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Grundverschluesselung

Grundverschlüsselung für private Fernsehprogramme”

Wenn es nach dem Willen verschiedener Fernsehveranstalter aber auch der Kabelnetzbetreiber geht, dann ist die Zeit des „Fernsehens ohne Grenzen“ - so einmal ein gutgemeinter Titel einer EU-Richtlinie - bald vorbei. Im Digitalen soll das TV-Bild „grundverschlüsselt“ werden, also nicht mehr ganz so frei empfangbar sein.

      Hintergrund: Die privaten Fernsehveranstalter wollen ihre Programme nicht mehr in den europäischen Nachbarländern empfangbar wissen, denn deutsches Fernsehen von den Kanaren bis Helsinki das heißt auch höhere Rechtekosten, die beispielsweise die Hollywood-Studios den Sendern in Rechnung stellen.

      Nach diesem Prinzip verfährt das österreichische Fernsehen schon seit einigen Jahren. ORF-Fernsehen über Satellit bekommen nur Einwohner Österreichs. Die können nur in Österreich eine Smartcard erwerben, die in den Leseschlitz einer Set-Top-Box geschoben das verschlüsselte Bild sichtbar macht.

      Auch die deutschen Privatsender denken schon seit geraumer Zeit an eine Grundverschlüsselung ihrer digitalen TV-Signale auf allen Verbreitungswegen. Einerseits wegen der Rechteproblematik, andererseits, weil die Kabelnetzbetreiber das von ihnen verlangen. Ralf Heublein, Geschäftsführer des Deutschen Kabelverbandes, dem Zusammenschluss der größten deutschen Kabelnetzbetreiber:

        Heublein: Der Weg, im Kabel über die Grundverschlüsselung sicherzustellen, dass die Kunden sich alle eine adressierbare Set-Top-Box (...) kaufen müssen, ist aus unserer Sicht der zukunftssicherere Weg, weil damit von Anfang an sichergestellt ist, dass jeder Kunde im Kabel, der ein digitales Endgerät sich holt, auch ein adressierbares Endgerät erwirbt, um eben alle Programme sehen zu können. Das ist ein Vorteil gegenüber dem Satelliten. Beim Satelliten sind die meisten Receiver, die in den Haushalten stehen nicht adressierbar und wenn dort ein Kunde sich ein verschlüsseltes Angebot holen möchte, dann muß er erneut in den Laden gehen und sich einen adressierbaren Receiver kaufen.

      Für die Kabelnetzbetreiber ist die Grundverschlüsselung und die Set-Top-Box mit Kartenschlitz vor allem das Einstiegstor in sehr viel weitergehende Geschäfte. Dort verspricht man sich individuelle Abrechnungsmöglichkeiten für Zusatzdienste, sei es für den Einzelabruf von Filmangeboten - Pay-per-View - den Kauf beim Homeshopping-Sender oder interaktive Pferdewetten. Die Kabelnetzbetreiber wollen ihren Zugang zum Kunden und ihr Wissen um den Kunden zur lukrativen Vermarktung nutzen. Nur: die privaten Fernsehveranstalter möchten das Geschäft lieber selbst machen. Eine alte Streitfrage zwischen den beiden Wirtschaftszweigen, die bislang verhindert hat, dass es in den Kabelnetzen überhaupt so richtig losgeht mit dem digitalen Fernsehen.

      Inzwischen haben die Privatsender auch schon eine eigene Vorstellung, wer für sie die Geschäftsabwicklung machen soll: die deutsche Zweigstelle des luxemburgischen Satellitenbetreibers Astra. Seit Wochen sind RTL und die Pro7Sat1-Gruppe in Verhandlungen mit der neugegründeten Tochter Astra Platform Services über ein entsprechendes Vermarktungsmodell. Diese Woche sickerten Informationen durch, nach denen in Zukunft der Empfang der privaten Fernsehstationen bis zu 3 Euro pro Monat kosten soll - nicht pro Haushalt, sondern pro Set-Top-Box.

      Pro7Sat1-Chef Guillaume de Posch reagierte auf einen entsprechenden Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit einem eisenharten Dementi. Man habe entsprechende Pläne schon Anfang des Jahres wieder zu den Akten gelegt.

      Glaubwürdig ist das nicht unbedingt. Nachfragen bei verschiedenen Sendern bestätigen die Verhandlungen mit Astra und anhaltende Diskussionen untereinander. Am Montag kommender Woche wird die Grundverschlüsselung auch auf einer Sitzung des Privatfunkverbandes VPRT behandelt.

      Doch das Thema gilt als extrem heißes Eisen. Öffentlich wollte sich in den vergangenen Tagen niemand vor dem Mikrofon dazu äußern. Die Angst vor der Öffentlichkeit - so vermuten Beobachter - hat mit den kartell- und medienrechtlichen Bedenken anläßlich des Kaufs der Pro7Sat1-Gruppe durch den Springer-Konzern zu tun.

      Auf der Strecke könnte der Verbraucher bleiben. Michael Bobrowski, Referent für Unterhaltungselektronik beim Bundesverband der Verbraucherzentralen:

        Bobrowski: Hier wird versucht, so eine Art elektronisches Mauthäuschen aufzustellen, an dem der Kunde nicht vorbeikommt, an dem der Kunde (...) seinen Obolus abgeben muss. Bevor er das tut, bzw. tun kann muß er (...) erst einmal eine Set-Top-Box kaufen, eine besondere, die teurer ist als eine sogenannte Zapping-Box. Er braucht eine Box mit Schlitz, in dem die Freischaltkarte eingeführt werden muss,

        ...wobei noch hinzukommt, dass offensichtlich jeder Programmanbieter und jeder Kabelnetzbetreiber seine eigene Freischaltkarte nutzen will, sodass ich dann ständig hin und her springen muss, wenn ich das Programm wechsele.

      Eines allerdings ist vorläufig sicher: für die Programme von ARD und ZDF braucht man in Zukunft auch weiterhin keine Smartcard. Sie werden nicht verschlüsselt, weder im Kabel noch via Satellit. Das garantiert den Zuschauern der gesetzliche Versorgungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter.

      -boff-

 

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