Spiegelkabinett I
Tritt ein in tiefe Finsternis
Ein schwarzes, brodelndes Gemisch
Aus kreischender Boshaftigkeit
Wo die H�lle ist nicht weit
Betritt den Pfad der toten Augen
Die aus den Spiegel dich anschauen
Und nicht aufh�rn dich anzustarren
Lauf weg! darfst hier nicht verharren
Tausen Wege in die Irre
Verschlungene, allm�cht'ge Wirre
Lauf doch, lauf! versuch zu fliehn
Denn keiner sonst kommt je hierhin
Sie dich in gl�nzend Spiegelfl�chen
Die deine ruhelose Seel' bel�cheln
Und grinsend, h�hnend, lachen sie dich aus:
"Musst bleiben hier, kommst nicht hinaus"
Du rennst, st��t gegen Spuegelscheiben
Kannst doch die Finsternis niemals vertreiben
Die toten Blicke ruhn auf dir
Die Seele, die will weg von hier
Du blickst dich um, starrst wie gebannt
Auf das Tor hinter der Spiegelwand
Wie soll es gehn, wie kommst du durch?
Ja-Verzweiflung ist gr��er als die Furcht
Die Spiegelwand ist eingeschlagen
Erleichterung - du kannsts nicht sagen
Du gehst zum Tor, ber�hrst das Gitter
Dir nach blicken tote Augen aus tausend Splittern


Spiegelkabinett II - Und es lebt noch immer
Du scheinst der Dunkelheit entrungen
Die deinen Namen stets gesungen
Du f�hlst dich sicher, f�hlst dich stark
Im Licht, das deine Gaben barg
Jetzt sp�rst du die Ver�nderung
Du stockst und drehst dich langsam um
Und siehst es kommen, laufen, rennen
Kannst sein Gesicht doch nicht erkennen
Und auf dem spiegelglatten Leib
Sind tote Augen aufgereiht
Und eisig schauen sie dich an
Dem Blick man nicht entrinnen kann
Die Kreatur so gro� und kalt
Hat Spiegelseel'n in der Gewalt
"Auch deine will ich haben nun
Lauf nicht weg, kannst doch nichts tun!"
Die Starre l�st sich und du rennst
Auf Wegen die du noch nicht kennst
Ein Blick zum Himmel im roten Licht
Das Meer aus Sternen zeigt sich nicht
Du taumelst weiter, muss weg von hier
Schnell weg vom Spiegelseelentier
Ein silbern Schimmern lockt dich an
Verzweiflung-ist's doch die Spiegelwand
Das Tor darin, ge�ffnet weit
Zur Aufnahme ist es bereit
Du schl�pfst hinein, denkst, du hast Ruh
Mit einem Knall das Tor springt zu


Spiegelkabinett III - Scherben
Du blickst dich um im finstren Grab
In dem die Kreatur lang lag
Du wei�t jetzt weder ein noch aus
Du wei�t nur eins: du musst hinaus!
Du folgst dem Schatten deiner Selbst
Den du tief drin gefangen h�ltst
Er wird dich leiten bis zum End
Das End das sonst kein Einz'ger kennt
Und hinter dir in klarer Luft
Da ist die Kreatur und ruft:
"Bleib stehn, nun renn doch nicht mehr weg!
Ist sinnlos nur, hat keinen Zweck!"
Du sp�rst die Angst weit in dir drin
Und Augen schauen zu dir hin
Die tote Seelen in sich bergen
Und niemals mehr lebendig werden
Und wieder rennst du schnell davon
Hinter dir schnaubt und bebt es schon
Du rennst durch schmale enge Gassen
Nun endlich kommst du in die Halle
Was ist das nur? Ist's eine Falle?
Nein, sieh hin, dort steht aus Glas
Das Tier das viele Seelen fra�
Du stolperst hin und wei�t genau
Dass dieses Ding, so kalt und grau
Der Schl�ssel ist zu deinem Sieg
Du kannst gewinnen ohne Krieg
Du packst die eisige Gestalt
Die nichts sein wird und das schon bald
Und schmetterst sie mit aller Macht
Zu Boden g�nzlich mit Bedacht
Das liegt es nun, das Seelentier
In seinen Scherben, ohne Gier
Und wei� dass in den vielen Spiegeln
Auch seine Seele liegt verschieden
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