das Alphabet der Klaren Schrift

die Klare Schrift

Nach dem Verschwinden der Quadratschrift basierte die nächste Schrift der Mongolen auf der nach wie vor verwendeten klassischen mongolischen Schrift. Im Jahre 1648 entwickelte der Oirate Zaja bandid Namkhayžamc die sogenannte Klare Schrift – auf mongolisch "tod üseg" bzw. "tod bicig". Der Name dieser neuen Schrift deutet schon an, daß ihr Erfinder vor allem die Homographen der klassischen mongolischen Schrift beseitigen wollte, um eben eine klarere, eindeutigere Schrift zu schaffen. Allerdings richtete er seine Schrift stark auf den Dialekt seiner westmongolischen Heimat aus.

Zaja bandid Namkhayžamc wurde 1599 als fünfter Sohn des Baavchan, einem der oiratischen Fürsten, geboren. Da sich damals die vier Oiratenfürsten geeinigt hatten, je einen ihrer Söhne die Gelübde eines Lamas ablegen zu lassen, wurde Namkhayžamc mit 17 Jahren zum Lama. Ab 1617 lebte er im tibetischen Kloster Zogt Brajbün in Lhasa und erhielt schließlich für seinen Eifer und sein außergewöhnliches Talent den Titel eines Rawžamba. 1638 kehrte er zurück in die Westmongolei, wobei er angeblich auf dem Weg den fünften Dalai Lama Lubsanžamc traf, der ihn beauftragte, in seinem Namen den Lamaismus zu verbreiten. Im Jahr 1640 nahm er höchstwahrscheinlich an der Versammlung ost- und westmongolischer Fürsten in Tarvagataj teil, auf der man sich darauf verständigte, alte Zwistigkeiten untereinander bereinigen und gegen feindliche Kräfte von außen zusammenhalten zu wollen. Das "Große Gesetz der Vierzig und der Vier" wurde beschlossen. Zaja bandid Namkhayžamc soll auf dieser Versammlung auch die Frage der Verbreitung des Lamaismus aufgeworfen haben und bemühte sich in den folgenden Jahren darum, die Ostmongolen und Kalmücken an den Lamaismus heranzuführen. Zaja bandid Namkhayžamc starb auf einer erneuten Reise nach Tibet im Jahre 1662. In den letzten gut 20 Jahren seines Lebens hat er knapp 180 – vor allem buddhistische – Werke übersetzt, wobei er sich natürlich meist seiner Klaren Schrift bediente.

  Es lag nahe, daß Zaja bandid Namkhayžamc als Oirate, seine Schrift auf seinen Heimatdialket zuschnitt, aber gerade diese "Spezialisierung" war und ist der große Nachteil dieser Schrift, da sie die Wiedergabe der anderen mongolischen Dialekte sehr erschwert. Allerdings muß man hier sicherlich auch den politischen Hintergrund beachten. Nach dem Ende des mongolischen Großreiches konnte die Verbreitung einer Schrift nicht mehr schlicht auf Druck des Großchaans erfolgen, und die Zwistigkeiten zwischen West- und Ostmongolen dürften die Ostmongolen nicht gerade offen gegenüber einer offensichtlich westmongolischen Schrift gemacht haben.

Konnte sich die Klare Schrift also nicht bei anderen mongolischen Völkerschafen und Stämmen verbreiten, wurde sie für die Westmongolen doch zur Nationalschrift. In Kalmückien wurde sie bis ins 20. Jahrhundert als Gebrauchsschrift verwendeten, bis auch dort diese Schrift 1922 von einem modifizierten kyrillischen Alphabet abgelöst wurde. In den ersten Jahrzehnten nach ihrer Erfindung aber wurde die Klare Schrift vor allem für Übersetzungen buddhistischer Texte benutzt, wobei nicht nur Zaja bandid Namkhayžamc – wie schon erwähnt – eine enorme Produktivität entfaltete sondern auch seine Schüler.

Hosted by www.Geocities.ws

1