Anders in den USA und in Japan. In Fernost wurde schon Anfang der 90er Jahre ein regelmäßiger HDTV-Dienst eingerichtet und in den USA wurde 1996 gesetzlich
verankert, dass spätestens ab dem Jahre 2006 alle Fernsehsender ihre Bilder auch in hochauflösendem Format übertragen müssen. Diese Politik begünstigte die Entwicklung von geeigneten Flachbildschirmen, denn klar
war, dass die herkömmliche Bildröhre für HDTV nicht mehr geeignet war: zuviel Glas für immer größere Bildschirme hätten die Fernsehgeräte schnell zu schwer für ein durchschnittliches Wohnzimmer gemacht.
Mit dem Siegeszug der Flachbildschirme, der vor etwa drei Jahren begonnen hat, kommt nun auch wieder in Europa das Thema hochauflösendes Fernsehen auf die Tagesordnung. Die Computerpresse und zunehmend auch die
Fernsehprogrammpresse beschäftigt sich immer öfter mit dem Thema HDTV. Grund genug für die Deutschen TV.Plattform, ein Zusammenschluß aus Geräteindustrie, Forschung und Programmveranstaltern, über dieses Thema zu
diskutieren.
Im vergangenen September verkündete der Pay-Sender Premiere, dass er seinen Kunden ab November 2005 gleich drei Spartenkanäle – Sport, Spielfilm und Dokumentationen – in hochauflösender
Qualität anbieten will.
Doch noch ist nicht ganz geklärt, wie die für den Empfang der Superbilder notwendigen Geräte – Set-Top-Boxen und Großbildschirme - ausgestattet sein sollen und nach welchen
Standards sie funktionieren sollen. Auf der Tagung der Deutschen TV-Plattform, einem Zusammenschluss aus Geräteindustrie, Forschung und Programmveranstaltern wurde deutlich, dass Premiere da die Definitionsmacht hat
und der Geräteindustrie die fortschrittlichsten Technologien vorschreiben wird. Vor dem Mikrofon wollten sich die Premiere-Vertreter allerdings nicht äußern, weil demnächst ein Börsengang ansteht und in dessen
Vorfeld jedes falsche Wort Schadensersatzansprüche begründen könnte.
Dietrich Westerkamp, HDTV-Experte vom Gerätehersteller Thomson sagt, dass es inzwischen schon zahlreiche Flachbildschirme, sogenannte
Displays im Handel gibt, die für das neue Fernseherlebnis tauglich sind. Die Industrie hat für die Verbraucher ein eigenes Logo „HD-ready“ kreiert, damit der Kunde sicher ist, dass er ein geeignetes Gerät bekommen
wird. Trotzdem warnt Westerkamp vor überstürzten Käufen:
Westerkamp:
Ich würde dem Konsumenten raten, noch ein wenig abzuwarten, denn wir sind im Moment in Europa in einer sehr günstigen Situation, denn die Technologie ändert sich gerade (...).
Diese Technologie
wird voraussichtlich auch von „Premiere“ verwendet werden und die Boxen sind dann zukunftssicher auf der einen Seite und rückwärtskompatibel zu dem, was heute digital als Standardsignal über den Satelliten zu
Ihnen nach Hause kommt. Also meine Empfehlung: warten Sie so lange, bis diese Boxen verfügbar sind. Das wird in der zweiten Jahreshälfte diesen Jahres soweit sein.
Haupthindernis für die schnelle Verbreitung von hochauflösendem Fernsehen sind derzeit die Kosten für die Displays: geeignete Flachbildschirme gibt es im Moment nicht für unter 2000 Euro. Und das
sorgt auch für vorsichtige Zurückhaltung bei den anderen Sendeanstalten. Eckhart Matzel, zuständig für technische Grundsatzfragen beim ZDF:
Matzel:
(...) Wir sind davon überzeugt, dass HDTV kommen wird. Wir wissen, die Displays sind bereits in den Läden vorhanden. Sie werden auch zu den Zuschauern kommen, aber es wird alles noch ein bisschen länger dauern. Wir machen ein Programm für fast 80 Mio. Zuschauer in Deutschland und das ist öffentlich-rechtlich finanziert und deswegen müssen wir an alle Zuschauer denken und deswegen wird das bei uns auch noch einen Moment dauern, bis wir letztendlich wirklich HDTV einführen.
Die Jahre zwischen 2008 und 2010 sind für Matzel ein Zeitpunkt, an dem sich das ZDF einen Einstieg ins hochauflösendes Fernsehen vorstellen kann.
Auch Oliver Werner, Chefingenieur des WDR
ist eher skeptisch in Sachen Einführung des hochauflösenden Fernsehens:
Werner:
(...) Im Ausstrahlungsbereich ist es nicht damit getan – nach meinem Dafürhalten – mit einem Einmal-Ereignis, wie ein großes Sportereignis, sondern man muss es nachhaltig einführen, damit es auch von den Konsumenten angenommen werden kann.
Das genau ist das eigentliche Dilemma: während Premiere sein HDTV-Programm in geeignete Sparten zergliedert, können die Vollprogramme – ob ARD, ZDF, RTL oder Sat1 – ihre verschiedenen Genres nicht
immer hochauflösend bebildern. Wer will schon vorfahrende Limousinen am Kanzleramt, Nachmittags-Talk oder Studio-Comedy wirklich in HDTV-Qualität sehen. Es fehlt langfristig an genügend Filmmaterial um die
Vollprogramme mit besten Bildern zu versorgen und so wiederum fehlt der Anreiz für die Zuschauer, sich einen teuren hochauflösenden Bildschirm anzuschaffen. Der Zeitrahmen 2008 bis 2010 dürfte unter diesen
Umständen noch sehr optimistisch sein.
-boff-