10. Indienreise:
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Hier ein wenig über meine Indienreisen und die indische Kultur. Um eine Kultur zu verstehen ist es erst mal wichtig, seine vorherrschende Religion zu kennen.

Ich teile es deshalb in drei Teile:
1. Die Religion
2. Die Menschen dort
3. Wie es mir erging

1. Die Religion:
Hinduismus

Zunächst mal möchte ich darstellen, dass ich weder Indologie studiert habe, noch den Hinduismus als eine unumstößliche Wahrheit halte. Da ich jedoch fünf Jahre in Indien gelebt habe, habe ich vieles über diese Religion gelernt. Ich beeile mich auch, zu sagen, dass zwischen dem Leben des Begründers einer Religion und dem ihrer AnhängerInnen Hunderte oder Tausende Jahre später, meist eine große Diskrepanz herrscht. Zum Beispiel war die ursprüngliche Bedeutung des Kastenwesens, dass der Einfluss eines Menschen in die Gesellschaft mit dem Maß seiner Selbstlosigkeit wachsen sollte. Es braucht wohl kaum erwähnt werden, dass das Kastenwesen heute zu einem Mittel der Unterdrückung geworden ist. Obwohl es im Hinduismus entstanden ist, wird es dort auch von anderen Religionen praktiziert. So zum Beispiel in Kirchen, in denen die unteren Kasten hinten sitzen müssen.

Entgegen dem ersten Schein ist der Hinduismus eine monotheistische Religion. Das höchste göttliche ist Brahman. Es ist das Eine ohne ein Zweites. Es ist die Totalität. Weder männlich noch weiblich und doch beides zugleich. Das Schaffende und das Erschaffene zugleich. Es ist der Urgrund und die letzte Wirklichkeit. Brahman wird in Tempeln nie dargestellt, da es aller Formen ledig ist. Es ist alles was ist. Brahman wird nicht angebetet, da es ja den Anbetenden mit einschließt. Brahman kann nur erkannt werden in allem was ist.

Der Mensch, der sich selbst als von Gott getrennt sieht, unterliegt der Täuschung "Maya" genannt. Maya erschafft die Illusion der Dualität. Aber: Maya hält uns nicht fest, sondern wir halten Maya fest. Wir können jederzeit loslassen. Und die Täuschung hat verschiedene Tiefen. Sie kann den Menschen, der an sie glaubt, bis hin zum Nihilismus führen. In der subtilsten Form der Täuschung lässt sie uns uns selbst als "Individualseele" erkennen die der gesamten Gottheit "Isvara" gegenübersteht. Dies ist die oberste Form der Dualität vor der Einheit.

Hier auch ist Shiva-Shakti angesiedelt: Der Bewusstsein-Aspekt von Shiva und die Göttliche Energie Shakti. Shakti ist das Äquivalent zum Heiligen Geist oder Shechina im Judentum.

Beide Kräfte sind interdependent, gleich wichtig und gleichwertig. Es wird häufig dargestellt als eine Person die zur Hälfte aus dem männlichen Shiva und zur anderen Hälfte aus der weiblichen Shakti besteht.

Gehen wir noch eine Ebene tiefer (und damit ein Stück tiefer in die Illusion hinein) so kommen wir auf die Ebene der Trinität:

Bramah, Vishnu und Shiva

Alle drei göttlichen Aspekte sind interdependent, gleich wichtig und gleichwertig.

Bramah ist der erschaffende Aspekt Gottes (nicht zu verwechseln mit Brahman)
Er hat vier Köpfe. Jeder Kopf schaut in eine Himmelsrichtung.
Diesem Schöpfergott sind ganz Indien allerdings nur 2 Tempel gewidmet.

Vishnu ist der erhaltende Aspekt Gottes
Er ist der Bewahrer des Universums und von ihm gehen die Avatare aus. Ein Avatar ist nach dem Glauben der Hindus das Göttliche selbst, das auf die Erde kommt, um sie vor dem Chaos zu retten und die göttliche Ordnung (Nächstenliebe) wieder einzuführen.

Shiva hat hier zu seinem Aspekt des Bewusstseins noch den Aspekt der Auflösung und Erneuerung (Reinkarnation)
Seine Frau Parvathi (Natur) ist im Grunde Shaktis weiterer Aspekt.
Shiva-Parvathi wird an Tempeln häufig im Geschlechtsverkehr dargestellt:
Das Bewusstsein dringt in die Natur ein und bietet ihren Wesen den direkten Kontakt zum Göttlichen.
Übrigens ist die Kuh Nandi Shivas Gefährt, das macht die Kühe heilig. Und Vorsicht: die Kühe wissen, dass sie heilig sind!

Nun käme ein gewaltiges Potential an Mythologie, die aufzuführen hier jeden Rahmen sprengen würde. Es sei verwiesen an die Mahâbhâratha.

Nahmaste! (Gott in mir grüßt Gott in Dir!)

2. Die Menschen dort:
Indien ist ein Land der Gegensätze. In Indien leben die meisten Millionäre (gemessen am Dollar) der Welt. In unmittelbarer Nachbarschaft von Glaspalästen gibt es Slums.

Auch die Menschen der Slums achten darauf, soweit ihnen das noch möglich ist, korrekt und sauber gekleidet zu sein.

Inder sind Kinder. Dies ist nicht herablassend gemeint. Im Gegenteil! Das, was sich bei uns ein erwachsener Mensch nicht mehr zugestehen darf, bewahren sich Inder ein Leben lang.

Die Menschen dort nehmen das Leben so, wie es kommt. Das hat natürlich zwei Seiten: Zum einen kein Hadern mit dem Schicksal, zum andern aber auch wenig Antrieb zur Verbesserung der Lebenssituation, besonders bei den unteren Kasten.

Natürlich haben die oberen Kasten ein Interesse, dass die unteren Kasten die unteren bleiben. Auf meine Frage an einen Bramahnen (oberste Kaste) was er vom Kastenwesen halte, bekam ich die Antwort: Er hätte noch nicht darüber nachgedacht.

Zu 99,9 % koexistieren die verschiedenen Religionen friedlich nebeneinander und feiern sogar die Feste der anderen mit.

3. Wie es mir erging:
Meine erste Nacht in Indien verbrachte ich mit Magenkrämpfen, da ich das scharfe Essen nicht gewohnt war.

In der ganzen Zeit wurde ich nie beraubt oder bestohlen und wenn, dann nur um kleine Beträge betrogen.

Wenn man etwas in Indien sucht ist es besser zehn Leute zu fragen und wenn sieben sagen links, dann rechts zu gehen. Kurz: Inder können nur äußerst selten zugeben, dass sie etwas nicht wissen.

Die Distanzlosigkeit des gleichen Geschlechts und die riesige Distanz des anderen Geschlechts ist uns fremd. So z.B. im Bus wenn sich ein Mann auf dich lehnt und du dich nicht neben eine Frau setzen darfst.

Für länger bleibende lohnen sich Ashrams. Dort kann man auch ohne Arbeitsvisum arbeiten - für Essen und Unterkunft. Sie sind üblicherweise geschlechtergetrennt, gemäß der indischen Kultur. Sie unterhalten z.T. Projekte wie kostenlose Krankenhäuser und Schulen für die Armen. Dies wird "Narayan Seva" also Gottesdienst genannt. Ashrams die am Eingangstor ausfiltern (wie z.B. der Oshoashram, mit seiner "aids free zone") lehne ich persönlich kategorisch ab.

Mich hat meine Zeit in Indien sehr bereichert. Menschen ohne eine Eselsgeduld tun sich in diesem Land allerdings sehr schwer.
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