Wenn es nach dem Leitungsgremium des Digital Radio Mondiale (Drm)-Konsortiums geht, soll ab dem kommenden Frühjahr die digitale Technik für die Kurz-, Mittel- und Langwelle auch in weiteren Frequenzbereichen erprobt
werden. Auf der jüngsten Sitzung des Gremiums wurde eine Empfehlung an die im kommenden März in Brasilia tagende Vollversammlung von Digital Radio Mondiale beschlossen,
nach der die Drm-Technik weiterentwickelt werden soll in Hinblick auf eine Anwendung in den Rundfunkbändern zwischen 30 und 120 MHz.In diesen Frequenzbereichen liegen unter anderem die Kanäle 2-4 des
VHF-Fernsehbandes sowie das UKW-Sendespektrum.
Das Drm-Steeringboard begründet den Vorstoß damit, dass das Drm-System besonders flexibel sei, um den unterschiedlichsten regulatorischen und kommerziellen
Anforderungen gerecht zu werden. Die ins Auge gefassten Wellenbereiche seien besonders gut geeignet für die regionale Hörfunkversorgung und für den Empfang sowohl im Haus, als auch mobil und portabel.
Als weitere Vorteile beschreibt das Gremium, dass Drm eine hohe Frequenzeffektivität erreiche und sehr gut geeignet sei für einen Simulcast-Betrieb von herkömmlichen analogen Signalen und digitalen Signalen im gleichen
Frequenzband.
Dazu trägt u.a. die Verwendung modernster Audiokompressionsverfahren bei, die gegenüber MUSICAM (der Basistechnologie bei DAB) die Tonsignale um den Faktor
drei bis vier stärker komprimiert.
Schließlich sei man bei Drm nicht auf ein Multiplexverfahren angewiesen. Rundfunkveranstalter können ihr Signal selbst auf den Sender geben und müssen es
nicht mit konkurrierenden Veranstaltern bündeln.
Peter Senger, Vorsitzender des Drm-Leitungsgremiums und Technischer Direktor der
Deutschen Welle zeigte sich gegenüber dem epd zuversichtlich, dass Drm nicht als Konkurrent gegen andere Technologien ins Felde ziehen werde. Der Vorschlag sei
lediglich dazu geeignet, in verschiedenen Regionen der Welt, in denen ganz unterschiedliche Frequenzbänder für lokalen und regionalen Hörfunk genutzt werden,
eine einheitliche technische Basis bereitzustellen. „Ohnehin wird in Zukunft die Industrie digitale preiswerte Signalprozessoren bereitstellen, die nicht nur einen
einzigen technischen Standard beherrschen, sondern alle, von Drm über DAB bis zu DVB“. Die Gerätehersteller werden diese einbauen und somit in den Haushalten die
Grundlage für Radioempfang mit allen verfügbaren Technologien ermöglichen.
Demgegenüber zeigte sich Walter Berner, Technischer Leiter der Stuttgarter
Landesanstalt für Kommunikation (LfK) gegenüber dem epd optimistischer. Die Weiterentwicklung von Drm sei eine „interessante Alternative“. Berner: „Ich wäre nicht
überrascht, wenn den Entwicklern, die schon jetzt bei Drm den avancierten Kompressionsstandard AAC einsetzen, bis zur Fertigstellung des Standards noch etwas Neues einfiele.“
Berner verwies auf die technische Möglichkeit individuell einzelne Frequenzbereiche zu digitalisieren. So könnten beispielsweise im UKW-Band analoge und digitale Signale
koexistieren. „Große Senderketten, wie etwa die der öffentlich-rechtlichen Anstalten hätten es da leichter ein Angebot zu digitalisieren: Für ein Simulcast eines Programms
verzichten sie auf eine analoge Frequenz. Die analoge UKW-Versorgung muss dann von den Nachbarsendern mit übernommen werden.“ Nach seinen Schätzungen seien
in einen herkömmlichen analogen UKW-Kanal mit Drm-Technik 4 digitale Hörfunkangebote unterzubringen.
Mit marktreifen Produkten – so das Drm-Steeringboard - sei frühestens ab 2009 zu rechnen.
-boff-