3.1.4 Gesellschaftliche Vorurteile

Wer kennt diese Aussprüche nicht: "Du bist heute wohl wieder mit dem linken Fuß aufgestanden?" oder: "Typisch, hast immer nur zwei linke Hände, wenn du arbeitest!" Genauso wie die Bezeichnungen: "linkisch", was soviel wie ungeschickt und unbeholfen bedeutet oder "links liegen lassen".
Obwohl es sich hierbei nur um ganz harmlos scheinende, alltäglich benutzte Worte oder Bezeichnungen handelt, werden diese zum Teil auch heute noch mit der Linkshändigkeit gleichgesetzt bzw. verglichen. Wer Linkshänder ist, kann - selbst jetzt - im Zeitalter der technischen Hochentwicklung und weit fortgeschrittenen Aufklärung komisch oder argwöhnisch angesehen werden. Warum passt er nicht in das Gesamtbild?
Bei unserer Jenaer Befragung antwortete ein Mann sogar prompt: "Die haben eine schlechte Schrift!", obwohl er im nächsten Moment genau sah, wie Stefanie seine Antworten mit links protokollierte.
Dagegen versteht man unter dem Begriff "rechts" soviel wie "Recht haben", "richtig liegen" oder "sein Herz am rechten Platze haben". Alles positive Bezeichnungen!
Glücklicherweise findet man dieses Verhalten, im Vergleich zu früher, nicht mehr all so häufig vor, sondern trifft weitgehend mehr oder weniger auf Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung gegenüber den Linkshändern - jeweils entsprechend des gesellschaftlichen Umfeldes. Die Menschen versuchen die frühere Unwissenheit und Unerfahrenheit zu kompensieren und Linkshänder stattdessen etwas besser zu fördern und in ihrer Entwicklung nicht zu beeinflussen oder gar zu manipulieren.
Des weiteren erhielten wir auf die Frage: "ob es Linkshänder schwerer in einer Rechtshandgesellschaft hätten?" verneinten dies fast alle. Dem entspricht auch die Aussage von Oliver S. "Ich kenne keinen, der irgendwie negativ über [die Linkshändigkeit] denkt... [und] da gibt es [auch in schulischer Sicht] keine Einschränkungen für mich!"

Antworten von 105 befragten Personen aus Jena auf die Frage: "Glauben Sie, dass es Linkshänder schwer in einer Rechtshandgesellschaft haben?"

Trotzdem muss an dieser noch zu geringen positiven Tendenz viel stärker gearbeitet werden, damit das große gesellschaftliche Problem der "Unterdrückung" der Linkshändigkeit endgültig beseitigt wird! Denn auch Frau E. erging es zur damaligen Zeit nicht anders. Auf die Frage "[w]ie ihre Eltern, ihre Oma darauf reagiert[en], dass sie nicht nur das Nähen mit links machte" und ob sie es "akzeptierten?", antwortete sie nur "Nein, meine Oma hat immer versucht mich zu beeinflussen, die Nadel in die rechte Hand zu nehmen."
Aus unserer Passantenbefragung in Jena ergab sich, dass der Großteil der Befragten der Meinung war, Rechts - und Linkshänder würden sich, durchschnittlich gesehen, in ihren Charaktereigenschaften die Waage halten. Mit anderen Worten, Linkshänder wären nicht ungeschickter oder erfolgreicher - extrem gesehen - als es Rechtshänder sind. Ausnahmen natürlich ausgeschlossen. Daraus ist ersichtlich, wie die Unterdrückung der Linkshändigkeit innerhalb der Bevölkerung noch immer unterschätzt und nicht aufgehoben wird.
Obwohl hierbei nicht vergessen werden sollte, dass auch die Wirtschaft die Linkshänder noch nicht genug unterstützt, da speziell angefertigte Gebrauchsgegenstände (zum Beispiel Dosenöffner, Füllhalter) nur in Spezialläden erhältlich sind.

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