand wu�te wo sie herkam, warum sie gerade in dieses Dorf gekommen war, scheinbar wu�te nicht einmal sie selbst die Antwort darauf. Sie war einfach da, wie der Samen einer Blume einfach so an den Wegesrand fiel und verwurzelte. Sie hatte sch�chtern beim Schneider vorgesprochen und arbeitete dort flei�ig wie jeder brave Dorfbewohner.

Und der Schneider, wie jeder brave m�nnliche Dorfbewohner, gierte nach ihr.

Pater Derian beobachtete das Verhalten seiner Sch�tzlinge mit wachsender Beunruhigung.
Sicher, auch er war ein Mann; auch ihn lie� der Anblick einer sch�nen Frau nicht kalt.
Ihr Anblick.
Rosemarie.

Doch die offen zur Schau getragene L�sternheit der M�nner aus seiner Gemeinde verst�rte Pater Derian.
Und der wachsende Ha� der Frauen aus seiner Gemeinde, die gefl�sterte Anklage:"Hexe! Hexe!!" be�ngstigten ihn.

Dennoch konnte er nicht umhin sich ebenfalls zu fragen ob Rosemarie mit dem Leibhaftigen im Bunde war.
Wie sonst erkl�rte sich ihre nahezu �berirdische Sch�nheit, die Anziehungskraft die sie auf die M�nner aus�bte, das diese sich wahrhaft auff�hrten als seien sie verhext?

Doch nein, an jedem Sonntag erschien Rosemarie in Pater Derians Kirche zum Gottesdienst; sie hielt ihren Rosenkranz in der Hand ohne da� der Faden ri� und die Perlen in alle Richtungen sprangen; sie tauchte ihre Fingerspitzen in Weihwasser ohne da� ihre Haut verbrannte; sie a� die dargebotene - von Pater Derian mit zitternder Hand dargebotene - Hostie ohne da� sie erstickte wie an einem t�dlichen Gift.
Waren das nicht Beweise genug da� Rosemaries Geist rein und ohne S�nde war?
Nun - wenn sie nicht die Botin des Antichristen war, dachte Pater Derian, vielleicht - und er wagte kaum sich diesen Gedanken einzugestehen - vielleicht war sie ja gar eine Botin Gottes? War sie nicht sch�n wie ein Engel? War sie nicht flei�ig, gen�gsam und freundlich? Es war doch nicht ihre Schuld da� der Herr sie mit dieser bezaubernden Sch�nheit gesegnet hatte!
Gesegnet?
Oder verflucht?
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