
Teil 1
Der Sonnenstaat Kalifornien
machte an diesem Freitag Nachmittag seinem Namen wieder alle Ehre. Unermüdlich
prallte die strahlende Sonne vom Himmel herab und ihre Wärme spornte
das Thermometer zu Höchstleistungen an. Die Menschen belagerten die
Strände, als wären sie Wassergeschöpfe, die Wochen in der
Wüste verbringen mußten. Wem die direkte Sonne zu heiß
war, suchte sich ein schattiges Plätzchen und genoß in aller
Stille und Zufriedenheit eine frische, kühle Limonade. Arbeiten? Aber
doch nicht bei diesem Wetter.
Das Wochenende wurde einfach etwas vorverlegt und so war es, das in
Santa Barbara ein friedliches,
gemütliches, erholsames „Dahinsein" ausgebrochen war.
Vorausgesetzt, man konnte
sich diesen Luxus leisten.
Denn wenn man eine Familie
zu ernähren, eine Wohnung zu bezahlen und festgesetzte Arbeitszeiten
hatte, konnte man sich diese Freiheiten natürlich nicht so einfach
herausnehmen. Man konnte dies selbstverständlich auch nicht tun, wenn
man strebsames Firmenoberhaupt eines Imperiums und Oberhaupt einer der
reichsten, wenn nicht der reichsten Familien der Stadt war. Und schon gar
nicht wenn man C.C. Capwell hieß.
Die große Tür des
Capwell Anwesens öffnete sich nur schwer und mit Widerwillen. Als
sie nun doch endlich Einlaß zum wohl klimatisierten Artrium des Hauses
zu ließ, stand in ihr ein völlig erschöpfter
C.C. Capwell. Das Jacket leger
über das aufgeknöpfte Hemd gehängt, die Krawatte zum Einstecktuch
umgewandelt betrat er sein zu Hause.
„Irgend jemand zu Hause, den
dieses Wetter auch nicht die Bohne stört?" , maulte er erschöpft
die Halle an. Kurz wartete er auf Antwort. „Wie konnte ich auch erwarten,
das es in dieser Familie auch
nur einen mir ebenbürtigen
gibt." „Also ich habe auch genug zu tun. Und wenn das heißt, das
ich Ihnen damit ebenbürtig bin, sollten wir uns über eine Gehaltserhöhung
unterhalten.„ Erwiderte ihm doch noch eine freundliche Stimme. Es war Rosa,
langjährige Hausangestellte im Dienste der Capwell, mittlerweile schon
fast zur Familie dazu gehörend. Sie kam aus der Küche und hielt
in ihren Händen genau das, wonach sich C.C. schon den ganzen Tag lang
gesehnt hatte. „Wie wäre es mit einem Glas eisgekühlter, frisch
gemachter Limonade?", fragte sie ihn und goß ein ohne seine Antwort
abzuwarten. Sie kannte sie ohnehin schon. „Rosa ! " erwiderte er sichtlich
besser gelaunt „Wie immer meine Rettung in letzter Sekunde."
Er nahm ihr das Glas aus der
Hand und trank es in einem Zug leer. Dann hielt er sich das gekühlte
Glas an die Stirn und genoß
die Abkühlung, die es ihm brachte. „Ich darf wohl annehmen, das meine
Familie bei diesem Wetter nicht im Hause ist, sondern sich mit den Tausenden
von anderen Verrückten irgendwo in die Sonne verdrückt haben.
Meine Yacht wird sicher auch nicht an ihrem Platz liegen, so
wie ich Kelly kenne." „Nein,
das tut sie nicht" , stimmte Rosa ihm zu. Die Kinder, ich meine Kelly,
Ted, Lilly und Connor sind heute morgen los und wollten mit der Yacht hinaus.
Mason war vorhin hier; er
und Julia werden den Nachmittag
mit Samantha am Strand verbringen und ein kleines „Burgen-
imperium„ errichten, wie er
sich ausdrückte."
C.C. amüsierte Rosa´s
Ausdrucksweise, doch noch mehr gefiel ihm der Gedanke, dass seine Kinder
glücklich waren. Er gab
Rosa das Glas zurück und wandte sich der Treppe zu, um nach oben zu
gehen.
„Ihre Frau, Sophia, ist allerdings
im Hause. Sie sonnt sich im Garten" rief Rosa ihm mit einem leicht
ironischen Unterton zu. C.C. drehte sich fast geistesabwesend um.
„Sophia" sagte er leise zu
sich selbst.
Ja, Sophia war zurück.
Zurück in das Haus, zurück in sein Leben gekehrt. Nachdem sie
ihn auf B.J.
und Warren´s Hochzeit
mit ihrem Liebesgeständnis so überrascht hatte und er es als
ein Geschenk Gottes von Herzen annahm, wurde sie wieder offiziell ein Teil
seines Lebens. Er erinnerte sich daran,
das sie am späteren Abend,
als die jüngeren Paare die Tanzfläche eroberten auf einmal verschwunden
war. Gesucht und gefunden hatte er sie auf der Terrasse, wo sie nachdenklich
in den Abendhimmel schaute. Zuerst traute er sich nicht sie anzusprechen,
hatte er doch Angst, sie würde bereits wieder bereuen, was sie vorhin
gesagt hatte. Dann faßte er sich doch ein Herz und stellte sich einfach
neben
sie ohne ein Wort zu sagen.
Ohne auch nur eine Andeutung, das sie bemerkt hatte, das er gekommen
war fing sie an mit ihm zu
sprechen.
„Ich habe das, was ich dir
vorhin am Brunnen gesagt habe ernst gemeint", sie dreht sich zu ihm hin.
„Aber du zweifelst schon wieder
daran, nicht war? " C.C. fühlte sich angegriffen und unsicher.
„Was heißt hier zweifeln?
Ich meine .... ich möchte ...„ Irgendwie fielen ihm nicht die richtigen
Worte ein und er mußte
schmunzeln, dass das gerade einem sonst so wortgewandten Mann wie ihm passierte.
Sophia ging auf sein Schmunzeln aber nicht ein. Ihr Gesicht schien ernst
und um ihrer Ernsthaftigkeit noch mehr Ausdruck zu geben stellte sie aufrecht
vor ihm hin.
„Ich möchte das nur ein
für alle Mal feststellen„ begann sie „Ich habe erkannt, das ich mich
noch so gegen dich wehren kann, es hilft einfach nichts. Ich gehöre
zu dir. Und da ich noch nie gerne Geld in Unsinnigkeiten investiert habe,
werde ich in keine weitere Scheidung einwilligen. Also überleg es
dir gründlich – diesmal bekommst du mich für immer - unter allen
Konsequenzen und Umständen."
C.C. konnte nicht glauben,
was er dort gehört hatte. Natürlich hatten sie sich in ihren
Hochzeits-
gelöbnissen immer auf
„Immer und ewig"„ verschworen, aber diesmal .... irgend etwas war anders.
Langsam nahm er ihre Hände in die seinen. „Sophia" Seinen Stimme klang
ernst und gefestigt. „Ich versprechen dir, nein, ich werde es dir vertraglich
mit Unterschrift und Siegel geben: Nichts und niemand wird uns trennen
können. Und sollte der Teufel persönlich vor mir stehen und meine
Seele fordern. Ich verspreche dir keine Situation aufzugeben, keinem idiotischen
Drang zu folgen, mag
er mir in dem Moment auch
noch so logisch klingen. Ich verspreche auf einen Berg zu steigen und
dort so lange in Kälte
und Einsamkeit in einer Höhle zu hausen, bis ich wieder erkenne, welch
wundervollen Menschen ich an meiner Seite habe. Ich werde..."
Sophia legte ihm die Hand
auf den Mund. In ihren Augen standen Tränen, doch um ihre Lippen
spiegelte sich ein Lächeln.
„Dito" sagte sie, bevor sie ihre Arme um seinen Hals schlang und ihre
Lippen fest auf seine preßte.
In der folgenden Woche hatten
sie in aller Stille erneut geheiratet.
Es störte sie nicht,
das die Leute immer wieder erwähnten, das Ken Mathis noch nicht ganz
begraben
war, als sie schon wieder
ein Bett teilten. Sie ignorierten die Bemerkungen über ihren vierten
Anlauf
und die Spekulationen, wie
lange es diesmal dauern würde. Zum ersten Mal mußte nicht ausgesprochen
werden, was zwei Liebende wie sie seit Jahren wußten.
„Mr. Capwell?„ Rosa riß
ihn aus seinen Tagträumen „Soll ich die Limonade im Garten servieren?
"
C.C. lächelte sie an
und nahm ihr die Karaffe aus der Hand. „Danke. Ich nehme sie direkt mit."
Teil 2
Den ganzen Weg über in
den Garten konnte C.C. nur an eins denken: wie wunderschön dieses
Gefühl
war, zu Hause von dem Menschen
erwartet zu werden, den man liebt. Und da lag die Frau, nach der
er sich sehnte. Unter den
Schatten spendenden Bäumen lag sie in einem Sonnenstuhl, die Haare
noch
naß vom schwimmen, die
Augen von einer Sonnenbrille bedeckt. Sie hörte ihn nicht kommen.
Vorsichtig schlich er sich von hinten an und küßte sie sanft
in den Nacken. Genau wie fünf Wochen zuvor auf der Hochzeit schien
sie nicht im geringsten überrascht zu sein. Sie legte ihre Hand in
seinen Nacken und zog ihn noch näher zu sich heran, so das sie ihn
anschauen konnte.
„Ich hoffe, du hast nicht
willkürlich zugegriffen", sagte C.C. von Sophias Aktion erstaunt.
„Nein„ antwortete sie ruhig. „Ich habe dich an deinem Körperduft erkannt".
C.C. schaute sie ungläubig an. Sophia konnte ihr Lachen nicht mehr
unterdrücken. Sie löste ihren Griff und gab ihm die Gelegenheit
um den Stuhl herum zu kommen,
so das er schließlich vor ihr stand. „Es gibt nur eine männliche
Stimme in diesem Paradies, die an einem solch herrlichen Tag eine Autotür
mit so vielen Flüchen betiteln kann."
„Sie klemmt" verteidigte C.C.
sich instinktiv, ohne zu merken, das Sophia nur darauf hinaus war ihn
zu reizen. „Dreimal habe ich
sie schon in Reparatur gegeben und noch immer ......" Erst jetzt merkte
er, welches Spiel sie mit
ihm trieb. „Ja, ja. Ärgere du nur einen hart arbeitenden Mann.„ Er
riß sie
aus dem Stuhl und wirbelte
sie herum. Dann ließ er sie wieder sanft ab, hielt sie aber in den
Taille
fest. „Es ist schön dich
hier zu wissen„ sagte er leise und küßte sie sanft.
Sophia nahm das Kompliment
mit Wohlwollen auf. Am liebsten hätte sie ihn nie wieder losgelassen,
aber sie hatte noch Pläne
für den Abend.
„Was hältst du davon
duschen zu gehen und dir etwas Bequemeres anzuziehen, während ich
dir hier ein entspannendes, ruhiges Lager baue und dir ein kühles
Getränk hole?„ „Gute Idee. Aber noch besser, wenn du mich unter
die Dusche begleitest„ ein schelmisches Lachen huschte über sein Gesicht.
Sophia drückte ihn von
sich weg und setzte sich zurück in den Stuhl. „Oh nein! Dieses Duschen
kenne
ich. Dann sind wir heute Abend
nie und nimmer pünktlich."
C.C. hatte keine Ahnung, wovon
sie sprach. Sie hatten keine Pläne für den Abend gemacht und
wenn
es nach ihm ginge, würden
auch keine spontanen Aktionen mehr stattfinden. „Wo sollen wir denn heute
Abend pünktlich erscheinen?„ fragte er neugierig. Er kannte Sophia
und ihre spontanen Einfälle.
„Unsere Kinder haben heute
morgen die Yacht genommen .....„ „Ja, ja. Das hat mir Rosa bereits erzählt."
C.C.s Laune schien getrübt. Sophia bemerkte dies und nahm ihre Brille
ab. Sie legte den Kopf auf die Seite und sah ihn beschwichtigend an. Geduldig
fing sie von vorne an. „Unsere Kinder haben heute morgen die Yacht genommen,
um auf See angeln zu gehen. Ted hat versprochen, den größten
Fisch des Pazifiks zu fangen und möchte, das wir uns um sieben alle
auf dem Boot treffen, um gemeinsam die Beute zu verspeisen."
C.C. schien von der Idee wenig
begeistert. „Und das muß sein?" Sophia schien enttäuscht. Aufgeben
wollte sie trotzdem nicht. „Gar nichts muß sein. Ich dachte nur es
sei eine schöne Idee einen gemütlichen Abend mit den Kindern
zu verbringen." „Schon gut, schon gut„ ließ sich C.C überzeugen
„ Ich werde jetzt duschen gehen – alleine„ betonte er „und dann werde ich
sehen, ob mein Sohn ein besserer Fischer als Geschäftsmann ist."
C.C. drehte sich um und wollte
gerade gehen, als Sophia ihn noch mal rief. „C.C. – Ich liebe dich! "
Sie lächelte ihn verliebt
an. Er wußte, dass jedes weitere Wort unnütz war, lächelte
nur sanft zurück und ging dann.
Teil 3
Im Hafen von Santa Barbara
war nichts von der herrlichen Ruhe zu spüren, die die Menschen dort
so liebten und weswegen sie
sonst so gerne dorthin kamen. Das schöne Wetter lockte Segler, Angler
und solche, die es gerne werden
würden in Scharen an.
Vor wenigen Minuten war die
Capwell Yacht eingelaufen und Ted war noch damit beschäftigt das Boot
am Kai zu befestigen. Mehr oder weniger hilfreiche Tips bekam er vor Kelly
und Lilly, die über die Reling gelehnt ihn beobachteten.
„Also ein fachmännischer
Seemannsknoten ist das aber auch nicht" versuchte Kelly Ted zu provozieren.
„Liebstes Schwesterherz" Ted versuchte ruhig und gelassen zu wirken. „Wenn
du alles soviel besser kannst,„ sein Tonfall wurde zunehmend aggressiver,
„dann bewegt doch deine Stelzen hier herunter und mach es selbst! "
„Ted! Wird das heute noch
was?„ Connor schaute aus dem geöffneten Fenster der Brücke. „Wenn
ich
den Motor noch lange laufen
lassen muß, müßten wir noch tanken.„ Er konnte sich ein
Grinsen nicht unterdrücken. Ted zog den Knoten mit ganzer Kraft fest
und warf den Rest des Taues wütend auf den Boden. „Danke! Wirklich
nett auch noch aus den eigenen Reihen Tritte zu erhalten. Und dann so qualifizierte.
Wenn du das Boot nur etwas passender an die Hafenmauer gesteuert hättest,
hätte
ich mir vieles hier leichter
machen können." Ohne den Blick von Ted zu wenden bezog Kelly Lilly
in das Gespräch ein. „Lilly. Wie kann man es nur mit so einem Hitzkopf
aushalten? Bringt er immer soviel Kraft auf, wenn er wütend wird?
"
„Treib es nicht zu weit, Kelly!„
warnte er seine Schwester.
„Ach komm„ entgegnete sie
ihm „sag bloß nicht, es war meine Schuld, das du keinen Fisch gefangen
hast." Sie machte eine provozierende
Pause. „Oder das du den einzigen aus dem Netz hast fallen
lassen." Kelly und Lilly fingen
an zu lachen, während Ted schmollend die Fäuste in die Hüften
stemmte. Connor schloß das Fenster, bevor auch sein Lachen durch
die geschlossene Scheibe drang.
Ted hörte, wie sich Schritte
langsam näherten. Als er sich umdrehte standen Sophia und C.C. bereits
dicht vor ihm. Sophia ahnte, das eine ironische Bemerkung von C.C. jetzt
unvermeidbar war – dafür hatten sie zuviel gehört. Und ihre Vermutung
erfüllte sich prompt.
„ Liebling, du hattest mal
wieder recht. Was gibt es Schöneres, als mit seinen Kindern ein gemütliches
Abendessen in trauter Eintracht zu haben." „Hallo Dad!„ Ted versuchte die
Bemerkung seines Vaters so gut es ging zu überhören. C.C. war
aber noch nicht ganz fertig.
„Also darf ich davon ausgehen,
das wir uns Fisch bestellen dürfen – in einem Restaurant. Einen Fisch,
den ich bezahlen darf, da
ihr natürlich heute kein Geld mitgenommen habt." Für diesen Kommentar
bekam er einen Seitenhieb
von Sophia. „Was soll denn das jetzt?„ verteidigte er sich. „Habe ich
zum – offensichtlich nicht
vorhandenen Abendessen eingeladen?„
„Aber wir haben doch ein Abendessen„
rief Kelly C.C entgegen. „ICH habe nämlich einen Fisch
gefangen." „Das war purer
Zufall Kelly! " Ted deutete mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger
auf sie.
„Das ist ja jetzt wohl egal.
Es ist MEIN Fisch, den wir verspeisen werden. Und es sind DEINE 50 Dollar,
die in MEIN Portemonnaie wandern werden, da ICH die Wette gewonnen habe."
Ted wollte gerade antworten,
als Sophia ihn unterbrach. „Was hätte es auch anderes sein können."
Sophia gab C.C. ein Stoß in den Rücken und versuchte ihn zum
Boot zu drängen. „Ich habe jetzt
Durst und würde gerne
noch etwas die Sonne genießen.„
Da C.C. keinen Anstand machte
sich zu bewegen, ging sie einfach an ihm vorbei, die Planke hoch
aufs Boot. Dort begrüßten
sie Kelly und Lilly mit einer Umarmung und zusammen gingen sie Richtung
Sonnendeck. C.C. ging derweil auf Ted zu, der immer noch schmollend dastand.
„Mein Junge. Was ich dir jetzt
sage, kannst du mir ohne Zweifel glauben, denn ich habe es Jahrzehnte lang
immer wieder am eigenen Leib erfahren müssen." C.C. legte den Arm
um Teds Schultern und führte ihn zur Planke. „Auch wenn wir Männer
in der Familie das Geld, die Einladungen zu gesellschaftlichen Ereignissen
und die Schlagzielen nach Hause bringen, so sind
es doch unsere Frauen, die
erst das Gold aus diesem kostbarem Garn spinnen. Ob wir wollen oder nicht,
sie sind uns immer einen Schritt voraus. Und wenn wir uns darauf verlassen
und sie gehen lassen, wissen wir, das wir immer ans Ziel gelangen werden."
„Gilt das auch für angeheiratete
Frauen?„ fragte Ted vorsichtig.
Sophia erschien an der Reling.
„C.C.! Wenn du deinen Cocktail lieber warm möchtest, sag mir bitte
demnächst Bescheid. Dann kann ich mir nämlich die Eiswürfel
sparen." Bevor sie wieder verschwand
warf sie ihm noch einen ironisch
vorwurfsvollen Blick zu. „Noch Fragen? " „Nein, Dad. Das überlassen
wir wohl auch lieber den Frauen." Lachend gingen sie aufs Boot.
Sophia, Kelly und Lilly hatten
bereits auf dem Sonnendeck Platz genommen und genossen einen
kühlen Drink. Connor
war auch da, traute sich aber nicht so recht sich zu den Frauen zu stellen.
In diesem Moment kamen auch
schon Ted und C.C. Ted bemerkte sofort Conners reserviertes
Verhalten. „Schau mal Dad!
Gerade mal zur Familie gestoßen, aber das mit den Capwellschen Frauen
hat er schon besser raus als
ich" lachte er. Conner hatte keine Ahnung worüber Ted eigentlich sprach.
„Was ist denn an den Capwellschen
Frauen so besonderes? " wollte er wissen. „Außer, das sie alle
gleich schön, anmutig
und eigensinnig sind." Er warf den drei Damen am anderen Ende des Decks
einen bewundernden Blick zu. „Siehst du Dad!„ bemerkte Ted anerkennend
„Selbst das mit der Eigensinnigkeit ist ihm schon aufgefallen. Ich glaube,
wir bekommen da ganz cleveren Nachschub in die Reihen der unterdrückten
Capwell Männer.„ Ted klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und
grinste. Connor war nur vollkommen verwirrt. Zu seinem Glück kam Kelly
zu ihnen herüber.
„Wird hier wieder gegen uns
intregiert? So etwas rieche ich doch meilenweit gegen den Wind."
Da hast du leider diesmal
unrecht, liebste Tochter„ fiel C.C. ein. „Wir haben nur positiv über
euch gesprochen."
„Wer das glaubt ... Ihr Männer
würdet doch nie anerkennen, das eine von uns Frauen etwas besser beherrscht.„
Kelly drehte sich zu Ted um. „Nicht wahr Teddy! " Diesmal ließ sich
Ted nicht von
Kelly provozieren. Es senkte
nur den Kopf.
„Auch wenn du es mir nicht
glauben wirst, Kelly. Ich bin durchaus in der Lage etwas anzuerkennen."
Wie eine Kugel aus einer Pistole
abgeschossen stürmte er auf einmal auf Kelly zu und drückte sie
auf die andere Seite des Decks.
An Sophia und Lilly vorbei drückte er sie auf das an der Reling stehende
Sofa und begann sie auszukitzeln. Kelly versuchte mit ganzer Energie sich
zu befreien,
was ihr aber nicht gelang.
Die anderen beobachten die beiden amüsiert.
„Lilly„, sprach Sophia ihre
jüngste Schwiegertochter, die sie mittlerweile sehr in ihr Herz geschlossen
hatte an „Du solltest immer an eines denken. Solltet ihr irgendwann einmal
planen
selbst Kinder zu haben; die
Wahrscheinlichkeit, das sie solche Chaoten werden ist bei diesem
Vater groß."
„Keine Angst, Sophia. Auch
bei uns wird die Frau dominieren„ bemerkte Lilly spitz.
Ted wurde durch ihre Aussage
von Kelly abgelenkt und so ergriff Kelly die Chance und flüchtete.
In Conners Armen suchte sie
außer Atem Schutz. Bemerkte dann aber, das ihr Bruder ebenfalls
um Luft kämpfte und fühlte
sich sicher.
„Ich habe schon wieder gewonnen„
merkte sie immer noch hinter Conner stehend an. „Deshalb
darfst du jetzt auch MEINEN
Fisch zubereiten."
„Wie bitte?! Jetzt zubereiten...?„
C.C. spielte den Aufgebrachten. Mit Nachdruck stellte er sein
Glas auf den kleinen Tisch
neben ihm und ging auf Sophia zu. Er nahm sie an die Hand und zog sie
von Lilly weg. „Was um Gottes
Willen hast du vor, C.C.?„ fragte sie vollkommen überrascht.
C.C. blieb stehen und sah
sie mit großen Augen an.
„Was ich tun werde? Essen
gehen werde ich. Und da es deine Idee war einen gemütlichen Abend
außer Haus zu verbringen
wirst du mich jetzt in dieses Restaurant dort drüben begleiten und
mit
allen deinen verführerischen
Frauentricks versuchen aus diesem Abend genau das zu machen, was
du versprochen hast.„ C.C.
bemühte sich immer noch ernst zu bleiben und hatte damit bei Sophia
auch Erfolg. Sie nahm ihn
den Beleidigten ab und fing an sich energisch zu rechtfertigen. Als erstes
riß sie seine Hand aus
der seinen.
„C.C. Capwell! Manchmal benimmst
du dich wie eine Kind„ Langsam stieg die Wut in ihr hoch.
„ Jeder hier weiß, das
du heute gearbeitet hast, aber du wirst es doch wohl noch schaffen eine
halbe Stunde auf dein wohlverdientes Essen zu warten."
C.C. konnte seine triumphalen
Erfolg nicht mehr zurückhalten und fing an zu lachen. Sophia wurde
klar, das sie von ihm reingelegt
wurde und wollte ihm an die Kehle gehen. „Du bist genauso ein Chaot,
wie deine Kinder !"
C.C. fing Sophias Angriff
ab, nahm sie anstelle hoch und drehte sich mit ihr im Kreis.
„Habt ihr das gehört?„
fragte er Sophia immer noch im Arm herumwirbelnd. „Mrs Capwell hat zugegeben,
das bei mindestens einer Sache ein Mann dominiert hat."
Sophia konnte nun nicht mehr
böse sein, fing ebenfalls an zu lachen und schlang ihre Arme um C.C.
Ihr Lachen steckte die anderen
an und so standen doch noch drei Paare derselben Familie an einem sonnigen
Abend im Hafen von Santa Barbara glücklich zusammen.
„Und ihr seit jetzt alles
meine Gäste„ unterbrach Ted. „Damit es nachher nicht heißt,
ich würde meine Wettschulden nicht einlösen." Ted nahm Lilly
an die Hand und zog sie Richtung Ausgang. Kelly und Conner folgten ihnen
direkt. C.C. ließ Sophia herunter und als sie gerade Anstalten machte
den Anderen zu folgen hielt er sie noch einen Moment zurück.
„Ich danke dir für dieses
Glück ! "
Teil 4
Auf dem Flughafen von Los Angeles
landete mit einigen Sunden Verspätung die Maschine aus Rom.
Unter den aussteigenden Gästen
war auch einen junge Frau, die ihre ersten Schritte auf amerikanischen
Boden noch mit etwas Zögern machte.
„Würden Sie bitte etwas
schneller gehen! Jetzt haben wir schon soviel Verspätung und sie stehen
hier im Weg herum", wurde
sie von Passagieren, die es weitaus eiliger als sie hatten gemaßregelt.
„Scusi!„ sagte sie kurz und
schüchtern bevor sie aus dem Weg trat.
Einem Angestellten des Bodenpersonals
fiel ihr Verhalten auf und er trat auf sie zu.
„Verzeihen Sie, Miss. Kann
ich Ihnen irgendwie helfen?„
Sichtlich überrascht
und noch nicht an die fremde Sprache gewöhnt dauerte es einige Zeit,
bis sie antwortete. „Ja. Danke. Ich muß nach Santa Barbara. Man sagte
mir, das ich einen Bus hier vom Flughafen nehmen könnte und ...."
„Das geht sicher, Miss !"
unterbrach er sie. „Zunächst müssen Sie aber durch die Paß-
und
Zollkontrolle. Und wenn Sie
dort vorbei sind sprechen Sie am besten meine Kollegen an der
Information an, die werden
Ihnen dann mit ihrer anschließenden Busverbindung weiterhelfen.
Folgen Sie bitte den anderen
Passagieren und halten Sie ihre Unterlagen bereit."
Schon sprach ein weitere Passagier
ihn an und so gab es keine Gelegenheit noch mal nachzufragen,
gar sich zu bedanken. Die
junge Frau schaute auf ihre Papiere, die sie in den Händen hielt und
murmelte ein kurzes „Grazie„ vor sich hin.
„Mein Gott! Was hat dich bloß
dazu gebracht das hier alles zu machen.„ sagte sie zu sich selbst, als
sie den anderen Leuten folgend
in den Terminal ging. „Jetzt bist du in einem dir komplett unbekannten
Land, hast nur einen vage Adresse als Anlaufstelle und kennst niemanden.
Jedenfalls nicht so, wie du möchtest." Plötzlich bekam
sie es mit der Angst zu tun.
„Ich möchte nach
Hause. Am besten gleich die nächste Maschine zurück nach Rom
und ein paar
Stunden später könnte
ich schon wieder in meinem eigenen Bett liegen."
Das Wort „Bett" erinnerte
sie wieder daran, wie müde sie doch eigentlich war. „Da siehst
du es.
Du bist müde. Und du
weißt, wie du reagierst, wenn du nicht genügend Schlaf bekommen
hast.
Anstatt dir so viele Gedanken
zu machen hättest du im Flugzeug lieber schlafen sollen. Dann
könntest du jetzt auch
konzentrierter an die Sache gehen. Du hast dir viel vorgenommen und du
wirst das nun auch alles durchziehen."
Ihre eigene Aufmunterung zeigte Wirkung. Mit festen
Schritten ging sie auf die
Paßkontrolle zu, wo sich schon eine lange Schlange gebildet hatte.
Der Flieger war ausgebucht
gewesen und nun gab es für die Beamten viel zu tun. Die Visen mußten
kontrolliert werden, die Einreisenden genau beurteilt werden. Man wolle
sich doch keinen Kuckuck
ins Nest setzen. So ging es
nur langsam ging es in der Reihe vorwärts. Die junge Frau nutze diese
Gelegenheit, um einen großen Umschlug mit einem Plastikordner aus
ihrer Tasche zu holen.
Genaustens laß sie die
Notiz durch, die auf dem ersten Blatt eingeheftet war.
„Flug Rom – Los Angeles. Dann
den Bus nach Santa Barbara nehmen. Von der Bus Station aus mit dem Taxi
weiter. Als Adresse das Capwell Anwesen nennen – das wird dem Fahrer genügen."
„Würden Sie bitte aufschließen
!"
Eine dicke Frau in Uniform
faßte ihr leicht an den Unterarm und gab ihr ein Zeichen weiterzugehen.
Beim Lesen hatte sie nicht bemerkt, das sie nun schon ganz dicht bei den
Grenzbeamten war. Die Zeit würde aber noch reichen, um die Notiz zu
ende zu lesen.
„Bei den Sicherheitsbeamten
am Anwesen nach Rosa Andrade fragen. Falls gefragt wird wer dich schickt:
Juanir del Santo (Rosas Bekannte an der Ostküste – mittlerweile unbekannt
verzogen)"
„Entschuldigen Sie, Miss.
Aber Sie halten hier alle auf. Würden Sie bitte an Schalter 3 gehen.
Danke! Der nächste bitte
rüber zu Schalter 8 "
Die dicke Frau wandte sich
schon den Leuten hinter ihr zu. Also mußte sie für ihr Trödeln
keinen Erklärungen abgeben. Schnell steckte sie den Ordner zurück
in die Tasche und ging nervös auf den Beamten zu.
„Sie werden dich bestimmt
nicht einreisen lassen. Irgend etwas wird sie stören und dann sitzt
du
ganz schnell wieder in der
nächsten Maschine nach Hause. Und wenn das so passiert, dann ist das
Gottes Wille und dein Vorhaben
falsch. Das mußt du dann akzeptieren und weiterleben, wie bisher.
In Italien. Alleine. Wie bisher."
An Schalter 3 angekommen schob
sie dem Beamten ihren Paß und ihre Zollerklärung hin.
Der Mann hinter dem hohen
Pult nahm die Sachen entgegen, schob die Zollerklärung aber
sofort wieder zurück.
„Das werden Sie erst gleich brauchen, Miss " Er lächelte sie freundlich
an während er das Visa in ihrem Paß kontrollierte. „Machen Sie
Urlaub in Kalifornien, Miss ? "
Sie wußte nicht, was
sie sagen sollte. „Wenn dich der Beamte fragt, warum du nach Kalifornien
kommst, sag ihm, das du Urlaub
machen willst.„ erinnerte sie sich an ihre Tips.
„Du hast dann sechs Wochen
Zeit ganz legal dort zu bleiben. Und wenn es länger dauern sollte
– mach dir darüber keine
Gedanken. Hast du erst einmal Erfolg gehabt, hast du auch die Beziehungen
ein abgelaufenes Visa wieder
in Ordnung zu bekommen."
„Machen Sie hier Urlaub, Miss„
wiederholte der Mann. „Ja. Urlaub. Ich habe gehört, sie haben soviel
Sonnenschein hier."
Kaum ausgesprochen, war sie
sich schon nicht mehr sicher, ob dies der richtige Ort und Zeitpunkt
für „Smalltalk„ war.
Aber der Mann ging freundlich auf ihren Kommentar ein.
„Wenn Sie Sonne möchten,
sind sie hier genau richtig."
Er setzte den Stempel auf
ihren Paß und drückte. Das metallene Geräusch, das der
Stempel machte
hallte ihr in den Ohren. Dann
nahm er ihn wieder vom Paß herunter und zurück blieb ein kleines
blaues Quadrat, das ihr nun
Gelegenheit geben würde, ihr Leben neu zu ordnen. Für den Beamten
überraschend schnell nahm sie den Paß zurück, verstaute
ihn in ihrer Tasche und wollte gerade gehen,
als der Mann ihr noch etwas
hinterher rief.
„Genießen Sie die Sonne
hier, Miss Armonti " Irgendwie fühlte sich Cecila Armonti ertappt
und so antwortete sie nur „Grazie " und verschwand zu den Gepäckbändern.
5
Lilly
war nachdem sie alle zu Hause wieder angekommen waren direkt in ihr Zimmer
gegangen. Sophia und Kelly plauderten über alte Zeiten, die Männer
über geschäftliches und da sie bei beiden Thema das Gefühl
hatte nicht mitreden zu können, zog sie das ruhigere Zimmer vor. Ted
hatte ihr die Woche zuvor einen Kanarienvogel geschenkt und in Momenten
wie diesen, da sie sich irgendwie fehl am Platze fühlte war er ein
netter Geselle. Nicht, das die anderen sie ausschließen würden.
Manchmal glaubte sie einfach nur, das es besser wäre, wenn Ted und
sie in ihrer eigenen Wohnung leben würden. Nach den ganzen Unruhen
um Rafe hatte sie das Bedürfnis sich voll und ganz nur auf Ted konzentrieren
zu wollen. Ohne Mama und Papa im Haus, ohne ihre eigene Mutter als direkten
Nachbarn – einfach nur sie beide ganz allein.
Lilly
hörte Schritte vor der Tür.
„Laß
es bitte nicht Sophia oder Kelly sein. Ich habe jetzt keine Lust auf Erklärungen„
dachte sie bei sich.
Die
Tür ging auf und Ted kam herein.
„Hej!
Was ist los? Die anderen wundern sich, das du nicht auch unten bist. Dad
und Kelly diskutieren gerade, wie ein richtiger Capwell-Schwiegersohn auszusehen
hat. Connor sitzt nur dabei und tauscht mit Mum Grimassen aus. Die beiden
...„
Ted
merkte, das Lilly an seiner Geschichte nicht sonderlich interessiert war.
Er stetllte sich zu ihr ans Fenster, wo sie am Vogelkäfig stand und
„Birdy„ Körner zuwarf.
„Habe
ich etwas Falsches gesagt?„
„Typisch
Ted„ dachte sie. „Er sucht jedes mal sofort die Schuld bei sich. Er denkt
nie daran, das es auch mal an mir liegen könnte. Ist zwar süß,
aber ....„
Ted
wollte von Lilly wissen, was sie bedrückte. Sie hatte den ganzen Abend
über schon abwesend dabei gesessen. Er versuchte sie aus einer anderen
Richtung zu erreichen.
„Ich
hatte so viel Spaß heute Abend. Eigentlich den ganzen Tag über.
Dir scheint er aber gar nicht gefallen zu haben.„
Lilly
hatte genug gehört. Es mußte raus. Und wenn der Moment auch
etwas ungeschickt war, da Ted ja „so einen tollen Tag hatte„ – es mußte
jetzt gesagt werden.
„Ted!„
Sie war auf einmal nicht sicher, wie sie anfangen sollte.
„Vielleicht
einfach die Wahrheit direkt ins Gesicht schleudern„ dachte sie bei sich.
„Ich
möchte hier ausziehen.„
Jetzt
war es raus.
Teds
Gesicht zeigte, das er überrascht war und er ihr nicht folgen konnte.
„Ich
möchte mit dir in unsere eigene Wohnung ziehen. Einen gewissen Abstand
von der Familie haben„ fuhr sie fort.
„Aber
ich dachte, du würdest dich mit meiner Familie gut verstehen. Jetzt
da Mum wieder da ist, ist alles sogar richtig friedlich und ausgeglichen
geworden.„ sagte Ted aufgeregt.
„Aber
ich bin es nicht, Ted!„
Lilly
ging zum Bett herüber und Ted folgte ihr. Sie setzten sich, jedoch
wahrte Lilly zunächst einen Abstand zwischen ihnen. Als sie jedoch
merkte, das Ted immer unsicherer wurde rückte sie näher und lehnte
sich an ihn. Ohne ihn anzuschauen gab sie ihm ihre Erklärung.
„Natürlich
verstehe ich mich mit deiner Familie. Sogar sehr gut. Aber das heißt
nicht, das ich sie die ganze Zeit um uns herum haben möchte.„
Lilly
wurde mutiger und setzte sich so hin, das sie Ted genau ins Gesicht sehen
konnte.
„Ich
glaube, ich muß dich nicht daran erinnern, wie turbulent unser Leben
bis vor kurzem war.„
„Du
meinst die Sache mit Rafe.„ Etwas anderes konnte Lilly nicht meinen.
Lillys
Mut schwand wieder dahin. Sie mußte jetzt aufstehen und laufen –
sonst würde sie vollkommen den Faden verlieren.
„Ja!„
sagte sie betont „Ich war mir am Anfang so unsicher, ob ich mich richtig
entschieden hatte. Und als ich mir endlich sicher war und wir beiden uns
vertrauten und wußten, das wir zusammen gehören hatte ich keine
Gelegenheit dies auszukosten. Ich wollte mit DIR zusammen sein. Nur mit
dir. Mich an dich, an unser Leben gewöhnen. Uns ein Leben aufbauen.
Aber immer wenn ich gerade etwas geplant hatte, kam irgend jemand aus deiner
Familie und hatte schon einen besseren und natürlich voll ausgearbeiteten
Plan. Und jeden zweiten Tag kommt die Frage nach dem Enkel.„
„Aha,
das ist es also!„ dachte Ted.
Er stand
auf und nahm Lilly in die Arme.
„Lilly.
Wenn sie nach einem Enkel fragen, wollen sie in erster Linie mich ärgern.
In unserer Familie herrscht nun mal das Dynasty-Denken und natürlich
erwartet man von mir, das ich den Nachfolger liefere.„
„Liefere?„
Lilly
war über Teds Ausdrucksweise entsetzt und löste sich von ihm.
„So
hab ich das doch gar nicht gemeint!„ versuchte er sich zu verteidigen.
„Natürlich möchten sie einen Enkel und natürlich ich möchte
dieses Kind von dir.„ Vorsichtig ging er wieder auf Lilly zu. „Aber nur
dann, wenn wir beide es wollen. Wenn wir meinen, das die Zeit richtig ist.„
Lilly
fing an zu weinen.
„Versuch
doch einfach nicht zuzuhören, wenn sie wieder davon anfangen. Connor
muß ja auch gerade durch die Schwiegersohn Geschichte durch.„
Lilly
konnte sich nicht beruhigen und schüttelte nur den Kopf, der immer
noch an Teds Brust angelehnt war. Dann sah sie zu ihm hoch.
„Ted.
Ich .... Wir brauchen Abstand von der Familie, um unser gemeinsames Leben
starten zu können. Laß uns in eine kleine Wohnung ziehen, wo
wir uns selbst entdecken können.„
Jetzt
war Ted über Lillys Ausdrucksweise überrascht.
„Ich
dachte wir würden uns kennen. Sonst sollte man eigentlich nicht heiraten„
bemerkte er.
„Es
soll doch auch nicht am anderen Ende der Welt sein. Vielleicht am anderen
Ende der Stadt ... und wir fahren auch jeden Sonntag zum Kaffee hierher.....„
Ted
mußte instinktiv lachen und auch Lilly mußte einstimmen.
Verständnisvoll
sah er sie an.
„Wir
bauen uns unsere eigene kleine Welt und fliegen ab und zu zu den anderen
Planeten, um die Außerirdischen zu besuchen.„
„Genau
so„ sagte Lilly.
Beide
hatten wieder eine gemeinsame Linie gefunden. Jedoch erinnerte Ted sich
auch an die unangenehme Aufgabe, die ihm nun bevorstand.
„Na
ja. Dad wird davon nicht begeistert sein. Er hat seine Familie immer gerne
nah um sich –dann kann er sie besser kontrollieren.„
„Ted,
wir müssen nicht kontrolliert werden„ korrigierte ihn Lilly. Wir schaffen
es alleine unser Leben zu gestalten.
„Wenn
dir wirklich soviel daran liegt, werde ich gleich morgen mit Dad reden.
Kommst du jetzt noch etwas mit zu den anderen? Connor wäre bestimmt
begeistert jemanden wie dich an seiner Seite zu wissen.„
Lilly
nickte ihm zu und Ted küßte sie sanft auf die Nase. Dann gingen
die zu den anderen herunter.
6
Am nächsten
morgen erreichte der Bus Santa Barbara. Cilia hatte die halbe Nacht warten
müssen, da sie den Abendbus knapp verpaßt hatte. Als sie um
fünf Uhr Morgens dann endlich todmüde auf ihrem Platz saß
konnte sie nicht schlafen, da ihr Nachbar bereits in einem tiefen und vor
allem aber lauten Schlaf steckte.
„OK!„
dachte sie sich „Dann habe ich wenigstens Zeit mir noch mal alles durchzulesen.
Kann nicht schaden.„
Erneut
holte sie den großen Umschlag mit dem Ordner heraus. Sie blätterte
die Seite mit der Reisenotiz um und zum Vorschein kam ein Foto von C.C.
Capwell mit einer Kurzbiographie. Sie überflog den Text kurz um festzustellen,
das sie das meiste davon behalten hatte. Auf den folgenden Seiten fanden
sich Fotos und Kurzbiographien von allen Mitgliedern der Familie und ihren
engsten Vertrauten und Bekannten. Nachdem sie alle durchgeblättert
hatte schlug sie noch einmal zurück und betrachtete das Foto von Sophia.
„Du
scheinst dich nicht verändert zu haben. Äußerlich.„ sagte
sie zu sich selbst und animierte ihren Sitznachbarn zu einem Drehen und
Räuspern.
Als
der Bus die Station erreicht hatte ging alles wie von selbst. Sie nannte
dem Taxifahrer ihr Ziel – das Capwell Anwesen – und schon kurze Zeit später
befand sie sich in einer Landschaft, von der sie bisher nur geträumt
hatte. Palmen, prachtvolle Blumen, herrliche Häuser, die im Garten
einen eigenen Swimmingpool hatten. Bis auf die Palmen kannte sie diesen
Glanz ja schon vom Armonti Anwesen in Italien. Aber die Palmen gaben dem
Ganzen doch ein gewisses Kalifornisches Flair, wie sie es nannte. Ein wehmütiges
Gefühl kam in ihr auf. War es wirklich richtig gewesen Italien zu
verlassen? Immerhin hatte sie dort ein gesichertes Leben. Oder besser gesagt
das, was davon übrig geblieben war. Der Count Armonti war schon lange
Tod, seine Witwe Sophia hatte das Land verlassen. Die Kinder hatten sich
in der Großstadt niedergelassen, um ihre geschäftlichen Interessen
besser wahren zu können. So wurde es in den letzten Jahren immer stiller
auf dem Anwesen und irgendwann beschlossen die Verwalter zunächst
das Personal drastisch zu verringern, um es dann so gut wie komplett aufzulösen.
Cilia war eine der wenigen die bis zum Schluß dort bleiben durften.
Als sie jedoch eines morgens einen Brief in der Post fand, der ein Kaufangebot
eines reichen, deutschen Industriellen beinhaltete wußte sie, das
ihre Tage auf dem Anwesen gezählt waren. Hätte sie diesen Brief
nicht entdeckt, hätte sie sich wahrscheinlich nie zu diesem Abenteuer
überreden lassen. Doch jetzt war es zu spät. Das Taxi bog in
einen schmalen Weg ein und nach kurzer Zeit wurde ein Posten vor einem
riesigen Tor sichtbar. Der Sicherheitsdienst bestand aus zwei uniformierten
Männern, die Cilia, hätte sie sie auf der Straße getroffen,
nicht von den typischen amerikanischen Cops aus dem Fernsehen unterscheiden
können. Einer von ihnen näherte sich dem Wagen. Er trug ein Funkgerät
bei sich und an seinem Gürtel konnte sie eine Pistolentasche sehen.
Cilia fühlte sich absolut nicht mehr wohl in ihrer Haut.
„Gleich
wird er mich fragen, was ich hier möchte„ dachte sie sich. „Und wenn
meine Antwort in ihm auch nur die geringsten Zweifel bringt, wird er dieses
Ding ziehen„, ihr Blick fiel wieder auf die gesicherte Pistole „und mich
dann fortjagen. Oder er wird über Funk die Polizei rufen und mich
abführen lassen.„
„Guten
Tag, Miss!„
Irgendwie
klang er doch nicht wie diese Typen aus den Serien.
„Werden
Sie erwartet?„
OK!
Jetzt kam es drauf an. Sollte sie jetzt wirklich die Geschichte von Rosas
guter Bekannten von der Ostküste erzählen? Cilia beschloß
langsam anzufangen.
„Ich
möchte zu Rosa Andrade.„
Der
Sicherheitsmann schien verwundert zu sein, das sie „nur„ zu einer Angestellten
wollte.„
„Weiß
Rosa denn das sie kommen?„
Weiter
geht’s. Jetzt die Geschichte mit der Bekannten?
„Man
sagte mir, das ich mich an sie wenden soll, wenn ich nach einer Dienststelle
hier fragen möchte.„
Cilia
umging bewußt die „Ostküstenbekanntschaft„. Aber wie lange würde
sie das noch können. Zu ihrer Verwunderung machte der Mann auf einmal
Anzeichen, als würde er genau, wovon sie reden würde.
„Ach!
Sie kommen von der Agentur wegen der Stelle als Dienstmädchen. Warum
haben Sie das nicht gleich gesagt?„
„Wovon
redet der nur?„ Sie war nun ganz durcheinander, doch spürte sie, das
er ihr gerade den Weg freigegeben hatte, ohne das sie lügen mußte.
Trotzdem zuckte sie nur schüchtern mit den Schultern und auf ihren
Lippen zeigte sich ein verschmitztes Lächeln. Leger fuhr sie sich
mit den Fingern durch ihr dunkel gelocktes Haar und sah, wie der junge
Mann sich an den Wagen lehnte. Offensichtlich hatte sie Eindruck auf ihn
gemacht.
„Ich
hoffe sie bekommen die Stelle.„ Eine gewisse Aufforderung in seinen Augen
war unübersehbar. „So nette Verstärkung können wir bei uns
immer gebrauchen.„
Ohne
sie aus den Augen zu lassen rief er seinem Partner zu das Tor zu öffnen.
„Ich
hoffe, wir sehen uns, Miss!„
Zwei
Finger berührten seine Mütze und salutierten ihr zu.
„Spätestens,
wenn ich hier wieder heraus fahre.„
Sie
konnte nicht glauben, das sie das gesagt hatte. Dies war ja wohl absolut
der falsche Zeitpunkt, um neckische Spiele zu treiben. Aber sie bekam,
was sie wollte. Das Taxi setzte sich wieder in Bewegung und fuhr die lange
Auffahrt zum Haupthaus vor.
Das
war es also. Das Capwell Haus. Die große Eingangstür sah für
sie mehr abschreckend als einladend aus. Was wäre, wenn sie jetzt
aufgehen würde und jemand heraus kommen würde. Was würde
sie sagen. Der Taxifahrer steuerte den Wagen an der Tür vorbei.
„Hallo!
Ich möchte aussteigen„ entfuhr es Cilia.
„Miss,
ich wollte wirklich nicht lauschen„ sagte der Fahrer und fuhr weiter „aber
ich habe gehört, das sie sich um eine Stelle bewerben wollen und der
Dienstboteneingang ist nun mal auf der hinteren Seite des Hauses. Glauben
Sie mir, ich habe hier schon einige abgesetzt und gleich wieder mitgenommen.
Wiedergesehen habe ich sie allerdings auch nicht.„
Er hielt
den Wagen an.
„Macht
$15,20, Miss. Teurer Versuch!„
Cilia
ignorierte die letzte Bemerkung, erinnerte sich jedoch an einen anderen
Satz aus dem Fernsehen.
„Sie
brauchen nicht zu warten„ sagte sie kess, „und behalten Sie den Rest!„
reichte ihm $20 hin und wandte sich dann der Tür zu. Nervös wartete
sie, ob noch etwas kommen würde. Dann hörte sie aber die Reifen,
wie sie sich durch den Schotter gruben. Ein langer Atemzug entwich ihren
Lungen. Sie drehte den Kopf von rechts nach links, füllte ihre Lungen
erneut mit genügend Sauerstoff und betätigte dann die Klingel.
7
Julia
sah in den Spiegel und streckte sich selbst die Zunge heraus.
„Ich
hasse dich, wenn du so aussiehst„ nörgelte sie sich an.
Dann
nahm sie das Make-up aus der kleinen Tasche, die vor dem Spiegel stand
und versuchte die dunklen Ränder unter ihren Augen zu überschminken.
„Noch
etwas Kajal und Wimperntusche und wir können dich wieder auf die Öffentlichkeit
loslassen.„
Julia
betrachtete sich kritisch im Spiegel, war aber mit dem Resultat letztendlich
zufrieden. Zweimal noch mit der flachen Hand ins Gesicht geklopft und schon
hatte sie auch wieder rosige Wangen. Ein aufmunternder Blick – nun konnte
sie zurück an den Frühstückstisch gehen, wo Mason und Samantha
auf sie warteten.
Sie
öffnete die Tür zur Küche und konnte gerade noch Samantha
erkennen, wie sie zum spielen auf die Terrasse lief. Mason saß noch
am Tisch und strich sich Marmelade auf das Brot. Julia nahm Platz und wollte
mit dem Essen fortfahren, als sie Mason hörte.
„Na,
haben wir wieder Platz für das zweite Frühstück geschaffen?„
Wie
ungehobelt er doch sein konnte. Dabei hatte sie sich solche Mühe mit
dem Make-up gegeben.
Julia
war viel zu stolz, um ihm jetzt recht zu geben und so warf sie ihm nur
einen ironische Blick zu und bis herzhaft in ihr Schokoladencroissant.
Der Biß blieb ihr jedoch im Hals stecken, da das Croissant nach allem
schmeckte, aber nicht nach einer französischen Institution. Mason
bemerkte ihren aufkommenden Widerwillen.
„Schmeckt
es nicht, Liebling?„ fragte er hämisch und biß genußvoll
in sein Brot.
Den
Mund noch voll mußte er aber noch nachhaken.
„Ich
kann mich noch daran erinnern, das du gestern Abend ganz wild auf Schokoladencroissants
warst und ich mich extra anziehen mußte, um dir um halb zwei nachts
welche zu besorgen.„ Wieder biß er in das Brot.
„Iß
dein Brot!„ fauchte Julia ihn an. „Dann bist du so schön ruhig.„
Mason
war über Julias aufkommenden Zorn sichtlich amüsiert. Er mußte
sich eingestehen, das ihm manchmal regelrechte Freude machte sie zu reizen.
Irgendwie gab das ihrer Beziehung immer wieder einen neuen „Kick„.
„Deine
Launen fangen bei unserem zweiten Kind aber früher an als bei Samantha„
bemerkte er.
„Seit
wann kannst du dich denn so gut in die Launen einer schwangeren Frau versetzen,
Mason? Hast du diese Erfahrung bei einer deiner letzten Schwangerschaften
gesammelt?„
Julia
war einfach süß, wenn sie wütend wurde. Mason hatte aber
auch gelernt zu erkennen wann es genug war, und so ging er nicht näher
auf ihre Bemerkung ein.
„Hast
du nicht heute einen Termin bei Dr. Elander?„
Dr.
Elander war Gynäkologe und hatte erst vor kurzem seine Praxis in Santa
Barbara eröffnet. Julia war von einer Freundin an ihn empfohlen worden
und war vom ersten Moment an von seiner aufgeschlossenen, Interesse zeigenden
Art von Behandlung angetan .
Sie
bemerkte den offensichtlichen Themenwechsel in ihrer Unterhaltung und ging
nur zögernd auf ihn ein.
„Ich
weiß noch nicht, ob ich den Termin einhalten kann.„
„Was
soll das denn bitte heißen. Könntest du mir verraten, welche
andere Sache wichtiger ist, als die Vorsorge für unser Baby.„
Julia
haßte es, wenn Mason ihr irgendwelche Vorschriften bezüglich
ihrer Schwangerschaft machen wollte. Aber immerhin war er der Vater des
Kindes und außerdem freute sie es ja auch, das er sich diesmal mehr
bemühte als bei Samantha. Sollte sie ihm jetzt wirklich sagen, das
sie noch mit einer Mandantin verabredet war und damit vielleicht seine
Vaterinstinkte reizen. Er war sowieso nicht davon begeistert, das sie weiter
arbeiten wollte. Tagelang hatte es Diskussionen darüber gegeben, die
meistens damit endeten, das einer zum Schluß am Strand spazieren
ging, um Luft zu tanken.
„Julia!„
Masons
Stimme wurde eindringlicher. Sie hatte wohl eine Minute zu lange über
die Antwort nachgedacht.
„Du
weißt doch, Schatz. Ich würde nie etwas tun, was unserem Baby
schaden würde. Dafür war es viel zu harte Arbeit. Aber ....„
Sie
wußte, sie würde sich jetzt in die Höhle des Löwen
wagen.
„Aber
ich habe auch noch ein eigenes Leben. Und so lange der oder die Kleine
noch nicht alles von mir abverlangt möchte ich noch ein bißchen
an mich denken.„
Mason
wurde mißtrauisch und sein Gesicht zeigte das auch.
„Wenn
du hier vom Einkaufen oder vom Sport reden würdest, würde ich
das ja noch verstehen. Aber du redest doch bestimmt von irgend einem unwichtigen
Fall ....„
„Der
Fall ist gar nicht so unwichtig„ platzte es aus Julia heraus.
Mason
wußte sich bestätigt.
„Hab
ich’s doch geahnt!„
Wütend
warf er seine Serviette auf den Teller. Wieder das leidige Thema. Es schien
ihm fast so, als würde sie ihm nicht zutrauen seine Familie alleine
zu versorgen.
Mason
ging um den Tisch herum und schaute aus dem Fenster. Samantha spielte draußen
im Garten mit ihrer Puppe. Er liebte sie so sehr. Und er liebte dieses
ungeborene Kind. Er würde es sich nie verzeihen können, wenn
ihm etwas passieren würde, nur weil er nicht in der Lage sei Sorge
zu tragen.
Julia
tat es schon wieder leid, das ihr das mit dem Fall heraus gerutscht war.
Auch sie legte ihre Serviette auf den Teller – nach Essen war ihr so wie
so nicht mehr – und drehte sich zu Mason herum.
Dabei
versuchte sie soviel Krach wie möglich zu machen, damit er sie bemerken
würde und sie hoffte er würde dann einlenken und sich zu ihr
umdrehen. Mason blieb aber stur und starrte weiter aus dem Fenster hinaus.
„Also
gut„ dachte sich Julia.
Sie
stand auf und stellte sich hinter ihn. Obwohl er ihren Atem im Nacken spüren
konnte ignorierte er sie weiterhin. Julia ging einen Schritt weiter und
umarmte ihn in der Taille. Sanft lehnte sie ihren Kopf an seinen Rücken,
sagte aber immer noch nichts. Nun war Mason mit dem nächsten Schritt
an der Reihe. Sie hoffte nur, das er nicht zu schroff herum fahren würde,
denn dann würde sie gegen den Stuhl gedrängt werden, der nur
ein paar Zentimeter hinter ihr stand. Und wegen dieser dummen Sache auch
noch Rückenschmerzen zu bekommen – nein, das wollte sie nicht.
Mason
rührte sich immer noch nicht. Julia probierte es auf die diplomatische
Art.
„Meine
Mutter hat noch im achten Monat einen Sack Kartoffeln in den Keller getragen.„
Sie
hatte Erfolg. Mason drehte sich langsam um. Julia lockerte nur ihren Griff,
so das sie ihn weiterhin umarmt hielt. Er schaute ihr skeptisch in die
Augen.
„Ich
habe noch nie einen Sack Kartoffeln in den Keller getragen, da es in den
Staaten einen sogenannten Lieferservice gibt, der einem für einen
Dollar Trinkgeld den Sack bis auf den Dachboden trägt.„
Nun
sprachen Anwalt gegen Anwalt. Hatte dies einmal angefangen, könnte
es Stunden dauern, bis man zu einem Ergebnis kommen würde. Außer
Julia würde gewisse Reize einsetzen, die den Menschen im Anwalt Mason
locken könnten. Dazu gehörte als erstes der Blick: Augen groß,
von unten anschauend. Dann der Mund: schmollend die Lippen aufeinander
gepreßt und zusätzlich den Kopf leicht nach rechts verlagert.
Und vor allem jetzt nichts sagen.
„Ich
weiß genau, was du jetzt vorhast„ durchschaute Mason sie. „Aber ich
sage dir, es wird nichts nützen.„
Er löste
sich von ihr und ging an ihr vorbei Richtung Tisch. Dort stützte er
sich auf und stemmte trotzend den Arm in die Hüfte. Julia hielt jedoch
ihren Blick bei und er wurde zunehmend unsicherer. Irgendwann glaubte er
sich verteidigen zu müssen. Fast ängstlich dreht er sich immer
wieder zu ihr um.
„Du
kannst ruhig damit aufhören. Ich bleibe bei meiner Meinung. Eine schwangere
Frau gehört nicht in eine Anwaltskanzlei sondern ins Haus.„
Mason
mußte zwischendurch immer wieder weg schauen, um nicht ins stottern
zu geraten. Für Julia ein eindeutiges Zeichen, das er nicht mehr lange
standhalten würde.
„Und
du brauchst mich auch gar nicht so anzuschauen. Sie ja fast wie bei Samantha
aus, wenn ich ihr sage, das es Zeit für ihr Bett ist und sie nicht
will.„
Julia
stand weiter da und schaute ihn nur an.
„Typisch.
Wie die Mutter, so die Tochter„ protestierte er.
Nun
hatte er sein Limit erreicht. Er mußte diesen Raum jetzt verlassen,
um sich nicht ihren weiblichen Reizen ergeben zu müssen. Ein bißchen
Stolz wollte er sich doch bewahren. Aber ganz lautlos würde er auch
nicht gehen. Er würde ihr einfach nur keine Gelegenheit zum antworten
geben – wenn sie sich entscheiden würde, dies zu tun.
„Also,
wenn dieses Kind„ er zeigte auf Julias noch nicht vorhandenen Bauch „auch
ein Mädchen wird und wie ihre Mutter wird, dann werde ich in diesem,
meinem Haus wohl gar nichts mehr zu sagen haben.„ Sprach er und verschwand.
Julia
warf ihren Kopf in den Nacken.
„Schweigen
ist manchmal doch die beste Waffe„ sagte sie zu sich.
8
Ted
und C.C.s Diskussion war bis durch die geschlossene Tür des Arbeitszimmers
zu hören.
„Dad,„
versuchte Ted sich gerade zu rechtfertigen, „ich wollte die Sache ganz
locker mir dir durchsprechen. Aber wenn du wieder einmal so reagierst muß
ich dir leider sagen, das ich dich eigentlich nur über unsere Entscheidung
informieren wollte und dich nicht nach deiner Meinung gefragt habe.„
Ted
war von seiner eigenen Aussage überrascht. Natürlich hatte er
schon des öfteren Gespräche dieser Art mit seinem Vater geführt.
Aber dies wäre nicht C.C. Capwell, wenn nicht jedes Gespräch
einen anderen, meist überraschenden Ausgang hätte. Ted konnte
in letzter Zeit feststellen, das Sophia´s Rückkehr in die Familie
ihn hatte ausgeglichener werden lassen und so hatte er auch eigentlich
darum gebeten, das seine Mutter bei dem Gespräch anwesend sein
würde. Leider mußte sie aber wegen einem Termin in der Stadt
absagen und so mußte er die Schlacht ohne Knappen an seiner Seite
führen. Nach seiner eigenen Beurteilung stand es bis jetzt unentschieden.
„Und
kannst du mir erklären, was euch zu dieser plötzlichen Entscheidung
bewegt hat?„
C.C.s
Tonart war aggressiv. Bis zum Frühstück war seine Welt noch in
Ordnung gewesen. Dann hatte Ted um ein Gespräch gebeten. Hätte
er geahnt, um welches Thema es sich handeln würde, hätte er wahrscheinlich
keine Zeit gehabt.
Ted
versuchte wieder etwas Ruhe in das Gespräch zu bringen.
„Eigentlich
ist es kein besonderer Grund.....„
„Wenn
es keinen besonderen Grund gibt, sehe ich auch keinen Sinn in dem ganzen
Vorhaben und in dieser Diskussion.„
Für
C.C. schien das Thema damit erledigt zu sein. Er ging zu seinem Schreibtisch,
öffnete seinen Aktenkoffer und fing an einige Dokumente hereinzulegen.
Ein eindeutiges Zeichen für Ted, das er gehen konnte. Aber genau das
wollte er nicht. Jedenfalls nicht als Unterlegener.
„Auch
wenn es für dich vielleicht kein besonderer Grund ist, ist es für
Lilly und mich jedoch Grund genug an unserem Vorhaben festzuhalten. Wir
werden uns noch heute mit einem Makler in Verbindung setzen, das er uns
schnell möglichst ein eigenes Heim findet.„
Ted
mußte feststellen, das sein Vater versuchte ihn mit Mißachtung
zu strafen und ihn einfach ignorierte. Ted ging näher an den Tisch
heran und stützte sich direkt vor ihm auf.
„Dad.
Ich möchte mich nicht mit dir streiten, aber ich bin verheiratet und
habe eine Verantwortung meiner Frau und unserem Zusammenleben gegenüber.„
C.C.
blickte mißtrauisch auf.
„Dachte
ich mir doch, das diese Idee nicht auf deinem Mist gewachsen ist. Lilly
möchte hier weg und sie hat dich vorgeschickt, um es mir zu sagen.„
Er grinste
ironisch, schaute wieder auf seine Unterlagen, die in den Händen hielt
und schüttelte den Kopf.
„Schade.
Ich hatte dem Mädchen mehr Selbstvertrauen zugetraut.„
Diese
Aussage konnte Ted nicht auf sich beruhen lassen. Sein Vater hatte seine
Frau beleidigt und er mußte sich nun für eine Seite entscheiden.
Verständnislos sah er ihn an, sagte dann aber mit fester Stimme:
„Die
Wünsche meiner Frau sind auch meine Wünsche, Dad. Wir sind jetzt
unsere eigene Familie.„
C.C.
schaute hoch und ihre Blicke trafen sich.
„Und
ich muß dir nicht erklären, was ein Mann alles tut, um seine
Familie zu verteidigen. Man riskiert es Gegner und sogar Feinde zu haben.
Bei dem einen bedauert man es mehr, bei dem anderen weniger, das es so
weit gekommen ist. Aber man hält trotzdem an seinen Entscheidungen
fest.„
Ted´s
Rede machte C.C. sprachlos. Sein Sohn war zum Mann, zum Oberhaupt seiner
eigenen kleinen Familie geworden. Von nun an hatte er in Ted eine ganz
andere Person zu sehen, als nur seinen Sohn. Er würde es ihm gegenüber
zwar nicht zugeben, aber seine Worte hatten ihn beeindruckt.
„Wir
rechnen damit, gegen Anfang der nächsten Woche umziehen zu können„
sagte Ted ruhig bevor er sich umdrehte und zur Tür ging.
„Ich
hoffe, du wirst meinen Entschluß akzeptieren, auch wenn du ihn nicht
verstehen kannst.„
Ted
öffnete die Tür, ging hinaus und schloß sie still hinter
sich. Hatte er wirklich gegen seinen Vater gewonnen? Hatte er es geschafft,
seine Meinung durch zu setzen? Es schien fast so. Er wünschte sich
nur, das es nicht im Streit geendet hätte.
Während
er noch so da stand, konnte er lautes Gerede aus dem hinteren Teil des
Hauses hören. Die eine Stimme war die von Rosa; die andere kannte
er nicht. Es war aber eine jüngere Stimme. Da das Dienstmädchen
vorherige Woche gekündigt hatte und er die Stimmen des restlichen
Personals eigentlich gut kannte, weckte dieser Streit sein Neugier. Santana
konnte es auf keinen Fall sein. Erstens war sie nach der Trennung von C.C.
an die Ostküste nach New York gegangen und arbeitet dort erfolgreich
als Architektin und außerdem hätte er doch ihre Stimme erkannt.
Neugierig
öffnete er die Tür zur Küche. Rosa stand mit dem Rücken
ihm zugewandt am anderen Ende, nahe des Dienstboteneingangs. Sie befand
sie in einem hektischen Gespräch mit einer jungen Frau ihr gegenüber.
Er erkannte dies, da die sonst eigentlich so ruhige Rosa wild mit den Händen
gestikulierte und immer wieder auf die Tür zeigte. Die junge Frau
selbst schien Mühe zu haben sich gegen sie zu behaupten.
„Junges
Fräulein„ redete Rosa auf sie ein „Sie hatten ihren Versuch und sind
gescheitert. Sie haben versucht sich hier einzuschleichen und ich habe
sie entdeckt. Und jetzt nehmen sie ihre Sachen und verschwinden von hier.„
Ted
fiel auf, wie überzeugend Rosa sein konnte.
Noch
immer versuchte sich die junge Frau zu rechtfertigen, wie es Ted erschien.
„Das
will ich ja........„
Rosa
ließ sie nicht weiter zu Wort kommen.
„Dann
gehen sie auch!„
Sie
ging an der Frau vorbei und öffnete die Tür. Ted konnte jetzt
zum ersten mal einen direkten Blick auf die Frau werfen. Wie ein Eindringling
kam sie ihm eigentlich nicht vor. Ihre dunklen Locken fielen leicht ins
Gesicht und nervös versuchte sie sie hinter die Ohren zu streichen.
Ihre strahlenden Augen hatten sich leicht mit Tränen gefüllt
und der Druck, den Rosa auf sie ausübte war ihr ins Gesicht geschrieben.
Sie sah nicht aus wie eine Landstreicherin; dafür war sie viel zu
jung – vielleicht Anfang 20 und sah zu gepflegt aus. Ihre Kleidung war
ordentlich; sie trug eine knielange Shorts, dazu ein T-Shirt und darüber
eine helle Sommerbluse. Irgendwie sah sie wie der typische Tourist aus.
Auch die Reisetasche vor ihren Füßen paßte in dieses Bild.
„Kann
ich irgendwie helfen, Rosa?„ Ted mußte sich einmischen, da er mehr
über diese Frau wissen wollte. Irgend etwas faszinierte ihn an ihr.
Rosa
entdeckte Ted und machte einen Schritt auf ihn zu. Dabei faltete sie die
Hände vor ihrem Bauch, so wie es ihre Art war.
„Vielen
Dank, Ted. Sie wollte gerade gehen.„
Rosa
drehte sich zu der Frau um und schaute sie eindringlich an. Diese nutzte
die Gelegenheit, um endlich ihren Satz beenden zu können.
„Das
würde ich wirklich gern, Mr .....„
Ted
antwortete instinktiv.
„Capwell,
Ted Capwell.„
Sie
war froh, das er weit friedvoller schien als Rosa.
„Mr
Capwell. Aber ich war so dumm und habe mein Taxi fort geschickt und müßte
mir nun ein neues bestellen, wenn ich darf.„
Ted
sah sie genau an. Sie hatte etwas Vertrautes an sich und wäre er nicht
mit Lilly glücklich würde er bestimmt versuchen mehr über
sie zu erfahren.
„Aber
natürlich. Kommen sie bitte mit.„
Rosa
wollte gegen Teds Aufforderung Einspruch erheben. Immerhin hatte diese
Frau gerade versucht Rosa zu hintergehen und sich ins Haus einzuschleichen,
indem sie vorgab von der Vermittlungsagentur geschickt worden zu sein.
Als Rosa dann aber nach ihrem Empfehlungsschreiben gefragt hatte wurde
sie unsicher und mußte eingestehen, das sie gar keines besaß
und auch noch nie von der Agentur gehört hatte. Aber Rosa würde
nie in die Entscheidung eines Familienmitgliedes eingreifen und so mußte
sie notgedrungen zurückstecken und schwieg.
Ted
deutete mit ausgestrecktem Arm die Richtung zur Tür, die sie in das
Atrium und somit zum Telefon führen würde. Rosa fragte sich,
warum er sie nicht in Anschluß in der Küche benutzen lassen
würde. Irgend etwas interessierte ihn offensichtlich an ihr und Rosa
gefiel das überhaupt nicht.
Mit
einem triumphalen Ausdruck in den Augen nahm Cilia ihre Tasche und ging
auf Ted zu und trat dann durch die Tür ins Vorderhaus. Sichtlich beeindruckt
von den Einrichtung entfuhr ihr ein „Madonna!„ was Ted auch hörte.
„Was
sagten sie bitte?„ fragte er nach.
Cilia
war unsicher, was sie antworten sollte. Vielleicht wäre zur Abwechslung
ja mal die Wahrheit angebracht, wo sie so mit ihren Lügen hereingefallen
war.
„Madonna.
Ich sagte Madonna. Das mag so ungefähr das italienische für „Wow„
sein.„ Erklärte sie ihm und versuchte den amerikanischen Akzent ins
Spiel zu bringen.
Ted
war amüsiert über ihre Art. Er konnte gar nicht verstehen, das
Rosa sich so feindselig angestellt hatte. Man konnte sich doch mir vernünftig
unterhalten.
„Italien?
Kommen Sie aus Italien?„
„Ja.
Aus der Nähe von Mailand.„
„Was
für ein Zufall! Meine Mutter hat eine Zeit lang auch dort gelebt und
wir haben immer noch Verbindungen dorthin. Und nach Positano - dort machen
wir manchmal Urlaub. Leider in letzter Zeit immer seltener„ erklärte
er ihr.
„Ja.
Es gibt wunderschöne Ecken in dieser Gegend. Man kann dort Ruhe und
Frieden finden.„ Stimmte Cilia ihm zu.
Das
Gespräch machte Ted Spaß und so machte er keine Anstalten den
Hörer abzunehmen und ein Taxi zu rufen.
„Und
was hat Sie nach Santa Barbara verschlagen. Oder sind sie nur auf der Durchreise?„
Er deutete auf die Reisetasche.
Jetzt
gab es wieder keine Möglichkeit eine Ausrede zu umgehen. Nur diesmal
sollte die Geschichte etwas logischer klingen.
„Irgendwann
hat glaube ich jeder Mensch das Verlangen etwas Neues zu tun. Ein neues
Leben zu beginnen und seine Wurzeln zu kappen.„
Ohne
es zu wissen hatte sie genau den wunden Punkt bei Ted getroffen. Sie sprach
ihm gerade zu aus dem Herzen.
„Ich
habe so viele Bilder von und so viele Geschichten über Santa Barbara
gehört, das ich einfach hierher kommen mußte.„
Bis
dahin entsprach noch alles gesagte der Wahrheit.
„Ich
habe mich einfach in den Zug gesetzt, bin nach Rom gefahren und habe mir
ein Flugticket nach Los Angeles gekauft. Dort habe ich dann den Bus nach
Santa Barbara genommen – und hier bin ich.„
Cilia
breitete ihre Arme aus als hätte sie gerade etwas erobert.
„Aber
was hat sie in unser Haus gebracht?„ wollte Ted wissen.
Es war
Zeit wieder die Welt der Phantasien und Illusionen zu betreten.
„In
der Stadt habe ich mich nach einer Arbeit erkundigt und da sagte man mir,
das gerade hier eine Stelle als Dienstmädchen frei geworden sei. Da
habe ich mich ins Taxi gesetzt und als mir der Sicherheitsbeamte sagte,
das ich sicher von der Agentur kommen würde habe ich nicht nein gesagt.
Sonst hätte er mir das Tor doch nie aufgemacht .„ Sie lächelte
schelmisch und Ted ließ sich anstecken.
„Die
Dame in der Küche hat mich aber dann enttarnt und wollte mich gerade
vor die Tür setzen, als Sie herein kamen. Sie ließ mich gar
nicht mehr zu Wort kommen.„
„Ja.
So kann unsere Rosa sein. Wenn sie glaubt eine Gefahr für das Haus
und die Menschen darin zu wittern wird sie zur Löwin.„
Beide
fingen an zu lachen, doch wurde ihnen schnell ihre spontane Vertrautheit
unheimlich. Cilia senkte beschämt den Kopf.
„Na
ja„ begann sie „vielleicht wäre ich mit der Wahrheit wohl doch weiter
gekommen.„
Sie
sah Ted erwartungsvoll an – dieser war aber gerade in ihre Augen vertieft.
Peinlich berührt schaute Cilia weg.
„Vielleicht
können wir ja doch noch etwas organisieren. Immerhin hat sich in den
letzten zehn Minuten niemand für die Stelle beworben und warum soll
ich nicht einmal meine Funktion als Sohn des Hauses ausnutzen und sie einfach
einstellen.„
Cilia
konnte nicht glauben, was sie gerade gehört hatte. Sie hatte eine
Eintrittskarte für das Capwell Haus und stand kurz vor dem Eintritt.
Jetzt nur keinen Fehler machen. Bescheidenheit war angesagt.
„Ich
möchte auf keinen Fall für Unfrieden sorgen„ betonte sie.
„Keine
Angst. Rosa wird sich schon an Sie gewöhnen. Und Sie sich auch bestimmt
an sie. Eigentlich ist sie nämlich sehr nett.„
Ted
nahm ihre Tasche und ging mit ihr zur wieder Richtung Küche. In diesem
Moment hörten sie die große Eingangstür zufallen, gefolgt
von dem Geräusch von schnellen Schritten. Ein Gegenstand wurde auf
den Tisch geworfen. Ted wußte schon wer es war und nahm Cilia an
den Arm.
„Warten
Sie. Ich kann mir gleich die Genehmigung der Dame des Hauses abholen.„
Sie
gingen den Schritten entgegen.
„Mum.
Darf ich dir unser neues Dienstmädchen vorstellen, das ich gerade
eigenhändig eingestellt habe.„
Hinter
der großen Säule hervorkommend erschien Sophia Capwell und stand
plötzlich einer Frau gegenüber, die in ihr ein komisches Gefühl
der Vertrautheit weckte, die sie aber noch nie zuvor gesehen hatte.
9
Es schien, als ob sich die
ganze Capwell Familie genau in diesem Moment zu treffen hätte.
C.C. kam aus seinem Arbeitszimmer,
Kelly und Conner kamen durch die Haustür, Lilly aus ihrem Zimmer und
Rosa aus der Küche. Die Luft war plötzlich zum schneiden dick.
Sophia und Cilia starrten sich an, Ted beobachtete die beiden. Lilly wiederum
beobachtete Ted eifersüchtig.
Rosa ihrerseits gefiel es
nicht, das Cilia sich immer noch im Haus befand. Nur Kelly amüsierte
sich anscheinend über
die Situation.
„Hey, Teddy. Hab ich da gerade
was von Dienstmädchen gehört? Da hast du dir ja etwas
neckisches eingestellt.“
Kellys spitze Bemerkung traf
ihr Ziel.
C.C. wunderte sich das sie
ein neues Dienstmädchen hatten, Rosa ärgerte sich wer es war,
Lilly verstand die Situation
vollkommen falsch und rannte die Treppe hinauf zurück in ihr
Zimmer.
Kelly versuchte ihr noch hinterher
zu rufen.
„Lilly! War doch nur ein Scherz!“
Sie schaute Connor an. „Seit wann ist sie denn so zart besaitet?“
„Toll Kelly. Hast du wieder
einmal gut gemacht.“ Ted war verärgert und rannte Lilly hinterher.
„Könnte mir bitte jemand
sagen, was hier vor sich geht!“ C.C. hätte sich das „bitte“ sparen
können.
Es klang so wie so mehr nach
einem Befehl als nach einer Aufforderung.
„Also wir sind gerade erst
hereingekommen.....“ Kelly versuchte sich aus der Sache heraus zu reden.
Connor beschloß, das
es das Beste sein würde, sich in diesen Streit nicht einzumischen
und zog
Kelly am Ärmel ihres
Jackett.
„Du mußt dich noch umziehen,
Kel. Wir kommen sonst zu spät.“ Er blinzelte ihr kurz zu.
Kelly hielt es für vernünftig
auf Connors Vorschlag einzugehen. Ihre Mutter stand nur da und starrte
diese Frau an und wie lange ihr Vater sich noch im Zaum halten könnte
war nicht abzusehen. Keine besonders angenehme Situation.
„Ja! Wir kommen sonst zu spät
.... Schönen ......Tag ...noch..“ Connor riß Kelly förmlich
weg. Er hat nicht im geringsten Lust zwischen die Fronten zu geraten, aber
Kelly mußte sich wie immer an der Grenze zum Abgrund tummeln.
„Mr. Capwell. Es tut mir leid.
Das ist alles meine Schuld.“
Rosa war noch dageblieben,
da sie sich für die Situation verantwortlich fühlte. Immerhin
hatte
sie die Frau herein gelassen
und nachher nicht energisch genug darauf bestanden, das sie gehen würde.
„Schon gut, Rosa. Ich nehme an, die junge Dame wird uns jetzt aufklären,
was hier vor
sich geht.“
Es war offensichtlich, das
C.C. eine Antwort haben wollte. Er haßte Situationen dieser Art und
außerdem hatte er noch viel zu viele Sachen zu erledigen, als das
er es sich leisten könnte, sich
damit aufzuhalten.
Auf der Mitte der Treppe trafen
Kelly und Ted noch einmal zusammen. Sie gerade auf dem Weg
sich heraus zu halten, er
gerade auf dem Weg sich wieder einzumischen.
„Danke, Kelly!“ Ted war verärgert.
„Hast du wirklich gut gemacht. Lilly ist in ihrem Zimmer und
hat sich eingeschlossen.“
Bevor Connor Kelly daran hindern
konnte erwiderte sie:
„Was kann ich dazu, wenn sie
auf einmal so sensibel ist.“
Sie riß sich von Connors
Arm los.
„Laß mich“ fauchte sie
ihn an. „Und wer hat diese Frau eigentlich ins Haus gelassen?“ fragte sie
Ted.
Ted aber ließ Kelly
und Connor einfach stehen und ging zu seinen Eltern und Cilia.
„Ich habe euch noch gar nicht
bekannt gemacht....“ Erst jetzt fiel Ted auf, das er ihren Namen ja selber
noch nicht kannte. Sollte er jetzt eingestehen, das er soeben eine Frau
eingestellt hatte, deren Namen er nicht kannte oder sollte er weiterreden
und hoffen, das sie seine Situation bemerken und darauf eingehen würde?
Er sah keine andere Wahl, als es zu versuchen. Alles andere würde
ihn wie einen Idioten dastehen lassen.
„Meine Eltern, Sophia und
C.C. Capwell“ er zeigte auf beide und drehte sich dann Cilia zu. „Mum,
Dad .....“ er zögerte und hoffte auf ein Wunder.
Er hatte Glück, denn
Cilia erkannte die Situation und sprang nach einer kurzen Überlegung
direkt hinein.
„Cilia Ar....“ fast wäre
ihr „Armonti“ heraus gerutscht aber sie konnte sich im letzten Moment
durch ein vorgetäuschtes
Räuspern retten. „Cilia Ardello. Freut mich Sie kennen zu lernen.“
C.C. empfand die Freundlichkeit
als unpassend und ließ auch keinen Zweifel daran.
„Es würde mich vielleicht
auch freuen wenn ich wüßte weswegen sie hier sind, Miss Ardello.“
Gerade aus seiner ungünstigen
Lage befreit hielt es Ted nun für seine Pflicht sich zu revanchieren.
„Miss Ardello ist gestern
aus Italien eingetroffen, um hier in der Gegend einen neuen Lebensweg einzuschlagen.“
Durch ein Zunicken holte er sich von Cilia die Bestätigung. „Sie ist
jetzt auf der Suche nach Arbeit und da doch bei uns gerade die Stelle des
Dienstmädchens frei ist dachte ich .....“
„Wenn du schon denkst!“
Ted wurde von C.C.s Ärger
nicht verschont.
Sophia, die bei dem Wort „Italien“
hellhörig geworden war ergriff zu C.C.s Verwunderung Partei
für Ted.
„Wenn sie schon einmal
da ist, sollten wir ihr vielleicht eine Chance geben.“
Sophia´s Bemerkung klang
steif und unterkühlt.
„Vielleicht kann ich dann
auch mein italienisch wieder etwas trainieren.“
Nichts von dem was Sophia
sagte klang so, als ob sie es wirklich meinen würde. Trotzdem wollte
C.C. ihr nicht widersprechen
– schon gar nicht vor allen Leuten. Also versuchte er es anders auszudrücken.
„Miss Ardello. Es scheint,
als ob sie es irgendwie geschafft haben hier Stimmen für sich zu gewinnen.“
Mißfallend schaute er Sophia und Ted an. „Ich möchte Sie aber
für die Zukunft bitten sich im Vorderhaus etwas diskreter zu verhalten
und sich auf ihre Arbeit zu beschränken.“
Er drehte sich kurz zu Rosa
um, dann sah er Cilia wieder streng an.
„Mrs Andrade wird Ihnen ihr
Zimmer zeigen und Sie einweisen.“
Er ging auf Sophia zu.
„Ich muß ins Büro.
Würdest du mich noch zum Wagen begleiten?“
Leise und für die anderen
nicht hörbar ergänzte er:
„Und dann erklärst du
mir bitte, was das gerade sollte.“ Sie verließen die Halle. Zurück
blieben Cilia, Rosa und Ted. Connor hatte es zum Schluß doch noch
geschafft Kelly in die oberen Räume
zu treiben, um weiteren Auseinandersetzungen
zu entgehen. Während Ted von dem Endergebnis
des Gesprächs begeistert
schien hielt sich Rosas Begeisterung in Grenzen.
„Ich werde Ihnen ihr Zimmer
zeigen. Kommen Sie mit.“
Rosa ging Richtung Hinterhaus.
Cilia blieb noch bei Ted stehen.
„Ich weiß zwar nicht,
wie Sie das geschafft haben, aber ich danke Ihnen. Und ich verspreche
Sie nicht zu enttäuschen.“
Kaum ausgesprochen hatte sie
schon die Befürchtung das Gesagte nicht einhalten zu können.
Immerhin war sie mit einem
Ziel hier hingekommen und eine Anstellung im Hause der Capwells
zu bekommen war nur ein Teil
des Weges. Man hatte ihr viele Mühen abgenommen und sie war
auch dankbar dafür. Doch
würde Ted die Gründe akzeptieren, warum sie sich unter falschen
Vorgaben eingeschlichen hatte? Sie mochte ihn wirklich. Ein ehrlicher junger
Mann ohne Vorurteile der bereit war einer Fremden eine Chance zu geben.
Irgendwie imponierte ihr sein Verhalten,
denn sie wußte, das
sie selbst dazu wahrscheinlich nie in der Lage sein würde. Ihr Leben
war auf Zweifeln und Mißtrauen aufgebaut und sie hatte nie gelernt
sich anders zu verhalten.
Ted fühlte sich geschmeichelt.
Instinktiv wußte er, das seine Entscheidung sich für sie einzusetzen
nicht bereuen würde. Der erste Eindruck den er von ihr bekommen hatte
war der des natürlichen, ehrlichen Mädchens, die einfach nur
einen entscheidenden Neuanfang machen wollte. War sie nicht ein bißchen
wie Lilly?
Mein Gott, Lilly. Für
einen Moment hatte er vollkommen vergessen, das sie sich oben eingeschlossen
hatte.
„Ich muß gehen .....
Meine Frau, sie ......“ stammelte er.
Cilia verstand. Er wollte
klar stellen, das er vergeben war, und irgendwie war das richtig schade.
Aber ihr Ziel war es ja auch nicht sich einen Sohn aus reichem Hause zu
haschen sondern......
„Kommen Sie?“ Rosa war zurück.
„Ich habe noch viel Arbeit zu erledigen.“
Erschrocken fuhr Cilia zu
ihr herum.
„Natürlich. Verzeihung.“
Cilia wußte ganz genau,
das sie sich mit Rosa Andrade gut stellen mußte. Auch wenn sie nicht
den Namen Capwell trug war sie doch für das Haus Capwell der Dreh
und Angelpunkt. C.C. vertraute
ihr bedingungslos sein Heim
und die Versorgung der Menschen, die darin wohnten an. Das Cilia nun ein
Bestandteil dieses Vertrauens war, war ihr in den Schoß gefallen.
Das mußte sie sich ohne wenn und aber eingestehen. Sich dieses Vertrauen
zu erhalten würde aber noch eine Menge Arbeit
heißen – auch diesem
Fakt war sie sich bewußt. Und wenn dies heißen würde ein
wenig vor Rosa Andrade zu kriechen, dann würde sie auch dies tun.
„Wir sehen uns ja dann.“ Teds
Verabschiedung klang schon fast schüchtern.
Cilia nickte ihm zu und zog
die Schultern leicht hoch. Dann folgte sie Rosa ins Hinterhaus.
Auf dem Weg nach oben zu Lilly
fiel ihm auf, das ihm Cilias letzte Geste von irgendwo her vertraut vorkam.
Aber er hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken.
Vor dem Haus warf C.C.
genervt seinen Aktenkoffer auf den Beifahrersitz seines Wagens.
„Du weißt gar nicht,
wie ich diese Diskussionen am Anfang eines anstrengenden Arbeitstages
liebe.“
Sophia versuchte ihn zu beruhigen,
indem sie ihm sein umgeknicktes Revers richtig legte und ihm sanft über
das Jackett strich.
„Darling. Es wäre anormal,
wenn wir es nicht tun würden. Wir sind Capwells“ scherzte sie.
C.C. aber wurde ernst.
„Aber dieses Unfrieden stiftende
Etwas da drinnen ist es nicht“ er zeigte auf das Haus und Sophia wußte,
das er Cilia meinte. „Warum nur hast du Ted zugestimmt und diesem Mädchen
eine Anstellung bei uns gegeben? Ich ahne jetzt schon, was sie noch alles
anstellen wird.“
„Wahrscheinlich“ mußte
Sophia ihm nickend zustimmen und zog dabei leicht die Schultern an.
10
Als sich die Situation im
Haus der Capwells wieder beruhigt hatte und jeder seinen Dingen nachging
gelang es Lilly sich aus dem Haus zu schleichen. Sie wollte sich nicht
mit Ted über das Geschehene unterhalten und so ging sie ihm lieber
aus dem Weg und besuchte ihre Mutter.
Seitdem Gina mit Lionel zusammen
war, war ein anderer Mensch aus ihr geworden. Sie hatte so
rein gar nichts Bösartiges
mehr an sich. Ja, sie war geradezu liebenswürdig und nett geworden.
Und sie schien ausgeglichener
denn je zu sein. Das Zusammensein mit Lionel tat ihr einfach gut.
Nach langen Verwirrungen hatte
sie bei ihm endlich ihr Ziel gefunden.
„Wenn mir früher jemand
gesagt hätte, daß diese beiden für einander geschaffen
wären, hätte
ich ihn für total unzurechnungsfähig
erklärt“ dachte sich Lilly
„Und wenn mir jemand gesagt
hätte, das ich einmal eine Capwell werden würde, hätte ich
es auch getan.“
Zum ersten Mal nachdem Lilly
Ted und diese junge Frau gesehen hatte konnte sie wieder lächeln.
Warum hatte sich Ted nur so gut mit ihr verstanden. Und warum hatte Lilly
nur so heftig reagiert. War sie einfach nur eifersüchtig oder steckte
mehr dahinter.
Sie hatte das Haus erreicht
und klingelte. Als ihr niemand öffnete, versuchte sie den Türknopf
zu drehen und die Tür
ging wirklich auf.
„Hallo!!! Irgend jemand zu
Hause ?“
Da sie keine Antwort bekam
wollte sie wieder gehen, als sie aus dem hinteren Teil des Wohnzimmers
Geräusche wahrnahm. Sie beschloß vorsichtig hineinzugehen. Die
Geräusche kam aus der Richtung
des Sofas. Es waren keine
Worte, eher Laute oder ........ Ja! Es waren Babylaute. Gezielt und mit
schnellen Schritten ging Lilly auf das Sofa zu, konnte zunächst aber
nicht entdecken. Erst als sie hinter das Sofa sah, wurde sie von einem
kleinen Gesicht freudig strahlend begrüßt.
„Channing! Wie kommst du denn
dorthin?“ fragte sie und hob das Baby hoch.
Channing war von Lilly´s
Anwesenheit begeistert und schmiegte sich in ihre Arme. Lilly drückte
ihn fest an sich und ging
wieder um das Sofa herum, um sich zu setzen. Vorsichtig drehte sie den
Kleinen und setzte sich ihn auf den Schoß.
„Sag mal kleiner Mann! Wie
kommst du denn hinter das Sofa? Wollte dich da jemand loswerden
oder spielst du mit deiner
Mama verstecken?“
Lilly nahm Channings Hand
in ihre und spielte damit. Es war ihr doch etwas unheimlich, das weder
Lionel noch ihre Mutter in der Nähe waren. Sie ließen den Kleinen
doch sonst nicht aus den Augen. Und nun dies.
Plötzlich ging die Tür
auf und Gina kam mit einer Babyflasche in der Hand aus der Küche.
Hecktisch schüttelte sie die Flasche, um das Milchpulver richtig aufzulösen.
„Und jetzt hör bitte
auf zu weinen. Mama hat hier ein feines Fläschchen für dich.
Wirst sehen, gleich bist du satt und dann auch wieder schön ruhig
und lieb. Hoffentlich!“ fügte sie leise zischend hinzu.
Als Gina jedoch zur Decke
sah, auf der sie Channing zuletzt gesehen hatte konnte sie nichts entdecken
–dafür aber auf dem Sofa. Und dort konnte sie anstelle eines wild
nach Essen schreiendem Baby ein laut lachendes, fröhliches Kind sehen,
das vor Begeisterung die Arme hoch über den Kopf hob.
„Es scheint fast, als ob ihm
eher Aufmerksamkeit als Essen fehlen würde. Als ich ihn hinter dem
Sofa sitzend fand war er sichtlich
begeistert, das ich ihn entdeckt hatte.“
Lilly konnte sich diese Bemerkung
nicht verkneifen.
„Was machst du denn hier?“
Gina war vollkommen überrascht
von Lilly´s Besuch und zeigte dies deutlich.
„Und was soll hier heißen,
das ihm die Aufmerksamkeit gefehlt habe. Ich habe mich den ganzen
Tag um den Kleinen gekümmert
und habe ihn nur für einen kurzen Moment da drüben auf die
Decke mit den ganzen Kissen
gesetzt.“ Gina zeigte, immer noch die Flasche in der Hand auf die Decke,
die am anderen Ende des Zimmers auf dem Boden lag. „Ich bin nur kurz ich
die Küche gegangen und habe ........“ Gina stockte eine Augenblick,
sah immer wieder von der Decke hinüber
auf das Sofa, wo Lilly mit
Channing saß. „Wo sagtest du hast du ihn gefunden?“
Lilly hob Channing hoch und
hielt ihn die Luft, genau über der Stelle, wo sie ihn entdeckt hatte.
„Genau hier – hinter dem Sofa.“
Channing schien es zu gefallen
in der Luft gehalten zu werden und strampelte fröhlich mit den Beinen.
„Lilly?“ Gina setzte ein entsetztes
Gesicht auf. „Du siehst doch selbst wie weit es von der Decke hierher ist.“
Sie ging auf das Sofa zu und setzte sich neben Lilly und ihren Sohn. „Wie
ist er denn von dort“ sie zeigte auf die Decke „hierher hinters Sofa gekommen?“
Sie schaute hinter das Sofa und animierte Channing es ebenfalls zu tun
und ihr nebenbei noch schnell ihr in den Haaren zu
ziehen. Lilly nahm vorsichtig
Channings Hand aus Gina´s Haaren, als diese sich mit einem lauten
„Aua!“ beschwerte und setzte ihn wieder auf ihren Schoß. Dann machte
sie Gina einen Vorschlag, denn sie konnte sich schon vorstellen, wie Channing
diesen Weg zurückgelegt hatte.
„Wir sollten ihn wieder auf
die Decke setzten und einfach so tun, als würden wir gehen. Vielleicht
macht er das gleiche Kunststück ja nochmal?“
Gina beantwortete ihre Frage
indem sie Channing nahm und ihn auf die Decke setzte. Dann gab sie Lilly
ein Zeichen zur Küchentür zu kommen, wo sie sich verstecken wollte.
Von dort aus konnten sie beobachten, wie der Kleine schon bald sein Spielzeug
beiseite legte und anfing hin und her zu wippen. Solange, bis er nach vorne
fiel und auf seinen Ellenbogen landete. Gina wollte im ersten Moment direkt
zu ihm laufen, jedoch hielt Lilly sie zurück. Wie ein Soldat im Feld
robbte Channing los in Richtung Sofa. Dabei streckte er seinen von Windeln
umwickelten, dicken Popo in die Luft
und ließ sein Ziel nicht
aus den Augen. Gina konnte die Augen nicht von ihm wenden.
„Lilly! Er läuft“ sagte
sie teilnahmslos.
„Nein Mutter, er robbt!“
„Was?“
„Er robbt. Laufen kann er
noch nicht. Aber wie du siehst kann er sich bestens fortbewegen. Deine
ruhigen Tage scheinen vorbei zu sein. Jetzt heißt es Augen auf und
dann nichts wie hinterher!“
„Hinterher.“ Gina wiederholte
einfach nur was Lilly gesagt hatte, doch da kam Channing von seiner geplanten
Route ab und steuerte auf die chinesische Vase zu.
„Hinterher!“ rief sie diesmal
weitaus energischer und rannte auf Channing zu, gerade noch bevor
er die Vase zum umfallen bringen
konnte. Sie nahm ihn auf die Arme und drückte ihn Stolz an sich.
„Du kannst laufen!“
„Nein, ......“ Lilly verzichtete
darauf sie erneut zu verbessern.
„Es ist schön euch beiden
so glücklich zu sehen“ sagte sie statt dessen.
Gina fiel auf, das Lilly dies
mit einer Art Wehmut in ihrer Stimme sagte.
„Ist mit dir alles in Ordnung?
Du klingst ja nicht gerade fröhlich. Ist mit dir und Ted alles in
Ordnung?“
„Ich glaube schon. Nein, eigentlich
weiß ich, daß mit ihm alles in Ordnung ist. Aber mit mir stimmt
wohl so einiges nicht.“
„CC mischt sich schon jetzt
in euer Leben ein. Habe ich recht?“ Gina´s Frage wurde so gestellt,
als ob sie gar keine Antwort
erwarten würde sondern nur eine Bestätigung.
Lilly schüttelte den
Kopf.
„Nein, das ist es nicht. Natürlich
hat er so seine Vorstellungen, wie unsere Leben in seinem Haus auszusehen
hat“ Lilly spielte wieder mit Channing´s Fingern „aber er macht mir
keine Vorschriften.“
„Noch nicht!“ Gina wußte,
wovon sie sprach.
„Bis gestern mittag war ich
mir über alles so sicher. Und dann änderte sich plötzlich
alles. Ich
wurde so unsicher, daß
ich anfange in jeder Kleinigkeit eine Gefahr sehe.“
„Wie heißt denn diese
Kleinigkeit?“
Lilly war überrascht,
das ihre Mutter sie so genau zu kennen schien. Die Unbeteiligte spielend
stand sie auf und ging durch
den Raum.
„Keine Ahnung. Ted hat sie
als neues Dienstmädchen eingestellt. Sie verstehen sich gut – sehr
gut“ betonte sie.
Gina setze Channing auf den
Boden und ging zu ihrer Tochter und legte ihren Arm um ihre Schultern.
„Laß dir etwas sagen,
Kleines. Euer gemeinsames Leben wird wie ein Haus sein. Ihr werdet alles
erleben, was auch dieses Haus erleben würde. Die Jahreszeiten, Renovierungen
und Schäden,
Stürme, Regen aber auch
viel, viel Sonnenschein. Und wenn ihr dieses Haus liebt und pflegt, immer
darauf achtet, daß das Dach gut gedeckt ist, werdet ihr euch lange
darin wohl fühlen.“
Gina bemerkte Lilly´s
prüfenden Blick.
„Na ja, nicht das beste Beispiel,
aber du weißt was ich meine. Gut Ding braucht Weile. Und eine
gute Ehe viel Liebe und Vertrauen.
Glaub mir, ich habe lange gebraucht das zu erkennen. Fast zu spät.“
In diesem Moment ging die
Tür auf und Lionel kam herein.
Lilly gab ihrer Mutter einen
Kuß auf die Wange, rannte auf Lionel zu und tat das Gleiche. Bevor
sie ganz verschwand rief sie
noch :
„Lionel. Du mußt dir
unbedingt ansehen, was euer Sohn alles kann!“
11
Während Kelly sich für
die Party umzog blätterte Connor durch diverse Modemagazine, die bei
ihr im Zimmer auf dem kleinen
Tisch lagen. Durch die offene Tür zum Ankleidezimmer redend,
mußte sie ihren Unmut
über Ted´s Verhalten zum Ausdruck bringen.
„Meine Frau, meine Lilly,
Lilly, Lilly, Lilly. Seitdem Ted verheiratet ist hört man nur noch
diesen Namen von ihm. Es scheint fast so, als ob er ihn sich immer wieder
vor Ohren halten müßte, um ihn nicht zu vergessen.“
Connor blätterte weiter
während er schmunzelte.
„Er ist nun einmal unheimlich
stolz auf seine Ehe“ merkte er an. „Und wenn wir ganz ehrlich sind, hätte
doch wohl niemand mehr damit gerechnet, das aus Lilly und ihm jemals ein
Paar werden würde.“
Nur mit ihrer Unterwäsche
bekleidet schaute Kelly durch die Tür.
„Du brauchst ihn gar nicht
zu verteidigen. Ich habe weder ihn noch Lilly angegriffen.“ Nachdem Kelly
kurz nachgedacht hatte korrigierte sie sich selbst. „Jedenfalls hatte ich
es nicht vor.“
Sie ging wieder zurück
zum Schrank.
„Wie würdest du denn
reagieren“ fragte Connor „wenn ich auf einmal ein hübsches Mädchen
einstellen würde, mit dem ich mich nebenbei auch noch blendend verstehen
würde ........“
„Um mir diese Situation vorstellen
zu könne, müßte ich mir erst einmal vorstellen können,
mit dir verheiratet zu sein“ antwortete Kelly spitz.
Connor, der die Bemerkung
voll und ganz verstanden hatte legte das Magazin beiseite und ging zur
Tür des Ankleidezimmers. Ganz bewußt spielte er nun den Ahnungslosen.
„Wie soll ich das denn bitte
verstehen?“
Kelly, die mittlerweile ihr
langes, schwarzes Kleid angezogen hatte, schlüpfte noch schnell in
den zweiten Pömps. Dann ging sie erhobenen Hauptes an Connor vorbei,
während sie auch den letzten Ohrring noch anbrachte.
„Vielleicht würde ich
dich ihr ja mit Kußhand überlassen .....“
Bevor sie an ihm vorbeischleichen
konnte hielt Connor sie auf und schaute ihr mit seinem unwiderstehlichem
Dackelblick in die Augen.
„Ich glaube, das würdest
du dir zweimal überlegen“ sagte er ruhig.
Kelly wollte ihm auf keinen
Fall das letzte Wort in dieser Sache zugestehen.
„Das bleibt ja dann abzuwarten“
sprach sie, küßte ihn schnell auf den Mund und ging dann zum
Tisch herüber, wo sie
versuchte ihre Halskette umzulegen.
„Aber mal ganz im Ernst. Was
hältst du von diesem Mädchen, das Ted da eingestellt hat?“ fragte
sie.
Connor, der bemerkte das Kelly
Probleme hatte den Verschluß der Kette zu schließen ging zu
ihr hinüber, um ihr zu helfen.
„Was soll ich schon von ihr
halten, ich kenne sie doch kaum. Auf den ersten Blick scheint sie sehr
nett zu sein. Nicht gerade der klassisch rassige italienische Typ, aber
dennoch durchaus reizend.“
Überrascht dreht Kelly
sich zu ihm herum.
„Dafür das du sie das
erste Mal gesehen hast, kannst du sie aber schon sehr genau beschreiben.“
Connor, der nicht im geringsten
Lust hatte auf Kelly´s Spitzfindigkeiten einzugehen konterte deshalb
nur kurz :
„Das lernt man bei der Polizei
halt so“ und lies die geschlossene Kette um Kelly´s Hals fallen.
Kelly´s Blick wurde
ernster.
„Hast du Mum beobachtet? Sie
hat sich so ruhig verhalten, hat kaum etwas gesagt und die ganze
Zeit nur dieses Mädchen
angestarrt.“
„Wahrscheinlich war sie überrascht
so schnell ein neues Dienstmädchen zu haben.“
Kelly schüttelte den
Kopf.
„Nein. Wenn Mum überrascht
gewesen wäre, hätte sie ganz anders reagiert. Als sie hörte,
daß
das Mädchen aus Italien
kommt wurde sie richtig verunsichert. Ich habe Angst, das die ganzen Erinnerungen
an ihre Zeit in Italien wieder wach geworden sind – und die an Marcello.“
„Marcello?“ Connor wußte
nicht wovon Kelly sprach.
„Eine lange Geschichte“ wehrte
sie ab. „Und dazu eine nicht sehr angenehme.“
Kelly´s Gesicht wurde
noch ernster, als es ohnehin schon war. Connor spürte, das sie vor
irgend etwas Angst haben mußte, konnte sich aber nicht vorstellen,
was dieses Mädchen damit zu tun
haben könnte.
„Connor, ich möchte nicht,
das meinen Eltern noch einmal so weh getan wird, wie damals von
Marcello. Vielleicht bin ich
etwas übersensibel, aber ich habe ein schlechtes Gefühl was dieses
Mädchen betrifft“ Langsam ging sie auf Connor zu und legt ihre Arme
um seinen Hals. „Halte
bitte deine Ohren und Augen
offen was sie betrifft. Mag sein, das wir ihr gegenüber einen Vorsprung
gut gebrauchen können.“
12
Da Julia und Mason für
den Abend eine Verabredung mit Freunden hatten und Mrs Kopp mit einer Sommergrippe
das Bett hüten mußte fragten sie Sophia, ob Samantha bei ihnen
übernachten konnte.
„Aber natürlich, Julia!“
Sophia freute sich jedes Mal,
wenn Samantha bei ihnen übernachtete. Sie war zwar nicht ihr direktes
Enkelkind, aber da sie Mason als ihren eigenen Sohn betrachtete – auch
wenn er dies
nicht immer wollte – war Samantha
auch ein Teil von ihr. Wie konnte man auch so ein niedliches
Ding wie Samantha nicht liebhaben.
Julia war erleichtert, das
Sophia zustimmte. Da sie wußte, das Mason draußen schon ungeduldig
warten würde nahm sie Sophia nur noch kurz in die Arme und bedankte
sich noch einmal. Dann
gab sie Samantha einen Kuß
auf die Wange, ermahnte sie artig zu sein und früh schlafen zu gehen.
„Keine Sorge, Julia. Wir werden
uns schon arrangieren“ beruhigte Sophia sie und knipste Samantha ein Auge
zu.
Julia, die diese Geste natürlich
bemerkte versuchte es vor ihrer Tochter zu verheimlichen, konnte sich eine
Lachen aber kaum unterdrücken.
„Natürlich - da habe
ich keine Bedenken“ bemerkte sie und sah Sophia mit ironischem Blick dabei
an.
Als sie die Autohupe hörte
drückte sie Samantha noch einmal und stürmte dann zur Tür
hinaus.
„Viel Spaß heute Abend!“
wollte Sophia ihr noch hinterher rufen, aber da war die Tür schon
zugefallen. Sie wandte sich Samantha zu.
„Was hältst du davon,
dir bei Rosa in der Küche ein Glas Milch abzuholen?“
„Wenn sie mir auch ein paar
Kekse dazu gibt.“ erwiderte Samantha keß und war schon Richtung Küche
verschwunden. Beim aufmachen der Tür rannte sie direkt in Cilia, die
gerade ins Vorderhaus wollte. Mit einem Reflex nahm sie Samantha auf den
Arm und drehte sie einmal in der Luft.
„Wohin denn so schnell, Bella?“
„Ich will zu Rosa mir ein
Glas Milch und Kekse abholen.“
Cilia liebte Kinder und ihr
ganzes Verhalten zeigte dies.
„Na dann sollte ich dich mal
lieber wieder runter lassen. Ich habe nämlich gerade gesehen, wie
Rosa ein Blech frisch gebackener Kekse aus dem Ofen gezogen hat.“
Sie war sich bewußt
mit dieser Aussage einen Instinkt bei dem Kind zu wecken. Sofort fing Samantha
an auf ihren Armen zu schaukeln. Cilia ließ sie runter und gab ihr
als kleine Starthilfe noch einen zärtlichen Klaps auf den Po.
„Aber laß mir auch einen
über, Bella!“ rief sie ihr lachend nach.
Erst jetzt bemerkte sie, das
Sophia sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Es war ihr nicht unangenehm,
jedoch fürchtete sie, das ihr Verhalten nicht der von C.C. Capwell
gewünschten diskreten Art entsprach.
„Tut mir leid Mrs Capwell.
Ich wußte nicht, das sie anwesend waren.“
versuchte sie sich zu entschuldigen.
Sophia fühlte sich aber
nicht im geringsten gestört sondern war angenehm von Cilia überrascht.
Langsam kam sie auf sie zu.
„Sie haben ein gutes Einfühlungsvermögen
für Kinder, Cilia. Das merkt man sofort.“
Cilia freute sich, das Sophia
eine Unterhaltung mit ihr anfing. Jedes mal, wenn sie ins Vorderhaus kam
hoffte sie auf sie zu treffen und das genau dies passieren würde.
„Ich hatte Gelegenheit in
Italien viel mit Kindern zu arbeiten. Zwischenzeitlich bin ich sogar noch
ins europäische Ausland gegangen, um ihre unterschiedlichen Gewohnheiten
studieren zu können.“ Cilia war ganz ehrlich.
„Ich habe selbst eine Zeit
lang in Italien gelebt. Wo genau kommen sie denn her? Vielleicht kenne
ich es. Mein verstorbener Ex-Mann und ich sind sehr viel durch das Land
gereist.“
Dies war ihre Chance. Sie
hatte Sophia genau dort, wo sie sie haben wollte – gedanklich in Italien.
„Ich habe etwas außerhalb
von Mailand auf einem Gut gearbeitet“ erzählte Cilia der Wahrheit
entsprechend.
„In der Nähe von Mailand?“
Sophia wurde erneut hellhörig. „Mein Mann, der Count Armonti hatte
südwestlich von Mailand sein Anwesen.“
Es war der Punkt gekommen
Sophia neugierig zu machen und ihren Gedanken auf weitere Sprünge
zu helfen. Cilia war mit der
Situation vollstens zufrieden.
„Sie sind die Contessa Armonti?“
Cilia versuchte nicht zu heuchlerisch zu klingen. Natürlich wußte
sie, wer Sophia war.
Sophia wurde etwas mißtrauisch,
war aber bereits zu neugierig, um jetzt aufzuhören.
„Ich war es, ja. Bis ich nach
Santa Barbara zurückkehrte und wieder Mrs C.C. Capwell wurde.
„Ich glaube es nicht“ Cilia
tat vollkommen überrascht. „Ich habe auf dem Gut der Armontis gearbeitet,
bin dort aufgewachsen.“
„Warum kenne ich Sie dann
nicht?“
Sophias Direktheit ängstigte
Cilia ein wenig.
„Ich war noch sehr klein,
als mir meine ..... als mir die Leute von der Contessa erzählten.
Man hatte mir stets untersagt in den privaten Bereich des Counts zu gehen
und so waren die Geschichten um
die Armonti Familie für
mich immer sehr spannend. Einmal habe ich die Contessa ... ich meine, habe
ich Sie von weitem gesehen. Von da an hatten alle Geschichten die passenden
Bilder vor meinen Augen.“ Cilia fiel fast in eine Art von Euphorie. Doch
dann wurde sie wieder stiller und es hatte
den Anschein, als ob sie sich
für ihren Gefühlsausbruch schämen würde.
„Als der Count damals starb
und sie kurze Zeit später auch fortgingen war ich sehr traurig.“
Sie sah Sophia direkt in die
Augen. „Nichts war auf einmal mehr wie bisher.“
Beide schienen von der Situation
wie gebannt zu sein. Erst das Zuschlagen der Haustür weckte sie aus
ihrer Starre.
„Sophia?“ Es war C.C. der
von der Arbeit kam.
„Ups. Ich sollte zusehen,
das ich an meine Arbeit komme“ Cilia zog eine Grimasse und ging an
Sophia vorbei auf C.C. zu.
„Guten Abend, Mr Capwell.
Darf ich Ihnen ihre Sachen abnehmen?“
C.C. war auf diese Art von
Begrüßung nicht vorbereitet. Außerdem wußte er immer
noch nicht,
was er von dem Mädchen
halten sollte.
„Vielen Dank. Wenn Sie Rosa
bitte nur ausrichten würden, das sie kein Abendessen zu machen brauch.
Meine Frau und ich werden auswärts essen.“
Genau wie Sophia dachte auch
Cilia direkt an Samantha, die in der Küche bei Rosa war und sich gerade
mit Keksen satt aß. Sie warf Sophia kurz einen Blick zu, traute sich
jedoch nicht etwas
zu sagen. Statt dessen ging
sie zur Küche, um zu tun, was ihr gesagt wurde.
C.C. bemerkte Sophias Verwunderung.
„Richter Lewis hat heute ganz
spontan seinen Ruhestand angekündigt und uns zum Abschied zu
einem kleinen Abendessen eingeladen.
Er wird bereits Ende der Woche nach Florida ziehen.
Ich habe für uns
beide zugesagt, da ich mit Milton immer gut auskam und ich ihn nicht verärgern
wollte.“
„Das ist ja schön und
gut, C.C. Aber ich kann nicht mitkommen. Julia und Mason haben gefragt,
ob Samantha bei uns übernachten kann und ich habe bereits zugesagt“
erklärte Sophia ihm.
„Dann mußt du ihnen
wieder absagen.“
C.C. ging auf den Tisch mit
den Aperitifs zu und goß sich einen Brandy ein.
„Wie gesagt kenne ich Milton
Lewis schon sehr lange und er hat mir oft geholfen. Wir können unmöglich
absagen.“
Sophia wußte, wie sie
dieses „oft geholfen“ auszulegen hatte. Hier ein wenig finanzielle Unterstützung,
dort eine Frage weniger gestellt. Ein beliebtes Spiel zwischen den Reichen
und
den Mächtigen. Obwohl
sie jetzt schon so lange ein Teil genau dieser Gesellschaft war, hatte
sie
sich immer noch nicht an diese
Art der Verbundenheit gewöhnen können. C.C.s Art Geschäftliches
vor das Private zu stellen
mochte sie nie und würde sie nie mögen.
„Samantha ist bereits bei
Rosa in der Küche. Mrs Kopp liegt mit Sommergrippe im Bett – ich kann
nicht mitkommen. So leid es mir tut.“
In diesem Moment ging die
Küchentür auf und Samantha erschien mit einem großen Keks
in der
Hand auf Cilia´s Arm.
„Entschuldigen Sie Mrs Capwell.“
unterbrach Cilia zum richtigen Zeitpunkt, wie Sophia bei sich
still bemerkte.
„Samantha soll jetzt ins Bett.
Sie besteht aber darauf von ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt
zu bekommen.“
Sophia forderte C.C. mit Gesten
zu einer Zustimmung auf.
„Da siehst du es!“
Doch gerade als sie sich auf
sicherem Terrain fühlte wandte sich Cilia Samantha zu. „Oder soll
ich dir eine tolle Geschichte erzählen?“
„Kennst du denn eine?“ wollte
Samantha wissen.
An Samantha vorbei war es
nun Cilia, die von C.C die Zustimmung bekam. Als Zeichen, das sie verstanden
hatte widmete sie sich wieder der Kleinen.
„Aber eine ganz tolle kenne
ich! Aus Italien. Warst du schon mal in Italien? Wir haben da ganz spannende
Geschichten.“
Cilia entfuhr ein Augenzwinkern
und ging dann mit Samantha die Treppe hoch, wobei sie sich weiter
unterhielten.
„Gibt es auch Geschichten
mit Prinzessinnen und Pferden?“
„Mit ganz tollen schwarzen
Pferden und wunderschönen Prinzessinnen“ bestätigte Cilia. „Weißt
du, ich wollte früher auch immer Prinzessin sein.“
„Ich mag aber lieber weiße
Pferde.“
Cilia blieb auf der obersten
Stufe stehen und stupste ihr mit dem Finger auf die Nase.
„In deinen Träumen können
wir sie auch weiß malen.“
Samantha kicherte vor Wohlgefallen
bevor sie verschwanden.
„Ich glaube unser Problem
hat sich gerade gelöst“ merkte C.C. zufrieden an.
Nachdem sie von Cilias Vergangenheit
auf dem Armonti Gut gehört hatte, war dieses komische
Gefühl wieder bei Sophia
aufgetaucht, das sie hatte, als sie das Mädchen zum ersten Ma lauf
sie traf. Doch immer, wenn sie versuchte dieses Gefühl näher
zu definieren blockierte sie etwas.
„Meinst du denn, das wir sie
einfach bei Cilia lassen können. Wir kennen sie kaum.“
„Liebling“ C.C. küßte
Sophia auf die Stirn. „Du hast sie eingestellt ohne sie zu kennen. Außerdem
ist Rosa auch noch im Haus.“
Er stellte sein Glas ab und nahm sie an die Hand.
„Wir müssen uns umziehen.“
Er ging mit ihr zur Treppe. „Ich glaube, ich habe gerade meine Meinung
über sie revidiert. Vielleicht wird sie sich hier doch gut einarbeiten
und uns noch ganz nützlich sein. Mit Kindern scheint sie sich jedenfalls
auszukennen.
13
Samantha war schon nach kurzer
Zeit eingeschlafen. Cilia hatte gerade angefangen ihr die Geschichte einer
italienischen Prinzessin zu erzählen, als sie schon in süße
Träume versunken war. Niedlich sah sie in dem großen Gästebett
aus. Die großen Kissen und Decken um sie herum ließen sie fast
verschwinden.
Cilia erinnerte sich an ihr
eigenes Bett in Italien. An das Bett, das sie hatte, als sie in Samanthas
Alter war. Er war auch so groß, hatte einen Himmel und war voller
Puppen und anderer Kuscheltiere. Ihr Vater hatte ihr viele davon geschenkt.
Große, kleine – wertvolle und welche, die sie zusammen auf irgendeinem
Jahrmarkt gewonnen hatten. Ihre Lieblingspuppe Anna war immer ganz in ihrer
Nähe. Wenn Cilia nachts aufwachte und Angst hatte, nahm sie sie immer
in den Arm und hielt sie ganz fest. Anna war auch die einzige Puppe, die
sie mitnehmen durfte, als sie in das viel kleinere Haus am anderen Ende
des Gutes zog. Dort war nicht so viel Platz, denn sie mußte sich
das Zimmer mit zwei weiteren Mädchen teilen, die ihr bald zu einer
Art Schwestern für sie wurden.
Cilia strich Samantha noch
einmal behutsam über ihre langen Haare und deckte sie gut zu. Sie
gab ihr einen Kuß auf die Stirn und verabschiedete sich mit einem
„Buena Notte, Bella!“. Dann ging sie in ihr eigenes Zimmer. Da sie noch
fremd in Santa Barbara war und noch keine eigene Wohnung gefunden hatte,
hatte Rosa ihr angeboten in einem der wenigen Dienstbotenzimmer zu wohnen;
unter der Bedingung, das sie dann 24 Stunden in Bereitschaft stehen würde.
Sie hatte gerne angenommen, konnte sie dann doch immer hier in Nähe
der Familie sein. In ihrem Zimmer angekommen stellte sie sich vor den Spiegel
und fing an das Häubchen aus ihrem Haar zu nehmen. Während sie
dort so stand und in Gedanken versunken in den Spiegel schaute, wechselte
die junge Frau im Spiegelbild zu einem jungen blonden Mädchen. Genau
wie Cilia machte sie sich gerade im Spiegel zurecht und steckte sich Spangen
in ihre Haare. Hinter sich hörte sie Geräusche – eine Unterhaltung.
Das kleine Mädchen ging vom Spiegel zur Tür und lauschte. Ein
Mann und eine Frau unterhielten sich. Sie kannte die beiden Stimmen, traute
sich aber nicht vorzutreten und sich zu zeigen.
„Maria, du kannst sie nicht
mitnehmen“ beschwor der Mann die Frau eindringlich.
„Ich kann sie aber auch nicht
hier lassen.“ wehrte sie sich. „Wir alle werden gehen und es wäre
nicht fair sie alleine zurück zu lassen. Sie war bei seiner Beerdigung,
dann soll sie auch bei der Gedenkfeier zu seinem Jahrestag dabei sein.“
Der Mann gab sich nicht zufrieden.
„Du weißt, was wir abgesprochen
haben. Sie dürfen nicht aufeinander treffen. Es ist noch zu früh.“
„Und wann meinst du soll der
richtige Moment sein? Du siehst selbst, wie sie sich verhält. Sie
wird nicht mehr lange hier bleiben wollen.“
„Sie wird so lange hier bleiben,
wie ich es für richtig halte. Sie vertraut mir und hört auf mich.
Anna, wir dürfen jetzt nichts überstürzen.“ Er war bereit
der Frau ein Zugeständnis zu machen. „Nimm sie meinetwegen mit. Aber
halte mit ihr genügend Abstand zu den anderen. Sage ihr .... erkläre
ihr, das der richtige Moment noch nicht gekommen ist. Sie wird es verstehen.“
Die Frau konnte ihre Tränen
nicht länger zurück halten und suchte nach einem Taschentuch.
„Sie hatte sich so gefreut
sie wieder zu sehen. Sie hat extra ihr schönstes Kleid herausgenommen
und Schleifen für ihre Haarspangen gebunden.“
Das kleine Mädchen hatte
genug gehört. Traurig ging sie zum Spiegel zurück und nahm die
Spangen wieder aus ihrem Haar. Zeitgleich wechselte das Bild wieder zu
Cilia, die sich die letzten Klammern aus dem Haar nahm. Auch ihr Blick
war traurig, doch waren Jahre vergangen und sie hatte gelernt nicht mehr
so schnell aufzugeben.
14
Sophia war während der
Rückfahrt von Richter Lewis Party auffallend ruhig. Die meiste Zeit
über schaute sie aus dem Fenster und schien mit ihren Gedanken weit
weg zu sein. C.C. hatte mehrmals versucht sie anzusprechen, aber sie hatte
nicht reagiert. Da er Situationen dieser Art nicht mochte, beschloß
er die nächste Parkmöglichkeit anzusteuern und den Fall zu klären.
Wenn Sophia beleidigt war, das sie auf diese Party mußten, dann solle
sie ihm dies gefälligst sagen und nicht schmollen. Er stoppte den
Wagen und erreichte dadurch, das Sophia sich zu ihm umdrehte.
„Warum hältst du an?“
C.C. lehnte sich an die Fahrertür
an und verkreuzte die Arme vor der Brust.
„Seit wir die Party verlassen
haben hast du kein einziges Wort mehr mit mir gesprochen. Auch meine Versuche
dich anzusprechen hast du ignorierst und ich möchte gerne wissen warum.“
Sophia brauchte einen Moment,
um die Situation zu verstehen. Doch dann wurde ihr bewußt, das C.C.
die ganze Situation wohl möglich falsch verstanden hatte.
„Es tut mir leid“ entschuldigte
sie sich und legte ihre Hand auf seinen Arm. „Ich war in Gedanken ganz
woanders.“
„Das habe ich gemerkt. Möchtest
du mir erzählen, was dich bedrückt?“
Er hoffte, das Sophia sich
ihm anvertrauen würde und ihm damit zeigen würde, das ihre Gedanken
nichts mit seinem Verhalten und der Party zu tun haben würden.
„Es ist ....“ Sophia war sich
nicht sicher, ob sie etwas sagen sollte. Sie war sich auch eigentlich gar
nicht sicher wie sie die Gedankengänge, die in ihrem Kopf herrschten
beschreiben sollte. Als sie aber ein Anzeichen von Enttäuschung in
C.C.s Gesicht erkannte entschloß sie sich es wenigsten zu versuchen.
„Es hat etwas mit dem zu tun,
was Cilia vorhin erzählte.“
C.C. hatte mit wirklich jeglicher
Erklärung gerechnet. Aber das die Erzählungen ihres Hausmädchens
seiner Frau Gedanken bereiten würden hatte er nicht erwartet. Etwas
unbeherrscht hakte er nach und wirbelte dabei so mit den Händen um
sich, das Sophia sich erschrocken zurückzog.
„Du willst mir wirklich sagen,
das du wegen einer Aussage unseres Dienstmädchens so ruhig bist und
wir vorzeitig eine Party verlassen mußten die, wie ich dir bereits
zu erklären versuchte, für mich große Bedeutung hat.“
Sophia war über C.C.s
Unbeherrschtheit wütend, öffnete die Wagentür und stieg
aus. C.C. blieb nichts anderes übrig und folgte ihr. Immerhin wollte
er eine Antwort. Und zwar eine bessere, als die erste.
„Für dich scheint es
wohl vollkommen unmöglich, das so ein „niedriges Wesen“ wie unser
Dienstmädchen etwas sagen könnte, das mich zum nachdenken bringt.“
„Nein! Ich mag es nur nicht,
wenn Leute, die für mich arbeiten Unruhe in meine Familie bringen.
Und damit das aufhört, wird sie morgen auch wieder gehen.“
Für C.C. schien das Thema
damit erledigt und er wollte wieder in den Wagen steigen.
„Bitte tu das nicht, C.C.“
Sophia hatte plötzlich Angst auf viele Fragen, die sie sich während
der Fahrt gestellt hatte keine Antworten zu bekommen, wenn CC Cilia entlassen
würde sie dann gehen würde. Mißtrauisch schaute CC Sophia
an.
„Ich werde es mir überlegen,
wenn du mir endlich sagst was hier eigentlich los ist und was diese Person
gesagt oder getan hat.“
C.C.s Geduld schien am Ende.
Sophia wußte, das sie nun antworten mußte.
„Sie hat mir erzählt,
das sie auf dem Anwesen der Armontis gelebt hat und mich noch als Contessa
im dortigen Hause kennt.“
Sophia klang schon fast kleinlaut,
als sie antwortete. Da C.C. sie nur fragend ansah aber nichts sagte redete
sie einfach weiter.
„Ich weiß, das es dumm
klingt. Aber ich kenne dieses Mädchen – ich kann mich nicht an sie
erinnern - aber ich kenne sie. Gleich als ich sie das erste Mal sah kam
sie mir so vertraut vor. Sie sagte, sie hätte nicht gewußt,
das ich jetzt hier mit euch zusammen lebe. Da sie die Contessa immer nur
von weitem gesehen hatte, konnte sie mich also auch nicht wiedererkennen.
Aber .....“ Sophia suchte nach den passenden Worten. „Jetzt da ich weiß
das sie den Teil meiner Vergangenheit kennt, den ich immer verdrängt
habe seitdem ich hier bin, kommen so viele Erinnerungen an Italien zurück.
Ich sehe das Haus, den Garten, die Personen. Ich höre Menschen reden
– sehe, wie sie Feste feiern und zusammen lustig sind.“
C.C. war wieder um den Wagen
herum gekommen und hatte sich dicht neben sie gestellt. Als Sophia für
einen Moment stoppte hielt er sie von hinten an den Armen fest. Er
spürte, das sie vor Aufregung zitterte. Plötzlich löste
sie sich von seinem Griff, drehte herum und sah ihn an.
„Und ich sehe, mich in ihrer
Mitte – als einen Teil von ihnen.“
15
Als Julia und Mason auf der
Party ankamen, war diese anscheinend bereits über einen Höhepunkt
hinaus. Ein Teil der Partygäste hatte sich in den Pool gestürzt
und war nun damit beschäftigt sich aller überflüssigen Kleider
zu entledigen.
„Von wem hattest du die Einladung,
sagtest du ?“ wollte Mason wissen und konnte dabei nicht die Augen vom
Pool wenden.
„Eine Klientin erwähnte
heute mittag, das sie den Gewinn ihres Prozesses etwas feiern wollte.“
erklärte Julia und war genau wie Mason von dem bunten Treiben im Pool
wie fasziniert.
Nach einigen Momenten schauten
sie sich an, nickten sich kurz zu und gingen wieder Richtung Ausgang. Weit
kamen sie jedoch nicht, denn Mason lief in jemanden hinein, dessen Glas
dabei hinunterfiel und der Inhalt sich dabei auf dem Boden ergoß.
„Tut mir leid. Kann ich helfen?“
versuchte sich Mason sofort zu entschuldigen.
„Buderherz. Na dich hätte
ich ja wirklich nicht hier erwartet.“
Erst jetzt erkannte Mason,
das es Kelly war, deren Glas er herunter geworfen hatte.
„Und Julia ist auch hier.“
Zwei weitere Gläser in den Händen haltend nahm Kelly Julia in
die Arme und begrüßte sie überschwenglich. „Kommt mit!
Wir haben gerade die Party in den Pool verlegt und jetzt versorgen wir
gerade alle mit Getränken.“
Als Kelly weiter Richtung
Pool gehen wollte hielt Julia sie zurück.
„Wir wollten gerade wieder
gehen, Kelly. Ich wußte nicht, das........“ Julia schaute Mason etwas
Hilfe suchend und verlegen an „Und ich habe auch gar keinen Badeanzug mit“
endete sie schließlich etwas unbeholfen und erntete damit sarkastische
Blicke von ihrem Mann. Dieser hielt es nun für angebracht die Situation
zu retten und gab Kelly eine Erklärung, die sie hoffentlich trotz
ihres angestiegenen Alkoholspiegels verstehen und akzeptieren würde.
„Die Gastgeberin war Julia´s
letzte Klientin vor der Schwangerschaft und wir wollten nur kurz gratulieren.
Wenn wir geahnt hätten welche Art von Party dies hier ist hätten
wir einen Strauß geschickt und wären gemütlich, Jäckchen
strickend vor dem Kamin geblieben.“ Mason spielte bewußt auf den
Altersunterschied der übrigen Gäste ihm gegenüber an.
„Oh, mein Bruder wird seriös.
Scheint in dieser Familie irgendwie „in“ zu sein im Moment. Erst Ted, jetzt
du.“ Kelly hatte nicht im geringsten Lust sich die gute Partylaune vermiesen
zu lassen. „Also werde ich mal wieder die Tradition aufrecht erhalten und
werde mich ins Vergnügen stürzen.“ Kelly stoppte einen Moment
und schaute sich um. „Apropos stürzen. Habt ihr zufällig Connor
hier irgendwo gesehen. Beim letzten mal habe ich ihn über eine hübsche
Blondine fallen sehen.“
Während Kelly weiter
um sich herum schaute, schauten sich Julia und Mason nur verständnislos
an.
„Connor stürzte sich
auf eine hübsche Blondine ?“ hakte Julia nach.
„Über......nicht auf.
Er stürzte über eine hübsche Blondine, die gerade auf dem
Boden lag und ihren Ohrring suchte. Connor hat sie nicht gesehen und schon
.......“
Kelly versuchte mit den Händen
anzudeuten wie Connor über die Blondine stolperte und vergoß
dabei auch die letzte beiden Getränke.
„Na super. Jetzt kann ich
das ganze von vorne starten.“ Kelly schaute auf die verschütteten
Getränke vor sich und versuchte dabei ihr Kleid von den verschütteten
Resten zu säubern. Dann schaute sie Mason an. „Und du wirst mir dabei
helfen!“ sagte sie und nahm Mason schon an die Hand und zog ihn Richtung
Haus. Julia hatte gar keine andere Wahl als den beiden zu folgen.
An der Bar angekommen gab
Kelly schnell ihre neue Bestellung auf und drehte sich dann wieder zu Mason
und Julia um , die neben ihr standen.
„Was genau noch mal hatte
euch beiden hierher geführt ? Eine Klientin von dir, Julia ?“
Mason wollte die Unterhaltung
kurz halten und ergriff sofort das Wort. Kelly war dermaßen „angeheitert“,
das sie für ausführliche Gespräche so wie so nicht mehr
aufnahmefähig war.
„Wir sehen das Ganze hier
als kleine Abschiedsparty – bevor Julia in ihre Babypause geht. Aber wir
.......“
„Ich weiß nicht ganz
von welcher Babypause du redest, Mason.“ unterbrach Julia ihn. „Ich habe
noch lange nicht vor in meinem Job zu pausieren.“
„Irgendwann wirst du pausieren
müssen.“
„Aber nicht jetzt gleich!“
Sichtlich verärgert über
Julias spontane Diskussion nippte Mason kurz an seinem Wasser bevor er
ruhig antwortete :
„Müssen wir dieses Thema
jetzt hier unbedingt anschneiden ? Außerdem dachte ich, daß
dieses Thema erledigt wäre.“
„Für mich noch lange
nicht, Liebling. Nicht so lange, bis du von deinen steinzeitlichen, chauvinistischen
Meinungen abgekommen bist und man sich vernünftig mit dir unterhalten
kann.“ Julia strahlte Mason mit einem bezaubernden Lächeln an und
gab ihrer Aussage somit einen sarkastischen Nachdruck.
„Also ich finde auch, das
eine Frau trotz einer Schwangerschaft durchaus noch arbeiten kann – solange
sie nicht gerade auf einer Baustelle Zementsäcke trägt.“
Kellys Anmerkung versetzte
Julia in eine Art von Hochstimmung und sich bestätigt fühlend
hüpfte sie einmal kurz in die Luft. Masons Begeisterung hielt sich
jedoch in Grenzen.
„Kelly. Ich möchte dich
bitten, dich doch mehr um deine eigenen Angelegenheiten zu stören.
Hast du eigentlich Connor schon gefunden? Vielleicht solltest du ihn mal
suchen gehen, sonst geht er vielleicht noch verloren und wir müssen
dich noch den ganzen Abend hier ertragen.“
Masons war während er
redete sehr laut und aggressiv in seiner Tonart geworden und brachte somit
den gesamten Raum zu verstummen.
„Typisch Mann! Wenn er keine
Argumente bringen kann versucht er es mit Lautstärke. Du solltest
es mal mit einer Schallisolierung um dich herum versuchen, um nicht die
gesamte Menschheit zu stören.“ Kelly war beleidigt. „Und jetzt gehe
ich Connor suchen. Sag dem Barmenschen, er kann die Sachen selber zum Pool
bringen.“ Sie drehte sich um und verließ den Raum. Julia konnte noch
hören wie sie anfing nach Connor zu rufen, konnte aber keine Antwort
mitbekommen. Dann wandte sie sich wieder an Mason.
„War das unbedingt nötig
?“
Mason, nun selber beleidigt,
nippte als Antwort nur wieder an seinem Wasser. Kurz entschlossen nahm
Julia es ihm aus der Hand und stellte es auf den Tresen.
„Um die Sache klar zu stellen.
Ich bin schwanger – nicht krank. Ich lebe, atme, esse und genieße
dieses dabei auch noch. Dieses Baby in mir wächst und gedeiht bestens
und wenn sie irgendwann auf dieser Welt ist ......“
„Sie ??? Ich dachte wir bekommen
einen Jungen ???“
„Das weiß ich noch nicht.“
„Warum sagst du es dann ?
Ich habe schon die komplette Ausrüstung bestellt. Das kann ich nicht
einfach so mehr ändern.“ verteidigte Mason sich.
„Welche Ausrüstung um
Himmels Willen ?“
„Fahrrad, Baseballschläger,
einen Sonderband über die letzte Football Saison,.......“
Julia nahm Mason an die Hand.
„Du fühlst dich nicht
gut. Wir gehen besser nach Hause.“
Sie zog ihn mit sich zur Tür.
„Das Sonderheft „Wie behaupte
ich mich gegen eine rabiate Ehefrau“ ist auch schon bestellt. Aber das
könnte ich vielleicht auch noch selber gebrauchen.“
Auf ihrem weg durch den Raum
wurden sie von vielen entgeisterten Blicken getroffen.
„Schwanger !“ entschuldigte
sich Julia mit einem verlegenen Blick und zog Mason durch die Tür.
16
Am nächsten Morgen hatte
Rosa in der Küche zu tun und wollte alleine in Ruhe arbeiten. Deshalb
hatte sie Cilia aufgetragen in der großen Eingangshalle sorgfältig,
wie sie betonte, Staub zu wischen. Die Stimmung zwischen den beiden Frauen
konnte man auf keinen Fall freundschaftlich nennen, aber sie hatten sich
aneinander gewöhnt und man respektierte sich. Es gefiel Rosa, als
Julia bei einem kurzen Besuch am frühen Morgen erwähnte, das
Samantha geradezu von Cilia schwärmte und am liebsten die nächste
Nacht wieder im Capwell Haus verbringen würde. Obwohl sie nichts direkt
damit zu tun hatte war sie doch ihre Untergebene und wenn man ihr schmeichelte,
schmeichelte man auf diese Weise auch Rosa.
Das Atrium war ganz ruhig.
Die Familienmitglieder waren laut Rosa alle außer Haus und so fühlte
Cilia sich sicher, als sie ein kleines Taschenradio herausnahm und einen
Sender mit lateinamerikanischer
Musik einstellte. Mit einem
kleinen Clip befestigte sie das Radio an ihrer Schürze und stellte
die Musik auf eine solche Lautstärke, das Rosa in der Küche nichts
bemerken würde, für sie die Arbeit aber lockerer von der Hand
ging. Im Rhythmus eines Mambos tänzelte sie durch die Halle und staubte
im vorbeigehen die Gegenstände ab. Cilia war ein musikalischer Mensch.
Sie liebte Musik und konnte sich nicht daran erinnern jemals ohne einen
Takt Musik in einen neuen Tag gegangen zu sein. Es gehörte dazu, wie
die Sonne am Morgen und es war das letzte was sie hörte, bevor sie
einschlief. Sie liebte Musicals und Musikfilme und belustigte früher
die Arbeiter auf dem Gut, wenn sie ihnen kleine Szenen aus den Filmen vorspielte.
Einmal wurde sie von einem Arbeiter „Little Ginger“ genannt und dieser
Name bürgerte sich irgendwie ein. Jeder kannte „Little Ginger“ und
wenn Musik aufspielte, war sie die erste, die auf die Tanzfläche gerufen
wurde. Cilia konnte sich nicht daran erinnern, das ihr solch eine Situation
jemals unangenehm war. Sie mochte es beobachtet zu werden und es brachte
sie in eine triumphierende Stimmung, wenn man ihr applaudierte.
Die Musik, die der Radiosender
brachte war genau nach ihrem Geschmack und so bemerkte sie nicht, das Ted
die Treppe herunterkam, vertieft in eine Mappe mit Wohnungsangeboten. Gerade
in dem Moment, als sich Cilia mit Schwung der großen Blumenvase mit
dem Staubwedel drohen wollte kreuzten sich ihr und Teds Weg. Ungebremmst
stießen sie ineinander und die Zettel flogen im hohen Bogen aus der
Mappe und verstreuten sich auf dem Boden. Cilia war erschrocken und verängstigt
zugleich. Sie hatte mit niemanden gerechnet und hatte sich wieder einmal
in dezent im Vorderhaus verhalten, so wie man es von ihr verlangte. Trotzdem
war sie froh, als sie erkannte, das es Ted Capwell war in den sie gerannt
war und nicht sein Vater.
„Mr. Capwell. Es tut mir leid.
Warten Sie, ich hebe das auf.“
Cilia bückte sich, um
die Papiere wieder aufzusammeln.
„Ich helfe Ihnen.“ Ted war
ganz Gentleman und half ihr beim einsammeln. „Ich habe selten erlebt, das
jemand mit soviel Elan dem Staub den Kampf ansagt.“
Noch immer konnte man die
rhythmischen Klänge aus dem Radio hören. Ted ging sofort auf
die Musik ein.
„Hmm. Lateinamerikanische
Musik – Sie haben einen guten Geschmack.“
Cilia war es peinlich, das
die Musik noch immer an war.
„Oh Gott, das Radio. Ich mach
es aus.“ Leise fügte sie für sich dazu: „Na hoffentlich hat Rosa
das nicht mitbekommen“ aber auch das bekam Ted mit.
„Keine Angst. Wenn sie irgend
eine Art von Techno Musik gehört hätten wäre Rosa wahrscheinlich
entsetzt. Aber ich habe sie selbst schon zu dieser Musik tanzen sehen.
Beim arbeiten. Heimlich, hinter der großen Blumenvase versteckt.“
Cilia stellte sich vor, wie
Ted hinter der Vase kauerte und Rosa beobachtet. „Muß ja ganz schön
unbequem gewesen sein.“
Sie mußten beide lachen.
„Ich war ein Kind! Jetzt würde
ich bestimmt nicht mehr dahinter passen. Mindestens das linke Ohr würde
herausgucken.“
„Wieso gerade das linke“ wollte
Cilia wissen. „Ist es größer als das andere?“
Laut lachend standen sie wieder
auf. Immer noch klang Musik aus dem Radio. Ted breitete die Arme aus und
gab ein Zeichen der Aufforderung zum Tanz. Cilia schaute sich irritiert
um.
„Wenn Rosa das mitbekommt
habe ich das erste und letzte Mal hier getanzt.“ warnte sie Ted.
Dieser nahm sie jedoch gekonnt
in den Arm und fing an langsam zu tanzen.
„Keine Sorge. Sie tanzen mit
dem Herrn des Hauses.“
Cilia ging sofort auf die
Tanzschritte ein und wie von selbst harmonierten sie.
„Ich dachte der Herr des Hauses
sei Mr. C.C. Capwell, ihr Vater?“ fragte sie schelmisch.
Ted überlegte kurz und
antwortete dann : „Ich vertrete ihn heute. Er ist dann wieder morgen dran.“
Beide mußten wieder
lachen und gaben sich ganz dem Mambo Rhythmus hin, der aus dem Radio kam.
So tanzten sie durch die ganze Halle und merkten nicht, das Sophia hereingekommen
war und sie leicht schockiert beobachtete. Als ihr jedoch auffiel mit welchem
Spaß die beiden dort tanzten ließ sie sich bereitwillig mit
guter Laune anstecken. Wenn da nicht Lilly wäre, wären die beiden
wirklich ein schönes Paar. Wie alt sie wohl war? Vielleicht ein paar
Jahre jünger als Ted oder gleich alt? Diese Cilia war ihr ein Rätsel.
Sie konnte so ernst in einem Moment und so verspielt im nächsten sein.
Aber was immer sie auch tat, niemand konnte ihr so recht böse sein.
Auch Sophia konnte nicht anders, als den beiden Applaus zu spenden.
„Bravo! Das schönste
Paar seit Fred und Ginger!“ applaudierte sie den beide zu.
Während Cilia sofort
aufhören wollte, tanzte Ted weiter und machte keine Anstalten sie
dabei loszulassen.
„Na, Mum. Hast du gewußt
das dein Sohn ein solch begnadeter Mambo Tänzer ist?“
„Du scheinst aber auch eine
sehr begabte Partnerin zu haben“ erkannte Sophia an und gab Cilia per Augenzwinkern
zu verstehen, das sie über das Passierende nicht verärgert war.
Cilia schien es aber angebrachter
den Tanz zu beenden, schaltete das Radio aus und reichte Ted seine Unterlagen
an, die sie zuvor auf den kleine Tisch gelegt hatten.
„Ich danke Ihnen für
diesen Tanz, Mr. Capwell. Vielleicht können wir ihn einander mal fortsetzen
– wenn ich den Kampf gegen den Hausstaub gewonnen habe.“ Cilia hielt den
Staubwedel wie einen Degen in die Luft und marschierte wie ein Krieger
in die andere Ecke der Halle.
Ted und Sophia schauten ihr
lachend hinterher.
„Ich glaube solch ein Dienstmädchen
hatten wir schon lange nicht mehr, Mum. Sie bringt richtig gute Laune ins
Haus.“
„Ja“ stimmte Sophia ihm zu.
„Das mag wohl an ihrer italienischen Art liegen. Temperamentvoll und lebenslustig.“
Ted schaute entsetzt auf seine
Uhr.
„Mein Gott. Ich komme zu spät.“
Schnell drückte er seiner Mutter einen Kuß auf die Wange. „Ich
treffe mich mit Lilly in der Stadt. Wir wollen uns eine Wohnung anschauen.“
Bevor Sophia reagieren konnte war Ted schon an ihr vorbei und durch die
Tür.
Jetzt stand sie da – alleine.
C.C. war im Büro und die Kinder waren auch alle außer Haus.
Sie selbst hatte sich heute frei genommen und wußte im Moment doch
nicht richtig, was sie mit ihrer gewonnen freien Zeit anfangen sollte.
Mit langsamen Schritten ging sie auf Cilia zu. Diese staubte gerade den
großen Spiegel vor dem Arbeitszimmer ab und hatte Mühe an die
oberen Kannten zu gelangen.
„Woran erinnert Sie der Spiegel“
fragte Sophia und erschreckte Cilia, die nicht mit ihr gerechnet hatte.
Cilia nahm einen Schritt Abstand
von dem Spiegel und nun fast auf gleicher Höhe mit Sophia. Die Goldverzierungen
umrahmten das Glas, indem sich die beiden Frauen spiegelten. In den Spiegel
antwortend sagte Cilia genau das, was ihr als erstes in den Kopf kam.
„An die großen Spiegel
vor dem Ballsaal. Sie hingen sich direkt gegenüber, so daß sich
die Damen noch einmal von vorne und hinten betrachten konnten bevor sie
in den Saal gingen. Ich habe gerne in der Ecke zwischen Bibliothek und
Kaminzimmer gestanden und sie dabei beobachtet. Ich fand es immer sehr
lustig ihnen zuzusehen, wenn sie sich in alle Richtungen noch einmal gedreht
und an allen Stellen noch mal gezupft haben.“
Sophias Verdacht war bestätigt.
Cilia mußte des öfteren im Vorderhaus gewesen sein – dafür
kannte sie sich zu gut aus. Sie ging aber nicht näher darauf ein,
um sie sich gesprächig zu halten.
„Ich kann mich daran erinnern,
das ich auch so manches Mal davor stand und gezupft habe. Der Count legte
großen wert auf Äußeres – bei anderen und bei sich.“
„Ja. Er war ein stattlicher
Mann.“
Cilia fiel in ihre Erinnerungen.
„Groß gewachsen – für
einen Italiener“ Sophia mußte über Cilias Bemerkung schmunzeln.
Hatte sie den gleichen Gedanken doch auch schon so oft gehabt.
„Einmal brachte der Schneider
einen Anzug, der bereits fertig sein sollte. Der Count zog das Jackett
sofort über, ging zu den riesigen Spiegeln vor dem Ballsaal und betrachtete
sich wie sonst die Damen. Dann zog er das Jackett wieder aus, gab es dem
Schneider und sagte : „Es ist schön. Ich werde es tragen; wenn der
linke Ärmel um einen halben Zentimeter gekürzt und mit dem rechten
dann gleich lang ist.“ Niemand konnte ihm etwas vormachen. Er hatte Augen
wie ein Adler und wußte alles bestens abzuschätzen.“
Cilia bemerkte, das sie unbewußt
mehr geredet hatte als sie wollte. Sophia ahnte, das dies alles für
heute sein würde und ging in die direkte Offensive.
„Sie waren im Vorderhaus,
Cilia. Und Sie waren oft dort. Sie kennen sich mit den Gegebenheiten und
sie kennen sich auch erstaunlich gut mit den Gepflogenheiten meines verstorbenen
Mannes aus. Warum das?“
Jetzt hatte Sophia sie eiskalt
erwischt. Wie konnte sie sich aus dieser Zwickmühle wieder heraus
bringen?
„Wie ich Ihnen schon sagte.
Das Leben im Vorderhaus hatte für mich immer etwas geheimnisvolles
an sich und ich war ein Kind, ich war neugierig. Also schlich ich mich
hinein und empfand es als Abenteuer die Menschen dort zu beobachten und
dabei nicht entdeckt zu werden.“
Sophia schien mit dieser Antwort
zufrieden zu sein. Allerdings nicht mit Cilias Blick.
„Wissen Sie.“ begann sie ruhig
„Sich an Dinge die in der Kindheit geschehen sind zu erinnern ist eine
Sache. Sie mit soviel Gefühl erneut zu durchleben ist etwas anderes.
Und dabei zu weinen ...“ Sophia deutete auf die Tränen, die sich in
Cilia´s Augen gebildet hatten „heißt das Sie Menschen,
von dem Sie erzählt haben sehr mochten.“
Sophia drehte sich von Cilia
weg und ging ein paar Schritte. Dann blieb sie wieder stehen und schaute
sie wieder an.
„Kann es sein, das sie ihren
Aufenthalt hier auch als ein Abenteuer betrachten, bei dem Sie nicht entdeckt
werden wollen? Ich muß Sie warnen, Cilia. Sehen Sie mich nicht als
einen ihrer Spielkameraden an. Ihr Spielfeld ist meine Vergangenheit, mit
der ich sehr starke Emotionen verbinde. Ihr Abenteuer könnte leicht
gefährlich werden wenn sie mich mit unfairen Schritten reizen wollen.
Spielen Sie offen, und wir können beide gewinnen. Überlegen Sie
es sich.“
Cilia war nicht in der Lage
zu antworten. Sophia ging. Die Fronten waren klargestellt. Das Spiel war
eröffnet und Cilia nun am Zug.
17
Durch die zugezogenen Vorhänge
fiel nur ganz wenig Licht in das kleine Zimmer und ließ die wenigen
Dinge, mit denen es eingerichtet war gespenstisch erscheinen. Von draußen
hörte man das Knarren der Treppenstufen und eine angeregte Unterhaltung.
"Ich weiß wirklich nicht,
ob ich nach diesem eindrucksvollen Flur überhaupt noch euren zukünftigen
Palast sehen möchte" spottete eine männliche Stimme ironisch.
Die Schritte verstummten.
"Ich habe dich nicht gezwungen
mitzukommen. Mum hat mich gebeten eine objektive Meinung einzuholen bevor
wir zusagen und hat auch gleich ihren - subjektiven - Berater zur Seite
gestellt." entgegnete eine junge, weibliche Stimme.
Nun waren wieder Schritte
zu hören, die sich dem kleinen Raum näherten. Sie stoppten erneut,
als sie die Tür erreichten. Ein Schlüssel suchte seinen Weg ins
Schloß, konnte die Tür aber nicht öffnen.
"Vielleicht war es ja doch
das kleine, niedliche Haus auf der anderen Straßenseite und dies
hier ist alles nur ein fürchterlicher Alptraum .... ich meine Irrtum."
"Ist es nicht!" entgegnete
die Frau scharf. "Einer von diesen Schlüsseln wird schon passen. Der
Vormieter ist überraschend gestorben und die Erben haben den ganzen
Bund abgegeben, da sie nicht mehr wußten welcher Schlüssel zu
welcher Tür gehört."
"Ich hoffe, sie haben nicht
vergessen den Vormieter abzugeben..."
"Lionel! Es reicht!"
In diesem Moment ließ
sich die Tür mit einem lauten Knarren öffnen. Von der oberen
Kante fiel Staub auf Lilly´s Haare.
"Ich dachte immer, das man
Reis werfen würde - oder Salz." Lionels Schadenfreude war ihm deutlich
anzuhören und zu sehen.
Lilly warf ihm nur einen skeptischen
Blick zu, schüttelte sich den Staub aus den Haaren und ging in das
Zimmer.
"In meiner Vorstellung war
es irgendwie größer" mußte sie eingestehen.
"In meiner Vorstellung hattest
du mehr Geschmack!"
Nun reichte es Lilly. Sie
packte Lionel an den Schultern und drehte ihn um, um ihn zurück zur
Tür zu drücken.
„Danke, Mr Lockridge. Ich
glaube ihre Beraterfunktion ist hiermit beendet. Vielen Dank für ihre
große Hilfe."
Mit einer geschickten Drehung
drehte Lionel sich um Lilly herum und ging auf das Fenster zu.
"Aber ich habe doch noch gar
nichts gesehen. Wir sollten erst einmal die Vorhänge aufziehen und
etwas Licht herein lassen. Du wirst sehen, dann wird es gleich ganz anders
aussehen."
"Hey, Mr Skepsis! Sie verwechseln
gerade nicht nur ihre Rolle sondern auch ihren Text." sagte Lilly, die
nun gar nichts mehr verstand."
Gerade hatte er noch wie ihre
Mutter gesprochen und nun klang er auf einmal doch noch wie der gute alte
Lionel. Nicht voreingenommen, immer für Überraschungen gut und
sehr flexible. Manchmal schon zu flexibel, wie Gina einmal meinte. Aber
auch sie hatte sich schließlich daran gewöhnt, das sie bei ihrem
Ehemann mit allem rechnen mußte. Am schwersten war es ihr gefallen
zu akzeptieren, das Lionel sehr viel wert darauf legte weiterhin die Freundschaft
zu Sophia zu pflegen.
"Kannst du dir vorstellen:
Lionel würde Sophia und CC zum gemeinsamen Abendessen einladen und
ich müßte nun die liebevolle und fürsorgliche Gastgeberin
für eine Frau sein, die ich so manches Mal am liebsten aus der Stadt
gejagt hätte" hatte Gina einmal zu Lilly im Vertrauen gesagt und beide
hatten sich danach noch köstlich über diese Vorstellung amüsiert.
"Und dann Lionel und CC. Glaubst
du wirklich, er könnte es auch nur 10 Minuten ertragen, das seine
Sophia und Lionel sich angeregt unterhalten ohne in eifersüchtige
Rage zu geraten?"
"Nun ja, Mum. Ich könnte
mir aber auch vorstellen, das es dir auch nicht passen würde wenn
dein Ehemann sich mit Sophia blendend verstehen würde. Du würdest
CC in keiner Weise nachstehen."
Gina nickte kurz.
"Ich hätte sie doch damals
aus der Stadt treiben sollen, bevor sie sich seßhaft machte."
Selbst jetzt, wo sich Lilly
nur kurz an dieses Gespräch erinnerte brachte es sie wieder zum lachen.
Deshalb hatte sie auch nicht mitbekommen, das Lionel sie mehrmals um Hilfe
bei den Vorhängen bat. Als sie endlich reagierte und ihre Umwelt wieder
registrierte, fiel ein wenig mehr Licht herein und brachte die ganze Katastrophe
noch besser zum Vorschein. Die möblierte Wohnung enthielt gerade mal
einen alten Tisch, einen dazu passenden alten Stuhl und ein Regal an der
Wand, an dem von vier Brettern gerade mal zwei hingen und ein weiteres
durchgebrochen war. Die Vorhänge hingen nur noch an einzelnen Ösen
und das Muster der Stoffe war vielleicht Anfang der 50ger Jahre modern
gewesen. Die Fensterscheiben waren derart verdreckt, das es kaum möglich
war hindurch zu schauen und den Außenbereich zu begutachten.
"Eigentlich weiß ich
auch gar nicht mehr so genau, ob ich das eigentlich noch will" dachte Lilly
bei sich.
Da griff sich Lionel auch
schon in die Hosentasche und holte ein Taschentuch heraus und fing an eine
kleine Fläche auf dem Glas vom Schmutz zu befreien. Erstaunt schaute
er dann auf den Dreck, den es auf dem Tuch hinterlassen hatte.
"Wow! Wann, sagtest du war
der Vormieter gestorben?"
"Vielleicht war putzen nie
seine Stärke." antwortetet Lilly frustriert und enttäuscht. Sie
war bereit ihren Traum von einer Wohnung aufzugeben. "Laß uns gehen.
Wir können Ted draußen treffen. Ich habe nicht im geringsten
Lust mir auch noch seinen Spott anzuhören, wenn er die Wohnung sieht."
Lionel hörte ihr nur
beiläufig zu. Er hatte sich mit seinem Gesicht so nah wie möglich
dem Fenster genähert und schaute durch den kleinen, sauberen Kreis
nach draußen.
"Man sollte vielleicht wirklich
nicht zu früh seine Meinungen fällen." sagte er immer noch hinaus
schauend.
"Wie meinst du das denn, bitte?
Deinen Spott kannst auch du mir ersparen. Diese Wohnung ist ein Alptraum
und ich möchte ihn so schnell wie möglich vergessen."
Lionel ließ sich nicht
beirren und gab Lilly ein Zeichen mit der Hand noch zu warten. Dann versuchte
er mit Gewalt das angerostete Fenster zu öffnen.
"Gibt es hierfür auch
einen Schlüssel an deinem Monstrum von Schlüsselbund oder ist
es einfach nur verklemmt?"
Lionel legte sein ganzes Körpergewicht
in den letzten Versuch das Fenster zu öffnen. Und siehe da : mit Erfolg.
Das Fenster gab mit einem heftigen Ruck nach, so daß Lionel sich
nur schwer abfangen konnte. Durch das einfallenden Sonnenlicht war Lilly
geblendet und konnte zunächst nichts von dem erkennen, was sich ihr
dort bot.
"Dein Vormieter war vielleicht
nicht der geborene Hausmann, aber von Gartengestaltung hat er etwas verstanden."
Lionel deutete auf den Garten, der hinter dem Haus lag. Nun kam auch Lilly
näher an das Fenster heran und glaubte ihren Augen kaum zu trauen.
Der Garten war von einer hohen Mauer umgeben, in denen kleine Nischen eingelassen
waren und in ihnen wiederum standen winzige, römische Figuren. In
der Mitte des Gartenbereichs stand ein stillgelegter Springbrunnen mit
einer passenden aber wesentlich größeren Figur. Vor der Mauer
waren Büsche und kleinere Bäume angepflanzt und um die Nischen
herum Rosenstöcke gesetzt, die zur Zeit aber nicht blühten. Eine
weiß gestrichene Bank, die direkt vor dem Brunnen stand lud jedermann
ein einfach Platz zu nehmen und für einen kurzen Moment die Welt um
sich zu vergessen.
Es kostete Lionel viel Mühe
das verrostete Scharnier der Tür zu überreden ihnen Einlaß
in dieses kleine Paradies zu lassen, aber irgendwann gab sie nach und als
die frische Luft in die Räume zog, erschien es fast, als würden
die Wände aufatmen und zu neuen Leben erwachen. Lilly und Lionel nahmen
auf der Bank Platz und sahen sich um.
"Wie kann etwas so wunderschönes
neben so etwas chaotischem existieren?" fragte Lilly.
Lionel ergab sich ganz seiner
angeborenen Poesie.
"Vielleicht hat er ganz bewußt
dieses Chaos im Haus kreiert, um die Menschen von seiner anderen Welt,
diesem wunderschönen Paradies, fern zu halten. Er mag seine Mitmenschen
wahrscheinlich richtig eingeschätzt haben und wußte, das sie
sich von den ersten Eindrücken täuschen lassen würden und
so konnte er sich seiner Abgeschiedenheit immer sicher sein."
"Er muß ein kluger Mann
gewesen sein." gab Lilly offenmütig zu und Lionel stimmte ihr zu.
In diesem Moment hörten
sie, wie die vordere Tür geöffnet wurde und kurz darauf jemand
laut anfing zu husten. Lilly, die mit geschlossenen Augen ihr Gesicht der
Sonne entgegen hielt sagte beiläufig:
"Ted ist angekommen. Jetzt
werden wir gleich heraus finden, ob er wirklich so klug ist wie er immer
tut."
"Wer hat denn dieses verstaubte
Bruchbude ausgesucht? Lilly? Bis du schon hier?" tönte es zwischen
zwei Hustern und es war das abklopfen von Kleidung zu erkennen.
Lilly und Lionel schauten
sich nur kurz an, um sich dann ganz wieder der Sonne hinzugeben.
"Lassen wir ihn uns ruhig
noch ein wenig suchen" schlug Lionel vor.
"Und wenn er von dem ersten
Blick angewidert ist und wieder geht, hat er diesen schönen Platz
genauso wenig verdient wie all die anderen Leute.“
Dann atmeten beide kräftig
durch und Lilly legte mit sich und der Welt zufrieden den Kopf auf Lionel´s
Schulter und war sich sicher, ihr eigenes Paradies gefunden zu haben. Jetzt
war nur noch die Frage, wie lange Ted für diese Erkenntnis benötigen
würde.
"Lassen wir ihn ruhig suchen,
während wir genießen" sagte sie leise. Und vergaß dabei
ganz, das sie schon auf halben Wege nach draußen war.
18
Cilia war froh, das Rosa von
dem Tanz im Atrium nichts mitbekommen hatte. Wahrscheinlich hätte
sie ihr sonst den restlichen Tag zur Hölle gemacht. Dabei war er schon
schwer genug. Nach dem Gespräch mit Sophia fühlte Cilia sich
plötzlich gar nicht mehr so sicher in ihrem Vorhaben. Sie hatte nicht
damit gerechnet, das Sophia sie als Gegner betrachten und sie auch noch
herausfordern würde.
Nervös ging sie in ihrem
Zimmer auf und ab. Warum hatte sie sich auf das alles nur eingelassen?
Immer wieder stellte sie sich die eine Frage. Sollte sie ihr ganzes Vorhaben
fallen lassen? Noch war es nicht zu spät aufzuhören. Wenn sie
einfach ihre Taschen packen würde und morgen nicht zum Dienst käme,
würden alle denken, sie hätte kalte Füße bekommen
und sei in einer Nacht und Nebel Aktion verschwunden. Alle würden
sie ganz schnell wieder vergessen. Cilia blieb stehen und sah in den Spiegel.
„Nein,“ sagte sie zu sich.
„Nicht wieder vergessen.“
Das Wort „vergessen“ hatte
sie aus ihrem Vokabular gestrichen. Zuviel Schmerz verband sie damit, als
ob sie es einfach zu benutzen konnte. Sie ging zum Bett, bückte sich
und holte etwas unter dem Bett hervor. Es war ihre Reisetasche und in ihr
war noch ein eine kleine, schwarze, quadratische Tasche. Darauf war ein
kleiner Zettel geklebt – ähnlich dem auf ihrer Mappe, die sie während
ihrer Reise nach Santa Barbara immer mit sich trug. „Für den Notfall“
stand darauf und darunter war ein lachendes Gesicht gemalt. Aber Cilia
war wirklich nicht zum Lachen zumute. Sie öffnete die Tasche und holte
ein Laptop heraus. Nervös machte sie sich auf die Suche nach einer
Steckdose, den Netzstecker in der Hand. Dann erinnerte sie sich an die
kleine Lampe neben dem Fernseher und zog den Stecker heraus. Auf einmal
war es dunkel im Raum – und nun hatte Cilia Probleme die Steckdose wieder
zu finden, um das Gerät anzuschließen. Endlich gefunden leuchtete
der Bildschirm des kleinen Computers auf und verschaffte ihr genügend
Licht, um die Tastatur zu bedienen. Cilia hatte in ihrem Leben schon einige
Male an Computern gearbeitet, befürchtete jetzt aber alles verlernt
zu haben. Ein unnützer Gedanken, den sie dort verschwendete. Schnell
war sie in dem Internet-Programm, das ihr ermöglichte Nachrichten
zu versenden.
Als der Cursor auf der Zeile
mit dem Empfänger der Nachricht blinkte stockte sie. In ihrem Kopf
war ein großes, schwarzes Loch. Was, wenn sie sich nicht an die Adresse
erinnern könnte?
„Ich weiß wieder!“ sagte
sie und tippte erleichtert die Adresse ein.
Dann leuchtete der Cursor
auf der Zeile Betreff auf. Ohne zu zögern gab sie „Hilfe!“ ein und
ging weiter zu Textbereich.
„Das Spiel ist eröffnet.
Brauche deine Hilfe. Melde mich morgen 0.00 Uhr, Santa Barbara Zeit. Sei
da!!! Cilia“
Nur noch ein Knopfdruck und
sie würde sich wieder besser fühlen können. Nur noch auf
„senden“ drücken, was sie auch tat, und dann hoffen, das „sie“ sich
morgen Nacht melden würde. Dann würde sie endlich einmal wieder
sie selbst sein können und müßte sich nicht verstellen.
Wäre doch nur der morgige Tag schon vorbei.
Cilia schaltete nur noch schnell
den Computer aus, schloß die kleine Lampe wieder an und ging dann
zu Bett.
Schon bevor sie einschlief
wußte sie genau wovon sie träumen würde. Von Paris und
von London. Von den gemeinsamen Spaziergängen an der Seine und der
Themse und den langen Gesprächen in irgendeinem Straßencafé.
Dem Geruch von frischen Croissants und Eiern mit Speck. Einfach von dem
Gefühl ganz sie selbst sein zu können ohne sich zu verstecken
zu müssen. Und als sie vor ihren Augen langsam das Gesicht der ihr
so lieb gewordenen Person gegenüber erkannte wußte sie, daß
nun ein wunderschöner Traum beginnen würde und sie war sich sicher
wie schon lange nicht mehr, das sie ihn gemeinsam Wahrheit werden lassen
würden.
19
Sophia hatte sich schon
für die Nacht vorbereitet und saß auf dem Bett. Ganz in Gedanken
versunken kämmte sie mit ihren Fingern ihr Haar. Sie hatte es wieder
wachsen lassen und freute sich eigentlich jedes mal, wenn ihre Finger wieder
Halt darin fanden. Doch jetzt nahm sie es gar nicht richtig zur Kenntnis.
C.C. kam aus dem Ankleidezimmer, bemerkte zwar ihre Art, beschloß
aber es zu ignorieren. Statt dessen ging er direkt auf das Bett zu und
fing an es abzudecken. Dadurch aus ihren Träumen gerissen schreckte
Sophia hoch und stand sofort auf, um ihm behilflich zu sein.
„Du denkst wieder an dieses
Mädchen, stimmt’s?“ fragte C.C. während er die Decke zurückschlug.
Sophia ließ ihren Teil
der Decke los und lies sich auf des Bett sinken.
„Ich habe ab meine Zeit in
Italien gedacht“ bekannte sie ehrlich, traute sich aber nicht ihn dabei
anzusehen. „Obwohl es 15 Jahre meines Lebens betraf, habe ich doch immer
wieder versucht diesen Abschnitt zu verdrängen.“
„Ich gebe diesem Abschnitt
keine so große Bedeutung. Es war eine Unterbrechung unserer
gemeinsamen Zeit, ein unangenehmer Fakt – mehr nicht.“
C.C. legte sich unter die
Decke, während Sophia immer noch auf ihrer Seite auf der Bettdecke
saß und weiter grübelte.
„C.C.“ Sophia nahm die Sache
ernster, als er vermutet hatte. „Ich war dort verheiratet, hatte eine kleine
Familie.“
„Eine Familie?“
„Marcello. Ich weiß,
er war nur adoptiert, aber da waren auch noch Antonio und Serena, die Kinder
meines Mannes aus erster Ehe.“
C.C. machte keinen Hehl daraus,
das er die Bezeichnung „Mein Mann“ für unpassend empfand. Da er aber
bemerkte, das Sophia sehr viel an dem Thema lag, bat er sie, ihm mehr von
dem Count Armonti zu erzählen.
„Aber erst, wenn du dich hierher
gelegt hast“ fügte er hinzu und deutete auf seine offenen Arme.
Sophia war erleichtert, das
CC ihr zuhören wollte, legte sich in seinen Arm und fing an zu erzählen.
„Nachdem Marcello befunden
hatte, das ich kräftig und mental stabil genug war, um das Krankenhaus
nach vier langen Jahren endlich verlassen zu könnte, überredete
er mich mit auf das Anwesen seiner Eltern zu kommen. Na ja, überreden
mußte er mich eigentlich nicht, denn ich wußte ja immer noch
nicht wer ich war und woher ich kam. Wohin hätte ich sonst gehen sollen,
als ihm zu folgen? Die Contessa war schon einige Jahre tot und so lebte
der Count Armonti alleine mit seinen Kindern auf dem riesigen Anwesen.
Ich erinnere mich an den Moment, da ich ihn das erste Mal sah. Er war ein
groß gewachsener, stattlicher Mann mit leicht ergrauten Schläfen.
Sein Auftreten war sicher und seine Kleidung makellos. Feinstes italienisches
Tuch. Ich war nervös ihn anzusprechen, da ich kein einziges Wort italienisch
sprach oder verstand. Um so mehr war ich überrascht, als er mich in
meiner Sprache begrüßte. Es brach sofort jedes Eis zwischen
uns.“
Sophia rückte näher
an C.C. heran. Sie empfand es als eine Wohltat, das sie ihm von ihrer Zeit
in Italien erzählen konnte, wollte aber keinen Zweifel offen lassen,
wer der einzige Mann in ihrem Leben war und es immer sein würde.
„Er war sehr taktvoll – akzeptierte,
das ich viel Zeit für mich alleine benötigte. Irgendwann bemerkte
ich dann, das sich seine Fürsorge in ein tieferes Gefühl geändert
hatte. Zuerst war es mir unangenehm, irgend etwas in mir wollte nicht auf
seine Andeutungen reagieren. Wahrscheinlich war ich ohne es zu wissen immer
noch so stark mit dir verbunden.....“
C.C. nahm Sophia fest in seinen
Arm. „Und doch hast du ihn geheiratet.“
Sophia nickte.
„Aber bis dahin verging noch
eine Menge Zeit. Die Sitzungen mit Marcello zeigten kaum Erfolg. Ich konnte
mich an Personen und Gefühle in diesem anderen Leben erinnern, hatte
aber nie konkrete Bilder vor Augen. Jede Sitzung wurde letztendlich zur
Enttäuschung meiner Erwartungen. Irgendwann habe ich einfach aufgegeben,
glaube ich. Sophia schien sich für das Gesagte zu schämen, denn
sie senkte ihren Kopf; vergrub ihn fast in der Decke. Erst als C.C. ihr
einen aufmunternden Kuß auf die Stirn gab hob sie ihn wieder an und
erzählte weiter.
„Irgendwann war es ganz selbstverständlich,
das ich ihn auf gesellschaftliche Anlässe begleitete und irgendwie
wurde ich von seinen Freunden auch sofort akzeptiert. Als er mich fragte,
ob ich ihn heiraten wolle, sagte ich ja. Der Gedanke ganz neu anzufangen
und alle Unsicherheiten hinter mir zu lassen war so verführerisch....“
Sophia konnte ihre Tränen
nicht länger zurück halten. Hemmungslos weinte sie und hielt
sich verkrampft an C.C. Dieser war etwas verunsichert, denn es stellte
sich ihm die Frage, ob sie weinte, weil sie sich für das Gesagte schämte,
oder ob sie nicht doch den vergangenen Zeiten hinterher trauerte.
20
Der Tag schien für Cilia
nicht zu vergehen. Sie konnte es kaum erwarten, das es Mitternacht sein
würde und sie endlich mit einem Menschen ein offenes, ehrliches Gespräch
über die Geschehnisse der letzten Zeit führen könnte. Und
wenn es auch nur über einen Computer sei.
Sophia hatte das Haus schon
früh verlassen und es kam Cilia gelegen, das sie sich zu diesem Zeitpunkt
gerade in der Küche aufhielt und ihr somit nicht begegnete. Sie hatte
Spaß an dem Spiel, das sie mit Sophia spielte; hatte aber auch Angst,
das ihr ihre Gegenspielerin über werden würde. Auch wenn sie
Sophia lange nicht mehr gesehen hatte wußte sie, das aus der stets
freundlich aussehenden Frau eine gefürchtete Feindin werden konnte,
wenn sie sich oder die Familie bedroht sah. Es sich mit ihr in irgendeiner
Weise zu verscherzen konnte sie sich nicht leisten. Jetzt noch nicht.
Gegen Mittag hatte Rosa Cilia
gebeten auf den Markt zu gehen und Gemüse einzukaufen. Diesen Auftrag
konnte man schon fast als einen Vertrauensbeweis sehen, den Rosa war erstens
sehr wählerisch bei der Auswahl der Lebensmittel und zweitens wußte
sie, das Cilia sich noch nicht sehr gut in Santa Barbara auskannte.
„Vielleicht ist das ja alles
auch nur Schikane und sie will mich ins offene Messer laufen lassen“ dachte
Cilia bei sich als sie die lange Straße zur Innenstadt herunterging.
„Mir gegenüber wird sie die Qualität loben und im nachhinein
sich bei der Familie für mich entschuldigen. Und alle werden über
mich in ihrer ach so liebenswerten Art schmunzeln.“ Die Tonart in Cilias
Gedanken wurde zynisch und aggressiv. „Euch werde ich es schon zeigen –
euch Capwells. Auch ich weiß, was es heißt im Land von Milch
und Honig zu leben. Ich zeige es nur nicht unbedingt so schamlos.“ Auf
Cilias Gesicht bildete sich ein überlegenes Grinsen und während
sie so ihren Korb schwenkte genoß sie das aufkommende Gefühl
der Genugtuung.
„Gut gelaunte Frau so schnell
des Weges. Wo soll es denn hingehen?“
Überraschend und mit
festem Griff riß jemand Cilia am Arm und zwang sie somit in seine
Richtung zu sehen. Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Vor ihr stand
ein groß gewachsener, dunkelhaariger Mann mit breiten Schultern.
Sein schön geschnittenes Gesicht wurde von einem vernachlässigten
drei-Tage-Bart verunstaltet, doch aus seinen braunen, ja fast schon schwarzen
Augen funkelte diese Glut, in die sich Cilia sofort verliebt hatte, als
sie sie das erste Mal sah.
„Angelo!“ Cilia versuchte
nicht ganz so überrascht zu wirken, was ihr aber nicht sonderlich
gut gelang. Warum auch. Sie hätte eher mit dem Teufel auf Erden als
mit Angelo in Santa Barbara gerechnet. Auch wenn sich dies beides als identisches
Schicksal für sie herausstellen konnte.
Angelo ließ sie immer
noch nicht los; verstärkte sogar noch den Griff und zog sie somit
leicht von der Straße in einen nahe gelegten Park. Als er eine Parkbank
entdeckte führte er Cilia dort hin und mit einem unsanften Stoß
brachte er sie zum hinsetzen. Dann setzte er sich ganz locker und leger,
das eine über das andere Bein geschlagen, neben sie und stützte
seinen Kopf verspielt auf seinen linken Arm.
„Ich habe meine kleine Bella
vermißt!“ sagte er mit einem bittersüßen Grinsen. „So
schnell wie du fort warst – und das ohne dich von mir zu verabschieden
– konnte ich mich gar nicht an diese neue Situation gewöhnen.“ Angelo
hob bei der Stelle mit dem Verabschieden ermahnend den Finger.
Cilia hatte kaum Gelegenheit
zu überlegen. Gerade noch in Gedanken über Sophia stand ihr jetzt
ihr italienischer Alptraum gegenüber, von dem sie gehofft, das er
ein für alle Mal vorbei sei.
„Ihn nur nicht reizen. Versuchen
ihm alles zu erklären – ja. Aber bloß nicht reizen“ dachte sie
still bei sich.
„Es tut mir leid. Alles ging
für mich selbst so schnell. Ich konnte mich gerade noch von Mama verabschieden
und dann war ich auch schon auf dem Weg nach Rom.“
So sorgfältig sie auch
ihre Worte ausgesucht hatte zeigten sie keinen Erfolg. Angelo griff sich
ihr Handgelenk und drehte es mit einem Ruck zur Seite herum, so daß
Cilia Schmerz verzehrt das Gesicht verzog.
„Meine Bella“ Angelo grinste
immer noch – Cilias Schmerzen schienen ihn nicht zu beeindrucken. „An ihre
Mama denkt sie und ihren Angelo vergißt sie einfach. Das ist aber
nicht nett.“ Er drückte ihr einen Kuß auf die Wange und Cilia
drehte angewidert ihr Gesicht zur Seite. Das hätte sie besser nicht
tun sollen, denn Angelo ließ plötzlich ihr Handgelenk los
und krallte sein muskulösen Hände in ihre Wangen und zwang sie
so ihn wieder anzusehen.
„Sollst du das tun?“ Sein
Gesichtsausdruck hatte nun gar nichts mehr von Freundlichkeit an sich.
„Habe ich es dir nicht tausendmal versucht zu erklären, das ich es
nicht leiden mag wenn es jemanden an Respekt mangelt. Und bei dem Verhältnis,
das wir beide haben kann ich ja wohl etwas Respekt erwarten.“
Angelo wartete auf eine Antwort.
Er hatte es geschafft; Cilia war eingeschüchtert und konnte ihm nur
noch ängstlich zunicken.
„Gut!“ Angelo schien zufrieden
zu sein und ließ ihr Gesicht los. Während Cilia mit Kieferbewegungen
versuchte wieder Gefühl ins Gesicht zu bekommen zog sich Angelo die
Ärmel seines alten, aber dennoch teuer aussehenden Armani Jacketts
gerade. Ohne sie anzuschauen fuhr er mit seine Ausführungen fort.
„Ich habe ja nur andeutungsweise
gehört, was dich auf die andere Seite der Welt getrieben hat – aber
es hört sich schon verlockend an.“
Für Cilia vollkommen
unerwartet rückte er näher an sie heran, so daß seine Nasenspitze
fast die ihre berührte.
„Erzähl mir alles über
diese super reiche Vorzeigefamilie, die dir so ans Herz gewachsen ist.“
Er drehte sich wieder von
ihr weg und nahm die relaxte Sitzposition vom Anfang wieder ein.
„Ich will alles über
diese Capwells wissen. Alles!“
21
"Connor! Du musst dich sofort
mit Italien in Verbindung setzen!"
Connor blieb vor Schrecken
fast das Herz stehen als Kelly durch die Tür gestürmt kam und
ihm einen Ausweis direkt vor das Gesicht hielt. Ohne große Anzeichen
einer Regung - er war viel zu Stolz zuzugeben, dass er fast zu Tode erschrocken
war- nahm er Kelly den Ausweis der Hand und sah ihn sich genauer an.
"Dieser Pass ist auf den Namen
Cecilia Armonti ausgestellt, also ist er eindeutig nicht deiner. Erste
Frage: Woher hast du ihn? Zweite Frage: Was soll ich damit?"
"Du sollst Italien anrufen
und herausfinden was diese Person mit meiner Mutter zu tun hat. Verdammt,
sie ist eine Armonti und diese Armontis habe bisher immer nur Negatives
für unsere Familie bedeutet und ich habe keine Lust, das es wieder
passiert." Kelly war sehr erregt.
Connor versuchte die Stimmung
wieder auszugleichen, indem er gelassen und ruhig blieb.
"Kelly, du hast zwar in gewisser
Weise meine zweite Frage beantwortete, aber ich werde keinen einzigen Finger
hier rühren bis du mir nicht erklärt hast, woher du diesen Paß
hast. Oder willst du mir erklären, das sie ihn dir gegeben hat um
etwas über sich heraus zu finden."
Ohne es wirklich zu
wollen war Connor nun doch laut geworden. Er hatte einen harten Tag hinter
sich und hatte keine Lust auf eine von Kelly´s Eskapaden. Das einzige
was er noch wollte war gleich nach Hause zu gehen, ein langes, heißes
Bad zu nehmen und sich dann gemütlich auf das Sofa zu legen und irgendeinen
alten Film anzusehen. Irgendwie hatte er aber das Gefühl, das er so
schnell nicht aus diesem Büro heraus kommen würde.
"Dann lass es eben sein!"
beleidigt nahm Kelly ihm den Pass wieder aus den Händen und dreht
sich von im weg. "Meine Familie scheint dir ja sehr viel zu bedeuten, so
sehr wie du dich um sie sorgst."
"Aha. Jetzt kommt der sentimentale
"Ich drücke auf das tränenreiche Mitleid" dachte Connor bei sich,
ging aber trotzdem um den Tisch herum und legte zärtlich von hinten
seinen Kopf auf Kelly´s Schultern.
"Sag mir woher du diesen Pass
hast und ich sage dir, was ich für deine Familie tun kann. Für
den Fall, das sie direkt von den Zusammenhängen betroffen ist."
"Ich habe ihn gefunden" antwortete
sie kleinlaut. "In Cilia´s Nachtisch. Versteckt unter ihrer Wäsche.
Allein das lässt diese Sache doch wohl schon mysteriös genug
erscheinen. Warum nennt sie sich Cilia Ardello, obwohl sie Armonti heißt
und warum versteckt ihren Pass unter ihrer Wäsche."
Kelly´s für einen
Moment aufgekommene Ruhe war wieder verschwunden. In ihrer Begeisterung
hatte sie sich wieder zu Connor herum gedreht, so saß dieser mit
seinem Kinn an Kelly´s Schultern abrutschte und es schien als ob
er ihr mit einem Nicken zustimmen würde. Kelly sah das aber mehr als
eine Ablenkung und vermutete, das Connor ihr gar nicht aufmerksam zuhörte.
"Hast du auch nur etwas von
dem begriffen, was ich dir gerade erzählt habe, Connor ?"
Connor ging wieder zurück
zu seinem Stuhl und setzte sich.
"Alles was ich verstanden
habe ist, das du in Cilia´s Zimmer herum geschnüffelt hast und
ihren Pass gefunden hast. Sie hat euch allen einen falschen Namen genannt
und nun willst du wissen warum. Habe ich alles mitbekommen?"
Kelly stützte sich vor
ihn auf den Tisch und sah ihm direkt ins abwartende Gesicht.
„Sie heißt Armonti.
Cecilia Armonti. Kommt dir der Name nicht irgendwie bekannt vor?" fragte
sie ironisch.
Connor hatte wieder keine
Lust auf ihr Spiel einzugehen und so lächelte er ihr nur entgegen.
"Deine Mutter hieß Armonti,
bevor sie zurück nach Santa Barbara kam und du arbeitest zeitweise
für ein Unternehmen namens Armonti Industries. Habe ich meine Hausaufgaben
zu ihrer Zufriedenheit erledigt Miss Capwell?"
Als Antwort hob Kelly den
Hörer von Connor Telefon ab und hielt ihn ihm hin. Dann holte sie
aus der Handtasche eine Zettel heraus, der wie eine Urkunde aussah und
hielt ihn daneben.
"Ich möchte wissen, ob
dieser kleine Zettel auch nur im geringsten der Wahrheit entspricht. Denn
wenn er es tut haben wir ein weit größeres Problem als die Frage
warum sie uns belogen hat. Ich müsste dann ein langes Gespräch
mit meine Mutter führen - und ich glaube nicht, das es eines von unseren
gemütlichen Kaffeegesprächen werden würde."
Nachdem Connor sich den Zettel
genau angesehen hatte schaute er Kelly ungläubig an. Dann nahm er
ihr den Telefonhörer ab, drückte auf die Gabel und wartete bis
sich jemand von der Zentrale meldete. Und dann bat er um die Vermittlung
eines Ferngespräches nach Italien.
22
Samantha hatte so lange zu
Hause gedrängelt, bis Julia ihr erlaubte die Nacht erneut
im Capwell Haus zu verbringen. Also rief sie Sophia an und packte
noch schnell ein paar Sachen für Samantha ein. Im Capwell Haus angekommen
war die Kleine dann direkt in die Küche gelaufen, um sich bei Rosa
ein Glas Milch abzuholen und dann gleich auf die Suche nach Cilia zu gehen.
Julia entdeckte CC im Wohnzimmer,
wo er die Abendausgabe der Zeitung las.
„Guten Abend. Ich hoffe es
macht euch nichts aus, wenn ich mein Kind heute Nacht wieder bei euch lasse.
Sie hat den ganzen Tag gedrängelt, das sie von Cilia ein italienisches
Märchen erzählt bekommen wolle und irgendwann konnte ich nicht
mehr Nein sagen.“
CC legt amüsiert die
Zeitung bei Seite.
„Du weißt doch, das
die Samantha jederzeit hier bleiben kann. Möchtest du etwas trinken
?“
„Danke. Vielleicht ein Glas
Saft. Wo ist Sophia ? Sie klang vorhin etwas unruhig am Telefon.“
Während Julia auf dem
Sofa Platz nahm ging CC zum Tisch, um ihr einen Saft einzuschenken.
„Sie ist oben und hat sich
etwas hingelegt.“
„Oh, wenn sie sich nicht wohl
fühlt werde ich Samantha wieder mitnehmen und sie ein anderes Mal
hier schlafen lassen.“
Julia wollte gerade aufstehen,
als CC ihr ein freundliches Zeichen gab sitzen zu bleiben und ihr den Saft
gab.
„Sie hat nur Kopfschmerzen
– vielleicht ein wenig zu viel gearbeitet. Und außerdem kommt Samantha
ja wohl auch nicht um ihre Großeltern zu besuchen, sondern mehr,
um sich von Cilia ein Geschichte aus Italien erzählen zu lassen.“
CC´s Lächeln zeigte,
das er über diesen Umstand nicht verärgert war.
„Ja, seitdem sie das letzte
Mal hier war, kommt sie gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus, wenn
es um diese Cilia geht. Woher habt ihr sie ? – ich meine, sie war so plötzlich
hier.“
„Hör mir bloß mit
dieser Geschichte auf“ winkte CC ab. „Ted hat sie eingestellt und für
einen unheimlichen Wirbel damit gesorgt. Lilly ist eifersüchtig, Rosa
kann sich nicht an ihr italienisches Temperament gewöhnen und Sophia
fängt auf einmal an in Erinnerungen zu schwelgen.“ CC ahnte das er
etwas gesagt hatte, was er besser für sich behalten hätte. Er
wollte die Dinge, die Sophia ihm anvertraut hatte nicht an den großen
Nagel hängen. Also versuchte er von dem Thema wieder abzulenken, in
dem er einfach weiter sprach. „Aber mittlerweile hat sie sich sehr gut
hier eingearbeitet und ich bin wirklich überrascht und zufrieden mit
ihr. Was macht Mason ?“
„Oh, wahrscheinlich ist er
noch im Büro und bereitet sich durch intensives lesen einer Babylektüre
auf unser Kind vor. Und wenn er dann gleich nach Hause kommt wird er es
mir Wort für Wort weiter erzählen und mir erklären wie es
denn so ist ein Kind zu bekommen.“
Julia´s Ironie brachte
CC zum lachen. Er legt seine Hand auf die ihre und sagte : „ Ich freue
mich für euch beide. Es ist schön zu sehen, das Mason so ausgeglichen
und glücklich ist. Er hat es verdient – ihr beide habt es verdient!“
Die Küchentür ging
auf und heraus kam Rosa, die von einer aufgeregten Samantha verfolgt wurde.
„Chica. Ich weiß nicht
wo Cilia gerade ist. Vielleicht ist sie oben und bereitet dein Bett vor.“
Als Samantha Julia und CC
entdeckte, rannte sie direkt auf die beiden zu.
„Mama. Ich kann Cilia nicht
finden.“
„Vielleicht ist sie wirklich
oben und hat gerade zu tun. Setz dich hier zu mir und wir warten gemeinsam
auf sie, ja? Weit kann sie ja nicht sein.“
„Ich habe gerade gesehen,
dass das „Geschichtenzimmer“ fertig ist und nur auf so kleine neugierige
Mädchen wie dich wartet.“ Sophia kam die Treppe herunter und ging
auf die drei zu.
„Mum, darf ich ins Bett gehen
?“ fragte Samantha Julia.
„Du möchtest freiwillig
ins Bett ?“ Julia schaute auf ihre Uhr „Jetzt? – na Cilia´s Geschichten
müssen ja wirklich gut sein.“
„Darf ich ?“ hakte Samantha
nach.
Julia konnte ihrer Tochter
nichts ablehnen, wenn sie sie so ansah. Lächelnd nickte sie ihr zu
und sofort wollte Samantha loslaufen, wurde allerdings von CC gestoppt.
„Junge Dame. Wenn Sie schon
nicht mehr unseretwegen in diesem Haus übernachten und kaum Zeit für
uns übrig haben, dann darf ich doch wenigstens einen Gute-Nacht-Kuß
erwarten, oder ?“
Schüchtern schaute Samantha
zwischen Julia und CC hin und her. Dann steckte sie ihren Finger in den
Mund, überlegt noch einmal kurz, nahm den Finger wider heraus und
drückte CC eine Kuss auf die Wange, um dann sofort weiter zu laufen.
Am Anfang der Treppe schlüpfte sie unter Sophia´s Arm durch,
die sich am Geländer festhielt und rannte die Treppe hoch. Amüsiert
beobachteten die drei Erwachsen, wie Samantha am Ende der Treppe im langen
Flur verschwand.
„Was habt ihr nur mit diesem
Kind gemacht ? Ich sage euch, wenn sie mich morgen wieder so bedrängt
hier schlafen zu dürfen kommt sie mit einem größeren Koffer.“
Julia trank noch aus, stellte
das Glas ab und stand dann auf, um zu gehen. CC stand ebenfalls auf und
legte seinen Arm um sie während sie Richtung Tür gingen.
„Du weißt, dass deine
Tochter hier jederzeit willkommen ist. Das brauche ich doch nicht zu betonen,
oder?“
„Nein. Sie ist gerne hier
und ich freue mich, wenn ich sie sicher bei euch aufgehoben weiß.
Dann können Mason und ich uns einmal einen schönen Abend zu zweit
machen. Er hat in letzter Zeit soviel zu tun, das dies immer seltener wird.“
An der Treppe angekommen wandte Julia sich an Sophia. „Du siehst müde
aus. Ich hoffe, Samantha wird artig sein und dich nicht stören.“
Sophia winkte sofort ab.
„Die Kleine stört mich
doch nie. Gönnt ihr beiden euch einen schönen Abend und vielleicht
können wir ja morgen alle gemeinsam zum Strand gehen. Ich glaube mir
könnte eine Brise frische Luft nicht schaden.“
An der Treppe lies CC Julia
los und nahm Sophia statt dessen in den Arm während. Gemeinsam begleiteten
sie dann Julia zur Tür.
„Eine gute Idee. Ich werde
nachher mit Mason sprechen und euch dann morgen Bescheid geben. Gute Nacht.“
Als Julia gegangen war schaute
CC Sophia verliebt an.
„Und was machen wir beide
jetzt ? Die Kinder sind heute Abend außer Haus und Samantha wird
schon bald im Märchenland sein. Was hältst du von einem gemütlichen
Abend vor dem Kamin ? Ein wenig Musik, eisgekühlten Champagner ?“
Zärtlich küsste er ihre Hand.
„Sei mir nicht böse,
aber ich möchte jetzt duschen und mich dann gleich wieder hinlegen.“
Sophia wusste, das sie CC nun enttäuscht hatte. „Einander Mal, ja
?“
CC nickte ihr zu.
„Ich bleibe dann noch unten
und lese den Artikel zu Ende, wenn es dich nicht stört.“
„Nein. Ich glaube, ich bin
heute sowieso kein guter Gesprächspartner. Lass dir Zeit.“
Sie küsste ihn und ging
dann wieder die Treppe hinauf, während CC zurück ins Wohnzimmer
ging.
23
Auf dem Weg zurück in
ihr Zimmer kam Sophia an der offenen Tür zu dem Gästezimmer vorbei,
wo es Cilia und Samantha sich gerade auf dem Bett gemütlich machten.
Samantha hatte bereits ihr Nachthemd an und schlüpfte unter die Decke,
während Cilia an der Kommode stand und die große Haarbürste
aus der obersten Schublade nahm.
„Was hältst du davon?
Während ich dir die Haare bürste erzähle ich dir eine Geschichte
von einer kleinen, hübschen Prinzessin, die auf einer wunderschönen
Insel in Italien gelebt hat.“
„Wird auch ein Pferd in der
Geschichte vorkommen?“ wollte Samantha wissen.
Da Cilia schon fast mit dieser
Frage gerechnet hatte musste sie amüsiert lächeln. Sie ging auf
das Bett zu und drohte ihr liebevoll mit der Bürste in der Hand.
„Du bist aber ganz schön
hartnäckig mit deinen Pferden“ Cilia setzte sich zu Samantha. „Magst
du denn Pferde so gerne?“ Vorsichtig fing sie an ihre Haare zu kämmen.
„Mein Daddy hat mir versprochen,
dass wir bald einmal zusammen am Strand reiten werden. Aber ich werde nur
eine kleines Pferd bekommen, damit ich kein zu großes Loch in den
Sand mache wenn ich herunterfalle.“
Cilia sah Samantha verwundert
an.
„Das hat mein Daddy gesagt,
aber ich glaube, er hat nur Spaß gemacht. Ich finde kleine Pferde
sowieso viel hübscher. Fängst du jetzt mit der Geschichte an?“
„Was diese Erwachsenen doch
manchmal so sagen ohne zu denken. Und dabei denken sie dann auch noch,
das die Kinder es sowieso nicht registrieren“ dachte Cilia bei sich bevor
sie mit der Geschichte anfing.
„Vor langer Zeit lebte auf
einer kleinen Insel vor der Küste Italiens eine wunderschöne
Prinzessin. Sie hatte ein kleines Schloss weit oben am höchsten Punkt
der Insel und konnte von dort aus bis in das kleine Dorf auf dem Festland
schauen.“
„Wie hieß denn die Prinzessin?“
Samantha lies sich ohne Widerwillen
die Haare bürsten und hörte dabei aufmerksam zu.
„Weißt du, einen richtigen
Namen hatte sie eigentlich nicht. Die Menschen im Dorf nannte sie immer
die Prinzessin von Capri – so hieß nämlich die Insel, auf der
sie lebte.“
Sophia die noch immer unbemerkt
an der Tür stand wurde hellhörig als sie den Namen „Prinzessin
von Capri“ hörte. War dies nicht der gleiche Name, den sie der Prinzessin
in den Geschichten, die sie Kelly und Eden erzählt hatte gab? Sie
beschloss noch etwas länger dazubleiben und zu zuhören; machte
dieser Verdacht doch wieder ein Stück misstrauischer Cilia gegenüber.
Wenn es stimmte, woher kannte sie dann diese Geschichte?
Inzwischen hatte Samantha
sich unter die Decke gelegt und sich in die großen Kissen gekuschelt.
Cilia hatte sich daneben gelegt und hielt sie im Arm.
„Und während der junge
Mann dort oben auf seinem Dach die Ziegel wechselte, sah er plötzlich
einen hellen Schein, der ihn blendete.“
„Das war bestimmt der goldene
Kamm, mit dem sie sich ihr Haar am Fenster gekämmt hatte, oder?“ fragte
Samantha und konnte sich dabei das Gähnen nicht unterdrücken.
Cilia, die eigentlich eine ganz andere Idee für das blendende Licht
hatte ging dennoch auf Samanthas Idee ein.
„Richtig! Die Prinzessin saß
wie jeden Morgen an ihrem Fenster und kämmte ihr Haar“ fuhr sie fort.
„Eigentlich müsste es
heißen, das sie in ihren goldenen Spiegel sah, wie jeden Morgen“
dachte Sophia „aber ansonsten ist es genau die Geschichte, die ich schon
meinen Kindern erzählt habe.“
Cilia bemerkte, dass Samantha
immer müder wurde und erzählte weiter. Doch schon bald war die
Kleine eingeschlafen und so hörte Cilia auf und zog vorsichtig unter
ihrem Kopf weg. Zärtlich küsste sie sie auf die Stirn.
„Wir waren doch noch gar nicht
bei dem kleinen schwarzen Pony der Prinzessin angekommen“ flüsterte
sie. „Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.“
Als Cilia vom Bett aufstand
und gehen wollte sah sie Sophia, die immer noch im Türrahmen stand.
Mit leisen Schritten ging sie zur Tür und schloss sie behutsam, bevor
sie sich an Sophia wandte.
„Jetzt ist sie schon wieder
eingeschlafen, bevor ich ihr von einem Pferd erzählen konnte“ scherzte
sie.
Sophia war viel zu neugierig
um auf Cilia´s Scherze einzugehen und kam sofort zu dem Punkt, der
sie interessierte.
„Die Geschichte, die sie Samantha
gerade erzählt haben – woher kennen sie die?“
Cilia wusste im ersten Augenblick
nicht, was Sophia von ihr wollte. Hatte sie doch nicht mitbekommen, das
sie die Geschichte von Anfang an mitgehört hatte.
„Es ist irgendeine Geschichte
die irgendwo in Italien spielt“ versuchte sie zu erklären.
„Nicht irgendwo in Italien
– sie spielt auf Capri. Es ist die „Prinzessin von Capri“, die sie ihr
erzählten.“
Nun wusste Cilia was passiert
war. Sophia hatte die Geschichte wiedererkannt und fragte sich nun, woher
Cilia sie kannte. Welch eine Chance auf dem Silberteller serviert.
„Und wenn sie es ist? Dann
habe ich sie irgendwo gelesen und sie jetzt eben weiter erzählt. Was
ist daran falsch?“ tat Cilia unschuldig.
„Falsch daran ist, das sie
diese Geschichte nirgendwo gelesen haben können. Es ist eine alte
Geschichte, die ich mir nach einer Reise ausgedacht habe, um sie nachher
meinen Kindern erzählen zu können.“ Sophia war nun sehr aufgebracht.
„Dann werde ich sie vielleicht
irgendwo gehört haben. Vielleicht in Italien, als sie sie den Kindern
der Armontis erzählt haben“ lotste Cilia Sophia wieder zurück
in ihre Erinnerungen an Italien.
„Die Kinder des Count waren
bereits groß, als ich auf das Gut kam“ entgegnete Sophia ihr. „Und
ich kann mich auch nicht daran erinnern, das ich sie irgend jemanden dort
erzählt habe.“
„Genau das könnte der
springende Punkt sein“ entfuhr es Cilia plötzlich, doch war es zu
spät das Gesagte zurück zu nehmen. Sie hatte Sophia gereizt und
nun war sie noch neugieriger geworden.
„Was wollen sie damit andeuten?“
Cilia sah ihre einzige Chance
nur noch im direkten Angriff. Sie wünschte sich nur, das dies alles
einen Tag später passiert wäre nachdem sie Antwort aus Europa
bekommen hätte. Nun musste sie es doch alleine durchziehen.
„Das Sie sich nicht mehr an
alles erinnern können. Sie hatten ja wohl schon früher damit
Probleme.“
Fast fürchtete sie nun
zu weit gegangen zu sein. Sophia war bis aufs Äußerste gereizt
und wütend.
„Wie können Sie es wagen
darüber zu sprechen. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens nicht
zu wissen wo ich hingehöre und wer die Menschen in meinem Leben eigentlich
wirklich sind“ fauchte sie Cilia an.
„Na später hatten Sie
wohl weniger Probleme damit – ich meine mit dem Vergessen einzelner Menschen
in ihrem Leben. Sie hatten sich ja an genug alte Bekannte erinnert, wen
stört es da den einen oder anderen einfach mal eben so fallen zu lassen.“
Nun war auch Cilia gereizt
und konnte ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten. Die Diskussion
der beiden Frauen wurde immer lauter, bis sogar CC unten im Wohnzimmer
sie mit bekam und hellhörig wurde.
„Ich habe keinen meiner Familie
in Italien fallen gelassen oder vergessen. Marcello ist sogar noch mit
mir bis nach Santa Barbara bis er ....“
„Ja, bis er in seiner krankhaften
Loyalität zu Ihnen zum Mörder wurde und auch fortging.“
Mit ihrer letzten Bemerkung
hatte Cilia Sophia sprachlos gemacht. Sie stand nur vor ihr und ihre Emotionen
kochten in ihr. Es war Cilias Gelegenheit Sophia ein für alle Mal
von ihren falschen Erinnerungen und Vorstellungen zu befreien. Sie hatte
lange auf diesen Moment gewartet, aber nun war er endlich da.
„Sie fragen mich, wie ich
es wagen kann darüber zu sprechen. Ich kann es wagen, weil ich jedes
Recht dazu habe, da es ein Teil von mir ist – ein Teil meiner Erinnerungen.“
Cilias Stimme fing an zu zittern und in ihren Augen bildeten sich Tränen,
als sie Sophia schon fast anschrie. Keiner von ihnen bemerkte, dass CC
die Treppen nach oben gekommen war, um nachzusehen, was dort vor sich ging.
„Erinnerungen, die du anscheinend nicht mehr mit dir trägst. Sonst
würdest du mich nicht fragen, woher ich diese Geschichte kenne, sondern
würdest dich daran erinnern, das du sie mir erzählt hast. Als
ich klein war und in solch einem großen Bett gelegen habe wie Samantha
jetzt. Und als du noch nicht vergessen hattest, das ich ein Teil deiner
Familie bin.“
Sophia konnte nicht antworten.
Sie stand nur da und schaute Cilia an. Und so sah keiner der Frauen CC,
der nicht weit von ihnen entfernt stand und alles genau gehört hatte.
24
CC hielt Cilia immer noch
fest am Arm als er sie die Treppe herunter zog. Nachdem er ihren Streit
mit Sophia mit angehört hatte, hatte er sie nur gepackt und von ihr
weg gerissen.
„Es reicht. Sie packen sofort
ihre Sachen und verschwinden.“ hatte er ihr auf dem Flur gesagt und sich
sofort korrigiert. „Vergessen sie das Packen. Ihr jämmerlichen Habseligkeiten
können sie sich morgen am Tor abholen.“
„Ich will nicht vergessen!“
war es Cilia heraus gerutscht, was CC in seiner Rage aber überhörte.
Am Ende der Treppe gelang
es Cilia ihren Arm frei zu bekommen und blieb stehen und schaute auf CC,
der am Fuße der nun ebenfalls am Fuße der Treppe stehen geblieben
war.
„Ich will nicht vergessen“
wiederholte sie. „Ich will nicht vergessen, das diese Frau da oben ein
Teil von mir ist und ich eine Herkunft und Familie habe.“ Cilia war sehr
erregt und dadurch auch lauter, was CC noch wütender machte.
„Es ist mir egal was sie wollen.
Ich will das sie verschwinden. Und zwar sofort!“
CC ging zur Tür und mit
einem heftigen Ruck öffnete er sie.
Cilia stand noch immer auf
der zweiten Stufe der Treppe und schaute CC an. Sie konnte den Hass in
seinen Augen sehen und wünschte sich so sehr, das er ihr doch nur
5 Minuten zuhören würde. Aber sie wusste, das hierfür keine
Zeit war. Sie hob ihren Kopf und presste die Lippen kurz aber fest aufeinander.
Mit fast schon stolzen Schritten ging sie die letzten Stufen hinunter zu
CC und blieb vor ihm stehen. Wenn sie jetzt einfach gehen würde, würde
sie wahrscheinlich ihre letzte Chance verspielen endlich die Wahrheit zu
erfahren. CC würde sie nie wieder in die Nähe von Sophia lassen
und ihr somit die einzige Möglichkeit nehmen die Antwort zu bekommen,
auf die sie schon so lange wartete. Gerade als sie CC eine letzte entscheidende
Frage stellen wollte kam Kelly durch die Tür.
„Was ist denn hier los?“
Cilia ahnte, das mir Kelly´s
Eintreffen ihre letzte Chance auf ein Gespräch mit CC erloschen war,
denn nun stand es 2:1 gegen sie und für ihren direkten Rauswurf.
„Sie geht!“ antwortete CC
knapp und Kelly erkannte die anhaltende Wut in ihm.
„Ich habe noch eine Frage,
deren Antwort auch Sie interessieren könnte, Mr. Capwell.“ entgegnete
Cilia ihm mutig und hielt seinem feindlichen Blick stand.
„Rein gar nichts was sie betrifft
könnte mich auch nur im geringsten interessieren.“
„Dann lassen Sie mich noch
einmal mit Sophia sprechen, bitte. Es ist für uns beide enorm wichtig.“
Cilia´s Bitte brachte
CC´s Wut nur noch mehr hervor und Kelly musste sich zwischen Cilia
und ihren Vater stellen, um eine weitere Handgreiflichkeit zu vermeiden.
Zur Verwunderung beider begann Kelly den Versuch die Lage zu schlichten.
„Daddy, bitte beruhige dich.
Die Sache lässt sich bestimmt in Ruhe klären.“
Entsetzt wich CC von Kelly
zurück, die beschwichtigend ihre Hände auf seine Brust gelegt
hatte. Fassungslos und ohne Worte stand er ihr gegenüber und gestikulierte
nur mit den Händen. Plötzlich griff er sich wieder Cilia´s
Arm, zog sie an Kelly vorbei zu sich heran und als sie in seiner Höhe
war, gab er ihr einen Stoß in den Rücken, so dass sie zur Tür
heraus stolperte. Seiner Aktion fügte er ein hartes „Raus“ an und
schlug dann die Tür hinter ihr zu. Als es endlich wieder ruhig im
Atrium war legte CC erschöpft seinen Kopf gegen die Tür und atmete
tief durch. Dann schlug er mit beiden flachen Händen gegen die schwere
Tür, um sich im selben Moment zu Kelly herum zu drehen.
„Wie konntest du sie in meiner
Gegenwart in Schutz nehmen? Hast du überhaupt eine Ahnung was diese
Person hier veranstaltet hat ?“ fauchte er Kelly an.
„Ich habe sie doch gar nicht
in Schutz genommen, Daddy. Ich wollte doch nur....“ begann Kelly sich zu
verteidigen, worauf CC aber nicht einging.
„Ich will diese Person hier
nicht mehr sehen. Und von dir erwarte ich gefälligst etwas mehr Rückhalt
für die Familie.“
Kelly kam gegen die Aggression
ihres Vaters nicht mehr an und sah nur noch einen Ausweg.
„Sie ist eine Armonti, Daddy.
Sie ist eine Armonti.“ schrie sie CC zu, der immer noch wütend auf
sie einredete.
Der Name Armonti brachte CC
zum Schweigen. Verständnislos, aber zu Kelly´s Wohltat stumm,
sah er sie an. Obwohl sie nicht wusste ob er das folgende richtig aufnehmen
konnte wollte Kelly doch wenigsten versuchen ihrem Vater zu erklären,
was Connor und sie herausgefunden hatten.
„Ihr richtiger Name ist Cecilia
Armonti und sie wurde 1970 in der Nähe von Mailand geboren.“
Kelly hatte dahingehend Erfolg,
das CC weiterhin ruhig blieb und es auch schien, als ob er verstanden hatte,
was sie ihm gesagt hatte. Langsam ging er auf sie zu packte sie sanft bei
den Schultern.
„Kelly. Es ist wir egal wie
sie heißt und wo sie herkommt. Sie hat in diesem Haus nur für
Unfrieden gesorgt und ich will sie hier nicht mehr sehen.“
Die Stille zwischen den beiden
war für Kelly noch weniger zu ertragen als das Schreien. Sie hatte
ihrem Vater noch nicht alles gesagt, doch sie würde es jetzt tun müssen.
Und danach würde CC Cilia wieder in seine und in die Nähe von
Sophia lassen müssen.
„Sie ist die Tochter des Count
Armonti. Und sie ist Mamas Tochter.“
25
Nachdem CC Cilia aus dem Haus
geworfen hatte, hatte sie ein ganze Zeit lang hinter einem Busch gehockt
und überlegt, was sie nun tun sollte. Aus dem Haus heraus waren immer
noch laute Gespräche zu hören und so hielt sie es für besser
diesem fern zu bleiben. Aber wohin sollte sie gehen ? CC hatte ihr für
diese Nacht nicht mehr gelassen als die Sachen die sie am Leibe trug. Sie
hatte weder Geld noch Ausweise mit sich, um sich irgendwo ein Zimmer nehmen
zu können.
Warum hatte sie sich auch
zu diesem Streit mit Sophia hinreißen lassen? Warum konnte sie sich
denn nicht nur ein kleines bisschen länger gedulden bis sie mit.......
Mein Gott! Sie war heute Nacht im Internet verabredet und ihr Laptop lag
ihrem Zimmer im Capwell Haus. Cilia saß immer noch in der Hocke und
hielt ihre Beine fest umschlungen. Aus lauter Verzweiflung und um nicht
laut schreien zu müssen biss sie sich in ihr Knie. Langsam schlug
ihre Verzweiflung über in Wut auf sich selbst.
„Du solltest dich nicht beißen,
du solltest dich prügeln. Oder am besten gleich erschießen.
Wie konntest du nur so dumm sein? Du warst schon so weit gekommen und nun
das“
Cilia´s Gedanken rannten
nur so davon – und immer mit dem gleichen Ergebnis : ihre Dummheit die
Situation verdorben zu haben. Als sie das Bellen der Hunde hörte wurde
ihr bewusst, das sie nicht die ganze Nacht hier würde hocken bleiben
können. CC hatte mittlerweile bestimmt seine Wachleute angewiesen
sie vom Grundstück zu werfen oder die Hunde auf sie zu hetzen. Sie
kannte ihn noch nicht lange, aber dieser Wuchtausbruch heute Abend machte
ihr Angst. Sie hatte CC die Tage über beobachtet, wie liebevoll er
mit Sophia umgegangen war. Fast schon wie mit einer Puppe bei der er Angst
hatte, das sie zerbrechen könnte. Aber Sophia war keine Puppe. Sie
war eine starke Frau, die sich solche Attacken bestimmt nicht gefallen
lassen würde. Und schon gar nicht würde sie sich so verprügeln
lassen wie Angelo es mit ihr selbst getan hatte.
„Angelo!“
Cilia hatte eine Idee. Nicht
eine ihrer besten wie sie sich direkt eingestand, aber eine, die ihr ein
Dach über dem Kopf sichern würde. Bevor Angelo sie heute morgen
wieder alleine ließ hatte er ihr noch schnell das Motel und die Telefonnummer
genannt, unter der er zu erreichen sein würde. Natürlich hatte
er dies nicht getan um Cilia genau hier zu helfen wo sie jetzt angekommen
war. Angelo erwartete immer noch von ihr, das sie für ihn die Capwells
ausspionieren, belügen und betrügen würde. Na ja, einen
Teil hatte sie bereits ja auch getan – wenn auch aus anderen Motiven.
Langsam ging sie auf die kleine
Hütte des Wächters zu. Sie wollte die Hunde nicht erschrecken.
Zu ihrer Erleichterung sah sie, das ein einzelner Wächter in der Hütte
war, während der andere wohl gerade mit den Hunden seine Runde drehte.
Vorsichtig klopfte sie an die Innenseite der offenen Tür. Der Wächter
drehte sich zu ihr herum und lächelte, als er sie erkannte. Cilia
war durch ihre fröhliche Art bei dem Wachpersonal beliebt und so war
er erfreut sie zu sehen.
„Was machst du denn hier draußen?
Ich dachte du würdest heute auf die kleine Capwell Prinzessin aufpassen.“
Cilia überlegt in wie
weit sie ihn jetzt anlügen sollte, um zu bekommen was sie wollte.
„Die haben es sich anders
überlegt und ich kann den Abend doch frei machen. Eigentlich wollte
ich nur kurz im Garten spazieren, aber jetzt habe ich mich entschlossen
doch noch eine Freundin zu besuchen und wollte mir bei euch ein Taxi bestellen,
da ich im Haus nicht mehr stören möchte.“
Ihr wurde bewusst wie riskant
diese Lüge gerade war. Wenn CC wirklich den Wachdienst informiert
hatte, würden sie die Lüge sofort erkennen und alle Chancen auf
ein Taxi wären dahin.
„Hast du endlich jemanden
in der Stadt kennen gelernt? Wurde ja auch Zeit. Immer nur bei den Capwells
zu sein kann doch für ein so hübsches Ding wie dich keine Erfüllung
sein.“
Cilia war froh, das der Wachmann
sie nicht durchschaut hatte und zum Telefon griff, um ein Taxi zu bestellen.
Bald würde er es zwar doch erfahren, aber dann würde es auch
keine Rolle mehr spielen. Es müsste jetzt nur noch so lange reichen,
bis das Taxi kommen würde und Cilia fahren könnte.
Nachdem sie ein paar Minuten
gezielten Smalltalk über die schönen Gegebenheiten in Santa Barbara
gehalten hatte, kam endlich das Taxi. Cilia nannte dem Fahrer die Adresse
und als sie das Haupttor passiert hatten fühlte sie sich wohler. Nur
was würde sie jetzt Angelo erzählen ?
Als sie das schäbige
und billig aussehende Motel erreicht hatten bat Cilia den Fahrer einen
Moment zu warten, da sie Geld holen müsste. Zunächst sah es nicht
danach aus, als ob sich der Mann darauf einlassen würde, aber schließlich
gab er mit einem Knurren nach. Angelo war ziemlich überrascht Cilia
zu sehen, jedoch gab sie ihm keine Gelegenheit zu reagieren.
„Bezahl bitte das Taxi. Ich
werde dir drinnen alles erklären“ bat Cilia und drängte sich
an Angelo vorbei in das Zimmer.
In dem Zimmer sah es wie nach
einem Bombenangriff aus. Angelo war noch nie in der Lage gewesen Ordnung
zu halten, aber diesmal hatte er sich selbst übertroffen. Cilia schob
ein paar der Sachen vom Bett herunter, um sich setzen zu können. Sie
stützte ihr Gesicht auf ihre Hände und atmete tief durch. Als
sie das Taxi wegfahren hörte wusste sie, das sie nun eine gute Erklärung
für ihr Auftreten parat haben müsste.
Von Angelo´s snobistischem
Auftreten vom Morgen war nichts mehr zu erkennen. Er hatte eine Jeans mit
großen Löchern an und ein altes Unterhemd, auf dem die Reste
seiner Pizza zu erkennen waren.
„Was führt dich in meinen
kleinen Palast?“ fragte er und breitete demonstrativ seine Arme aus.
Cilia wusste, das sie mit
Lügen nicht weit kommen würde und beschloss deshalb bei der Wahrheit
zu bleiben.
„Ich bin rausgeflogen“ begann
sie, stand auf und ging auf die andere Seite des Zimmers. Dort drehte sie
sich wieder zu ihm um in der Hoffnung, er würde den Abstand zwischen
ihnen beibehalten. „Ich hatte einen Streit mit Sophia und daraufhin hat
mich ihr Ehemann aus dem Haus geworfen.“
Angelo fühlte sich bestätigt
und grinste Cilia von weitem an.
„Hast du sie doch endlich
ausfindig gemacht. Und hast du endlich auch den Mut gefunden dir zu holen
was dir gehört.“ Angelos Stimme wurde lauter und er machte die ersten
Schritte auf sie zu. Instinktiv wusste sie, das dies nichts Gutes bedeuten
würde. „Hast du endlich zurück zu deiner geliebten Mama gefunden.....
und zu ihrem Geld.“ Angelo hatte sie erreicht und blieb direkt vor ihr
stehen. Bei jedem weiteren „endlich“ das er immer wieder betonte, zuckte
Cilia mehr und mehr zusammen. „Haben wir endlich die Chance zu bekommen,
auf was wir so lange gewartet habe? Sind wir endlich so nah dran an unserem
Ziel?“ Mit einem plötzlichen und festen Griff packte er sich Cilia´s
Kinn „Und haben wir auch endlich mal wieder alles sofort gründlich
verdorben?“
Angelo holte mit der anderen
Hand weit aus und schlug Cilia so fest ins Gesicht, das sie zu Boden ging.
Von dort aus konnte sie noch sehen wie sich seine flache Hand zu einer
Faust ballte. Der erste Schlag tat noch weh. Der zweite war schon fast
Gewöhnung. Die nächsten Schläge bekam sie kaum noch mit.
26
„Bist du jetzt vollkommen
verrückt geworden?“
Mit CC´s Beherrschung
war es nach kurzer Zeit vorbei und seine Stimme gegenüber Kelly wurde
wieder lauter. Kelly fühlte sich aufgefordert sich verteidigen zu
müssen.
„Ich habe es auch nicht glauben
wollen, Daddy. Aber ich habe ihren Ausweis gefunden und Connor hat in Italien
angerufen und es sich bestätigen lassen. Sie ist die Tochter des Count
Armonti.“
„Die einzige Tochter des Count
Armonti heißt Serena und dürfte 15 Jahre älter sein als
Cilia.“
Weder CC, Kelly noch Connor,
der sich ganz zurück hielt hatte gemerkt, das Sophia die Treppe herunter
gekommen war und nun dicht bei ihnen stand.
„Und was den anderen von dir
genannten Elternteil betrifft, Kelly, glaube ich nicht, das wir darauf
näher eingehen müssen. Wenn ich eine weitere Tochter hätte,
sollte ich dies doch wissen, meinst du nicht?“
Zur Verwunderung aller schien
Sophia sehr gelassen und ruhig zu sein. Sie hatte sich auf die andere Seite
der Treppe gestellt und schaute den dreien nun ins Gesicht.
„Dein Vater wurde bereits
zweimal überraschend verspätet Vater - bei Elena und Greg. Meinst
du nicht dass das reichen sollte für unsere Familie, Kelly. Mal ganz
von den biologischen Umständen abgesehen.“
Sophia schien jetzt fast aggressiv
zu werden. CC hatte sie zuletzt so erlebt, als er ihr eingestehen musste,
das Santana ein Kind von ihm erwartete. Damals hatte Sophia krampfhaft
versucht ihre Haltung zu bewahren, um ihren Schmerz zu verstecken. Ihre
wahren Gefühle waren nur an einer ähnlichen Aggressivität
zu erkennen.
Kelly versuchte die Sache
ganz ruhig anzugehen.
„Ich habe ihren Pass gesehen,
Mama. Und ich habe ihre Geburtsurkunde gesehen.“
„Urkunden kann man fälschen.“
warf CC sofort ein und versuchte den ruhigen Ton von Kelly zu übernehmen,
um Sophia nicht weiter zu reizen.
Nun war es Connor, der sich
einschaltete.
„Ich habe mit den Behörden
in Mailand gesprochen und mir die Informationen aus erster Hand geben lassen.
In den offiziellen Computerdateien wird sie als Tochter des Grafen Armonti
geführt.......“ Connor versuchte seine Stimme noch mehr zu dämpfen
„... und als Tochter der Contessa Sophia Armonti.“
Für einen kurzen Moment
war es ganz still zwischen allen Beteiligten. CC, Kelly und Connor warteten
auf Sophia´s Reaktion und starrten sie an. Diese versuchte ruhig
zu atmen und ihre Tränen zu unterdrücken. Ihre Gefühle konnte
sie allerdings nicht beherrschen und so kam ihre Antwort sehr scharf heraus.
„Eine Mutter sollte sich doch
wohl daran erinnern können ein Kind geboren zu haben!“
Wie ein Stich, der sie zerreißen
wollte durchfuhr es Sophia. In ihrem Kopf machte sich die Erkenntnis breit,
das sie schon so manches aus ihrer Vergangenheit vergessen oder verdrängt
hatte. Und sich jedes Mal wieder dieser Wahrheit zu stellen war immer ein
erneuter Stich ins Herz. Sich selbst einzugestehen, den eigenen Sohn getötet
und es verdrängt zu haben war damals eine Erlebnis, von dem sie glaubte
sich nie richtig erholen zu können. Das sie, ohne davon zu wissen,
Eden in ihr Schicksal, allein und von der Familie getrennt zu sein, getrieben
hatte - immer wieder wollte sie diese Einsicht verdrängen, da es einfach
so sehr schmerzte. Sie würde es nicht ertragen können, wenn da
........
Sophia´s Körper
spannte sich und ihr Gesicht zeigte eine gerade zu panische Entschlossenheit.
„Ich bin für dieses Leben
nicht verantwortlich. Meine Töchter heißen Kelly und Eden. Und
nicht Cecilia!“
Mit Sophia´s Beherrschung
war es endgültig vorbei. Sie fuhr herum und rannte ins Wohnzimmer,
wo sie sich auf das Sofa fallen lies.
Kelly, die damit gerechnet
hatte, das ihr Vater Sophia sofort folgen würde war erstaunt zu sehen,
das dieser ruhig und bewegungslos immer noch neben ihr stand.
„Wann wird es endlich aufhören,
das diese Familie durch sämtliche Absurditäten dieser Menschheit
gezogen wird. Habe wir nicht genug mitgemacht? Ist nicht langsam mal jemand
anders dran?“
CC hatte keine Lust mehr sich
einem erneuten Kampf um sein Familienglück zu stellen. Zum ersten
mal fühlte er sich alt und konnte keine Kraftreserven mehr in sich
spüren.
„Daddy, wir müssen mit
Mama reden“ versuchte Kelly ihn zu beruhigen.
Langsam drehte CC sich zu
Kelly und Connor herum.
„Wie lange ist Sophia wieder
bei uns? 10 Jahre? Wie viele Male musste sie sich in all dieser Zeit ihrer
Vergangenheit stellen und wie oft hat es sie verletzt und unser aller Zusammenleben
zerstört? Kannst du dir denn nach all diesen Jahren immer noch nicht
vorstellen welche Qualen es für sie sind immer wieder in das Dunkle
getrieben zu werden, ohne zu wissen, was sie dort erwartet?“
Kelly konnte ihrem Vater kaum
antworten und auch Connor wagte es nicht zu sprechen.
„Daddy, ich .....“
„Kelly, du hast ihr eben nicht
einfach nur gesagt, das du dein Auto kaputt gefahren hast.“
CC fühlte sich ausgebrannt
und unfähig dieses Gespräch weiter zu führen. Darum bat
er Kelly und Connor um etwas Ruhe.
„Wir hatten alle einen langen
Tag und er endete nicht so, wie wir es uns gedacht hatten. Ich glaube nicht,
das hier heute jemand noch rational denken kann und deshalb bitte ich euch
zu gehen.“
„Aber Daddy. Mama .....“
CC schüttelte den Kopf.
„Ich werde jetzt zu deiner
Mutter gehen. Was ich ihr allerdings sagen soll, wie ich sie beruhigen
soll, das weiß ich nicht.“
Er drehte sich herum und hoffte,
das Kelly einen letzte Funken Anstand aufbringen und gehen würde.
Kurz bevor er das Sofa und Sophia erreichte erfüllte das Zuschlagen
der Eingangstür seine Hoffnung.
Sophia hatte sich beruhigt,
schien mit ihren Gedanken jedoch abwesend zu sein. Ihre Augen starrten
ins Leere, während sich auf ein Kissen gestützt die Hand auf
den Mund hielt. CC setzte sich neben sie, wagte es aber nicht sie zu berühren.
Schließlich war es Sophia, die sich zu ihm herum drehte.
„Du weißt, das sie recht
haben könnte“ begann sie ruhig. „Nur deswegen hast du nicht wie sonst
um dich geschlagen. Wir mussten beide erkennen, das dieser Alptraum immer
noch nicht zu Ende ist und es vielleicht nie sein wird. Was wird noch passieren,
CC? Was wird noch auf uns herabstürzen und versuchen uns zu zerschlagen?“
27
„Mach dir keinen Sorgen
CC – ich werde gleich vorbei kommen und Samantha abholen. Ich hoffe, das
es Sophia bald wieder besser gehen wird. Bis gleich!“
Julia legt den Hörer
auf.
„Ist Sophia krank geworden
oder warum musst du Samantha wieder abholen? Ich dachte diese Cilia würde
auf sie aufpassen. Sie scheint doch so ein wahres italienisches Märchenwunder
zu sein.“
Mason widmete sich wieder
seiner Zeitung und seiner Tasse Kaffee, mit der es sich vor dem Kamin gemütlich
gemacht hatte. Es war zwar kein kalter Tag in Santa Barbara gewesen, aber
an gewissen Abenden liebte er es einfach das Knistern des brennenden Holzes
zu hören und als zusätzliche Gabe Julia in seiner Nähe zu
wissen. Sie hatten beschlossen für diesen gemeinsamen Abend das Thema
Baby und Job zu vergessen und wollten sich nur ganz auf sich konzentrieren.
Wie es nun ja aber schien, würde es wohl doch eher ein Abend zu dritt
werden.
„Irgend etwas muss vorgefallen
sein. CC erwähnte nur das Cilia das Haus verlassen hätte und
Sophia nicht in der Lage sei auf Samantha aufzupassen. Anscheinend muss
Sam einen Streit mitbekommen haben, denn er sagt das sie weint und unbedingt
nach Hause möchte.“ Mit einem skeptischen Blick in den Augen schaute
Julia auf Mason. „Klingt irgendwie seltsam, nicht. Heute morgen konnte
sie es kaum erwarten die Nacht bei deinen Eltern zu verbringen und nun
möchte sie unbedingt nach Hause.“
Mason schaute von seiner Zeitung
auf Julia auf, die sich gerade die Hose zu machte und ihren Pullover überzog.
„Hm. Wirklich seltsam. Ich
kann mir nicht vorstellen das Sophia und Vater sich gestritten haben. Und
selbst wenn, warum hat Cilia das Haus verlassen?“
„Keine Ahnung“ bekannte Julia
und zog die Schuhe an. „Aber ich werde es ja gleich herausfinden.“
Mason überlegte, was
er nun tun sollte.
„Warte bitte. Ich komme mit.
Irgendwie lässt es mir keine Ruhe zu erfahren, was Sophia, mein Vater
und Cilia gemeinsam haben könnten. Gib mir zwei Minuten – ich ziehe
mich schnell an.“
Da Julia Mason´s „zwei
Minuten“ kannte, legte sie ihre Handtasche wieder beiseite und machte es
sich auf dem Sofa bequem.
„Wenn Samantha jetzt morgen
früh doch zu Hause ist, wie sehen denn so deine Pläne aus. Kannst
du bei ihr bleiben oder soll ich noch schnell Mrs Kopp anrufen?“
Aus dem Nebenzimmer kamen
unverständliche Worte, die wohl Mason´s Antwort waren.
„Liebling, ich kann dich nicht
verstehen, wenn du den Pullover noch über den Kopf gestülpt hast“
rief Julia ihm entgegen und lächelte.
Und wie sie es vermutet hatte
kam Mason durch die Tür – den Pullover gerade über den Kopf gezogen,
aber jetzt weitaus besser verständlich.
„Ich habe morgen früh
einen Termin bei Gericht“ wiederholte er. „Bist du denn nicht zu Hause?“
Julia ahnte, das sie nun doch
das verbotene Thema ansprechen musste und sie befürchtete auch zu
wissen in welche Richtung ihr Gespräch dann laufen würde.
„Ich treffe morgen früh
eine neue Klientin. Und da wir den Fall ganz durchgehen müssen wird
es wohl besser sein, wenn ich Mrs Kopp anrufe und sie bitte zu kommen.“
Ihre Aussage hatte die erwartete
und befürchtete Wirkung. Mason stand bewegungslos da und schaute sie
nur vorwurfsvoll an. Julia beschloss ihm zuvor zu kommen.
„Ja. Ich habe einen neuen
Fall angenommen. Ein leidiges Verkehrsdelikt, was lediglich ein paar Briefe
und vielleicht ein kurzen Gerichtstermin beinhaltet. Und um auch deine
nächste Frage gleich zu beantworten: Ja! Ich fühle mich durchaus
in der Lage diese Briefe zu diktieren und glaube auch im Gericht noch eine
gute Figur machen zu können.“ Julia strich mit der Hand über
ihren Pullover, um zu betonen, das noch nichts von einem Babybauch zu sehen
war.
„Und was kommt danach?“ fragte
Mason ernst. „Ich muss dir doch nicht erklären wie lange sich auch
so ein kleines Delikt hinausziehen kann.“
Genervt stand Julia auf.
„Tut mir leid. Ich habe wirklich
keine Lust dieses leidige Thema erneut mit dir durch zu gehen. Ich werde
jetzt Mrs Kopp anrufen und du, zieh dich bitte zu Ende an. Denn noch unangenehmer,
als der Gedanke mit dir wieder zu streiten ist mir der Gedanke, das unser
Kind im Capwell Haus sitz und weint“ Julia nahm den Telefonhörer ab.
„Und bitte beeile dich – ich möchte los!“
„Du hast recht!“ sagte Mason
und ging um seine Schuhe zu holen. Hielt dann aber doch noch mal an, um
etwas zu ergänzen. „Du hast recht was unsere weinende Tochter betrifft.
Ich würde mir nur wünschen, du würdest dir nur halb so viele
Gedanken um unser anderes Kind machen.“
Jetzt hatte er einen wunden
Nerv bei Julia getroffen. Es war wohl nur ihrer Sorge um Samantha zuzuweisen,
das sie nicht explodierte und nur den Telefonhörer etwas heftiger
auflegte.
„Zieh dich an – deine
zwei Minuten sind um.“
Dann ging sie zur Tür.
Bevor sie sie öffnete hielt sie noch mal inne.
„Wenn dich deine Meinung bezüglich
meiner Schwangerschaft nicht ändert Mason, oder du nicht in der Lage
bist mir Zugeständnisse zu machen, dann sehe ich ein verdammt großes
Problem auf uns zukommen.“
Sie sagte dies mit gesenkten
Kopf, ohne Mason dabei anzuschauen. Dann öffnete sie die Tür
und ging zum Wagen und ließ einen nachdenklich gewordenen Mann für
einen Augenblick mit sich allein. Er wurde erst aus seinen Gedanken gerissen,
als das Telefon klingelte. Es war Detective Hopkins, der Julia sprechen
wollte.
„Tut mir leid, Paul. Julia
ist gerade raus um Samantha abzuholen. Kann ich ihr etwas ausrichten?“
„Wir habe gerade eine junge
Frau ins Krankenhaus liefern müssen – sie wurde brutal zusammen geschlagen
und ich nehme an, wenn die Nachbarn uns nicht angerufen hätten, hätte
dieser Kerl sie wahrscheinlich tot geprügelt. Die Ärzte habe
sie erst einmal ruhig gestellt und wir dürfen sie bis morgen früh
nicht vernehmen.“
„Konntet ihr wenigstens die
Angehörigen schon verständigen?“
„Leider nicht. Sie hatte keine
Papiere dabei und im Hotel war sie auch nicht eingetragen. Ich nehme an
der Kerl hat sich die Kleine für die Nacht mit auf´s Zimmer
genommen.“
„Aber er wird doch wenigsten
sagen können, von wo er sie mitgenommen hat.“
„Würde er bestimmt. Als
wir ankamen war er allerdings schon weg. Wir müssen wirklich warten,
was die Kleine uns morgen erzählt. Und da hätten wir gerne Julia
dabei. So gegen 11auf dem Revier?“
„Ich kann nicht definitiv
zusagen. Julia hat für morgen einen Termin, aber ich werde es ihr
ausrichten und sie meldet sich dann noch mal.“
Mason und Paul Hopkins verabschiedeten
sich kurz. Gerade als Mason aufgelegt hatte öffnete sich die Tür
und Julia schaute herein.
„Ich habe vergessen Mrs. Kopp
anzurufen“ war das einzige, was ihr spontan einfiel und irgendwie klang
es kleinlaut.
Masons Lächeln zeigte
ihr, das er ihr längst vergeben hatte.
„Hopkins hat gerade angerufen.
Eine junge Frau ist brutal verprügelt worden und er möchte dich
morgen bei der Vernehmung dabei haben. Du sollst ihn gegen 11 Uhr auf dem
Revier treffen.“
Julia schaute auf ihre Uhr
und rechnete nach.
„Das wird ziemlich knapp mit
meinem anderen Termin werden, aber ich werde es schon irgendwie schaffen.“
„Ich habe ihm gesagt, das
du es dir überlegen und dich dann noch einmal melden würdest.“
Julia bemerkte den skeptischen
Ausdruck in Masons Gesicht.
„Stört dich etwas an
der Sache? Wenn du jetzt wieder.....“
Mason winkte sofort ab.
„Keine Angst. Keine erneute
Predigt oder so. Ich habe nur so ein ungutes Gefühl – es sind mir
ganz einfach zu viele Dinge in den letzte Stunden passiert.“ Mason rieb
mit der Hand über seinen Bauch. „Und irgendetwas hier drin sagt mir,
das ich wenigsten ein paar Antworten im Hause meines Vaters zu finden sind.
Ich bin fertig – lass uns gehen.“
28
Das Krankenzimmer war weiß
gestrichen und außer ein paar medizinischen Geräten, einem Fernseher,
einem kleinen Tisch und einem Stuhl stand nicht viel mehr im Raum.
Cilia lag in dem mit weißer
Bettwäsche bezogenem Bett und hatte die Augen geschlossen. Nicht,
dass sie müde war oder einfach nichts sehen wollte. Die Ärzte
hatten ihr schmerzstillende Mittel gegeben, die sie müde gemacht hatten
– aber schlafen konnte sie nicht. Immer noch erschienen ihr die Bilder
vor den Augen, die sie doch so gerne vergessen würde. Immer wieder
sah sie die Faust auf sie zukommen, bis zu dem Moment, als sie halb schützend,
halb aus Verzweiflung die Hände vor die Augen nahm.
„Wieso habe ich es nur soweit
kommen lassen?“
Tränen bildeten
sich in ihren Augen und gaben ihnen einen ganz speziellen Glanz. Und sie
hätten wunderschön ausgesehen, wären sie nicht von einen
Kopfverband und von dunklen blauen Rändern umrahmt gewesen. So sah
Cilia aber nur wie eine Frau aus, die, als man sie endlich gefunden hatte,
so schlimm zugerichtet war, das man sie direkt in ein Krankenhaus bringen
musste.
„Warum habe ich mich nicht
gewehrt?“
Fast hätte sie lachen
müssen, aber die kleinste Bewegung tat weh und so ließ sie es
lieber bleiben. Sie hätte sich nie gegen Angelo wehren können.
Er hatte sich nicht geändert. Er war noch genauso brutal, wie er es
schon in Italien war – und dort hatte sie sich auch nicht gegen ihn wehren
können.
Angelo war es gewohnt seinen
Willen zu bekommen. Und kaum jemand traute sich, sich ihm in den Weg zu
stellen. Angelo wollte – Angelo bekam. Eine ungeschriebene Regel, die jeder
im Ort kannte und aus Angst auch befolgte. Wie Cilia. Sie hatte Angelo
als lieben netten Jungen von nebenan kennen gelernt und schon bald wurde
er der erste Mann in ihren noch sehr jungen Leben. Angelo wollte – Angelo
bekam. Und als er hatte was er wollte, war es auch vorbei mit der Nettigkeit.
Er sah Cilia als sein Eigentum an, dem sich niemand ungefragt nähern
durfte. Jeder der dies trotzdem tat, wurde sofort mit den Konsequenzen
vertraut gemacht. Nur ganz zu Anfang hatte Cilia es einmal gewagt dazwischen
zu gehen und fand sich gleich auf dem Boden wieder. Ihre Nase blutete von
Angelo´s unkontrolliertem Schlag, doch dem jungen Mann neben ihr
erging es wesentlich schlechter. Angelo hatte den Kampf begonnen und übergab
sein Opfer nun an seine Freunde, während er sich um Cilia kümmerte.
Er packte sie am Arm und riss sie hoch, um sie dann von der Menge weg zu
zerren. In einer stillen Ecke erklärte er ihr dann, dass er es nicht
dulden könne, das sie sich wie ein Flittchen benehmen würde und
das er alles allein für sie getan hätte und sie sich nun gefälligst
dankbar zeigen könne. Irgendwann hatte Cilia dann gelernt dankbar
zu sein und ihn nicht mehr zu provozieren, was sich für ihren gesundheitlich
Zustand als sehr positiv erwies.
„Ich hätte wissen müssen,
dass er mich finden würde.“
Als sie Italien verlassen
hatte um nach Santa Barbara zu gehen hatte sie so viele Dinge im Kopf,
das sie einfach keine Zeit fand sich von Angelo zu verabschieden.
„Natürlich hattest du
Zeit. Einen ganzen Abend hattest du Zeit. Hättest nur ins Dorf gehen
müssen und ihn von seinen Freunden wegreißen müssen und
dann hättest du gesagt „Hey, Angelo. Ich gehe fort. Ab jetzt nehme
ich mein Leben selbst in die Hand und du hast mir gar nichts mehr zu sagen“.
Durch Cilia´s Brust
fuhr ein eiskalter Schmerz, denn sie wusste, das sie es nie gewagt hätte
sich so Angelo gegenüber zu stellen und ihre bewusste Feigheit schmerzte
sie mehr als die vielen Blutergüsse in ihrem Gesicht. Ihr ganzer Körper
verspannte und krümmt sich, bis sie nur noch wie ein kleines Häufchen
Elend zusammengerollt im Bett lag. Sie wollte nicht weinen. Sie wollte
schreien. Ihre Wut über sich selbst, über ihre Feigheit heraus
schreien und dann laufen. Ganz schnell und ganz weit weg. Weg aus Santa
Barbara, weg von Angelo – ja sogar weg von Sophia. Wie sehr wünschte
sie sich, das sie vergessen könnte. Das sie aufwachen würde und
sich ihr eine ganz neue Chance zum Leben bieten würde. Ganz neu anfangen,
so wie es Sophia damals getan hatte.
„Nein. Nie wieder vergessen
– nie wieder flüchten.“ Sagte sie sich leise und versuchte ihre Atmung
zu beruhigen. „Schlaf jetzt. Ruh dich aus und nachher fängst du noch
einmal ganz von vorne an nachzudenken. Und jetzt schlafen, ..... schlafen.“
Cilia versuchte sich zu beruhigen
und konzentrierte sich einzuschlafen, wurde aber durch das Zufallen der
Tür daran gehindert. Langsam streckte sie den Kopf heraus, um zu sehen
wer gekommen war. Sicher nur die Schwester oder ein Arzt. Andere ihr wohlgesinnte
Personen hier in Santa Barbara fielen ihr nicht ein. Durch die geschwollenen
Augen gelang es ihr nur schwer ein klares Bild von der Person zu bekommen,
die vor ihrem Bett stand. Erst als sie näher zu ihr heran kam konnte
sie erkennen wer es war, konnte aber nichts sagen. Mit jedem anderen, ja
sogar mit Sophia hätte sie gerechnet, aber nicht mit ihr. Die junge
Frau setzte sich neben Cilia aufs Bett und strich ihr vorsichtig über
die Haare.
„Schlaf jetzt. Und wenn du
dich ausgeruht hast erzählst du mir was passiert ist. Und dann werden
wir uns denn Dingen stellen.“
„Kein Vergessen?“
Die Frau schüttelte langsam
den Kopf.
„Kein Vergessen. Und kein
Flüchten. Diesmal werden wir uns den Dingen stellen.“
Die Frau nahm ihren Hut ab
und ihre halblangen, blonden Haare fielen auf ihre Schultern.
30
„Und schon wieder mal will
er alles nur im Alleingang machen.“
Mason und Julia kamen in Connor´s
Büro und Mason schloss die Tür ziemlich heftig hinter sich..
Julia machte es sich auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch gemütlich
und rieb sich den Rücken.
„Mason. Nur weil er dir nicht
alle deine Fragen beantwortet hat heißt es doch nicht gleich, das
er wieder etwas alleine unternehmen will. Wo ist Connor eigentlich ? Ich
dachte wir wollten uns hier mit ihm und Hopkins um 11 Uhr treffen.“
Mason ignorierte ihre letzte
Bemerkung und ging weiter auf seine Überlegungen ein. Julia fragte
sich, ob er nur Angst hatte etwas zu versäumen oder ob er wirklich
mit etwas Schlimmen rechnete, vor dem er sich zu schützen versuchte.
„Ich kenne ihn doch. Er fängt
immer so an.“ Er überlegte einen kurzen Moment. „Aber er war dieses
Mal schon seltsam ruhig.“
Julia hatte keine Lust mehr
Mason immer wieder erklären zu wollen, warum sein Vater ihn gebeten
hatte zu gehen, ohne größere Erklärungen zu seinem Verhalten
zu geben.
„Vielleicht geht es Sophia
doch nicht so gut wie wir dachten und sie möchte vielleicht Samantha
nicht anstecken.“
Mason winkte ab.
„Nein, nein. Das hätte
er doch gesagt. Lass uns alles noch mal durchgehen : Sophia war nicht zu
sprechen, Samantha saß weinend im Bett und wollte unbedingt nach
Hause und mein Vater wollte sich zu der ganzen Sache nicht äußern.
Es muss Streit gegeben haben.“
„Zwischen Samantha und CC
?“ fragte Julia genervt.
„Unsinn. Zwischen Sophia und
meinem Vater.“ Er war von seiner Aussage überzeugt bis zu dem Moment,
als er Julia´s skeptischen Blick sah.
„OK. Kein Streit zwischen
meinem Vater und Sophia.“
Mason überlegte welche
Möglichkeiten ihm nun noch offen standen.
„Warum war Samantha eigentlich
da? Wollte sie nicht eine Geschichte von diesem „Über-Dienstmädchen“
erzählt bekommen. Wohin ist die eigentlich so schnell verschwunden?“
„Keine Ahnung. CC sagte, sie
hätte das Haus verlassen und das es wohl besser wäre, wenn wir
Samantha wieder abholen würden.“
Mason nickte seinen Überlegungen
zustimmend zu.
„Es ist Cilia. Ich weiß
zwar noch nicht genau was es ist, aber ich wette, das dieses Hausmädchen
mal wieder für Unruhe gesorgt hat.“
Gerade als Julia ihm erneut
wiedersprechen wollte öffnete sich die Tür und Connor und Hopkins
kamen herein. Connor war überrascht neben Julia auch Mason zu sehen,
begrüßte ihn aber freundlich und kam dann zum Thema ihres Treffens.
Er legt Julia einige Photos vor und gab ihr die Erklärungen dazu.
„Wir habe dieses Mädchen
heute Nacht in einem Motel gefunden. Die Zimmernachbarn hatten die Polizei
alarmiert als sie Schreie gehört hatten. Als wir sie fanden war sie
bewusstlos und wir nehmen an, das dies von den Schlägen her rührte,
die sie einstecken musste.“
„Habt ihr sonst noch jemanden
vorgefunden?“ wollte Julia wissen.
„Falls du auf den Täter
anspielst“ erklärte Hopkins ihr, „den haben wir leider nicht mehr
entdecken können. Diesen Kerl hätte ich mir gerne geschnappt.“
Connor legt Julia einige Aufzeichnungen
vor, die die ersten Ergebnisse der Untersuchungen im Krankenhaus zeigten.
„Sie hat starke Prellungen
und Blutergüsse im Gesicht. Anscheinend hat er sie immer wieder dorthin
geschlagen. Ihr linker Arm ist ausgekugelt und anscheinen hat sie auch
mehrere Tritte in den Leib hinnehmen müssen.“
Julia schloss angewidert die
Augen.
„Gibt es irgendwelche Hinweise
auf den Kerl?“ schaltete Mason sich in das Gespräch ein.
Connor schüttelte den
Kopf.
„Ein ausländischer Typ.
Weiß, dunkle Haare. Könnte Spanier oder Italiener gewesen sein
laut der Beschreibung des Hotelmanagers. Aber Genaueres werden wir wohl
erst erfahren, wenn wir das Mädchen gesprochen haben.“
Bei dem Wort Italiener wurde
Mason hellhörig.
„Ist sie immer noch nicht
ansprechbar?“ Julia schien geschockt von den Erkenntnissen zu sein und
Mason fing an sich Sorgen zu machen, ob dieser Fall der ideale für
eine schwangere Frau sei.
„Der Arzt hat gerade angerufen
und gesagt, das sie aufgewacht sei. Man konnte auch schon ihre Personalien
aufnehmen. Es handelt sich um ... und jetzt haltet euch fest ... Cecilia
Armonti – das Dienstmädchen eures Vaters und anscheinende Tochter......“
Mason wurde bei dem Wort „Tochter“
noch hellhöriger als er es ohnehin schon war. Connor bemerkte, das
er etwas gesagt hatte, was er besser für sich hätte behalten
sollen. Nachdem er und Kelly am Abend vorher das Capwell Haus verlassen
hatten, hatten Kelly und er noch eine lange Diskussion, die aber letztendlich
zu nichts führte. Außer das Kelly sich im Schlafzimmer einschloss
und er die Nacht auf dem Sofa verbringen durfte.
Triumphierend schaute Mason
Julia an und ballte die Faust.
„Hab ich es doch gewusst!
Dieses Mädchen ist nicht umsonst in Santa Barbara aufgetaucht. Hat
mein Vater also noch einen heimlichen Bastard herumlaufen.“
Es wurde totenstill in Connors
Büro. Julia sah Connor fragend an und hoffte, das er ihr auch antworten
würde. Als nichts von ihm kam forderte sie ihn endlich auf zu sprechen.
„Wie lange willst du es noch
unausgesprochen lassen, Connor. Ist sie CC´s Tochter oder was?“
Connor war sich nicht sicher
ob er etwas antworten sollte entschloss sich dann aber es doch zu tun.
„Nicht CC´s. Sie scheint
Sophia´s Tochter zu sein.“
„Sophia?“
Mason Bemerkung war schon
fast ein Aufschrei und er schreckte Juila, Connor und Hopkins aus
ihrer Stille hoch.
„Jetzt sag mir noch, das es
nach diesem Bastard Channing ein weiteres Lockridge Baby ist und du hast
den Coup des Tages gelandet.“
„Mason!“
Julia schrie Mason wütend
an.
„Dazu kann ich dir leider
nichts sagen, Mason“ antwortete Connor knapp und wandte sich wieder dem
Thema zu. „Ich habe hier eine junge Frau im Krankenhaus liegen, die auf
übelste verprügelt worden ist. Und ich werde mein Bestes geben
diesen Mistkerl zu finden, der ihr das angetan hat. Niemand hat das Recht
eine Frau so zu behandeln – was immer dieser Aktion auch voraus gegangen
ist.“
„Du hast vollkommen recht,
Connor.“ stimmte Julia ihm zu. „Und damit sie nicht ganz alleine mit dieser
Sache steht, werde ich sie vertreten und helfen, das dieser Kerl gefunden
wird und im Gefängnis landet.“
Während Connor ihr erleichtert
zulächelte verschwand jedes Lächeln auf Mason´s Gesicht.
Er nahm sie am Arm und zog sie von Connor´s Tisch weg.
„Das ist doch wohl nicht dein
Ernst?“ fragte er sie geschockt.
„Warum sollte ich es nicht
tun, Mason?“
„Ganz einfach. Dieses Mädchen
hat sich allem Anschein nach mit meinem Vater und wahrscheinlich demnächst
auch der ganzen Familie angelegt. Wenn du dich jetzt auf ihre Seite stellst,
stellst du dich gegen die Familie.“
„In erster Linie stelle ich
mich doch wohl gegen diesen Kerl, der sie verprügelt hat“ verteidigte
sich Julia. „Was die Sache mit Sophia betrifft muss ich sagen, das dies
etwas vollkommen anderes ist und ich mich so lange nicht einmischen werde,
bis ich gefragt werde.“ Dann wandte sie sich an Connor. „Ich werde ihre
Interessen vertreten. Wollen wir zum Krankenhaus fahren?“
Mason gab noch nicht auf und
zog sie erneut von Connor weg.
„Muss ich dir wirklich erklären
welche Belastung dies für dich und unser Baby bedeutet?“
Julia löst sich von Mason´s
Griff.
„Nein, das musst du nicht.
Aber du solltest dich von deinen voreiligen Schlüssen lösen und
dich auf das Wesentliche konzentrieren. Unserem Baby geht es gut und ich
denke auch das Sophia sich sehr gut gegen diese Unterstellungen wehren
kann. Dieses Mädchen im Krankenhaus – Cilia – hatte wohl aber keine
Chance sich gegen diesen Mann zu verteidigen. Und somit werde ich ihr zur
Seite stehen. Ob es dir gefällt oder nicht.“
31
Als Sophia durch die großen
Türen des Krankenhauses ging hatte sie immer noch CC´s Worte
in den Ohren.
„Erspare dir dieses Spiel
und geh nicht dorthin!“ hatte er ihr gesagt und so auf ihre Bemerkung geantwortet,
Cilia im Krankenhaus zu besuchen.
Mason hatte zuvor angerufen
und sie über die Vorfälle informiert.
„Sie wird dich verletzen“
Auch das hatte CC noch gesagt. Aber konnte sie das wirklich tun ? Bedeutete
ihr diese „Angestellte“ wirklich soviel, das sie ihr eine Nähe gewähren
würde, bei der sie verletzt werden könnte ?
Sophia war an der Sitzgruppe
stehen geblieben und wagte sich noch nicht näher an die Rezeption
heran, um nach ihrer Zimmernummer zu fragen. Mason hatte gesagt, das Julia
heute auch da sein würde, um an der ersten Vernehmung teilzunehmen.
Er sagte auch, das sie die Untersuchungen in diesem Fall leiten wolle,
da sie Cilia für das Opfer eines Wahnsinnigen hält.
„Also stehe ich mit meinem
Mitgefühl für sie doch nicht ganz alleine da. Wenn auch das Motiv
bei Julia einleuchtender ist. Sie kämpft um Gerechtigkeit – ich kämpfe
um .....“ Sophia stockte, als wolle sie sich weigern sich die Frage selbst
zu beantworten. Dieses Mädchen hatte behauptet ihre Tochter zu sein.
Nein. Eigentlich hatte sie ja nur angedeutet ein Teil der Familie zu sein
und Kelly hatte dann heraus gefunden, das sie ihre Tochter ist .... sei
... behauptete zu sein. Sophia´s Gedanken rasten nur so dahin,
das sie schon Kopfschmerzen bekam.
Sie legte sich die Hände
an die Stirn und setzte sich für einen Moment hin, wobei ihr Blick
ins Leere wanderte.
„Jetzt überleg noch einmal
ganz genau und versuch dich an soviel wie möglich zu erinnern.“ Forderte
sie sich auf. „Als Marcello mich damals auf das Gut der Armontis brachte
... ich lernte den Count und seine Familie kennen. Ich sprach mit den Bediensteten
und den Freunden der Familie.“
Jedes mal wenn Sophia sich
die Bilder der einzelnen Personen ausmalte erschien das Bild von Cilia
wie ein Geist im Hintergrund.
„Sie sagte, sie habe auf dem
Gut gearbeitet. War sie eins von den Kindern der Mägden ? Aber warum
hat sie dann nachher behauptet im Vorderhaus, im Reigen der Armontis groß
geworden zu sein.“
In Sophia´s Kopf bildeten
sich immer mehr Bilder der vergangenen Zeit in Italien. Sie sah wieder
das herrliche Anwesen mit seinen großen blühenden Gärten.
Die Terrasse, die sich entlang dem Ballsaal zog und deren weite Stufen
zu dem kleinen Sommerpavillion führten, in dem bei Gesellschaften
die Musiker saßen und dem Anlas entsprechend entweder zum Tanz aufspielten
oder leise Begleitmusik zum besten gaben. Sie sah wieder die Menschen vor
sich, die nur so auf ihre Partys strömten und sie erinnerte sich mit
welcher Begeisterung das ganze Haus an den Vorbereitungen gearbeitet hatte.
Sophia selbst hatte morgens die Blumen für die Buketts geschnitten
und später dann mit den anderen arrangiert.
„Warum müssen sie denn
erst sterben, damit wir uns freuen sie zu haben ?“
Ganz plötzlich machte
sich dieser Gedanke in Sophia´s Kopf breit. Irgendjemand hatte dies
einmal zu ihr gesagt. Krampfhaft versuchte sie ein Bild zu den Gedanken
zu bekommen, aber irgendetwas blockierte sie.
„Du denkst, das Cilia diesen
Satz gesagt hat – gib es doch zu !“ ermahnte sie sich und versuchte den
Satz mit dem Bild von Cilia zu verbinden. Aber erneut verhinderte etwas
einen Erfolg. „Ich werde wahnsinnig. Wann immer ich versuche dieses Mädchen
mit Italien zu verbinden, scheint mein Gehirn sich auszuschalten. Es ist
ja fast wie in den ersten Sitzungen mit Marcello, als ich mich an meine
Familie erinnern wollte.“ Sophia´s Kopfschmerzen wurden schlimmer
und so rieb sie sich erneut die Stirn.
„Sophia. Ist alles OK mit
dir ?“ sagte jemand und legt ihr die Hand auf die Schulter. Sophia fuhr
erschrocken herum, war aber erleichtert Julia zu sehen.
„Ja. Es ist alles in Ordnung.
Ich habe nur Kopfschmerzen, weil ich mir so viele Gedanken mache.“
Julia setzte sich neben sie.
„Ich weiß was passiert
ist und kenne natürlich auch die Behauptungen, die dieses Mädchen
aufstellt. Glaubst du ihr ??“
Sophia zuckte mit den Schultern.
„Ich bin vollkommen durcheinander.
In meinem Kopf spielen sich so viele Erinnerungen an Italien und den Krankenhäusern
dort ab, das ich kaum noch einen Gedanken für die Realität aufbringen
kann.“
„Ich war gerade bei ihr. Mason
hat dir gesagt, das ich sie offiziell vertreten werde ?“
„Ja. Und ich finde es gut,
das du dich für sie einsetzt. Denn unabhängig was da vielleicht
zwischen uns sein mag oder nicht : sie wurde so unglaublich gedemütigt
und verletzt. Das hat niemand verdient. Und ich bin hier um ihr zu sagen,
das sie in dieser Sache auf meine Unterstützung bauen kann.“
Julia zögerte etwas mit
ihrer nächsten Frage.
„Es ist bewundernswert, wie
du dich über deine eigene Belange hinweg setzen kannst und nur den
Fakt siehst, das sie das Opfer eines Verbrechens ist. Aber glaubst du wirklich
das all deine anderen Fragen dabei im Hintergrund stehen können und
du nur deswegen hier bist ?“
Sophia hatte mit dieser Frage
gerechnet und war deshalb auch nicht besonders überrascht. Mit viel
Vorsicht versuchte sie die Antwort zu formulieren.
„Wenn ich mich versuche an
sie zu erinnern bekomme ich kein Bild vor Augen. Wenn ich mich aber frage
ob ich sie kenne, warum ich sie unbedingt hier besuchen möchte, dann
bekomme ich ein „ja“. Irgendwo her. Aus meinem Herzen? Aus meiner Erinnerung?
Ich weiß es nicht. Es ist wie ein Instinkt – es lässt sich nicht
erklären. CC hat gesagt ich solle lieber nicht hierher kommen und
meine Vernunft hat ihm dabei zugestimmt.“
„Und trotzdem haben dich deine
Füße hierher getragen.“ Beendete Julia den Gedanken für
Sophia.
Sophia stimmte ihr zu.
„Jahrelang habe ich mich bemüht
das Vergangene vergangen sein zu lassen. Habe mich auf meine Familie und
mein Leben im hier und jetzt konzentriert. Ich glaube, dass es endlich
an der Zeit ist die Erinnerung an die Jahre in Italien zu einem Ende zu
bringen. Und wenn dieses Mädchen der Schlüssel zu allen noch
fehlenden Antworten ist, dann werde ich jetzt in ihr Zimmer gehen und sie
mir geben lassen.“
Julia sah Sophia mit festem
Blick an.
„Es ist die zweite Tür
auf der linken Seite.“
32
Für Cilia war es ein
anstrengender Tag im Krankenhaus gewesen. Nicht nur das die Ärzte
immer wieder vorbeikamen und sie untersuchten – auch Julia und Connor waren
vorbei gekommen um ihr Fragen zu stellen. Es war ihr unangenehm das es
gerade Samantha´s Mutter sein musste, die sie nun so sah und die
von ihr Erklärungen verlangte. Da sie Angst hatte auch noch das letzte
bisschen Ansehen zu verlieren beschloss ihnen nicht alles zu erzählen.
Außerdem hatte sie Angst das Angelo zurück kommen würde,
wenn sie ihn stellen und zum Verhör nehmen würden. Cilia war
sich sicher, das sie einen weiteren Wutausbruch seinerseits nicht überleben
würde.
Sie erzählte ihnen, das
sie nachdem CC sie aus dem Haus geschickt, sich ein Motel gesucht hatte
um erst einmal Ruhe zu finden. Auf der Veranda hatte sie ein Mann angesprochen,
der sie zu einem Drink einlud und im weiteren Verlauf der Unterhaltung
zudringlich wurde. Als sie sich versuchte gegen ihn zu wehren sei er aggressiv
geworden und hätte sie geschlagen. An weiteres könne sie sich
nicht mehr erinnern.
„Wir möchten versuchen
den Mann zu finden, der Ihnen dies angetan hat, Cilia.“ Erinnerte sie sich
an Julia´s Worte. „Dies können wir aber nur, wenn sie uns dabei
helfen und uns alles sagen.“ Julia versuchte sie von der Dringlichkeit
ihrer Mithilfe zu überzeugen.
„Ich komme mir wirklich langsam
vor wie im Film“ dache Cilia bei sich. „Das arme Opfer und die Polizei.
Lady, wenn ich dir sagen würde, das dies hier kein Film ist und die
nächsten Schläge tödlich sein können – würdest
du mir dann auch sagen „Wir werden sie beschützen“?“ Wenn es nicht
mit Schmerzen verbunden gewesen wäre hätte Cilia gelacht.
Irgendwann hatte Julia schließlich
aufgegeben und war gegangen. Zuvor hatte sie aber noch ihre Visitenkarte
auf den Tisch gelegt und hinzugefügt, dass sie unter der abgegebenen
Nummer jederzeit erreichbar sei. Cilia hatte versucht diese Geste zu ignorieren
und starrte zur Tür – bemüht nicht zu zeigen, dass ihr Tränen
in den Augen standen.
Als die Tür sich endlich
hinter Julia schloss konnte sie den Tränen freien Lauf lassen. Der
aufgeweichte Verband ließ die Haut darunter aber anfangen zu jucken
und so wischte sie sie schnell wieder ab und als die Tür erneut geöffnet
wurde hatte sie die Befürchtung erwischt worden zu sein.
„Keine Angst, Kleines. Dieses
neugierige Weib ist weg.“
In dem Moment als sie Angelos
Gesicht im Türrahmen sah wünschte sie sich Julia zurück.
Sie traute sich nicht ihm zu antworten und so ließ sie es einfach
geschehen, dass er sich ihrem Bett näherte. Angelo steckte die Hände
in die Hosentaschen und wenn er nicht so gemein grinsen würde, hätte
man ihm fast die Verlegenheit abnehmen können.
„Ich bin nur vorbei gekommen
um zu sehen wie es dir geht und um sicher zu gehen, dass dieses kleine
Missverständnis unter uns beiden bleibt.“ Angelo`s Blick wurde steinhart.
„Du hast ihr doch nichts erzählt, oder?“
Cilia sah Angelo unglaubwürdig
an. Hatte er wirklich „Missverständnis“ gesagt? Sie sah wieder Angelo´s
Faust auf sich zukommen und spürte, wie sie sich immer wieder tief
in ihren Magen eingrub, bevor sie dann zur flachen Hand wurde, die unkontrolliert
auf jede Körperstelle ihres Körpers schlug, die er gerade treffen
konnte. Das „Missverständnis“ bestand darin, dass sie so dumm gewesen
war sich in einem Moment der Verwirrtheit in seine Nähe begeben hatte.
Das sie so naiv war zu glauben er würde ihr Trost und Hoffnung spenden
nach dem Streit mit Sophia.
„Hey!“ Angelo´s laute
Stimme riss sie aus ihren Gedanken und nahm ihr zu ihrer Erleichterung
wieder die Bilder vor ihrem inneren Auge weg. „Ich will wissen, was meine
kleine Bella nun zu tun gedenkt. Ich habe diese Bullen doch gesehen – und
diese Anwältin, Capwell.“ Angelo kam näher auf das Bett zu und
grinste dabei breit. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass sie dir helfen
wird? Sophia Capwell´s Schwiegertochter stellt sich auf die Seite
eines Eindringlings wie dir? Einer Fremden, die sich in Szene setzt durch
Intrigen und Lügen?“ Er stützte sich auf den Rahmen des Fußendes
auf und wartete auf ihre Reaktion.
In Cilia´s Kopf stritten
sich Engelchen und Teufelchen. „Antworte lieber nicht. Bis die Schwester
deine Rufe hören würde könnte es zu spät sein.“ „Unsinn!
Ihr seid umzingelt von einem ganzen Krankenhaus und wenn er sich dir auch
nur nähern würde, könntest du Alarm schlagen und sie würden
dieses Stück Dreck in den tiefsten und dunkelsten Kerker werfen wo
er hingehört.“ Cilia versuchte sich auf einen Kompromiss zu einigen.
„Ich habe nicht vor ihnen
irgendwelche Fragen zu beantworten oder zu helfen. Meine Aussage ist gemacht
und genauso werde ich sie morgen unterschreiben. Ich wurde überfallen,
konnte jedoch nicht erkennen wer es war.“
Angelo lächelte zufrieden.
„Das wollte ich hören.
Das ist meine kleine Bella.“ Er stockte kurz und während er sein Jackett
zurecht zog fuhr er fort. „Sobald dieses Papier unterschrieben ist wirst
du dein paar Sachen zusammen packen und wir werden nach Hause fliegen.
Ich habe keine Lust wegen dir noch einmal in Schwierigkeiten zu geraten.
Die Sache mit Sophia´s Geld werden wir von dort aus mit meinem Anwalt
regeln.“
Teufelchen gibt Engelchen
einen Hieb und Engelchen fliegt davon.
„Vergiss es, Angelo. Ich werde
vielleicht den anderen nicht erzählen was wirklich geschehen ist,
aber ich weiß es.“ Cilia packte all ihren Mut zusammen. “Es ist vorbei,
Angelo. Aus, erledigt. Ich werde kein weiteres Mal die Zielscheibe für
deine gestörten Aggressionen spielen. Mein Leben wird sich von nun
an ändern. Es wird hier stattfinden, in Santa Barbara. Mit oder ohne
meiner Mutter.“
Gerade als Angelo sich über
das Bett werfen wollte, um Cilia zu packen wurde er von dem Zuschlagen
der Zimmertür gestört. Erschrocken drehte er sich um. Doch schon
bald stützte er trotzig die Hände in die Hüften und lachte.
Dann drehte es sich wieder zu Cilia um.
„Daher stammt also dein ganzer
Mut. Der Retter ist zur Hilfe gekommen.“
Angelo drehte sich wieder
um und ging auf die blonde Frau zu, die immer noch an der geschlossenen
Tür stand.
„Glaubst du wirklich, dass
sie dir helfen kann?“ sprach er weiter Cilia an, deutete jedoch zur Tür.
„Glaubst du wirklich, dass deine Probleme hier lösen kann ? Sie konnte
doch nicht einmal ihren eigenen lösen und ist davon gelaufen.“
Mit drohender Gebärde
stand er vor der Frau, jedoch ließ diese sich davon nicht beeindrucken.
„Du solltest dir besser genau überlegen, wem du dich anschließt.
Ich komme wieder!“ Er griff an ihr vorbei den Türgriff und ging, sich
vorsichtig auf dem Flur umschauend aus dem Zimmer.
Eine Last fiel von den Schultern
der Frau und nun ging sie schnell auf Cilia zu, setzte sich auf die Bettkante
und nahm sie in die Arme. Ganz fest hielten sie sich und keiner hatte Gelegenheit
seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, als die Tür erneut geöffnet
wurde und erneut ein Kopf vorsichtig durch den Spalt schaute.
„Sophia!“ flüsterte Cilia
leise.
Der Körper der Frau verspannte
sich sofort und ängstlich krallte sie ihre Finger in Cilia`s Rücken.
„Es tut mir leid. Ich wusste
nicht, dass sie Besuch haben. Man sagte mir sie wären allein.“ versuchte
Sophia ihr Eindringen zu entschuldigen.
Cilia musste innerhalb von
Sekunden ihren nächsten Schritt entscheiden.
„Das ist kein Problem – kommen
sie herein.“ Sagte sie betont ruhig und wusste genau was nun geschehen
würde.
Mit einem Ruck wurde sie weggedrückt
und verständnislos angesehen. Angst spiegelte sich in den Augen der
Frau und ihre Lippen formten leise das Wort „warum?“
„Weil wir nicht mehr davon
laufen wollen und uns ab heute den Dingen stellen werden. So wie wir es
uns versprochen haben.“ Sagte sie, so dass auch Sophia es hören konnte.
Allerdings hatte diese keine Ahnung, was sich gerade dort abspielte. Nach
einer kleinen Ewigkeit nickte die Frau ihr still zu und löste sich
von Cilia. Langsam stand sie auf, hatte aber immer noch den Rücken
zu Sophia gekehrt.
„Ich wusste nicht, das sie
Freunde in der Stadt haben.“ betonte Sophia misstrauisch.
„Ich war lange fort.“ antwortete
die Frau plötzlich und Cilia schloss kurz die Augen um ihr zu signalisieren,
das sie das Richtige tat. „Aber ich bin zurück um mich endlich den
Dingen zu stellen, die Lügen zu entwirren und endlich wieder ich selbst
zu sein.“ Dann drehte sie sich um und nach Jahren der Sorgen und Angst
sah Sophia zum ersten mal wieder ihrer Tochter Eden ins Gesicht.
