Am nächsten Morgen ging es schon zeitig an’s Einpacken, so dass wir vor der Abfahrt noch Zeit für eine Runde Minigolf auf der zeltplatzeigenen Anlage hatten. Danach fuhren wir schnell noch einmal nach Moab hinein, um im Steingeschäft eine Dinosaurierkralle für Micha zu kaufen. Dann verließen wir aber endgültig Utah und die Nachbarschaft des Colorado-River und fuhren durch drei stellenweise recht heftige Schneeschauer nach Mesa Verde. Zunächst ging es die altbekannte Route 191 bis nach Monticello, das wir bereits auf unserer Herfahrt durchquert hatten. Hier bogen wir auf die 666 nach Cortez ab, das bereits im Bundesstaat Colorado liegt. Von hier waren es nur noch 6 Meilen bis zum Park, von denen jedoch der überwiegende Teil sehr steil bergauf führte. Den Namen Mesa Verde erhielt der Berg von frühen spanischen Conquistadores, die diesen über 2000 m hohen, nadelwaldbedeckten Tafelberg “Grüne Tafel” nannten. Auf dem Plateau der Mesa angekommen besuchten wir den Feuertempel und den Sonnentempel. Den Cliff Palace hätten wir uns auch gerne angeschaut, leider wartete schon eine Riesentraube Touristen auf die Führung durch den Parkranger. So schauten wir uns den Cliff Palace nur im Fernglas vom gegenüberliegenden Sonnentempel aus an. Dabei waren noch zahlreiche weitere sogenannte Cliff Dwellings zu entdecken, teils knapp unterhalb der Kliffkante, teils weiter unten im Tal. Hier durchliefen zwischen den Jahren 600 und 1300 die Anasazi, 'die Alten', wie die Navaho die ehemaligen Bewohner der Mesa zusammenfassend nannten, vier Entwicklungsstufen vom höhlenbewohnenden Korbflechter bis zum Erbauer mehrstöckiger Lehmziegelhäuser. Ende des 13. Jahrhunderts verschwanden die Anasazi innerhalb von maximal 2 Generationen. Den Weißen blieben die Felssiedlungen bis 1874 verborgen. Vandalismus führte zur Zerstörung eines großen Teiles der Funde, bis endlich 1906 der Nationalpark geschaffen wurde. Durch seine Höhelage war der Park bei unserem Besuch wolkenfrei und erlaubte großartige Rundblicke in alle Richtungen. Im Anschluss an Mesa Verde hatten wir uns noch vorgenommen, Four Corners einen Besuch abzustatten. Dies ist die einzige Stelle in den USA, an der vier Bundesstaaten aneinander grenzen. Leider war schon geschlossen, so dass wir nicht mehr unseren Obolus zum Erhalt eines hier ansässigen Indianerstammes beitragen konnten. Unter Missachtung mehrerer martialischer Schilder, die vor Trespassing warnten, begaben wir uns dennoch zum Denkmal, das nun leider nicht mehr geflaggt war. Nun gut, auf die Flaggen konnten wir ebensogut verzichten wie auf die Buden, die hier in Scharen auf kauflustige Touris warteten. Diese waren zum Glück auch geschlossen. Die restlichen 120 Meilen bis Gallup, New Mexico, waren recht eintönig. Einzige Abwechslung der Felsen bei Shiprock, der seinen Namen wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Windjammer von frühen Siedler erhalten hatte. Entlang der Straße sah man im Abstand von einigen Meilen immer wieder einmal einen bizarren Berg aufsteigen. Weit nach Sonnenuntergang erreichten wir Gallup, verfolgt von mächtigen Schneeschauern und gewillt, trotz des Schnees auf den Straßen den letzten Abend noch einmal im Pool zu feiern. So wählten wir die Travelodge als Unterkunft, die einen beheizten Indoor-Pool mit Whirlpool auf ihren Billboards anpries. Etwa zwei Stunden hielten wir es im Bad aus, verunsicherten die Amis mit unseren wilden Wasserspielen und Stunts und entspannten im Spa. Am Morgen schien die Sonne wieder auf ein mit Schnee überzuckertes Städtchen in New Mexico. Robert plünderte gründlich das Frühstücksbüffet, bevor wir uns auf den Weg nach Albuquerque machten. Die 170 Meilen bis dorthin schliefen alle drei durch. Vor unserem Abflug kauften wir noch schnell ein Buck-Tool für Robert im lokalen REI und aßen eine Kleinigkeit in einem Seven-Eleven am Flughafen. Nach der erfolgreichen Rückgabe des Mietautos checkten wir in die Maschine nach Cincinatti ein. Gerade wollte ich mich entspannt in einen Sessel der Abflughalle zurücksinken lassen, als ein Angestellter der Airline aufgeregt auf die Röntgenbilder von Chris’ und Michas Hnadgepäck zeigte. Chris hatte noch seine Campingaxt und Micha einen Dolch im Handgepäck, was nicht gerade auf Gegenliebe bei der Fluggesellschaft stieß. Also rannte Papa zurück zum Check-In und gab die Teile extra auf. Ansonsten war der Rückflug recht langweilig, wenn man von der letzten Strecke nach Baltimore absieht, auf der wir uns wegen Schlechtwetter verspäteten. Hier saßen wir direkt neben der Pantry, plauderten mit der Stewardess und plünderten ihre Vorraete an Brezeln, Keksen und Wasser, die sie wegen des holprigen Fluges nicht austeilen konnte. Relativ spät abends erreichten wir BWI und schon am nächsten Tag musste Robert den Heimflug nach Deutschland antreten. Nach einem Kurzbesuch des Air&Space Museum in Washington, D.C., brachten wir ihn noch zum Flieger, mit dem uns unsere deutschsprachige Reisebegleitung um halb sechs Uhr abends nach erlebnisreichen Osterferien wieder verließ.

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