chapter 2 ~ white roses' melody
Alleine stehe ich am Straßenrandwarte auf dich, warte vergeblich
du wirst nicht kommen
die Blüte in meiner Hand verwelkt
Du gabst mir einst ein Versprechen
so vergänglich wie eine erblühte Blüte
und doch habe ich stets gewartet
darauf, dass unsere Liebe neu erblüht
Diese Straße war mir früher vertraut
heute scheint mir hier alles fremd
ohne dich wirkt alles leer und kalt
und mein Herz in deinen Händen verwelkt
Damals gingen wir zusammen diese Straße
wann begannen sich unsere Wege zu trennen?
du gingst mir Worten ohne Wahrheit
deine Erinnerung an diese Zeit ist verwelkt
Du gabst mir einst ein Versprechen
so vergänglich wie eine bereits erblühte Blüte
und doch habe ich stets gewartet
darauf, dass deine Liebe neu erblüht
Diese Straße ist gesäumt von vertrockneten Blumen
eines Tages werden sie hoffentlich neu erblühen....
so stehe ich wartend auf der Straße "Leben"
~ * ~ * ~
Als ich an jenem Morgen erwachte, wusste ich sofort, dass ich nicht tot war.
Zwar konnte ich nicht klar sagen, was es war, aber irgendetwas ließ mich sicher sein, dass ich noch lebte.
Vielleicht waren es diese grauenhaften Kopfschmerzen....mein Traum von Vergangenem....oder dieser Duft, der in der Luft lag und mir sofort bekannt vorkam.
Was war das nur? Es kam mir so vertraut vor...
Ich überlegte angestrengt, während ich meine Augen noch geschlossen hielt. Aus Angst vor dem, was mich erwarten könnte. Aus Angst, ich müsste entgültig aufwachen.
Ich war nicht tot, das stand für mich fest. Wo als konnte ich sein? "In meiner Wohnung" schoss mir als erstes durch den Kopf. Doch das war unwahrscheinlich, dort roch es nicht so. "Krankenhaus" war mein nächster Gedanke. Sehr wahrscheinlich, wenn ich noch lebte. Wie war ich hierher gekommen? Wer hatte mich gefunden? Und vor allem: Warum hatte mich jemand gefunden? Ich hatte doch eigentlich niemanden, der sich um mich kümmerte oder gar sorgte....
Anscheinend schien ich mich da zu irren, sonst wäre ich jetzt nicht, wo ich war. Moment.....war ich überhaupt, wo ich dachte, dass ich war???
Diese ganzen wirren Gedankengänge waren einfach zu viel für meinen sowieso schon schmerzenden Kopf...und erst recht für meine Neugier.
Meine Angst verlor entgültig die Oberhand und ich öffnete langsam meine Augen, um schmerzhaft festzustellen, dass es bereits draußen, und durch die offenen Vorhänge auch in meinem Zimmer, taghell war.
Meine Vermutung wurde bestätigt. Ein typisches Krankenzimmer konnte ich mit einem noch leicht verschwommenen Blick wahrnehmen.
Dann bemerkte ich plötzlich einen natürlichen weißen Fleck inmitten des sterilen Weißes.
Als mein Blick sich endlich gefestigt hatte, erkannte ich auch, was dort auf dem Fensterbrett neben meinem Bett stand. Weiße Rosen.
Von ihnen ging auch der Duft aus, der mir nach dieser Erkenntnis nur noch mehr bewusst wurde.
Weiße Rosen für mich....
Wie in meinem Traum von damals...
Ich musste blinzeln, um nicht zu weinen. Ich war eindeutig zu sentimental...das hatte er doch damals auch zu mir gesagt. Und diesmal kamen die Rosen sicherlich nicht von ihm. Wahrscheinlich war es nur reiner Zufall, dass sie dort standen, und Zufall, dass ich in diesem Zimmer, in dem sie standen, in einem Krankenbett lag.
Auf alle Fälle war es ein schöner Zufall...
Ich setzte mich auf und wollte aufstehen, hielt jedoch auf halbem Weg an. Erst jetzt realisierte ich, dass ich mit einem kleinen Schlauch an einer Blutkonserve angeschlossen war. Dass ebenfalls durch ein EKG-Gerät mein Herzschlag aufgezeichnet wurde, weshalb mehrere Kabel auch an meiner Brust befestigt waren.
Ich sollte vielleicht besser nicht aufstehen und sie dadurch abreißen...
Also beugte ich mich lediglich etwas weiter aus dem Bett und zog die größte der Rosen aus dem Strauß. Mit dieser in der Hand ließ ich mich zurück in die Kissen sinken und betrachtete sie nachdenklich.
Die Blüte war einfach nur wunderschön. Zwar im Gegensatz zu den anderen Rosen noch größtenteils geschlossen, doch jetzt schon wunderschön in meinen Augen. Ich liebte weiße Rosen, obwohl ich das fast niemandem je gesagt hatte. Ich wollte nicht, dass jeder, vor allem Fans, sie mir schenkten, denn diese Blumen waren für mich etwas Besonderes.
Etwas Besonderes, das man daher nicht von jedem bekommen wollte. Reita hatte ich es damals gesagt....und am nächsten Tag hatte er mir welche geschenkt.
Dennoch war es schlussendlich kein schönes Ereignis gewesen, an das ich mich gerade erinnerte. Auch wenn mein Traum der vergangenen Nacht mir ein neues mögliches Ende gezeigt hatte.
Zögerlich strich ich über die einzelnen Stacheln der Rose. Fast fühlte es sich an wie die Rasierklinge...Aber auch nur fast. Denn die Dornen könnten mich nicht töten. Verzweifelt verzog ich mein Gesicht. Warum? Warum lebte ich noch?! Ich wollte doch nicht mehr....warum war dieser Wunsch verweigert worden?!?
Ich ballte kurz wütend meine Hände zu Fäusten, ignorierend, dass die eine Hand den Rosenstiel fest umschlang und somit sich die Dornen in meine Hand und darunter bohrten.
Dieser Schmerz schien für mich nicht real...ich spürte ihn kaum...Trotzdem lockerte ich schnell wieder meinen Griff, weil mir einfiel, dass ich die neuen Schnittwunden jemandem erklären musste, wenn man sie sah.
Erklären...was sollte ich nur den anderen sagen, wenn sie mich nach einem Grund fragten?!?
Die Wahrheit kam nicht in frage....eine Lüge aber genauso wenig. Doch...ich konnte es ihnen einfach nicht sagen....Sie würden mich nicht verstehen, mich vielleicht sogar aufgrund meiner Schwäche verachten....Das könnte ich nicht ertragen.
Ich fragte mich wirklich, wie sie reagieren würden, wenn wir uns wiedersahen...Keiner von uns konnte so tun als wäre nichts geschehen. Aber ich wollte auch nicht, dass sie mir tausend Fragen stellten, die ich nicht beantworten wollte und konnte. Oder, dass sie mich wahnsinnig bemitleideten oder eben das schlimmste: mich verachteten.
Bei den Gedanken an ihre möglichen, hauptsächlich negativen Reaktionen kamen mir erneut die Tränen und ich konnte nicht verhindern, dass mehrere der gläsernen Tropfen auf den weißen Blütenblättern zersprangen.
Diese Rose...ich wünschte wirklich, sie wäre für mich gedacht....
"Sie sind von Reita..."
Erschrocken drehte ich mich um und bemerkte erst jetzt, dass Uruha, vermutlich schon länger, im Türrahmen stand. Wie lange schon?
Sein Blick war leer und traurig, ganz und gar nicht, wie ich es von ihm gewöhnt war. Während er leise hinter sich die Tür schloss, betrat er das Zimmer und lächelte leicht.
Aber es war kein typisches Lächeln von ihm. Es war unendlich traurig wie seine Augen, in denen zudem noch etwas lag, das ich nicht sofort verstand.
"Die Rosen sind von Reita..." wiederholte er, "bis auf eine einzige. Die langstielige, die du in der Hand hältst. Diese Rose ist von mir..."
Seine Worte sickerten langsam zu mir durch und jetzt wusste ich auch, was seine Augen widerspiegelten: Schmerz. Schmerz und Trauer. Warum? Wegen mir? War er etwa wegen mir traurig? War es meine Schuld?
In diesem Moment fiel mir auf, dass ich immer noch weinte. Beschämt wendete ich mich von ihm ab. Ich wollte nicht, dass Uruha mich weinen sah.
Doch noch bevor ich meine Tränen völlig weggewischt hatte, spürte ich plötzlich, wie sich zwei starke Arme um mich legten, und ich fest an eine warme Brust gezogen wurde.
Innerlich fiel ich in diesem Moment. Aber es war kein unangenehmes, ängstliches Fallen. Ich fühlte mich auf einmal so frei und gleichzeitig sicher...es war diese Geborgenheit, die ich so lange vermisst und fast schon vergessen hatte.
Und anstatt sofort wieder auf Distanz zugehen, wie ich im ersten Moment instinktiv wollte, schmiegte ich mich noch näher an Uruha, umarmte ihn mir meinem freien Arm, während sich die Hand des anderen Armes, an dem die Infusion hing, in seinem Oberteil festkrallte.
"Tu das bitte....nie wieder...nie....bitte....!!!" wisperte er gebrochen und ich fühlte, dass er leicht zitterte. Er schien tatsächlich zu weinen....Uruha, der immer die Ruhe bewahrte, selbst wenn alle anderen längst verzweifelten. Uruha hielt mich einfach nur verzweifelt fest und weinte...er weinte wegen mir.
Auf einmal wusste ich, was das Schlimmste an meiner Tat war.
Nicht, dass ich immer noch lebte. Auch nicht, dass ich mich nun rechtfertigen musste. Sondern, dass meine Freunde so sehr leiden mussten, weil ich sie schlichtweg vergessen hatte. Vergessen, obwohl sie eigentlich für mich da gewesen wären, hätte ich sie nur lassen. Warum hatte ich nicht an sie gedacht, bevor ich mich für den Tod entschieden hatte? Stattdessen hatte ich ihnen dadurch viel mehr angetan als mir selber.
"Hai....Ich versprechfs..." flüsterte ich zurück und seine Umarmung verstärkte sich noch ein bisschen. Ich fühlte mich so erbärmlich wegen ihm, ich hätte heulen können. Doch seine Nähe, seine Wärme, die mich umgab, seine Umarmung, das alles ließ mich in einem Gefühl von Geborgenheit versinken und ich hätte ewig so bleiben können.
Doch schon bald hörten wir Stimmen auf dem Gang und ehe ich ihn festhalten konnte, hatte sich Uruha von mir gelöst, bevor Ruki, Kai und Reita das Zimmer betraten.
Kurz sah ich traurig zu Uruha, der sich schnell unauffällig über die Augen fuhr. Schon jetzt vermisste ich seine wärmenden und schützenden Arme.
Plötzlich aber sprang mich etwas wuscheliges Blondes an und ich hörte nur noch Rukis aufgebrachtes Geschrei in meinen Ohren.
"Du bist so ein Idiot! Arschloch! Baka! Vollidiot! Mach das noch einmal und ich vergess mich! Ich hasse dich! Argh!!!" Er konnte sich kaum wieder beruhigen und zerdrückte mich dabei fast. Ich strich ihm beruhigend durch die Haare und sah zu hilfesuchend zu Kai und Reita. Wusste ich doch, dass Rukis Verhalten nur zeigte, wie sehr er Angst um mich gehabt hatte, und nicht böse gemeint war.
Reita wich meinem Blick immer wieder aus, was mir einen weiteren Stich ins Herz versetzte. Kai hingegen lächelte mir aufmunternd zu und kam nach ein paar Minuten an mein Bett, um Ruki vorsichtig aber bestimmt wegzuziehen.
"Komm schon, nimm ihn nicht so in Beschlag, er braucht Ruhe!"
Ruki nickte tatsächlich verstehend und ergriff wie automatisch Kais Hand, während er in eine völlig andere Richtung sah. Kai wurde daraufhin leicht rot, hielt Rukis Hand aber fest.
"Süß" dachte ich und musste unwillkürlich lächeln. Mein Blick fiel erneut auf Reita und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
Warum konnte ich nicht so viel Glück wie Ruki und Kai haben? Warum?
Doch bevor ich mir noch mehr Gedanken über sein oder auch Uruhas seltsames Verhalten machen konnte, kam der Arzt ins Zimmer gestürmt und schmiss alle vier wütend raus. Perfektes Timing eben.
Etwas später am Mittag betrat Uruha erneut mein Zimmer. Nach einer Routineuntersuchung heute morgen hatte der Arzt mir erklärt, dass ich aufgrund meines "Komas" keinerlei Folgeschäden hatte und Besuch empfangen konnte, jedoch nur einzeln, nicht wieder alle auf einmal. Und schon war Uruha wieder da.
Er lächelte, als er mich begrüßte, und wirkte insgesamt ruhiger, fröhlicher als wenige Stunden zuvor. Ich erwiderte sein Lächeln leicht. Zum einen, weil ich ihm eine Freude machen wollte nach all dem Kummer mit mir, zum anderen, weil ich mich wirklich ein kleines bisschen freute, ihn zu sehen.
Dennoch bemerkte ich sofort, dass mit seiner Stärke auch seine Distanziertheit mir gegenüber zurückgekehrt war. Er war wieder voll und ganz Bandleader, vielleicht sogar mehr das als mein Freund. Seit ich ihn kannte, war es schon immer so gewesen....leider...
Dies schmälerte etwas mein Lächeln und innerlich war mir ganz und gar nicht nach Lächeln zumute.
Es war wieder wie früher. Ich versteckte meine wahren Gefühle und zeigte den anderen nur das, was auch für sie angenehm war. Wie sehr wünschte ich mir in diesem Moment, ich wäre doch gestorben...aber hasste ich mich sofort, als ich die noch immer sichtbaren Tränenspuren unter Uruhas Augen sah...Warum nur tat er dies alles?
Er setzte sich schweigend an mein Bett, während ich weiter nachdachte.
Nach fast einer halben Stunde des Schweigens unterbrach er schließlich die Stille.
"Willst du nichts fragen?" Er sah mich abwartend an, ich aber schüttelte scheinbar gelangweilt den Kopf.
"Was sollte ich denn fragen?" , gab ich lustlos zurück. Die einzige Frage, dich mir gerade stellte, war, ob mich überhaupt noch etwas in diesem Leben interessierte.
"Vielleicht..." , begann Uruha, "vielleicht, was nun mit dir geschieht, was aus Gazette wird, wer dich gefunden hat, - "
"Ist ja gut, ist ja gut!" , unterbrach ich ihn gereizt. "Weißt du, eigentlich kann ich mir das schon alles denken: Ich muss zum Psychiater und Gazette muss sich auflösen, da die Presse sich bereits auf meinen Selbstmordversuch gestürzt hat..."
Traurig sah ich weg von Uruha, aus dem Fenster. Ich wollte zwar wissen, wer mich gefunden hatte, doch zugeben würde ich das nie. Zu dem genügte mir schon das, was auf mich zu kam. Da musste ich mir nicht auch noch wegen der Vergangenheit den Kopf zerbrechen.
"Es tut mir leid...wegen Gazette...", flüsterte ich, sah aus den Augenwinkeln, dass Uruha den Kopf schüttelte.
"Das muss es nicht; die Presse hat nichts von deinem Selbstmordversuch erfahren, selbst unser Management denkt, du liegst wegen einer schweren Grippe im Krankenhaus...außerdem...bist du wichtiger als die Band..."
Verwundert hob ich meinen Blick, der daraufhin auf Uruhas ehrlichen traf. Meinte er das jetzt ernst? Es war....alles in Ordnung? Ich hatte Gazette nicht zerstört?!
Erleichterung machte sich in mir breit, doch ich fuhr fort, Uruha misstrauisch zu mustern.
Was sollte Uruhas letzter Satz bedeuten? Das konnte er doch nicht wirklich gesagt haben! Er, das Arbeitstier, der Leader....er, für den Gazette alles war, Beruf, Traum und Familie.
Meine Unsicherheit musste mir anzusehen sein, denn er griff nach meiner Hand und sah mir fest in die Augen. Spätestens da wurde ich nervös ohne zu wissen, warum, und obwohl ich wegsehen wollte, hielt mich sein Blick gefangen.
"Ich meine das ernst! Du bist mir wichtiger als die Band!"
Das sagte er mir an diesem Tag. Mehr nicht. Wollte er mir noch etwas anderes dadurch sagen? Seinem unsicheren Blick zufolge ja. Aber ich verstand ihn nicht, verstand nicht einmal, was diese ganze Situation bedeuten sollte. Alles, an das ich in diesem Moment denken konnte, war, dass ich ihm wichtig war. Sogar wichtiger als Gazette – und das sollte etwas heißen bei Uruha.
Erneut überkam mich dieses wohlige Gefühl, das ich schon am Morgen gespürt hatte, und verlegen riss ich mich schnell von seinen Augen los und sah weg.
"Danke~" sagte ich leise und überlegte, ob ich auch meine Hand wegziehen sollte, mir wurde dies alles mehr und mehr unangenehm. Doch das wäre in Anbetracht dessen, was er mir gerade gesagt hatte zu abweisend und verletzend. Außerdem....es war die Situation, die mir unangenehm war, nicht seine Hand, die meine fest umschlossen festhielt, hin und wieder leicht mit dem Daumen über meinen Handrücken strich und mir Halt gab.
Halt in einer Welt, in der ich bereits jeden Halt verloren geglaubt hatte. Ich hatte mich geirrt...und das nicht nur, was diese Sache betraf...
Diese Tatsache nagte weiterhin an meinem Gewissen und ich verlor mich wieder in Gedanken. Uruha währenddessen blieb bei mir sitzen und hielt meine Hand, ohne auch nur ein Wort zu sagen. An was er dachte, vermochte ich nicht zu erraten, doch sicherlich wusste er nicht, dass er und sein ungewohntes Verhalten meine Gedanken beherrschten.
"Und weiter?", fragte ich, als ich meine Gedanken mehr oder weniger wieder unter Kontrolle hatte. "Was ist mit den anderen Sachen?"
Uruha atmete einmal tief durch, bevor er erneut anfing zu erklären.
"Normalerweise müsstest du die nächsten Wochen unter psychologische Betreuung, da hattest du schon Recht...aber...ich hab dem Arzt klar gemacht, dass das nicht nötig sein wird, da wir uns ausreichend um dich kümmern werden...jedenfalls sofern du uns lässt..."
Er suchte unsicher meinen Blick, doch ich senkte meinen Kopf und nickte lediglich, woraufhin er seufzte.
"Lass wenigstens Reita wieder ein bisschen mehr an dich ran! Er macht sich große Sorgen um dich, auch wenn er es nicht unbedingt offen zeigt. Er hat dich nämlich auch gefunden...."
Geschockt sah ich Uruha an. Reita hatte mich gefunden? Ausgerechnet Reita!? Warum? Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf. Was hatte ihn zu diesem Zeitpunkt zu mir geführt? Machte er sich wirklich Sorgen um mich? Warum? Das war wohl die häufigste aller Fragen...
Ich stellte jedoch keine einzige davon laut und wendete meinen Blick abermals von Uruha ab, sodass er nicht sehen konnte, was in mir vorging. Dennoch schien er es bemerkt zu haben...
"Mach dir nicht so viele Sorgen!", sagte er mit einem warmen Lächeln. "Wir kriegen das alles schon irgendwie wieder hin. Die nächste Zeit wirst du jedenfalls bei mir wohnen und keine Wiederrede!"
Er strich mir leicht durch die Haare und drehte dann vorsichtig meinen Kopf, um mir in die Augen sehen zu können. Diesmal wollte ich seinen liebevollen Augen nicht einmal ausweichen und Stück für Stück versank ich in ihnen.
"Ich lass dich nicht allein..."
Sein Blick wurde etwas unsicher, bevor er sich zögerlich vorbeugte und mich kurz auf die Lippen küsste.
Ich war völlig erstarrt und nicht in der Lage in irgendeiner Art und Weise darauf zu reagieren.
Seine warmen Lippen, die so unsicher und doch so....voller Gefühl...meine Lippen berührten, ließen mich alles auf einmal vergessen.
Aber genauso flüchtig wie er begonnen hatte, löste Uruha den Kuss wieder und verließ mein Zimmer mit einem letzten unsicher Blick, in dem ich auch glaubte, Angst und Verzweiflung zu erkennen.
Mich ließ er völlig verwirrt zurück. Erst einige Minuten später erwachte ich aus meiner Trance und begann erneut zu weinen, doch aus einem anderen Grund als zuvor. Denn es schien mir als hätte dieser einzelne, eigentlich doch unbedeutende Kuss die gesamte Traurigkeit aus meinem Herzen mit sich genommen und nichts zurückgelassen. Nichts außer Leere und die Sehnsucht, diese zu füllen.
Während die Rosen auf dem Fensterbrett begannen zu welken, lag daneben die einzelne Rose vom Morgen und erblühte vollkommen.







