das Alphabet der Sojombo Schrift

die Sojombo Schrift

Im Jahr 1686 – und damit nur 40 Jahre nach Erfindung der Klaren Schrift - entwickelte mit Öndör gegeen Zanabazar die vierte mongolische Schrift, die sogenannte Sojombo Schrift (auf mongolisch "sojombo üseg").

Zanabazar war das religiöse Oberhaupt der Mongolen, Gelehrter und auch ein hochbegabter und produktiver Künstler. (1) Zanabazar wurde am 4. November 1635 als Sohn des Tüšeet chan Gombodorži geboren. Mit gerade erst drei Jahren legte er die ersten geistlichen Gelübde ab, um schon 1639 von den Khalkha-Fürsten als erster Bogd gegeen, also als geistliches Oberhaupt der Mongolen, inthronisiert zu werden. 1649 ging er nach Tibet, wo er ein Schüler des fünften Dalai Lamas und des Pancin Lamas wurde. Von diesen erhielt er dann auch im Jahre 1650 den Titel Žavzandamba Khutukhtu (tibetisch: rJe-bTsun dam-pa) und den Auftrag, in die Mongolei zurückzukehren, um dort den Lamaismus zu verbreiten. In einer Zeit, in der sowohl die Khalkha-Fürsten untereinander aber auch vor allem die West- mit den Ostmongolen erbittert verstritten waren, war Zanabazar als von allen anerkanntes religiöses Oberhaupt ein wichtiger einigender Faktor. So soll seine Meinung die ausschlaggebende gewesen sein, als sich die Khalkha 1691 den Mandschus unterwarfen. Für Zanabazar persönlich bedeutete diese Unterwerfung, daß er an den Hof des mandschurischen Kaisers K'ang Xi zitiert wurde, wo er bis zu seinem Tod am 18.2.1723 mehr oder weniger ununterbrochen lebte.

Vor diesem biographischen und historischen Hintergrund muß man auch die Entwicklung der Sojombo Schrift betrachten. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang sicherlich das sogenannte Sojombo Symbol, das im Folgenden abgebildet ist.

Es ist nicht geklärt, ob Zanabazar das Symbol selber entwickelt hat, oder ob es dieses schon lange vorher gab, und Zanabazar auf dessen Grundlage seine Schrift entwickelte. In jedem Falle ist es das Zeichen der mongolischen Einheit und Unabhängigkeiti und mit symbolischer Bedeutung nahezu überfrachtet. In ersterem Sinne findet man es auch seit 1911 auf dem mongolischen Staatswappen.

Die Sojombo Schrift an sich hat Zanabazar aber doch wohl in Anlehnung an die Lanza-Schrift konzipiert, die ein nepalischer Mönch wiederum aus dem Sanskrit als Prachtschrift entwickelt hatte. Zu Zanabazars Entwicklung der Sojombo Schrift gibt es verschiedenste Legenden, von denen eine lautet, daß Zanabazar eines Nachts im Jahr 1686 nach draußen ging und nach oben sah. Im Himmel sah er buchstabenähnliche Zeichen, die er dann praktisch nur noch aufschrieb und so die Sojombo Schrift erschuf. In Übereinstimmung mit dieser Legende nannte er seine Schrift Sojombo, was sich von dem indischen Wort "Svajambuu" ableitet und soviel bedeutet wie "aus sich selbst entstanden". Wissenschaftler akzeptieren zwar das Jahr 1686, aber den Rest schieben sie doch eher auf lamaistische Legendenbildung.

Die Sojombo Schrift wurde bei den Ostmongolen – aufgrund der Streitigkeiten mit den Westmongolen drang die Schrift zu diesen nicht durch – als Prachtschrift verwendet. Die wichtigste Verwendung erfuhr die Schrift aber bei der Übersetzung buddhistischer Texte aus dem Sanskrit oder dem Tibetischen. Tatsächlich hat Zanabazar seine Schrift vor allem zu diesem Zweck geschaffen und auch selbst benutzt. Er und seine Schüler entfalteten hier eine enorme Produktivität. Als Alltagsschrift aber konnte sich auch die Sojombo Schrift nie durchsetzen. Die Hauptgründe sind sicherlich zum einen die schwierige politische und wirtschaftliche Lage, in der man andere Sorgen als die Verbreitung einer neuen Schrift hatte, und zum anderen die Kompliziertheit der Schrift selbst, die ein schnelles Schreiben praktisch unmöglich macht. Und obwohl sie hervorragend für die Übersetzung bzw. Übertragung fremdsprachiger Texte geeignet war, geriet sie durch die eben genannten Fakten auch in dieser Hinsicht in Vergessenheit.

Heute wird sie nicht mehr benutzt, und auch nur wenige Wissenschaftler beschäftigen sich mit dieser Schrift, da sie von linguistischem Interesse ist.  Ein Beispiel hierfür ist etwa das  Zusatzzeichen zur Kennzeichnung langer Vokale. Falls die Mongolen also einige Jahrhunderte zuvor noch 'aga' gesagt haben, beweisen Klare Schrift und Sojombo Schrift, daß nun 'aa' gesprochen wurde.

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(1) Von Zanabazar und seinen Schüler sind eine große Anzahl Bronzestatuen erhalten, die die buddhistischen Gottheiten

     darstellen. (zurück zum Text)

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