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Schleichwerbung in der taz?

Schleichwerbung in der taz?

Das hat etwas vom herb-würzigen Geschmack der Schadenfreude: ausgerechnet das linksalternative Blatt „die tageszeitung“, in dem eine ganzseitige Werbeanzeige der Markenindustrie nur alle Jubeljahre geschaltet wird, soll empfänglich für Schleichwerbung gewesen sein. Das behauptete die „Berliner Zeitung“. Jetzt liegen die beiden Hauptstadtblätter im Clinch.

    Mitte Juni veröffentlichte die „Berliner Zeitung“ ein Interview mit dem Geschäftsführer der Berliner Werbe- und Public-Relations-Agentur Publicis, Wolfgang Hünnekens. Es ging um das Thema Schleichwerbung. Hünnekens bezeichnete in diesem Interview die gesetzlichen Vorschriften gegen Schleichwerbung schlichtweg als „überflüssig“, bevor er dann aus dem Nähkästchen plauderte.

    Er berichtete freimütig, wie die PR-Branche versucht, den Pressekodex gegen Schleichwerbung subtil und geschickt zu unterlaufen und erzählte von einer Wette, die er der taz-Chefredakteurin Bascha Mika angeboten habe, innerhalb von einer Woche einen positiven Artikel über ein Billigflugunternehmen, eines seiner PR-Kunden, zu lancieren. Ein Artikel – so Hünnekens im Interview mit der „Berliner Zeitung“ - sei dann in der Tat innerhalb von wenigen Tagen in der taz erschienen.

    Stutzig macht allerdings, dass die taz, die in derartigen Sachen in der Regel sehr selbstkritisch ist, ihrerseits noch gar kein „Mea culpa“ gerufen hat. Und außerdem: wer mittlerweile im Internet bei der „Berliner-Zeitung“ nach dem Interview mit Wolfgang Hünnekens sucht, der landet im digitalen Nirvana. Hintergrund: taz und „Berliner Zeitung“ streiten sich seit Wochen vor Gericht und die „Berliner Zeitung“ darf den Artikel von Gerichts wegen nicht mehr weiterverbreiten.

    Die taz verlangt darüber hinaus eine Gegendarstellung, doch das Verfahren liegt derzeit in Berufung. Solange ist auch im eigenen Blatt nichts über den Fall zu lesen. Peter Scheibe, Justiziar der taz:

      Scheibe: Inhaltlich ging’s ja darum, um den Vorwurf, dass Herr Hünnekens von der Agentur Publicis behauptet, er könne – kurz zusammengefasst – PR-Meldungen in die taz lancieren. Das können wir so nicht stehen lassen, nicht etwa weil es stimmt, sondern weil es gerade nicht stimmt, zumal in dem Artikel, in dem es allgemein um Schleichwerbung ging, die taz als einziges Beispiel aus dem Printmedienbereich aufgeführt wurde. Was wir uns auch so schon mal nicht erklären können. So naheliegend ist das sowieso schon mal nicht.

    Ralph Kotsch Ressortleiter Medien der „Berliner Zeitung“ verteidigt das Interview mit Wolfgang Hünnekens

      Kotsch: Er hat es uns erzählt. Wir haben es übernommen als seine Aussage. Es stand „Hünnekens“ dabei. Die taz behauptet, es sei nicht so gewesen. Wir haben Herrn Hünnekens auch gefragt, ob er uns das Beispiel zeigen könne. Er hat es uns gezeigt. Und da muss man nun sagen: Ja, es kann so gewesen sein.

    Das wiederum will Peter Scheibe nicht auf seinem Blatt sitzen lassen. Und so geraten auch die Presseagenturen in ein leichtes Zwielicht:

      Scheibe: Die „Berliner-Zeitung“ hat nun verschiedene PR-Meldungen von Hünnekens beigebracht. Allerdings gab es nun auch immer Meldungen von dpa und von adn/ddp dazu. Und auf die hat sich die taz-Berichterstattung gestützt. Und im Übrigen war die taz-Berichterstattung zu Easyjet auch keineswegs positiv.

      Aber die Frage ist ja auch: wie sieht eine PR-Meldung aus: wenn ein Redakteur hier am Nachrichtenticker sitzt und es steht ddp/adn oder dpa drüber und er verwendet die, dann läuft das über Agentur, also die Meldung einer Nachrichtenagentur, nicht als PR-Meldung gekennzeichnet.

    Der juristische Streit ist für Ralph Kotsch allerdings ziemlich nebensächlich:

      Kotsch: Es ist ja das Interessante an dem Hünnekens-Interview gewesen – taz hin oder her - Aber was er gesagt hat, ist ja, dass die Werbebranche sich raffiniertere Methoden einfallen lassen muss, um es den Journalisten und den Tageszeitungen schmackhaft zu machen, also, dass wir es gar nicht merken, wo da der PR-Gedanke dahinter ist. Dass sie uns vielleicht auch mal negative PR verkaufen. Und das hat er eigentlich ziemlich offen und ziemlich eindeutig gesagt.

      Und insofern  - glaube ich - ist eigentlich überhaupt keine Zeitung davor gefeit vor diesem Angriff der PR-Branche, die ja mitbekommen hat, dass die klassische Werbung nicht mehr allzugut funktioniert und deswegen nach neuen Werbeformen sucht.

      Und diesen Absichten sind wir wir als Printmedium natürlich auch ausgesetzt und wo genau der Angriff erfolgt, das muss man dann sehen. Und ob man ihn als solchen erkennt.

    Und wen das Interview interessiert, wird im Internet immer noch fündig. Das ganze Werk ist anderweitig vorläufig noch zugänglich. Wer googelt, der findet.

 

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