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DVB-T-Symposium 28. 11. 02

Berlin - ein Monat nach Start des digitalen Fernsehens

Kongress des Bundeswirtschaftsministeriums zu DVB-T

Es war nicht “Erichs Lampenladen” - das ist der Palast der Republik, momentan bis zum Skelett entkernt an der Ostseite des Platzes - aber mit Honecker hatte es schon was zu tun, wo sich am Donnerstag dieser Woche über 300 Experten zu einem Symposium des Bundeswirtschaftsministeriums trafen. Es war das Staatsratsgebäude, dort wo einst Erich Honecker regierte und vor nicht allzulanger Zeit auch Gerhard Schröder übergangsweise, bis sein neues Kanzleramt fertig war. Noch der alte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hatte aus Anlaß des Starts in Berlin eingeladen zu einer Tagung „Digitales terrestrisches Fernsehen - der Umstieg beginnt“. Und der neue Bundeswirtschaftsminsiter Wolfgang Clement ließ es sich nicht nehmen, in seinem Spezialgebiet Medienpolitik eine Auftaktrede zu halten. Doch wer da vielleicht etwas Programmatisches erwartet hatte, sah sich getäuscht.

    Sprecher:   In einer ziemlich hausbackenen Rede lobte der Minister all diejenigen, die sich in den vergangenen Jahren für die Entwicklung und Einführung des digitalen Fernsehens stark gemacht haben, und insbesondere die Mitarbeiter der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, die dafür gesorgt haben, dass nun seit einem Monat in Berlin das digitale Fernsehen auch über Hausantennen zu empfangen ist.

      Clement:  „Weltweit sollen bereits etwa 124 Millionen digitale Fernsehempfangsgeräte verkauft worden sein. Deutschland darf natürlich dabei nicht abseits stehen. Wir würden uns nicht nur die Möglichkeit verschließen, neue Dienste und Produkte anzubieten und damit zu Wachstum und Beschäftigung beizutragen.“

    Sprecher:  Noch immer erhofft sich der Bundeswirtschaftsminister vom digitalen Fernsehen zusätzliche Rundfunkprogramme sowie Medien- und Teledienste wie Video-on-Demand, Telebanking und Teleshopping. Aber das als Beschäftigungsmotor?

    In Berlin sieht es nicht danach aus. Offiziell sind derzeit acht Fernsehprogramme, vier private und vier öffentlich-rechtliche auf Sendung. Inoffiziell sind es 23 - von West 3 bis zu mtv - die meisten derzeit im reinen Probebetrieb. Erst zum 1. März werden weitere private Programme ihre analoge Verbreitung einstellen und die Kanäle für die digitale Verbreitung frei machen. Aber außer dass Premiere sein Interesse bekundet hat, eine Fernsehfrequenz für vier eigens zusammengestellte Programmangebote zu nutzen, ist derzeit nichts Neues in Sicht.

    Die Hersteller von Set-Top-Boxen - immerhin 14 waren auf einer kleinen Begleitausstellung mit Ständen vertreten - zeigen sich mehr als zufrieden mit dem Verlauf der ersten vier Wochen in Berlin. Sie kommen nicht mehr nach, die Nachfrage zu befriedigen. Die Läden sind oft genug leer. Ein Hersteller soll schon mit laufenden Vorbestellungen an die 50 000 Geräte abgesetzt haben.

    Doch was bringt das digitale terrestrische Fernsehen dem Zuschauer? Dieter Hoff, Technischer Direktor des Westdeutschen Rundfunks:

      Hoff:  „Der Zuschauer kann  wenn er sich mit 20-30 Fernsehprogrammen begnügt, zukünftig digital über die Luft in guter Qualität diese Programme empfangen.“

      Frage:  „Und wann startet das in Nordrhein-Westfalen?“

      Hoff:  „In Nordrhein-Westfalen werden wir uns mit einem Paket von erst mal 16 Programmen begnügen müssen. Da sind dann aber alle massenattraktiven Programme drin, auch die öffentlich-rechtlichen  Und wir werden Anfang 2004 im Großraum Köln/Bonn beginnen und dann im Laufe des Jahres 2004 auch in Richtung Düsseldorf und Ruhrgebiet gehen.“

      „Wir setzen im Moment noch nicht auf diesen mobilen Empfang, auch weil es diese Empfangsgeräte noch nicht gibt. Wohl aber ist es ein Mehrwert, dass man auch mit portablen Geräten also überall im Haushalt oder auch außerhalb auch Fernsehen empfangen kann.  Die Unabhängigkeit vom Kabel- oder Satellitenanschluss hat etwas. Auf der anderen Seite kann man natürlich über Kabel und Satellit weit mehr Fernsehprogramme empfangen.“

    Sprecher:  Das ZDF hat sich für das terrestrische digitale Fernsehen eine besondere Strategie ausgedacht. Albrecht Ziemer, Technischer Direktor des ZDF:

      Ziemer:  „Die Kommunikationswelt unserer Gesellschaft ist mobil geworden. Fast jeder Mann, jede Frau haben ihr Handy. Es wird eine mobile Kommunikation zum Büro aufgebaut mit diesen Personal Digital Assistants. Und wenn Sie sich diese Welt angucken, dann gehört die heute wie selbstverständlich zu unserem Alltag dazu.  Und da sagen wir uns natürlich vom ZDF: wenn es immer mehr Endgeräte gibt, die auch einen guten Bildschirm haben, warum sollen auf diesen Bildschirm nicht auch Informationen kommen, die außerhalb des  Sessels und des Sofas interessieren. Und das sind sehr wohl  Fernsehangebote, die man umschreiben kann mit Nachrichten, mit Börseninformationen, mit Wetterinformationen oder auch Videoclips. “

    Sprecher:  Ob es wirklich Bedarf dafür gibt, steht in den Sternen. Schließlich stehen schon seit Jahren die Watchmen von Casio und Co in den Läden. Die sind zwar noch analog, aber wer hat schon mal einen Zeitgenossen mit solch einem Gerät im Bus oder am Straßenrand angetroffen?

 

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