Der geplante Starttermin der Raumfähre war inzwischen schon recht nahe gerückt, so dass wir am nächsten Tag zu einer Erkundung des Raumflughafens Cape Canaveral aufbrachen. Unter anderem wollten wir herausfinden, ob unsere Schätzung der Fahrzeit dorthin richtig war, um am Starttag nicht zu spät zu kommen. Außerdem konnte es nicht schaden, vorab einige Engstellen und Schleichwege zu erkunden. Schon von weitem sichtbar war das riesige Vehicle Assembly Building (VAB), zur Zeit des Apollo Programms größtes Haus der Erde.
Im Visitor Center des "Spaceport USA" wurden wir darüber informiert, dass der Start von Columbia um einen Tag verschoben worden war. In der Umgebung des Besucherzentrums sind zahlreiche große und kleine Raketen, zwei Boosters und ein Mock-Up der Raumfähre verteilt, die von neugierigen Besucherscharen bestaunt wurden, unter welche wir uns mischten, um die Zeit bis zur Abfahrt unseres Tourbusses zu überbrücken. Die anschließende Bustour führte in das eigentliche NASA-Gelände, dass gleichzeitig Teil der Canaveral National Seashore und eines Wildlife Refuges ist, was die verblüffende Vielfalt der dort anzutreffenden Tierwelt erklärte. Auf dieser Bustour sahen wir unseren ersten Alligator und unseren ersten Bald Eagle in Florida.
Aus der Nähe betrachtet, erschien das VAB auf einmal gar nicht mehr so gigantisch.Dafür beeindruckte uns einer der riesigen Crawler-Transporter, mit dem die fertigen Raketen zur Startrampe gefahren werden.
Der Crawler benutzt eigens zu diesem Zweck tief in den Sumpf fundierte Schotterstraßen oder "Crawlways", um mit seiner Last zur Startrampe zu gelangen. Feste Wege würden nach Auskunft des Tourguides schon nach kurzer Zeit zerbrechen und selbst das Schotterbett heizt sich unter der Belastung merklich auf und wird regelmäßig ausgewechselt.
Bald darauf näherte sich unser Bus der Startrampe, auf der "Columbia" auf ihren Start wartete. Der orangefarbene Flüssigtreibstofftank war noch nicht gefüllt, dies geschieht erst in der Nacht unmittelbar vor dem Start. Deutlich kann man den Wasserbehälter links der Rampe erkennen, aus dem beim Start Wasser auf den Strahlabweiser flutet.
Dies dient nach Auskunft der NASA nicht vordringlich der Kühlung und Erhaltung der Startrampe, sondern zur Vorbeugung von Druckwellenschäden an den Triebwerken der Raumfähre.
Die Busroute endete mit einem Besuch der neugebauten Saturn-V Ausstellungshalle, in der der letzte Vertreter dieser Mammutraketen liegt. Die Saturn-V war immerhin doppelt so hoch wie die derzeitige Spaceshuttle. Teil des Ausstellungskomplexes ist ein Nachbau des Firing Rooms, in dem eine Startsequenz des erfolgreichen Apollo-8 Startes vorgeführt wird, sehr realistisch bis hin zu klappernden Fensterscheiben und orangenem Licht von außen.
Nach diesen anstrengenden Stunden bestanden beide Junioren zu Recht auf einer Erfrischung, für die sich die futuristisch angehauchte Speiseeiskreation "Space Dots" thematisch bestens eignete. Nach einem Erinnerungsfoto am Eingang des Visitor Centers fuhren wir zurück zum Zeltplatz, den wir allerdings erst in tiefer Nacht erreichten. Aprilnächte sind halt doch noch wesentlich kürzer als die im Juni. Dafür sangen uns hier schon die ersten Zikaden in den Schlaf.