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Götterdämmerung für DAB

Götterdämmerung für Digitalradio?

Die Stimmen für einen Ausstieg aus DAB werden lauter

Das Menetekel kündigte sich Mitte Januar an: vier Privatradios gaben der Medienanstalt Berlin-Brandenburg ihre Lizenz für die Verbreitung im digitalen Hörfunkstandard DAB zurück.

Schnell ging der Verdacht um, dass es sich um eine konzertierte Aktion der Privatsender gegen DAB handelt.

Doch die Werbekrise gab den Ausschlag: die Sender können es sich nicht länger leisten, ihr Programm über einen zweiten Verbreitungsweg zu verteilen, bei dem die Hörerschaft gegen Null tendiert.

Schätzungsweise 40 000 DAB-Empfangsgeräte sind seit Einführung des Regelbetriebes im Jahr 1997 in Deutschland verkauft worden.

Inzwischen wird laut ausgesprochen, was sonst aus taktischer Rücksichtnahme nur hinter vorgehaltener Hand zu hören war: DAB droht das endgültige Aus. Der Chef der thüringischen Landesmedienanstalt, Viktor Henle, stellte DAB in Frage, als seine Landeswelle nun auch die Lizenz zurückgab und erntete sofort Widerspruch in Sachsen-Anhalt, wo die Medienpolitiker in DAB einen Strohhalm der wirtschaftlichen Entwicklung sehen. Anders allerdings als die Sachsen, die nach anfänglicher Euphorie auch schon seit geraumer Zeit auf Distanz gehen. Und der Direktor der Düsseldorfer LfM, Norbert Schneider, verlangte jüngst von der Politik klare Signale zur Zukunft des Digitalradios: „Wir haben das Licht nicht angemacht. Wir werden es auch nicht ausmachen!“.

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten soll nun auf einer Sitzung am 13./14. März 2003 ein Positionspapier zum digitalen Radio verabschieden.

Das kommt dann gerade rechtzeitig für den Runden Tisch zum Digitalradio, den der Medienkoordinator der Ministerpräsidenten, Kurt Beck schon im letzten November angekündigt hatte, der aber bisher aus Terminschwierigkeiten noch nicht stattgefunden hat.

Die ARD hat sich auf ihrer jüngsten Intendantensitzung ebenfalls für einen solchen runden Tisch ausgesprochen, denn auch hier geht der Riss quer durch die Landessender: während MDR und HR wieder aus DAB ausgestiegen sind, der NDR traditionell sehr reserviert dem Digitalradio gegenübersteht und auch WDR-Intendant Fritz Pleitgen schon einmal über das Ende von DAB laut nachgedacht hat, forciert der Bayrische Rundfunk noch seine Aktivitäten und SWR-Intendant Peter Voss hält die Entscheidung für DAB unbeirrt nach wie vor „rundfunk- und industriepolitisch für richtig und wichtig.“

Derweil macht die internationale DAB-Lobby Stimmung in Brüssel. In Stellungnahmen zu einer Digitalisierungsstudie, die die EU in Auftrag gegeben hatte, drängt WorldDAB die Kommission, die Belange des Radios bei ihrer zukünftigen Digitalisierungspolitik stärker zu berücksichtigen.

Auf der anderen Seite berät in Schweden gerade eine Parlamentskommission über den DAB-Ausstieg, in Hongkong wird DAB erst dann eingeführt, wenn billigere Empfangsgeräte in Sicht sind.

Lediglich in England sinken die Preise. Dort sind die ersten Radios für umgerechnet etwa 225 e auf dem Markt erschienen. Zahlreiche kleinere Radioschmieden versuchen sich hier im Wettbewerb um billigere Chip-Bauteile und Endgeräte, doch ihnen fehlen die Vertriebskanäle auf dem Kontinent.

Letztlich hat aber auch das noch nicht dazu geführt, dass der große DAB-Boom auf der Insel losgegangen ist. Der „Guardian“ schätzte für die ersten vier Jahre des Regelbetriebes lediglich 70 000 verkaufte Empfangsgeräte in England.

Jetzt soll der Markt über die Neuausrüstung bei Automobilen aufgeknackt werden. Ford bietet seit Anfang 2003 als erster Hersteller DAB-Radios ab Werk an.

Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass Blaupunkt im letzten Sommer eine Ausschreibung von Volkswagen für die zukünftigen Modelljahrgänge gewonnen habe.

Fragt sich nur, ob das nicht zu spät kommt. In Berlin soll ab März auch Hörfunk auf den Frequenzen des digitalen terrestrischen Fernsehens als Regelangebot ausgestrahlt werden. Einige Set-Top-Boxen verfügen schon über entsprechende Auswahlknöpfe an den Fernbedienungen.

Auf jeden Fall wird 2003 das Jahr der Entscheidung für DAB. Die Zeit der Subventionen ist vorbei und auch die Zeit, wieder einmal auf einer Funkausstellung den Start des neuen Radiosystems groß zu feiern.

Und weil immer noch keine revolutionären Preissprünge bei den Endgeräten zu sehen sind, sieht die Zukunft ziemlich düster aus.

 

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