Recht bald machten wir uns wieder auf den Weg, um nicht allzu spät in Orlando anzulangen. Dort angekommen, checkten wir in einem der örtlichen Days-Inn ein, für das wir bei McDonalds (ja, dem mit der Spiel-Spaceshuttle) einen Billigpreiscoupon gefunden hatten. Das Zimmer ließ nichts zu wünschen übrig, Innenhof mit direktem Zugang zum Pool, Cable-TV und sogar ein beheizter Pool am nächsten Haus. Um ein Haar hätten wir doch das Abendessen und den abendlichen Stadtbummel ausfallen lassen müssen. Zum Glück konnte ich meine Miturlauber überzeugen, dass Glotze und Schwimmbad nicht weglaufen. Nach einem kurzen, aber belebenden Dip im Pool stürzten wir uns ins Nacht- oder besser Abendleben Orlandos. Frühmorgens dann, gegen 9 Uhr, eilten wir zum Eingang des Parkes. EPCOT ist die Abkürzung fur ExPerimental Community Of Tomorrow. Diese Einrichtungen der Technologiekonzentration und -verwendung hatte Disney fur die Zukunft geplant. Leider ist nun nur ein EPCOT-Center daraus geworden, wahrscheinlich ist ihm die Finanzierung zwischendurch zu heiß geworden. Der Park selbst unterscheidet sich dadurch von den umliegenden Disneyunternehmen, dass er hauptsächlich versucht, den Geist zu verblüffen und nicht so sehr, den Körper durcheinanderzuwirbeln.

So gliedern sich die Außenanlagen im wesentlichen in zwei Komplexe, die Technologieschau und eine Ausstellung internationaler Kulturkreise. Verbunden sind beide Komplexe durch großzügige Parkanlagen, die wie hier durch im Fußboden versteckte Wasserdüsen aufgelockert sind. Da die Düsen über ein recht kompliziertes Programm gesteuert werden, werden Kinder jeden Alters immer wieder dabei überrascht, auf einer gerade aktivierten Düse zu stehen und eingeweicht zu werden. Eine Schau für Spieler wie Zuschauer. Die Gebäude der Technologieschau sind mit allen erdenklichen technischen Wundern und Spielzeugen angefüllt. So kann man im Haus von MetLife , das sich hauptsächlich mit Gesundheit und Fitness beschäftigt, eine Reise im Gehirn eines 12-jährigen Jungen mitmachen und damit aus der Sicht des Operators verfolgen, welche verschiedenen Körperteile bei welchen Umwelteinflüssen in Funktion treten, alles unter dem Motto "Cranium Command". Wieder in der Vorhalle angekommen, beobachteten wir gespannt die Manöver eines funkferngesteuerten Zeppelins. Natürlich kamen auch Computer nicht zu kurz. Eine komplette Halle war den allerneuesten Computerspielen gewidmet, die man nach Herzenslust erproben konnte. Hier konnte man auch Kinder gegenüber von Bildschirmen parken, um sie nach geraumer Zeit an gleicher Stelle wieder abholen zu können. Nachdem Chris und Micha sich ihre Abfüllung an Game Bits geholt hatten, machten wir noch einmal bei einem der ausgestellten Roboter halt. "Alec Tronic" bewegte sich ungewöhnlich flüssig zur Musik und legte eine erstklassige Show auf die Bühne, begleitet von den drei Vokalisten im Hintergrund, die durch ihre Riesenlippen auffielen.

EPCOT living planetEin anderer Pavillon enthielt ein komplettes, funktionierendes Pflanzenlabor, durch das die Besucher in alter Themenparkmanier in Kähnen gondelten. Hier werden sowohl Versuche zum Einsatz von Robotern und Bildverarbeitungssystemen in der Landwirtschaft gemacht als auch Untersuchungen zu neuartigen Anbauverfahren durchgeführt, die vielleicht später einmal auf dem Weg zum Mars zum Einsatz kommen werden. Schließlich hatten wir genug von Wissenschaft und Technik und begaben uns zum "International Showcase", der Einblicke in die Kultur verschiedener Nationen in einem rund um einen See angeordneten Park gibt. Jede Nation wird durch ein Anhäufung von Gebäuden und Personen repräsentiert, von denen die Gestalter des Parkes denken, dass sie typisch für jene Nation sind. Natürlich wird Deutschland durch bayerische Häuschen mit Lüftlmalerei und lederbehoste Trachtenbuben dargestellt, alles schrecklich malerisch. Die hier erhältliche Thüringer Bratwurst konnte natürlich nicht zu ihrem Vorbild aufleben, kam jedoch normalen bundesdeutschen Fälschungen bedenklich nahe. Das Sauerkraut dagegen war große Klasse, meilenweit vom amerikanischen Schund entfernt. Großbritannien ließ sich durch eine bekannte Combo aus den Sechzigern vertreten, das Ganze hieß "British Invasion" und war wesentlich erfolgreicher und unblutiger als D-Day. Im Afrikateil konnte man die Erlebnisse früher Naturforscher und Pfadfinder nacherleben sowie in einem der damaligen Fortbewegungsmittel Probe sitzen. Chinesen brachten neben ihrer allgegenwärtigen und wohlschmeckenden Küche auch einmalige Vorführungen ihrer Volkskunst an den Mann.

FireworksNach einem langen Tag unter der tropischen Sonne Floridas waren wir froh, als endlich die Sonne unterging und sich die Dämmerung über den Park senkte. Bedeutete dies doch, dass das Abschlussfeuerwerk nicht mehr lange auf sich warten ließ. Untermalt von Musik und akzentuiert durch Laserstrahlen lief dann auch bald ein Spektakel vom Stapel, wie es wahrscheinlich kleinere amerikanische Städte noch nicht einmal zum 4.Juli erleben. Pflastermüde und, wie sagt man heute so schön sagt, reizüberflutet machten wir uns auf den Heimweg. Da war nur ein kleines Hindernis. An der Stelle, an der wir unser Auto geparkt hatten, war nichts, kein Dodge, kein Subaru, nichts. Auch rundum war kein Auto zu erkennen, das im entferntesten an unseres erinnerte. Und dies war wirklich nicht leicht zu übersehen, mit den drei Booten auf dem Dach. Von einem ersten Anflug von Panik erfüllt, gingen wir noch einmal zurück zum Parkeingang. Und siehe da, da war noch ein anderer Parkplatz und in dessen Mitte stand einsam und verlassen unser bepacktes Automobil. Am frühen Morgen waren wir so schnell in den Park geeilt, dass sich keiner von uns die Zeit genommen hatte, sich eines der Merkzeichen einzuprägen, die zu diesem Zwecke überall angebracht sind.

Nichts wie rein und weg!

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