1737

Die "Prudent" machte unter vollen Segeln ein beachtliches Tempo. Die Brise war perfekt f�r eine �berfahrt � stark genug um die schweren Segel zu bl�hen, aber nicht so stark, da� die Wellen mehr als nur ein harmloses T�nzchen unter dem Kiel des Schiffes auff�hrten.
Vincent Fairfield stand im Bug an der Reling und sp�hte �ber die gekr�uselte See, dorthin wo sich der glei�end blaue Himmel und das saphirfarben schimmernde Meer in einer unsichtbaren Horizontlinie vereinigten. Der Kapit�n hatte ihm gesagt da� man heute noch vor der D�mmerung den Hafen in Cape Fear anlaufen w�rde, und Vincent wollte nicht eine Sekunde vom Anblick seiner neuen Heimat verpassen. England schien ihm jetzt schon weit, weit weg, wie eine andere Welt. Vor ihm lag Amerika! Die Neue Welt! Vorfreude erf�llte Vincent, lie� seine Haut kribbeln. Er dachte an die bezaubernde Eliza Bollingsworth, ebenfalls Passagierin auf der "Prudent", die mit ihren Eltern in das "Gelobte Land" auswandern wollte. Das Kribbeln auf seiner Haut verst�rkte sich bei dem Gedanken an sie. Vincent war gl�cklich.



Mit einem Ruck fuhr Belle aus dem Schlaf hoch. Sie hatte das Gef�hl da� alles um sie herum schwankte, und ihre H�nde suchten unwillk�rlich Halt an der Bettkante. Es dauerte einen langen Moment, bis sie realisierte, da� sie sich sicher in ihrem Bett in ihrer Wohnung befand. Nichts schwankte; der Boden lag vollkommen ruhig da, wie es sich f�r einen anst�ndigen Boden geh�rte. Das Echo verschwommener Bilder huschte durch ihren Kopf: im Wind knatternde Segel, sch�umende Gischt, der Geruch vom Meerwasser durchtr�nkten Holzes. "Ein Traum", murmelte Belle vor sich hin, "es war nur ein Traum."
"Es war kein Traum, Liebes. Es war eine Ahnung."
Die Stimme ihrer Mutter klang ernst wie immer, wenn sie solche sybillinischen S�tze sagte. Und wie immer wenn Belle sie dann dr�ngte mehr zu erz�hlen, ihr zu erkl�ren was sie mit diesem Komentar meinte, verstummte sie und blickte Belle nur eindringlich mit ihren dunklen Augen an.
F�r einen Moment blieben diese dunklen Augen in der Luft h�ngen, wie das L�cheln der Grinsekatze aus Alice im Wunderland, ehe sie sich aufl�sten und ein weiteres St�ck von Belles Erinnerung an ihre Mutter mitnahmen.
Die junge Frau setzte sich auf die Bettkante und strich sich m�de �bers Gesicht. "Mom..." fl�sterte sie in die leere Wohnung. Dann stand sie mit einem Seufzer auf und ging ins Bad. Sie duschte, zog ihre Trauerkleidung an und machte sich auf den Weg zu Notar Fortenberry.


1742

Trunken von Wein und schierer Freude bahnte Vincent sich einen Weg durch die G�ste der Feier. Wie nicht anders zu erwarten war die komplette Bev�lkerung des nahe gelegenen Ortes in Stella Manor vorbeigekommen um Mutter und Kind zu ehren. Vincent schl�ngelte sich in den gro�en E�saal und sah vor sich ein Bild, das er liebend gern festgehalten h�tte, wenn er nur einen der ber�hmten Maler der Zeit gekannt h�tte: Eliza sa� mit stolz erhobenem Haupt am Kopfende der Tafel, ihr langes ebenholzfarbenes Haar breitete sich wie ein F�cher �ber ihre Schultern aus. In ihren Armen lag die kleine Carolina und schlief trotz des ohrenbet�ubenden Festl�rms. Flankiert wurde sie von der zweij�hrigen Georgia, jetzt schon w�rdevoll in ihrer Rolle als �ltester, und Virginia, gerade ein Jahr alt, die unruhig in ihrem Kinderst�hlchen zappelte und gelegentlich an Elizas �rmel zupfte. Breit l�chelnd wollte Vincent auf seine kleine Familie zugehen, als ihm jemand eine schwere Hand auf die Schulter legte.
"Nun, Nachbar", grollte der tiefe Ba� von Farmer Harris in Vincents Ohr, "wirst Du denn wohl noch das Geheimnis ergr�nden wie man einen SOHN und ERBEN zeugt?!"
Die bissige Betonung der beiden W�rter war Vincent nicht entgangen, und als er sich zu Farmer Harris umdrehte, blickte er in ein feixendes Gesicht. Wut flammte in Vincent auf, wie eine Kerze deren Docht nicht kurz genug geschnitten wurde.
"Nun, Farmer Harris", gab er so gefa�t wie m�glich zur�ck, "ich w�nsche Euch da� Ihr lange genug leben werdet um mitzuerleben wie meine T�chter erzogen und gelehrt werden, da� sie eines Tages, sollte ich mal nicht mehr in dieser Welt weilen, die Plantage genau so gut f�hren werden wie ein Mann es vermag!"
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