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1759
Auf Zehenspitzen schlich Carolina die Treppe hinunter und huschte zur hinteren K�chent�r. Sie �ffnete sie gerade soweit da� sie den Kopf durch den Spalt stecken konnte und sp�hte in die Dunkelheit. "Joshua!" Ihre Stimme war so leise da� sie kaum von einem Windhauch zu unterscheiden war. Dennoch war sie offensichtlich geh�rt worden, denn aus den Schatten l�ste sich die hochgewachsene, kr�ftige Gestalt eines Sklaven. Seine dunkle Haut verschmolz fast mit der Nacht. Erwartungsvoll blickte er Carolina an; die junge Frau sah da� er seinen Hut nerv�s zwischen den Fingern drehte. Der Stoff war schon ganz zerknautscht. Carolina grinste ihn an. "Herzlichen Gl�ckwunsch!" wisperte sie. "Es ist ein M�dchen!" Ihre Hand tauchte aus den Falten ihres Rockes auf; sie hielt dem Sklaven eine Flasche entgegen, in der es fr�hlich gluckerte. "Geh und feiere Deine Vaterschaft, aber achte darauf da� Dich die anderen nicht erwischen!" Mit einem letzten Zwinkern zu Joshua zog sie ihren Kopf wieder durch den Spalt zur�ck, schlo� lautlos die T�r und eilte zur�ck in Virginias Schlafgemach. "Na endlich", begr��te Georgia sie mit nicht wirklich ernst gemeintem Tadel in der Stimme. "Wir warten schon!" � "Ja, jetzt bin ich ja da!" gab Carolina zur�ck, zu gl�cklich �ber ihren neuen Status als Tante einer bezaubernden Tochter um auf die Neckerei der �ltesten einzugehen. Virginia sch�ttelte �ber die H�nseleien ihrer Schwestern nur wortlos den Kopf. Die kleine Yvette war mittlerweile in eine Windel und eine warme Decke gewickelt worden, nur ihr schlafendes Gesichtchen, die Haut in der Farbe von Milchkaffee, war zwischen den Stoffbahnen sichtbar. Auf ein Nicken von Virginia hin reichte ihr Georgia die kleine Schriftrolle, die an einem roten Samtband befestigt war. Behutsam legte Virginia ihrer Tochter das Band um den Hals, so da� die eng gewickelte Rolle wie ein Amulett unter dem kleinen runden Babykinn baumelte. "Yvette Fairfield, mein kleines M�dchen. Du magst ein uneheliches Kind und die Tochter eines Sklaven sein, doch Du bist unsere Erbin, und Dir wird Stella Manor einst geh�ren. Dieses Schriftst�ck wird Dir den Nachla� sichern." Wie um die feierlichen Worte zu best�tigen, wachte Yvette in diesem Moment auf und stie� einen kr�ftigen Schrei aus.
Belle zuckte zusammen. Ein kr�ftiger Schrei, wie der erste Schrei eines neugeborenen Babys, hatte sie hinterr�cks angefallen, und sein Echo hallte ihr immer noch in den Ohren. Verwirrt blickte sie den Notar an, der v�llig unger�hrt vor ihr sa� und weiter versuchte ihr zu erkl�ren, was es mit dem Inhalt des geheimnisvollen K�stchens auf sich hatte. Hatte er den Kinderschrei nicht geh�rt? War er - wie so vieles da� sie zu h�ren oder sehen glaubte - nur in ihrem Kopf gewesen? Belle zwang sich, Notar Fortenberry aufmerksam zuzuh�ren. "...Vincent und Eliza Fairfield schifften sich also nach Amerika ein..." *Amerika?* "...und bauten sich dort eine Plantage auf." *Eine Plantage...?* "Sie waren finanziell sehr gut gestellt und bekamen recht schnell drei Kinder - drei M�dchen."
1775
Yvette schlenderte, durch einen zart gearbeiteten Sonnenschirm vor der Hitze des Tages gesch�tzt, durch die Baumwollfelder. Ihr war wohl bewu�t da� alle m�nnlichen Arbeiter ihr hinterhersahen. Sie war mittlerweile 16 und zu einer wundersch�nen jungen Frau herangewachsen, der verf�hrerische Milchkaffeeton ihrer Haut wurde von ihrem rabenschwarzen Haar noch betont und ihr K�rper war schlank und biegsam wie eine Weidenrute. Yvette seufzte. Manchmal w�nschte sie sich, ihre Mutter w�rde ihr erlauben die von ihr so favorisierte M�nnerkleidung anzuziehen, unter der sie ihre Vorz�ge besser verstecken k�nnte als unter den eng geschn�rten, tief ausgeschnittenen Corsagen ihrer Kleider. Denn so schmeichelhaft es wohl f�r jedes andere M�dchen in ihrem Alter gewesen w�re, die Aufmerksamkeit aller M�nner auf sich zu lenken, f�r Yvette schien es wie ein Fluch. Sie hatte sich schon vor vielen Jahren geschworen, sich nicht dem liederlichen Lebenswandel ihrer Mutter und ihrer Tanten anzuschlie�en. "Yvette!" rief Virginia sie in diesem Moment von der Veranda des prunkvollen Herrenhauses. Sie hatte M�he, die Besorgnis in ihrer Stimme nicht zu zeigen. "Bitte, komm ins Haus! Du wei�t da� Du in diesen Zeiten nicht allein drau�en sein sollst!" "In diesen Zeiten...", dachte Yvette betr�bt. Diese vage Formulierung war das einzige Zugest�ndnis da� die drei �lteren an den tobenden Unabh�ngigkeitskrieg machten. Ihre �bliche Reaktion, wenn irgendjemand auf der Plantage das Gespr�ch darauf brachte, war Verleugnung. "Wir liegen hier so weit au�erhalb! Kein Soldat wird sich je die M�he machen, bis nach Stella Manor hinauszukommen um uns zu pl�ndern!" |
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