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IBOC

FCC gibt grünes Licht für Digitalradiostandard IBOC

Konkurrierende Satellitenradios mit enormen Verlusten

Noch in diesem Jahr soll auf sechs amerikanischen Lokalradiomärkten die Ausstrahlung von Digitalradio beginnen. Anders allerdings als im benachbarten Canada, wo Digitalradio nach dem europäischen Eureka-Standard (DAB) ausgestrahlt wird, hat sich die amerikanische Kontrollbehörde Federal Communications Commission (FCC) für das in den USA schon seit längerer Zeit entwickelte und getestete Ausstrahlungsverfahren „In-band on Channel“ (IBOC) entschieden. Bei dieser Technologie wird das digitale Signal zusätzlich zum analogen Signal im gleichen Hörfunkkanal ausgestrahlt.

Der Systementwickler iBiquity will noch vor Jahresende die größten Radiostationen in New York, Los Angeles, San Francisco, Seattle, Miami und Chicago mit Sendeanlagen für IBOC ausstatten, sodass noch in diesem Jahr mit der Ausstrahlung digitaler Signale begonnen werden kann. Erste Empfangsgeräte sollen dann auf der traditionellen Consumer Electronics Show in Las Vegas im kommenden Januar vorgestellt werden. Dabei handelt es sich vor allem um Autoradios und hochwertige Heimempfänger, die dann unter dem Etikett „HD-Radio“ („High Definition Radio“) vermarktet werden sollen.

Marktbeobachter rechnen in der Einführungsphase mit Preisen, die um etwa 100 $ höher liegen werden gegenüber herkömmlichen UKW-Empfängern. Zu den Geräteherstellern gehören die  japanischen Unternehmen JVC, Kenwood und Sanyo, Chipbauteile liefern u.a. Philips Semiconductors und Texas Instruments - letztere auch sehr aktiv in der Entwicklung von Chips für den europäischen Eureka-Digitalradiostandard.

Die Vorteile von IBOC werden den amerikanischen Konsumenten ähnlich geschildert wie bei Eureka-DAB: CD-nahe Audioqualität der Radiosignale, Datenrundfunk und personalisierbare Programme, wie etwa Verkehrsfunk, wenn der Hörer ihn braucht.

Eine Zeit lang wurde in Deutschland IBOC als technologische Alternative vor allem vom Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) ins Gespräch gebracht. Die Technik wird jedoch derzeit nur in den USA eingesetzt. Zahlreiche Experten haben dem IBOC-System dagegen bescheinigt, technologisch gegenüber Eureka-DAB im Hintertreffen zu liegen. Das resultiert schließlich darin, dass Eureka-DAB von Australien über Singapur bis Canada in nahezu allen wichtigen Industrienationen als Digitalradiostandard favorisiert und zumeist auch schon im Regelbetrieb eingesetzt wird.

In den USA wiederum konkurriert IBOC als digitales Hörfunksystem gegen die am Markt schon etablierten beiden Satellitenradiodienste „Sirius“ und „XM Satellite Radio“. Beide Dienste sind seit etwa anderthalb Jahren am Markt und verkaufen landesweite Pay-Radio-Programme mit spezialisierten Musikfarben.

Nach Anfangserfolgen hat das Interesse der amerikanischen Konsumenten am Satellitenradio jedoch spürbar nachgelassen. Das Argument, landesweit Radio nach individuellem Geschmack in hoher Audioqualität zu hören - allerdings gegen Gebühren - wird nun abgeschwächt durch die Vorteile lokaler frei empfangbarer Digitalprogramme, wie lokaler Nachrichten oder Verkehrsinformationen. Beide Satellitenradioanbieter leiden unter hohen Anlaufverlusten und ausbleibenden Abonnenten. „XM Radio“ hat ca. 200 000 Abonnenten und schiebt 240 Mio. $ Verluste vor sich her, „Sirius Radio“, später gestartet hat - so ein Bericht in „Wired News“ - gar erst 6510 Abonnenten, 192 Mio. $ Nettoverluste bislang bei einem Umsatz von gerade einmal 54 000 $.

boff


epd medien Nr. 81, 16. Oktober 2002

 

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