Am nächsten Tag mußten wir unseren ersten Zeltplatz in Grant Villageräumen. Zum Glück war es uns gelungen, einen Platz für zweiTage in Madison zu reservieren, so daß wir nur Szenenwechsel vornahmen.Der neue Zeltplatz brachte neuen Platz für Abenteuer, wie sich baldzeigen sollte. Diesmal ließen wir "Old Faithfull" als "altbekannt"links liegen und wandten unsere ganze Aufmerksamkeit dem "Midway Geyser Basin"zu. Dieses liegt, wie der Name schon andeutet, auf halbem Wege nach Madison.Seine heißen Quellen entleerten sich eindrucksvoll in den Firehole-River,der durch eifriges Dampfen seinem Namen alle Ehre machte. Die Quellen diesesGeyser-Basins boten keine mehr oder weniger regelmäßigen Eruptionen,sondern formten großflächige Ponds, an deren Ränder bunteAlgen und Bakterien für ein farbenfreudiges Bild sorgten. Das Zusammenspielder verschiedenen Orange-, Rot- und Braunttöne der ufernahen Bereichemit dem lichten Blau des Wassers und dem unheilvollen Dunkel der Reste desgroßen Waldbrandes von 1988 bot eine Symphonie für das Auge.

Am neuen Zeltplatz angekommen, errichteten wir schnell unser Zelt, da wireine unheilvoll schwarze Wolke nahen sahen. Und siehe da, der Himmel ließsich zu unserer Begrüßung mal etwas Neues einfallen. Diesmal erlebtenwir zwei Hagelschauer, die nicht von schlechten Eltern waren. Zum Glückhielt die Schutzplane stand und der Platz selbst erwies sich als gutgewählt. So konnte auch dieses kalt-feuchte Erlebnis unserer guten Launekeinen Abbruch tun. In der Zwischenzeit hatten sich Christoph und Michaelmit der hier seßhaften Tierwelt bekannt gemacht. Die Erdhörnchenhatten keine leichte Zeit in der Umgebung unseres Zeltes. Manchmal warensie auch wirklich zu frech. Im Anschluß daran gingen wir eine Rundeangeln, in deren Verlauf Christoph eine 13 Zoll ( über 33cm) langeRegenbogenforelle fing. Da wir nicht aus den Verlautbarungen des Zettelsschlau wurden, den wir zusammen mit unserem Angelschein erhalten hatten,schleppten wir den Fisch im wassergefüllten Eimer zur unweit befindlichenParkrangerstation. Der diensthabende Ranger bewunderte Christoph's Fang undmeinte, er hätte noch nie so eine große Forelle in diesem Flußgesehen, begnadigte aber zum Schluß erwähnten Fisch und bestimmteseine sofortige Freilassung. Schade, wir hatten schon richtig Appetit bekommen.Weitere Fangversuche erzielten keine greifbaren Resultate, es machte abergroßen Spaß, alle anwesenden Angler durch den Bericht von unseremFang in eine wahre Angelwut zu stürzen. Am Abend besuchten wir dannnoch das Campfire-Programm, das von dem uns schon gut bekannten Ranger mitder eindrucksvollen Geschichte der Nez Perce Indianer angereichert wurde.

Der Name des Stammes bedeutet auf französisch "Durchstochene Nase",ein Hinweis auf eine stammeseigentümliche Schmuckform. Die Nez Percelebten vor dem Eindringen der Weißen in einem großen Gebiet imBereich der heutigen Staatsgrenzen von Washington, Oregon und Idaho. Im Jahre1877 kam es zum Ausbruch von Feindseligkeiten, in deren Verlauf Chief Josephfür sein taktisch kluges Verhalten berühmt wurde. Er fügtein mehreren Gefechten überlegenen Militärkräften Niederlagenzu, so daß sich bedenklicher Haß auf ihn in der weißenBevölkerung ausbreitete. Um zu einem langfristigen Frieden zu gelangen,wichen die Nez Perce unter seiner Führung in Richtung der Grenze Kanadaszurück. Nach einem Marsch von mehr als 1800 Kilometer Länge durchäußerst unwirtliche Gebirge, auf dem sie auch das Gebiet des heutigenYellowstone Nationalparkes durchquerten, wurden sie am 30. September 1877von U.S.-Truppen gestellt, nur 48km von der kanadischen Grenze entfernt.Da viele Krieger tot oder verwundet waren und die Frauen und Kinder hungerten,kapitulierte Chief Joseph mit den Worten:

"From where the sun now stands I will fight no more forever!"

Um die Nez Perce von weiteren Aufständen abzuhalten, trennten dieWeißen den mutigen Häuptling von seinem Stamm und brachten ihnin eine Reservation in Washington, wo er 1904 starb.

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