| Zum Tod von Florian Es fällt schwer, das Unsägliche, was am 21. September über uns hereingebrochen ist, in Worte zu fassen. Und es schmerzt, von einem Neffen, dessen Lebensweg man von den ersten Tagen an begleitet hat, so früh und unverhofft Abschied nehmen zu müssen. Dabei hatte Florian sein Leben in vorbildlicher Weise zu meistern gelernt. Und das, obwohl er seit frühester Kindheit schwerhörig war. Das hinderte ihn nicht, sich schon im Kindergartenalter fürsorglich um seine Zwillingsschwester Stefanie zu kümmern, die in ihm den großen Bruder sah. Beide verstanden sich auch ohne Worte. Er achtete darauf, daß sie auf der straßenabgewandten Seite des Gehwegs ging. Es sollte ihr nichts passieren. Die aufopferungsvollen Bemühungen der Eltern um die Verbesserung der Sprechfähigkeit wurden durch regelmäßige Fahrten zur Sprachtherapie bei der einfühlsamen Frau Holm in Freiburg ergänzt. Im Alter von sechs Jahren begann die Grundschulzeit im Internat in Stegen. Es war eine harte Zeit für den kleinen Bub, besonders wenn er montags bei Wind und Wetter in aller Herrgotts Frühe seine Familie verlassen mußte. Ganz neue Erfahrungen bringt für ihn ein zweijähriger Aufenthalt mit seiner Familie in den Vereinigten Staaten. Offen und unbeschwert, wie er ist, bereitet es ihm keine keine Schwierigkeiten, sich an der Schule in Denver (Colorado) zurechtzufinden, Freunde zu gewinnen, die Landessprache und das Saxophonspiel zu erlernen. Ausgedehnte Reisen werden für ihn zum Erlebnis. Zurück in Stegen wird Florian zweimal zum besten Sportler der Schule gewählt, seinen Abschluß macht er mit 1.0. Mit sechzehn Jahren geht er auf die Berufsfachschule nach Frankenthal, wo er dauerhafte Freundschaften knüpft und seine Freundin Olga kennenlernt. Er schließt nach zwei Jahren die Schule als Klassenbester ab, um bei der Firma Sander in Achern eine Lehre als Werkzeugmechaniker zu beginnen. Florian hat Zeit seines Lebens viel Verständnis erfahren, und er hat die, die ihn gefördert haben, nicht enttäuscht. Den größten persönlichen Rückhalt fand er bei seinen Familienangehörigen und bei seinen Freunden, von denen stellvertretend Mathias, Stefan, Klaus und Lars genannt seien. Mit ihnen teilte er seine Interessen, auf sie konnte er sich verlassen wie sie sich auf ihn. Mit neunzehn Jahren war Florian willens und fähig, sein Leben in die Hand zu nehmen. Voll Zuversicht und Selbstvertrauen schaute er in die Zukunft. Während er zielstrebig an seinem beruflichen Fortkommen arbeitete, entdeckte er sein Interesse für den Radsport, der für ihn bald zur Leidenschaft wurde. Aber im Augenblick seines größten sportlichen und persönlichen Erfolges wurde sein Leben jäh ausgelöscht: es war ein erfülltes Leben, doch es blieb unvollendet. Niemand kommt an dem Gedanken vorbei: Wieso gerade er? Wieso schon so früh? Weshalb unter diesen Umständen? Der Gläubige wird eine Antwort in seinem Glauben suchen und vielleicht einen Trost finden. Allen bleibt das Mitleid, daß es Florian nicht vergönnt war, das Leben in seiner ganzen Fülle zu durchschreiten. Allen, seinen Familienangehörigen und Verwandten, seinen Freunden und Sportskameraden, seinen Mitschülern und Arbeitskollegen, seinen Bekannten, allen bleibt das Leid, in Florian einen liebenswerten Menschen verloren zu haben, der auch das eigene Dasein lebenswert machte. Wir nehmen Abschied, aber wir bewahren in uns das unvergeßliche Bild eines strahlenden und lebensbejahenden jungen Menschen. Die Erinnerung an ihn wird uns unser ganzes Leben begleiten. Wir werden ihn nicht vergessen. Mehr zu tun liegt nicht mehr in unserer Hand. |